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«Der Tiefbahnhof-Küng hat wieder angerufen»
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Mag lieber die Willisauer Ringli als Luzerner Lebkuchen: Robert Küng vor dem Schloss in seiner Wohngemeinde. (Bild: jal )

50 Fragen an ... Robert Küng «Der Tiefbahnhof-Küng hat wieder angerufen»

13 min Lesezeit 16.06.2019, 17:05 Uhr

Der Luzerner Baudirektor Robert Küng hat in seiner achtjährigen Amtszeit selten viel Staub aufgewirbelt. Denn: «Ein Regierungsrat muss nicht bellen.» Im 50-Fragen-Interview sagt der 63-Jährige, wann er emotional wird, warum das Luzerner Theater einen Neubau braucht und wieso er bald wieder mehr hinter der Bar stehen wird.

Ende Juni nimmt der Luzerner Regierungsrat Robert Küng (FDP) nach acht Jahren im Amt den Hut. Der 63-Jährige empfängt zentralplus in seiner Heimat Willisau. Im Freizeitzentrum Schlossfeld auf dem Hügel, wo der Blick an diesem sonnigen Tag über das «Städtli» bis weit ins Hinterland schweift.

Und wo der passionierte Tennisspieler Robert Küng vor seiner politischen Karriere oft in der Halle anzutreffen war. Ein passender Ort für den verbalen Schlagabtausch also, unser 50-Fragen-Interview.

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1. Robert Küng, was wird Ihnen von Ihrer Zeit im Regierungsrat am meisten in Erinnerung bleiben?

Bei mir in Erinnerung bleiben drei Punkte: Erstens, was ich persönlich mitnehmen kann, die mit Emotionen verbundenen Einblicke in die breite Gesellschaft und spannende Projekte. Zweitens die sichtbaren und bleibenden Resultate, wie zum Beispiel den Seetalplatz. Und drittens die Generationenprojekte wie etwa der Durchgangsbahnhof. Das wird auch der Bevölkerung von meiner Arbeit bleiben.

2. Sie gelten als stiller, solider Schaffer, als eher unscheinbarer Regierungsrat ohne Ecken und Kanten. Nehmen Sie das als Kompliment oder wurmt es Sie?

Das stört mich keineswegs. Ein Regierungsrat muss nicht bellen. Er hat die Aufgabe, umzusetzen, was das Parlament bestimmt. Der unaufgeregte Schaffer in der Exekutive ist die Rolle, in der ich mich die letzten acht Jahre wohlgefühlt habe.

3. Was wollen Sie unbedingt noch abschliessen in den letzten Wochen?

Mit dem Ja des Bundesparlaments zur Planung des Durchgangsbahnhofs ist Anfang Juni ein wichtiger Schritt getan worden. Jetzt folgt noch die Klimasession im Kantonsrat, die mir sehr am Herzen liegt. Das ist wie als Sahnehäubchen noch obendrauf gekommen.

4. FDP und Klima, das galt zuletzt nicht gerade als Traumpaar. Besteht Handlungsbedarf?

Eine der grösseren Enttäuschungen gerade in diesem Zusammenhang war, dass wir vor rund einem Jahr einen Umweltbericht herausgegeben haben mit allen relevanten Umweltthemen und Zielsetzungen für 2030: Das hat niemanden interessiert. Nun, da Schülerinnen und Schüler auf die Strasse gehen, ist Klima in aller Munde – und viele klagen, die Regierung habe nichts getan.

«Man hat heute schneller eine Position, sitzt im Graben und kommt nicht mehr heraus.»

5. Dann gibt es also auch Momente, in denen Robert Küng Emotionen zeigt und ausbricht?

(lacht). Ja, die gibt es. Aber es nützt nichts.

6. Wer noch im Amt ist, aber nicht mehr zur Wiederwahl antritt, gilt als Lame Duck – jetzt, da Sie in dieser Phase sind: Hat diese Theorie etwas Wahres?

Nein, überhaupt nicht. Ich hatte noch nie eine so volle Agenda wie jetzt. Man ist bis zum letzten Tag gefordert.

Zur Person

Robert Küng ist seit 2011 Luzerner Regierungsrat. Der FDP-Politiker steht dem Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement vor. Davor sass er vier Jahre lang im Kantonsrat und war zwischen 2000 und 2011 Stadtpräsident von Willisau.

Vor dem Einstieg in die Politik führte der gebürtige Wolhuser eine eigene Firma, die Küng Haustechnik AG, die er 2010 verkaufte. Der 63-Jährige ist Vater zweier erwachsener Töchter. Seine Hobbys sind Jassen, Velofahren und Tennisspielen.

7. Welchen Fehler würden Sie im Nachhinein gerne korrigieren?

(nachdenklich) Dass man als Regierungsrat ab und zu die Zeit nutzen sollte, um noch besser alle Schäfchen in ein Projekt einzubinden. So ungeduldig ich eben bin, machte ich teilweise den Fehler, vorzupreschen. Beispielsweise bei Strassenbauprojekten, wo wir mit mehr Informationen ein besseres Verständnis und damit weniger Einsprachen hätten erreichen können. Aber Fehler macht grundsätzlich jeder und man ist bei jedem Geschäft im Nachhinein schlauer.

8. Jazz Festival Willisau oder Lucerne Festival?

Jazz Festival Willisau.

9. Was stimmt Sie nachdenklich?

Dass heute Eigeninteressen eine viel grössere Rolle spielen als zur der Zeit, als ich in die Politik eingestiegen bin. Viele sind unflexibler worden, sei es bei Parteien, sei es bei Verbänden. Man hat schneller eine Position, sitzt im Graben und kommt nicht mehr heraus.

10. Worüber können Sie lachen?

Über feine Komik – das kann auch mich und meine Arbeit betreffen. Entsprechende Bemerkungen verleiten mich eher zu einem Schmunzeln als dass sie mich aufregen.

11. Ihr schwierigster Moment?

Eine der schwierigsten Situationen war der Auftritt an einer Informationsveranstaltung nach dem Hochwasserereignis in Dierikon mit Todesfall. Wie konnte das passieren, wie geht es weiter? Als Verantwortlicher musste ich den Menschen Red und Antwort stehen.

12. An welchem Anlass hat der Regierungsrat am meisten über die Stränge geschlagen?

(zögert) Als Regierungsrat ist man in einer Rolle, in der es diesbezüglich nichts leiden mag. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich die Grenze überschritten hätte. Das hat vielleicht mit dem langweiligen, unaufgeregten Küng zu tun.

«Ich bin nicht von den Bürgern gewählt worden, um dauernd mitzuteilen, wo ich mich in der Freizeit aufhalte.»

13. Sie sind Mitglied der Karnöffelzunft Willisau: Sind Sie der grösste Fasnächtler im Regierungsrat?

Ja, gemeinsam mit Paul Winiker. Ich nutze natürlich das Fasnachtselement bei der Zunft als Ausgleich. Wenn wir zum Beispiel an ein Narrentreffen nach Deutschland gehen, kann ich ein anderer sein als in der Regierung.

14. Ich habe mich umgehört. Paul Winiker hat den Übernamen Apéro-Päuli, Marcel Schwerzmann wird auch Sparvogt genannt: Ihr Spitzname?

Wenn Sie sich umgehört haben, müssten Sie ihn kennen (lacht). Nein, ich habe keinen. Wobei einer in Bundesbern kürzlich nach einem Telefonat gesagt haben soll: Der Tiefbahnhof-Küng hat wieder angerufen.

Der Luzerner Regierungsrat bis 2019 (v.l.): Robert Küng, Marcel Schwerzmann, Reto Wyss, Guido Graf und Paul Winiker.

Reines Männergremium: Der aktuelle Luzerner Regierungsrat mit Robert Küng, Marcel Schwerzmann, Reto Wyss, Guido Graf und Paul Winiker (von links nach rechts).

(Bild: zvg)

15. Wieso sind Sie eigentlich nicht auf Twitter und Facebook?

Ich brauche das nicht für meine Arbeit und möchte meine Zeit anders einsetzen und mich nicht ablenken lassen. Ich bin nicht von den Bürgern gewählt worden, um dauernd mitzuteilen, was mich bewegt und wo ich mich in der Freizeit aufhalte.

16. Was sagen Sie zur Geheimniskrämerei um die Departementsrochade?

Man hat offensichtlich vergessen, dass die Bürgerinnen und Bürger einen Regierungsrat wählen und nicht einen Departementsvorsteher. Ich verstehe, dass man mit dem Schlagwort Kontinuität – wie es von einem Komitee prominent benutzt wurde – nicht nur die Zusammensetzung, sondern auch die Departemente meint. Diesem Aspekt hätte man mehr Beachtung schenken müssen. Doch der Regierungsrat hat die Kompetenz, sich selber zu organisieren. Beim Bundesrat gibt die Verteilung schliesslich auch nicht zu reden – selbst wenn drei Mitglieder mit ihrem Departement unzufrieden sind.

17. Hat die Regierung mit Ihrem Vorgehen Schwerzmann nebst dem Departement auch das Vertrauen entzogen?

(zögert). Nein, das sehe ich nicht so. Ich war selber nicht an der Sitzung dabei, das Gremium hat entschieden, nicht über die Gründe zu kommunizieren – also kenne ich sie auch nicht.

18. Hat die CVP schon vor vier Jahren versucht, Schwerzmann das Finanzdepartement zu entreissen – und Sie haben zu ihm gehalten?

Ich kann mich nicht erinnern, dass dies ein Thema war. Es war auch eine völlig andere Situation. Reto Wyss und ich waren erst vier Jahre im Amt, Paul Winiker neu im Gremium. Die Ausgangslage war also komplett verschieden.

19. Hätten Sie nicht lieber einer Frau im Regierungsrat Platz gemacht?

Das haben die Bürgerinnen und Bürger bestimmt und nicht ich.

20. Ihre ersten vier Jahre im Regierungsrat war mit Yvonne Schärli auch eine Frau im Gremium, danach waren Sie vier Jahre in einer reinen Männerregierung. Was hat sich verändert?

Der Output der Regierung war wahrscheinlich derselbe. Aber die Gesamtwirkung hat sich mit Sicherheit verändert. Und die Gesprächskultur ist eine andere: Diskussionen mit einer Frau laufen anders als in reinen Männergremien.

21. Wenn Sie dieses Blatt in der Hand hätten: Was würden Sie Rückhand ansagen?

Schellen.

22. Sie sind also auf Sicherheit bedacht. Untenufen wäre die mutigere Variante.

(lacht) Aber nicht mit nur einem Sechsi.

23. Sie haben einen Jassclub, wobei angeblich jeweils die Frauen das Abendessen kochen. Ist das noch zeitgemäss?

Seit über 35 Jahren jasse ich einmal monatlich mit Schulkollegen aus Wolhusen, abwechslungsweise privat und im Restaurant. Wir freuen uns über die Kochkünste unserer Frauen – als Dankeschön machen wir jedes Jahr gemeinsam mit ihnen eine Reise.

24. Was liegt derzeit auf Ihrem Nachttisch?

Ein Buch mit 30 Kurzgeschichten, das ich allerdings schon länger nicht mehr in der Hand hielt. In den letzten Ferien mit den Grosskindern hatte ich es mit dabei: Denn die Chance ist bei Kurzgeschichten grösser, eine Geschichte fertiglesen zu können, bevor man gestört wird. Im Bett hingegen lese ich kaum.

25. Was waren die mühsamsten Pflichtanlässe als Regierungsrat?

Es gibt viele spannende Anlässe, aber nach acht Jahren wiederholt sich das Prozedere teilweise. Je nachdem, wie der Kalender sonst aussieht – privat und beruflich – kann ein Anlass einem etwas in die Quere kommen. Ich muss Sie aber enttäuschen, ich kann kein konkretes Beispiel nennen.

26. Sie haben bei der Ankündigung Ihres Rücktritts gesagt, Sie würden sich auf das Reisen freuen. Wohin geht es als erstes?

Meine Frau und ich planen, im Wohnmobil über Tschechien, die Slowakei und Polen Richtung Ostsee zu reisen. Das ist eine Ecke von Europa, die ich noch nicht gut kenne.

27. Sie sind derzeit Regierungspräsident. Das Präsidialjahr stellten Sie unter das Motto: Lebensqualität. Was ist das für Sie persönlich?

Was ich jetzt hoffe, bald wieder vermehrt zu haben: Einen guten Ausgleich zwischen Beschäftigung, Freizeit und Familie.

28. Apropos Lebensqualität: Zwangsferien, Prämienverbilligungen – viele Luzerner litten in den letzten Jahren unter den Sparmassnahmen. Haben Sie das als Regierungspräsident zu spüren bekommen?

Man ist immer mit diesen Themen konfrontiert und reflektiert deshalb die Entscheide. Heute ist sich wohl jeder bewusst, dass die zwei genannten keine goldenen Massnahmen waren.

30. Kurz bevor Sie Regierungsrat wurden, senkte Luzern die Firmensteuern. Die Finanzen waren das dominierende Thema Ihrer ganzen Amtszeit. Hat das nicht genervt?

Ja, das hat genagt. Ich habe im Juli 2011 angefangen und bereits im Herbst hatten wir kein Budget. Wir sind also voll in diese Mühle reingekommen. Das ist auch der Grund, wieso ich zum Abschluss das Motto Lebensqualität gewählt habe: Um vom Fokus der Finanzen wegzukommen und zu reflektieren, wie gut es uns geht.

31. Sie haben sich stark für den Durchgangsbahnhof eingesetzt. Wie alt werden Sie sein, wenn er eröffnet wird?

Wir rechnen mit der Eröffnung im Jahr 2040. Dann werde ich 84-jährig sein – so Gott will. Es wäre natürlich super, wenn ich das noch erleben dürfte.

32. Werden Sie auch die Eröffnung der Spange Nord noch erleben oder ist das Projekt ohnehin bereits politisch tot?

Nein, politisch ist es nicht tot. Es ist einer Gegenwehr von Direktbetroffenen ausgesetzt, die gut mobilisieren, bevor die Fakten fertig auf dem Tisch liegen. Die Hoffnung ist, dass wir eine konstruktive, faktenbasierte Diskussion führen können, wenn die Auslegeordnung im Herbst vorliegt und diese Debatte in einen politischen Entscheid mündet.

33. Tipps für Ihren Nachfolger Fabian Peter?

Bei der Spange Nord kann er eher im Führungs- als im Sachbereich noch das eine oder andere verbessern. Dabei geht es um Softfaktoren im Umgang mit Mitarbeitern, Betroffenen und Prozessen. Ansonsten möchte ich ihm das Vertrauen mitgeben, dass er in der Verwaltung auf einsatzfreudige Mitarbeiter treffen wird. Darauf zählen zu können, gibt einem als Regierungsrat Kraft.

Stadtrat Adrian Borgula (links) und Regierungsrat Robert Küng sind sich nicht überall einig.

Stadtrat Adrian Borgula (links) und Regierungsrat Robert Küng sind sich nicht überall einig.

(Bild: giw)

34. Auf diesem Foto, das 2018 bei einem Streitgespräch entstanden ist, sehen Sie und Stadtrat Adrian Borgula nicht gerade glücklich aus. Die progressive, urbane Stadt und der Kanton mit seinen überholten Verkehrsrezepten – was an diesem Klischee stimmt?

(lacht laut auf, wird dann wieder ernst). Das ist die jeweilige Rolle, die wir haben und mit der wir beide gut umgehen können. Adrian Borgula vertritt eine Bevölkerung, die unter der Verkehrsbelastung leidet. Wir sind mit der Zielsetzung unterwegs, das Hauptzentrum erreichbar zu machen und die Mobilität zu garantieren, auf die Bevölkerung und Wirtschaft angewiesen sind.  

Die Zusammenarbeit ist mit der klaren Haltung der Stadt zur Spange sicher härter geworden  – und das wird wohl so bleiben. Persönlich habe ich jedoch Mühe, wenn man eine enge Zusammenarbeit erwartet, aber die Türe von Anfang an schliesst.

35. Von aussen gesehen fehlt ja sogar die gemeinsame Basis: Die Stadt zweifelt die Zahlen des Kantons an. Haben Sie noch Hoffnung, dass diese Türe wieder aufgeht?

Ja, ich habe Hoffnung. Denn es wird für das gesamte Gebiet schlimmer werden, wenn wir den heutigen Zustand belassen, obwohl wir wissen, dass der Verkehr zunehmen wird. Wir brauchen Platz für neue Busspuren, für Velos, E-Bikes, Autos Fussgänger, kurz: Wir brauchen Verkehrsflächen.

36. Sie haben in Ihrer Zeit als Stadtpräsident die Gemeinden Willisau-Stadt und -Land fusioniert. Sie wissen also, wie man Gräben zuschüttet. Hat das für Ihre Arbeit als Regierungsrat geholfen?

Es hat mir geholfen, Regierungsrat zu werden. Die Fusion war wie eine Meisterprüfung für mich. Trotz einem Lager aus Gegnern konnten wir sagen: Das machen wir jetzt, weil es dem Gesamtwohl dient. Meine Hoffnung ist, dass Solches auch in Zukunft noch möglich ist.

«Jetzt heisst es sicher wieder, der Küng ist ein Humorloser.»

37. Neubau oder Erweiterung des Luzerner Theaters?

Neubau, und zwar aus konzeptionellen und energetischen Gründen. Eine Sanierung gibt immer einen Knorz.

38. Willisauer Ringli oder Luzerner Lebkuchen?

Es ist beides gut, aber Willisauer Ringli liegen mir näher.

39. Als langjähriger Willisauer Stadtpräsident können Sie uns das Geheimnis verraten: Wie isst man dieses Ding, ohne sich die Zähne auszubeissen?

Man legt es in eine Hand, zerbricht es mit dem Ellbogen des anderen Arms in vier Teile. Und lässt es langsam im Mund zergehen – nie draufbeissen!

40. Erzählen Sie uns einen Witz?

Ich kann herzhaft über Witze lachen, aber ich bin ein schlechter Witzeerzähler. Jetzt heisst es sicher wieder, der Küng ist ein Humorloser (lacht).

41. Wie gut können Sie mit Kritik umgehen?

Sehr gut, solange sie konstruktiv und sachlich ist und Hand und Fuss hat.

42. Als Regierungsrat steht man im Rampenlicht und wird von den Medien kritisch begleitet. Nun kehren wir mal den Spiess um: Was haben Sie an den Journalisten zu kritisieren?

Mein Motto ist: Es gibt nichts Älteres als die Zeitung von gestern. Ich nehme es also nicht tragisch, wenn etwas berichtet wird, womit ich nicht einverstanden bin. Wofür ich Unverständnis aufbringe, sind schlecht vorbereitete Journalisten, denen man Grundlegendes zum Thema erklären muss. Es gab mal einen, der stellte Fragen zum Durchgangsbahnhof, wusste aber nicht einmal, dass wir dazu bereits erfolgreich eine Volksabstimmung durchgeführt haben.

43. Bereiten Ihnen der bevorstehende Ruhestand und neue Freiheit auch Angst?

Nein, ich freue mich und habe überhaupt keine Angst. Aber da müsste man meine Frau fragen, ob sie Angst hat.

44. Wieso?

Wenn einer, der normalerweise um 6.30 Uhr das Haus verlässt und erst gegen 21 Uhr zurückkehrt, plötzlich den ganzen Tag zuhause ist, verändert dies das Leben der Frau wohl stärker als das eigene.

Noch-Regierungsrat Robert Küng (links) gehörte zu den ersten Gratulanten von Fabian Peter.

Noch-Regierungsrat Robert Küng (links) mit seinem Nachfolger Fabian Peter.

(Bild: jal)

45. Was wollten Sie als Kind werden?

Pilot oder Raumfahrer: Die Fliegerei hat mich immer fasziniert. Aber diese Fantasie ist relativ schnell verflogen, weil ich so aufgewachsen bin, dass ich bald jeden Samstag in der Bude meines Vaters an der Bohrmaschine stand und in diesen Beruf reingezogen wurde.

46. Welche Dinge aus Ihrem Büro nehmen Sie mit nach Hause?

Die Geschenke der Chinesen, Handwerk wie Stickereien, Vasen, ein Teeset. Die habe ich von Delegationen aus der Provinz Jiangsu erhalten, mit der Luzern eine Zusammenarbeitsvereinbarung hat. Das geht übrigens darauf zurück, dass Schindler 1986 als erster Europäer dort eine Fabrik für den chinesischen Markt aufgebaut hat. Ansonsten nehme ich nur eine Glasstele als Erinnerung ans Präsidialjahr 2014 mit und natürlich meine Wappenscheibe von Willisau.

47. Was werden Sie sicher nicht vermissen?

Das Fremdgesteuerte. Es stehen ständig Verpflichtungen an, die man nicht beeinflussen kann, aber nach denen man sein Leben ausrichten muss. Ich freue mich auf die Zeit, in der niemand mehr versucht, mir noch einen Termin in den Kalender zu drücken oder mir meine Mittagspause zu verkürzen.

48. Wie wird Ihr letzter Tag als Regierungsrat aussehen?

Am 30. Juni findet die Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach statt. Wir empfangen bereits am Samstag die Glarner Regierung, der wir die Region Sursee zeigen. Am Sonntag geht es zur Schlachtfeier, wo ich einen kurzen Auftritt am ökumenischen Gottesdienst habe. Die Festrede wird Bundesrat Cassis halten. Nach dem gemeinsamen Essen werde ich mich verabschieden und mit meinem engsten politischen Umfeld den Tag ausklingen lassen. Sie sehen, der Tag ist durchgetaktet.

49. Und der 1. Juli?

Da werde ich durchatmen. Und abends, das ist auch Tradition, findet in Meggen ein Nachtessen statt, um den neuen Regierungsrat willkommen zu heissen und den abtretenden zu verabschieden.

50. Vor Ihrem Amt als Regierungsrat standen Sie in Willisau regelmässig hinter der Manhattan-Bar, die vom «Arschloch-Club Willisau» geführt wird. Kommts nun zum Comeback von Barmann Robert Küng?

Ich habe meine Kollegen während meiner Amtszeit nur minimal unterstützt (lacht). Auch das ist übrigens ein wichtiger Punkt: Es geht bei den Hobbys nicht nur um den Ausgleich, sondern auch darum, die sozialen Kontakte zu halten, sodass man nicht ohne Umfeld dasteht, wenn das Amt vorüber ist. Aber zurück zur Frage: Ja, ich werde wieder ab und zu hinter der Bar anzutreffen sein.

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