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Der Theater-Neubau erhält ein Gesicht
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Rosie Bitterli übernimmt die Leitung der neuen Projektierungsgesellschaft für den Theaterneubau. (Bild: jwy)

Neue Personalien rund um das Grossprojekt Der Theater-Neubau erhält ein Gesicht

7 min Lesezeit 12.12.2019, 18:04 Uhr

Eine Stiftungsmillion und ein Schulterschluss: Beim Neuen Luzerner Theater stehen entscheidende Schritte bevor. Mit Rosie Bitterli erhält das Projekt eine einflussreiche Verantwortliche. Auch für den Lebenspartner der künftigen Intendantin gibts eine Aufgabe.

Eine Dutzendschaft an Verantwortlichen präsentierte am Donnerstag den weiteren Weg zu einem Neuen Luzerner Theater. Die Botschaft ist klar: Wir ziehen am gleichen Strick und es geht vorwärts. «Das ist ein wichtiger Tag für die Stadt, den Kanton Luzern und die ganze Zentralschweiz», sagte Stadtpräsident Beat Züsli.

Was neu ist: Die Luzerner Arthur-Waser-Stiftung spendet als Startschuss eine Million Franken für den anstehenden Architekturwettbewerb. Und eine neue Projektierungsgesellschaft unter der Leitung der städtischen Kulturchefin Rosie Bitterli koordiniert die weiteren Schritte (zentralplus berichtete).

Eine Million mit einer Aufforderung

Mit der Million der Stiftung ist der Architekturwettbewerb gesichert, der bis im Sommer 2021 ausgeschrieben und Ende 2022 abgeschlossen werden muss. Ansonsten sind an die Schenkung keine Vorgaben geknüpft, wie David Keller von der Stiftung betonte.

Schon das alte Theaterhaus kam damals dank privaten Engagements zustande, sagte Stiftungsratspräsidentin Birgit Aufterbeck Sieber. Das Mäzenatentum erfolgt also in einer schönen Tradition.

Der bald 90-jährige Arthur Waser hat schon immer in der Stadt gelebt und fühlt sich ihr verbunden; darum hat er sich mit seiner im Jahr 2000 gegründeten Stiftung der Förderung von Bildung, Kunst und Kultur verschrieben. Er ist mit Mineralölhandel und Immobilien zu einem Vermögen gekommen und da er keine Nachkommen hat, fliesst sein Geld in die Stiftung.

Geschlossen hinter dem Luzerner Theater: Sinfonieorchester, Spender, Kanton, Stiftung, Stadt, freie Szene und Lucerne Festival.

Die Million ist durchaus als Aufforderung zu verstehen für weitere private Beiträge, denn das neue Theater wird mindestens einen hohen zweistelligen Millionenbetrag kosten – die Rede ist gar von 100 Millionen Franken. «Wir wollen einen starken Impuls für weitere Engagements von privaten Geldgebern leisten, weil wir überzeugt sind, dass das Theater nicht allein mit öffentlichen Geldern machbar ist», so Keller.

«Die private Beteiligung freut mich sehr», sagte Stadtpräsident Beat Züsli. Er hoffe nun auf weitere Beiträge bis zur Realisierung: «Die neue Infrastruktur kann neue Begeisterung für das Theater wecken.»

Neubau oder Erweiterung?

Was offen bleibt: Neubau oder Erweiterung des Theaters? Darüber ist noch kein Entscheid gefallen, doch der private Stifter, die öffentliche Hand und vor allem das Theater selbst plädieren klar für einen Abriss und Neubau – spätestens bis zum Architekturwettbewerb muss diese Frage geklärt sein.

Es wird die erste Knacknuss sein auf dem Weg zu einem zeitgemässen Theater, die Diskussion ist schon voll entbrannt.

«Bis zum Start des Wettbewerbs ist die Frage des Neubaus geklärt.»

Marcel Schwerzmann, Regierungsrat

Es wird eine Herausforderung sein, den engen Spielraum zwischen den Ansprüchen an ein modernes Theater und den rigiden Vorgaben des Denkmalschutzes auszuloten.

Die geschützte Nordfassade

Die Situation ist vertrackt: Man möchte vorwärtsmachen, man möchte abreissen und neu bauen – aber es gibt starken Widerstand: Ein Gutachten der eidgenössischen Kommissionen für Denkmal-, Natur- und Heimatschutz fordert die Erhaltung des 180-jährigen Baus an der Reuss (zentralplus berichtete).

Ein Abbruch würde «zu einer schweren Beeinträchtigung des Ortsbilds von nationaler Bedeutung führen», heisst es darin. Konkret geht es um die der Reuss zugewandte Nordseite, die im Bundesinventar für schützenswerte Bauten (ISOS) eingetragen ist. Auch der Abstand zur Jesuitenkirche und der entsprechende Lichteinfall sind Diskussionspunkte.

Gespräche mit Denkmalschutz

Die Verantwortlichen prüfen nun den rechtlichen und planerischen Spielraum, auch ein Umbau mit Erweiterung bleibt eine Option. Bei einem forcierten Neubauprojekt wären Einsprachen und langwierige Verzögerungen vorprogrammiert.

«Wir haben Gespräche mit den eidgenössischen Kommissionen geführt. Wir werden sie auswerten und bis zum Start des Wettbewerbs ist die Frage geklärt», sagt Regierungsrat Marcel Schwerzmann dazu.

Stadtpräsident Beat Züsli verspricht, dass alle Themen rund ums Theater in der neuen Projektierungsgesellschaft gebündelt würden. Unbestritten sei, dass man weiterhin auch ein Musiktheater haben wolle. «Das ist sehr bestimmend für das künftige Gebäude.»

Empfehlung oder Abbruchverbot?

Das Bundes-Gutachten, das im Prinzip nur empfehlenden Charakter hat, kommt nach Ansicht von Experten faktisch einem Abbruchverbot gleich.

Zwei öffentliche Anlässe

Zur inhaltlichen und künstlerischen Ausrichtung des Neuen Luzerner Theaters sind zwei öffentliche Foren geplant: 16. März, 18.30 Uhr, Südpol, Luzern und 19. Mai, 18.30 Uhr, Stadttheater, Sursee. Erkenntnisse dieser Partizipationsanlässe sollen in den künftigen Leistungsauftrag einfliessen.

Denn das Theater liegt in der Schutzzone A (der strengsten), in der ein Abriss nur im absoluten Ausnahmefall gestattet wäre, etwa bei Einsturzgefahr des Gebäudes. Eine Möglichkeit ist, die Nordfassade in ein Neubauprojekt zu integrieren. «Wenn so die Interessen des Bundesinventars mit den kommunalen Interessen in Einklang gebracht werden könnten, könnte das eine Möglichkeit sein», sagte die Luzerner Baurechtsexpertin Claudia Keller Lüthi kürzlich zu zentralplus.

Bei Rosie Bitterli laufen die Fäden zusammen

Neben diesen Fragen sind es zwei neue Personalien, die auffallen: Mit der Projektierungsgesellschaft unter dem Vorsitz der Stadt erhält das Gross-Projekt endlich eine Ansprechsperson – und mit Geschäftsführerin Rosie Bitterli ein Gesicht.

Die städtische Kulturchefin ist ab jetzt die Person, bei der die Fäden zusammenlaufen. Und Rosie Bitterli ist aus verschiedenen Gründen eine geschickte Wahl: Sie arbeitet seit 1991 im Stadthaus und ist seit fast 20 Jahren Kulturchefin. Ihr Einfluss geht weit über den einer «normalen» Abteilungsleiterin hinaus.

«Es wird ein intensives Projekt geben, das genügend Zeit und Ressourcen benötigt.»

Beat Züsli, Stadtpräsident

Sie war die linke Hand der beiden Stadtpräsidenten Franz Kurzmeyer und Urs W. Studer. Sie hat die Eröffnung des KKL, des Südpols und den Absturz der Salle Modulable miterlebt. Wenn jemand die Mechanismen in der städtischen Verwaltung kennt, dann Rosie Bitterli (hier unsere 50 Fragen mit ihr).

Und nun also das neue Theater. Rosie Bitterli ist 62 Jahre alt und blickt ihrer Pensionierung entgegen. Es wäre also keine Überraschung, wenn das Theater-Projekt zu ihrem Vollzeit-Projekt der letzten Jahre im Stadthaus würde. Sie selber möchte sich dazu noch nicht äussern.

«Es wird ein intensives Projekt, das genügend Zeit und Ressourcen benötigt», sagt Beat Züsli. Wie sich die Stelle weiterentwickeln und ob sie zu einer Vollzeitaufgabe werde, werde sich noch weisen.

Verstärkung aus Mainz

Über eine zweite Personalie wurde ebenfalls bereits gemunkelt. Derzeit erarbeitet das Luzerner Theater ein neues Betriebskonzept für das künftige Dreisparten-Haus.

In dieser Beziehung will man auch von Erfahrungen anderer Theater profitieren und hat mit der Projektleitung eine externe Person betreut: Stefan Vogel, Operngeschäftsführer am Staatstheater Mainz.

«Das ist ein glücklicher Zufall.»

Birgit Aufterbeck Sieber, Präsidentin Stiftung Luzerner Theater

Da klingelts: Die künftige Intendantin Ina Karr ist derzeit Chefdramaturgin für Oper in Mainz. Sie fängt auf die Saison 21/22 als Nachfolgerin von Intendant Benedikt von Peter beim Luzerner Theater an. Karr und Vogel arbeiten nicht nur am gleichen Haus, sondern sind auch privat ein Paar. Unter vorgehaltener Hand war deshalb schon von einer Mauschelei die Rede.

Stiftungsratspräsidentin Birgit Aufterbeck Sieber sagt: «Das ist ein glücklicher Zufall.» Glücklich deshalb, weil Vogel schon angefragt wurde, bevor Ina Karr als Neubesetzung feststand. Sie war zuerst in der Findungskommission und hat sich erst im Laufe der Hearings als Kronfavoritin herausgestellt (zentralplus berichtete).

«Wir hoffen auf viele Inputs von aussen und möchten von anderen Häusern lernen», sagte Aufterbeck. Diese Erfahrungen wiederum fliessen auch in die räumlichen Vorgaben des künftigen Theaters ein.

Vogel ist in Luzern schon in Erscheinung getreten: Ende November hat er an einem Podium des Theaterclubs teilgenommen (zentralplus berichtete).

2020 redet das Parlament mit

So gehts beim Neuen Luzerner Theater jetzt weiter: Noch im Dezember wird die Projektierungsgesellschaft besiegelt. Die Public Private Partnership (PPP) ist ein für Luzern bewährtes Modell, das schon das neue Fussballstadion oder das KKL ermöglicht hat.

Den Lead hat die Stadt Luzern, aber auch der Kanton, die Stiftung Luzerner Theater, das Sinfonieorchester, Lucerne Festival und die neu gegründete Stiftung Neues Theaterhaus Luzern sind vertreten. Die freie Szene – vertreten durch den Berufsverband t.Zentralschweiz – soll ständiges Gastrecht erhalten und so mitreden können.

So ist die neue Projektierungsgesellschaft organisiert:

Der politische Prozess startet im ersten Halbjahr 2020: Das Stadtparlament wird eine umfassende Vorlage zum Neuen Theater behandeln, in der es um den Zweckverband, die Finanzierung, die Testplanung und das Thema Ortsbildschutz gehen wird. Auch der Regierungsrat wird bis dahin eine Änderung des kantonalen Kulturförderungsgesetzes vorschlagen.

Kürzlich haben Stadt und Kanton beschlossen, dass der Zweckverband Grosse Kulturbetriebe auf 2023 neu aufgeteilt wird: Die Stadt zahlt mehr in den Topf und übernimmt den Lead für das Neue Theater (zentralplus berichtete).

Züsli will daneben die öffentliche Diskussion vorantreiben, dazu gibt es zwei Termine in Luzern und Sursee (siehe Box). «Die neue Theaterinfrastruktur ist nicht die Sache von jemandem allein, sondern ein Gemeinschaftswerk. Es gibt noch viele Hürden und diverse Schwierigkeiten. Aber gemeinsam schaffen wir das, wenn wir am gleichen Strick ziehen.»

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