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Der Standort der Quartierbüros ist ausschlaggebend
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Das Quartierbüro Würzenbach. (Bild: sam)

Luzern Der Standort der Quartierbüros ist ausschlaggebend

5 min Lesezeit 1 Kommentar 21.01.2013, 16:00 Uhr

Die Stadtbevölkerung hat mit dem Ja zur Steuererhöhung vergangenen Dezember die Quartierbüros vor der Schliessung gerettet. Jetzt geht es um den Ausbau der Dienstleistung. 

Mit einem 47-seitigen Bericht informierte der Stadtrat im Juli 2011 das Parlament über die weitere Strategie in den Quartieren: Das Potenzial solle genutzt werden, die Freiwilligenarbeit gehöre gestärkt. Dieses Vorhaben stand am Abstimmungssonntag vergangenen Dezember auf der Kippe. Hätten die Stadtluzerner die Steuererhöhung nicht genehmigt, hätte der Stadtrat die Quartierarbeit beendet. Die Schliessung der Quartierbüros war Sparmassnahme Nummer 17 des 15-Millionen Sparpakets, welches im Falle einer Ablehnung der Steuererhöhung zum Zug gekommen wäre. Sparpotential: rund 827’000 Franken. 

Die Sparvorschläge kamen direkt aus der Stadtverwaltung. Geld gehört investiert, aber nicht unbedingt hier, lautete die Devise. Der neu für die Sozialdirektion zuständige Stadtrat Martin Merki (FDP) jedoch hat die Quartierarbeit immer verteidigt – auch gegen die Meinung seiner Partei. «Die Kinder- und Jugendarbeit in den Quartieren ist eine Ergänzung zu den Kräften, die schon in den Quartieren wirken. Eine Ergänzung zur Quartierarbeit der Pfarreien und der Quartiervereine. Bei der städtischen Quartierarbeit geht es also um die Stärkung und Vernetzung der bewährten dezentralen Strukturen und nicht um eine zentrale staatliche Lenkung von oben.» So steht Merki auch der Zukunft positiv gegenüber. Die Gefahr, dass ein weiterer Angriff auf die Quartierbüros aufgrund strapazierter Stadtfinanzen erfolgen könnte, hält er für gering: «Die Quartier- und Stadtteilpolitik ist vor einem Jahr deutlich vom Parlament angenommen worden. Ich gehe nicht davon aus, dass sich an der Haltung des Parlaments etwas ändert.» 

Bei der Bevölkerung beliebt

Das hofft auch Peter Zumbühl, Leiter Quartierarbeit für Kinder und Jugendliche bei der Stadt. Gerade die Pläne für den Aufbau der Standorte Reussbühl und Tribschen bis 2014 würde nicht viel Sinn machen, stünde in den nächsten Jahren in diesem Bereich eine weitere Sparrunde an. «Dass wir auf der Sparliste gelandet sind, tat natürlich weh. Die Legitimation der Quartierbüros seitens der Bevölkerung ist nämlich vorhanden. Zudem ist der Betrag, der für diese Arbeit ausgegeben wird, im Vergleich zu anderen Städten wie St.Gallen oder Baden extrem klein.» Das bestätigt Sozialdirektor Martin Merki: «Die Stadt Luzern bäckt sowohl in der Kinder und Jugendarbeit als auch in der Quartierarbeit im Quervergleich mit anderen Städten kleine Brötchen.» 

Wenn also wenig Geld eingesetzt wird, könnte man die Quartierarbeit dann nicht wie früher einfach den Vereinen überlassen? Führt die staatliche Organisation der Arbeit in den Stadtteilen nicht zum Untergang der Vereine? Dass die Quartierarbeit zu Vereinssterben führt und den Konkurrenzkampf anheizt, sei ein Märchen, sagt Peter Zumbühl: «Das Vereinssterben hat nichts mit der Quartierarbeit zu tun, das ist eher eine gesellschaftliche Entwicklung. Wir haben im Gegenteil einigen Vereinen wieder auf die Füsse helfen können, indem wir gezielt die Zusammenarbeit gesucht haben.» Das würde nur durch konkrete Projekte und gegenseitige Motivation klappen.

Auch der Gesamtstadtrat steht geschlossen hinter der Quartier-und Stadtteilpolitik und schreibt in einer Mitteilung vom vergangenen Herbst: «Der Stadtrat ist überzeugt, dass dadurch (im Falle einer Streichung, Anm. d. Red.) das zivilgesellschaftliche Engagement insgesamt sinken würde. Private würden sich weniger für das Gemeinwohl einsetzen, weil sie weniger Unterstützung für ihre Anliegen erhalten.» 

In Littau hat die Betreuung zugenommen 

Im Jugendtreffpunkt Piazza in Littau stehen nicht nur Räumlichkeiten für Kinder und Jugendliche zur Verfügung, sondern ist auch das städtische Quartierbüro einquartiert. Kleine Projekte werden hier mit wenig Geld unterstützt: Sei dies die Organisation einer Party, eines Töggeli- oder Fussballturniers oder eines Tanzwettbewerbs. «Die Ideen kommen von den Jugendlichen, wir unterstützen den Prozess und vermitteln Experten. So haben wir für ein Projekt einen Rapper, ein andermal Kunststudenten hinzugezogen», sagt Peter Zumbühl.

Für die Littauer Kinder und Jugendlichen sind Möglichkeiten und Betreuung in diesem Umfang neu. Vor der Fusion mit der Stadt Luzern 2010 hatte Littau keine grossen Investitionen in die Jugendarbeit tätigen können. Heute jedoch erhalten Kinder ab der fünften Klasse Unterstützung bei ihren Projekten. Für die älteren gibt es zudem regelmässige Veranstaltungen und Treffs im Piazza, im Crazy House in Reussbühl und in der Turnhalle Ruopigen. Da findet jeden Samstag der Anlass Midnight-Sport statt.

Die Standortwahl ist sehr wichtig

Zusätzlich zur Betreibung der bestehenden Quartierbüros läuft die Planung der neuen Standorte in Tribschen und Ruopigen. Peter Zumbühl kämpft dafür, dass auch diese Anlaufstellen einen zentralen Standort erhalten und transparent auftreten. Der angedachte Standort Reussbühl bei der Kreuzung Frohburg kommt für ihn nicht in Frage.

«Wir haben bemerkt, dass Büros, die im ersten oder zweiten Geschoss eines Gebäudes untergebracht sind, wenig Personenverkehr aufweisen. Eine sichtbare Präsenz und ein zentraler Standort sind für uns deshalb wichtig.» So ist beispielsweise der Jugendtreffpunkt Piazza, der sich am Waldrand an der Grosshofstrasse befindet, kein idealer Unterbringungsort für ein Quartierbüro. Vielleicht, so hofft Zumbühl, könnte das Haus irgendwann in einen Verein überführt werden und das Quartierbüro ins Dorf ziehen. «Das würde für unseren Auftrag mehr Sinn machen.»

Skepsis ist vorhanden

Die Quartierarbeit der Stadt Luzern wird nicht von allen Politikern goutiert. Vor der Abstimmung zur Steuererhöhung im vergangenen Dezember schrieb die SVP von einer «millionenteuren Bevormundung». Jüngst hat sich auch die städtische CVP dem Thema angenommen. Die Partei möchte, dass die Quartierbüros überprüft und weiterentwickelt werden, wie sie in einer Mitteilung schreibt. So sei gerade das Quartierbüro für das Maihof- und das Wesemlinquartier umstritten. «Quartiervereine, Quartiergruppen und Bewohner stellen die Notwendigkeit in Frage.» Diskutiert werden soll zudem eine enge Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche im Maihofquartier, die ihr Pfarreizentrum umbaut. «Dort könnte das Quartierbüro künftig untergebracht werden», schreibt die CVP. 

CVP-Grossstadtrat Albert Schwarzenbach nimmt die Kritik der Quartierbewohner ernst. Und er will sich in den nächsten Tagen selber ein Bild verschaffen. «Das Feedback ist sehr unterschiedlich, Betroffene haben mir gesagt, es brauche diese Dienstleistung nicht wirklich. Man muss nicht einfach Quartierbüros eröffnen, nur dass sie eröffnet sind», sagt der Politiker. Er setzt sich seit Jahren immer wieder für die Quartierarbeit ein. Derzeit engagiert sich der Politiker dafür, dass die Bibliothek in Ruopigen, Reussbühl, nicht geschlossen wird. Sie soll mit dem künftigen Quartierbüro zusammenspannen. «Das wäre eine Alternative zur Schliessung im Jahr 2014», sagt Schwarzenbach.

Dass diese Idee vom Stadtrat geprüft wird, findet Peter Zumbühl von der Quartierarbeit eine gute Variante. Die Option sei sehr interessant. «Geteilt werden kann dann aber wirklich nur der zentrale Standort, die Bibliothek kann ja nicht plötzlich Quartierarbeit leisten und umgekehrt.»

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1 Kommentare
  1. parker, 13.10.2016, 22:22 Uhr

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