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«Der Stadttunnel ist eine eierlegende Wollmilchsau»
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Der Stadttunnel bewegt: Das Theater Casino Zug ist an der Informationsveranstaltung fast voll. (Bild: wia )

Der Abstimmungskampf beginnt «Der Stadttunnel ist eine eierlegende Wollmilchsau»

3 min Lesezeit 26.03.2015, 22:32 Uhr

Beim ersten öffentlichen Informationsabend zum Zuger Stadttunnel wurde – wie erwartet – hitzig diskutiert. Für Befürworter und Gegner ist mit dem Anlass der Startschuss gefallen: Die offizielle Überzeugungsarbeit an der Bevölkerung hat begonnen.

Nein, der Zuger Stadttunnel ist den Stadtzugern keineswegs egal. Der grosse Casinosaal ist so voll, als würde das Weihnachtsmärchen gespielt. Für viele der Befürworter dürfte die Realisierung des Projekts einem Märchen gleichkommen. Für die Gegner jedoch ist der Stadttunnel vielmehr ein Horrorszenario.

Es ist der erste Informationsabend zum Tunnel, über den die Bevölkerung des Kantons Zug im Juni abstimmt. Heinz Tännler, Baudirektor des Kantons, bittet wohlweislich bereits im Voraus um eine sachliche Diskussion.

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Ein Plan A, der sogleich Plan B ist

Tännler rollt die Geschichte des Tunnels auf. Erklärt die Eckdaten, Pläne, rechtfertigt die Kosten. Er weibelt mit Herzblut. Bereits jetzt wird in einigen Rängen geschmunzelt und gemurmelt. «Es gibt keinen Plan B. Der Plan B ist der Stadttunnel», sagt der Baudirektor und doppelt gleich nach: «Wer den Stadttunnel ablehnt, weil er denkt, den Kantonsfinanzen geht es dann besser, der irrt.» Die Kosten des Tunnels würden erst nach Ende des Sparprogramms anfallen.

«Wenn wir attraktiv bleiben wollen, können wir uns definitiv nicht mehr auf unseren alten Lorbeeren ausruhen.»

Dolfi Müller, Zuger Stadtpräsident

Der Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller redet von einer einmaligen Chance, Zug neu einzurichten, «wie eine neue Wohnung, auf die man sich freut». Es gehe beim Tunnel darum, die Topographie zu überlisten. Es ist offensichtlich. Der Abstimmungskampf hat begonnen, denn voller Inbrunst ist die Stimme, stark sind die Bilder, die Müller hervorruft. «Wenn wir attraktiv bleiben wollen, können wir uns definitiv nicht mehr auf unseren alten Lorbeeren ausruhen.» Er appelliert an den Zukunftsgeist der Bevölkerung: «Jetzt oder nie», ist sein Credo.

Wunde Punkte werden getroffen

Doch es wird nicht nur gelobt an diesem Abend. Der CVP-Kantonsrat Heini Schmid vertritt die Kontra-Seite, und beginnt gleich mit einem Punkt, der garantiert zieht. «Leere Staatskasse – extreme Kosten.» Sein Prognose: Eine Verschuldung von drei Milliarden Franken bis im Jahr 2030 und somit ein finanzielles Desaster für die nächste Generation. «Der Stadttunnel ist eine eierlegende Wollmilchsau, die allen alles verspricht, aber genau deshalb nicht das halten kann, was sie eben verspricht.» Im Gegensatz zu den Befürwortern sagt er nicht weniger, sondern mehr Verkehr im Norden und Westen voraus. Auch die Kosten für die Automobilisten würden massiv ansteigen, da wegen des Kammersystems grosse Umwege gefahren werden müssten.

Der grüne Kantonsrat Andreas Lustenberger redet von einer «verkehrten Verkehrspolitik», denn der Tunnel würde durch seine Effizienz zu einer Zunahme von Autos führen. «Gleichzeitig soll der ÖV abgebaut werden», sagt Lustenberger weiter. Auch er trifft gekonnt den wunden Punkt des Projekts: Die massiven Kosten.

«Bitte bringen Sie es auf den Punkt»

Auf die zwei Kontrahenten folgt, aus Sicht des Kantons taktisch geschickt, mit dem ehemaligen Chamer Gemeidepräsidenten Bruno Werder ein weiterer Pro-Redner. Die Argumente wiederholen sich. Wieder wird das Publikum unruhig, hier und da fallen hitzige Bemerkungen. Ein emotionales Thema, zweifellos. Das äussert sich noch klarer, als die Bevölkerung in die Diskussion eingebunden wird. Der Wunsch Tännlers: «Bitte bringen Sie es auf den Punkt», wird von vielen Rednern grosszügig überhört.

Vielseitig sind die Bedenken der Gäste: Was ist mit Entschädigungs- und Rechtskosten, die bereits vor dem Bau anfallen? Was, wenn im Tunnel ein Unfall passiert? Wenn der Tunnel für länger als nur einen halben Tag gesperrt werden muss? Wem nützt der Stadttunnel wirklich etwas? Was, wenn der Verkehr bei der Eröffnung des Tunnels wegen vermehrtem Home-Office abgenommen hat? Und an die Tunnelgegner: Was ist denn die Alternative?

Kritisch sind sie alle, die Stimmen, die sich an diesem Abend heben. Noch ist nicht ersichtlich, ob sich die Mehrheit der Anwesenden für oder gegen den Stadttunnel ausspricht. Was aber klar ist: Für Kontrahenten und Unterstützer wird es ein langer, anstrengender und emotionaler Weg bis zur Abstimmung.

 

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