Der Stadt Zug sterben die Stoffläden weg
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Albert Büeler-Nussbaumer mit seinen Arbeitsmaschinen. (Bild: lob)

Zwei Traditionsgeschäfte mit Totalausverkauf Der Stadt Zug sterben die Stoffläden weg

4 min Lesezeit 05.03.2018, 12:13 Uhr

Nach über 50 Jahren ist Schluss: Gleich zwei alteingesessene Stoff- und Nähgeschäfte in Zug haben derzeit Totalausverkauf. Übrig bleibt gerade noch die Filiale einer Ladenkette. Das Geschäft habe nicht mehr rentiert, heisst es bei Holzhauser Stoffe.

Im Zeitalter des Onlinehandels hat es der Detailhandel schwer. Das gilt sinngemäss auch für Familienunternehmen. Dass Stoff- und Nähgeschäfte vor allem auf Beratung und Qualität setzen, ist wohl vielen egal – der Preis muss stimmen.

Bereits per Ende März wird Holzhauser Stoffe an der Baarerstrasse in Zug den Laden schliessen. Vorher geht im Ausverkauf alles für den halben Preis über den Ladentisch. Das Geschäft hat weder Webauftritt noch Onlineshop. Und auch das Nähzentrum Nussbaumer kündigt im Schaufenster und auf der Homepage den Totalausverkauf an, der am 1. Februar gestartet ist und noch bis Ende März läuft. Eine Homepage gibt es hier zwar, die Möglichkeit zum Online-Einkauf aber bieten beide nicht. Zwei Geschäfte, die seit Jahrzehnten zur DNA der Stadt gehören und in die manch ein Zuger Kind seine Mutter begleiten musste – wenn auch häufig nicht ganz freiwillig.

Es wird weiterhin genäht

1931 hat die Familie Nussbaumer ihr Fachgeschäft eröffnet. Für einen Nachmittag ist im Laden viel los, die meisten Kunden werden mit Namen begrüsst. «Der Ausverkauf betrifft nur das Stoffgeschäft», gibt der Inhaber des Nähzentrums, Albert Büeler-Nussbaumer, an.

Diese schöne Stickerei präsentiert uns der Inhaber.

Diese schöne Stickerei präsentiert uns der Inhaber.

(Bild: lob)

Wegen eines Krankheitsfalls würden die Bereiche Stoff-, Tisch- und Bettwäscheabteilung nach seit 87 Jahren aufgegeben. «Den Näh- und Reparaturservice werden wir aber weiterhin gewährleisten», erzählt der ältere Herr. Die Dienstleistung ist sein Metier – stolz präsentiert er uns eine tolle Stickerei, an der er eben noch gearbeitet hat.

Selfmade liegt wieder im Trend

Damit, dass das Geschäft schlecht gelaufen sei, habe der Ausverkauf nichts zu tun, betont Büeler. «Viele, auch jüngere Personen, entdecken das Nähen und Selbermachen wieder.» Die Konkurrenz des Onlinehandels sei aber schon spürbar – wenn es beispielsweise um Reparaturpreise gehe. «Dort merkt man schon, dass einige Qualität nicht mehr so zu schätzen wissen», sagt er.

Auf das Stoffsortiment erhalten Kunden derzeit 50% Rabatt.

Auf das Stoffsortiment erhalten Kunden derzeit 50% Rabatt.

(Bild: lob)

Das Geschäft sei eigentlich gut gelaufen, ein Krankheitsfall habe die Familie zur Entscheidung bewogen. Man glaubt es ihm sofort: Während des kurzen Gesprächs kommen und gehen immer wieder Kunden, halten mit Büeler einen kurzen Schwatz. Und ganz Gentleman hält er jedem, der seinen Laden verlässt, die Tür auf und verabschiedet sich persönlich.

Nicht mehr rentabel

An der Baarerstrasse hingegen sieht es anders aus. Auch Holzhauser Stoffe ist in Zug Tradition – seit 50 Jahren existiert das Geschäft. Ende März, heisst es in einer Information im Amtsblatt, ist definitiv Schluss.

Bei einem kurzen Kundengespräch unterhalten wir uns mit der Inhaberin über die Gründe. Ein Foto machen oder ihren Namen lesen möchte sie lieber nicht. Aber sie erklärt, weshalb sie sich zu diesem Schritt entschlossen hat. Die Pensionierung sei zwar in ein paar Jahren schon ein Thema, allerdings habe das Stoffgeschäft schlicht nicht mehr rentiert. Es sei schon seit einigen Jahren rückläufig gewesen – den Druck aus dem Onlinehandel habe man  stark gespürt. Und er wurde immer grösser. Bis der Betrieb nicht mehr kostendeckend war.

Das Geschäft Holzhauser Stoffe an der Baarerstrasse 44 wird nach dem Totalausverkauf Ende März schliessen.

Das Geschäft Holzhauser Stoffe an der Baarerstrasse 44 wird nach dem Totalausverkauf Ende März schliessen.

(Bild: lob)

Auf den Online-Zug ist das Geschäft offenbar nie aufgesprungen – eine Website sucht man vergebens. Ganz alte Schule, findet man im Netz eine Telefonnummer und die Adresse, mehr nicht. «Nun hoffen wir, dass es durch die Kunden noch etwas Werbung für den Schlussverkauf gibt», sagt die ältere Dame zu uns und einer anderen Kundin.

Nur noch ein Laden bleibt übrig

Geben nun beide den Stoffhandel Ende März auf, gibt es nicht mehr viel Auswahl in Zug – übrig bleiben das Stoffgeschäft der Kette «Alja» an der Gotthardstrasse. Die dortige Zuger Filiale sei in letzter Zeit aber nicht schlechter gelaufen. «Das haben wir so nicht wahrgenommen», erklärt Geschäftsführer Thomas Huwiler. Man glaube an den Standort Zug. «Da unser Laden in Zug etwas versteckt ist, möchten wir sogar ausbauen oder umziehen, und halten die Augen nach einer geeigneten Fläche offen.» Diese Aussage lässt allerdings erahnen, dass mehr Laufkundschaft durchaus gewünscht wäre.
 
Im Gegensatz zu den anderen beiden Geschäften verfügt Alja über einen Online-Shop. Der entscheidende Vorteil? Huwiler verneint. «Der Online-Umsatz ist klein, im Vergleich zu dem in unseren Filialen.» Gut sei dieser aber insofern, als dass Kunden sich vorab im Internet Produkte ansehen, und dann in den Geschäften nach diesen fragen, oder sie abholen. Der Alja-CEO zeigt sich optimistisch: «Nähen liegt wieder im Trend. Es liegt nun an uns, in den Läden innovativ zu sein, um die Online-Kokurrenz abzufangen.» Zu diesem Zwecke wolle man bald ein Näh-Café eröffnen.

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