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Der Spinner und sein Flugvelo
  • Wirtschaft
Er will den Himmel per Pedale erobern. Und das schon seit 2008. Unmöglich, schrieben die Zeitungen. Ermano Bassi sagt: Das geht. (Bild: fam )

Zuger Jungunternehmer Der Spinner und sein Flugvelo

5 min Lesezeit 1 Kommentar 28.06.2014, 05:55 Uhr

Er will ein Flugzeug bauen, bei dem man in die Pedale treten kann: Ermano Bassi hat 2008 den Zuger Jungunternehmerpreis für seine Idee gewonnen. Und ihn wieder zurückgegeben, als er von Medien kritisiert wurde. An seinem Flugvelo arbeitet er aber trotzdem weiter. Wo steht das Projekt jetzt? Nicht mehr ganz in den Sternen, aber auch noch nicht in der Luft.

Was er kann, das ist begeistern: «Stellen Sie sich vor, wenn das Ding endlich fliegt, was dann passiert», sagt Ermano Bassi und zieht lachend die Augenbrauen hoch: Die Welt wird kopfstehen, will der Zuger Unternehmer sagen, wenn sein Fluggerät «Swiss F-light» erst fabrikreif ist. Dann soll endlich ein Umdenken in der energieeffizienten Mobilität stattfinden. Fertig mit Auto und Energieverschwendung, denn Bassi träumt vom fliegenden Velo. Und träumt so gut, dass mitgerissen wird, wer ihm zuhört. Er will ein Fluggerät bauen, das per Pedalen und Solarstrom fliegt, für alle von überall nach irgendwo. Mit Propeller, einem Gleitschirm als Oberflügel und genial simplen Vogelflügeln darunter, deren Lamellen sich beim Wippen nach oben öffnen und nach unten schliessen, für den Auftrieb.

Wo steht das Projekt?

Mit seiner Idee hat er schon 2008 den Zuger Jungunternehmer über 5’000 Franken abgeräumt, und 2013 beim Forum «Innovation für Motivation» am Gottlieb Duttweiler Institut als Spezial-Referent auftreten können. Nur klingt das Ganze so kindlich und vereinfacht, dass schon 2008 der Verdacht aufkommt: Bassi ist ein Spinner (siehe Box).

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Das ist sechs Jahre her, was ist in der Zwischenzeit mit dem Projekt passiert? Vorneweg: Geflogen ist Bassi noch keinen Meter. Prototypen gibt es auch heute noch keine. Aber: «Wir haben viel gelernt in der Zwischenzeit, haben versucht, Kooperationen mit Fahrradherstellern einzugehen, haben mit Studenten der ZHdK zusammengearbeitet», sagt Bassi. Daneben hat er eine Machbarkeits-Studie in Auftrag gegeben mit der Frage, ob ein Mensch überhaupt genug Energie aufbringen kann, um ein Fluggerät per Propeller anzutreiben. Ergebnis: «Es reicht knapp nicht. Aber mit einem zusätzlichen Elektromotor, wie beim E-Bike, geht das auf jeden Fall.»

Das Projekt steckt aber immer noch in der Planungsphase: «Jetzt gerade bin ich mit dem Industriedesigner Kwint Radius daran, das grobe Design des Swiss F-light fertigzustellen. Ende Jahr werde ich in Südostasien mit Carbon-Fabrikanten zusammen die Fertigung der einzelnen Teile angehen.» Denn was in der Schweiz nicht geklappt habe, dass sei in Taiwan einfacher: «Die Menschen denken da ganz anders, haben ganz andere Wege, etwas zu manifestieren.» Bassi erhofft sich einiges: Die einzelnen Teile sollen die Fabrikanten für ihn entwickeln, zusammensetzen will er in der Schweiz.

Warum keinen Investor an Bord geholt?

Warum nicht gleich in der Schweiz den Prototypen bauen? «Die Fahrrad- und Segelflugzeughersteller, die wir hier angefragt haben, die hatten zu viele eigene Projekte, sie wollten sich nicht beteiligen», sagt Bassi. Wollten sich nicht am Risiko beteiligen, heisst das. Verständlicherweise: Welcher Hersteller übernimmt das Risiko eines Jungunternehmers? «Naja, wenn der Swiss F-light dann fliegt, wollen sie bestimmt alle mitmachen», sagt Bassi, aber klingt nicht verbittert.

Warum hat er keine Investoren an Bord geholt, die das Unternehmen beschleunigen könnten? «Ich möchte keine Verpflichtung gegenüber Dritten eingehen, und ich will auch Swiss F-light und die Idee nicht verkaufen. Das soll ja weitergehen.»

Für Bassi keine Frage: Das geht.

Nur geht es deshalb halt etwas langsam weiter: Wenn das Grobkonzept steht, dann soll ein Konstruktionsplan her, die Mittel dafür will Bassi selber aufwenden, ohne Fremdfinanzierung. «Ich will, dass es so herauskommt, wie es in meinem Kopf ist», sagt er, und dafür will er auch investieren: Ein ultraleichtes Fluggerät, unter 30 Kilogramm, dass die Stoff-Flügel einklappen kann, das in der Stadt parkiert wird und auf einem leichten Abhang mit Pedalkraft und Elektromotor starten kann. Für Bassi keine Frage: Das geht.

«In fünf Jahren gibt es so ein Fluggerät.»

Ermano Bassi, Jungunternehmer

«Es gibt so viel Innovation bei den E-Bikes, und gleichzeitig werden auch die ultraleichten Flugzeuge immer raffinierter, schauen Sie sich etwa den Archaeopterix an.» Das ultraleichte Flugzeug Archaeopterix wird von der Schweizer Firma Rupert Composite gebaut, es ist eine Mischung aus Hängegleiter und Segelflugzeug und kann rennend gestartet werden: Der Pilot steht vor dem Start mit dem Flugzeug auf den Schultern, wie beim Delta. «Der Swiss-F-light ist eine Kombination der neusten Entwicklungen auf beiden Gebieten: Den neuen leichten Elektrofahrrädern und den ultraleichten Segelfliegern. Ich bin überzeugt, in fünf Jahren gibt es so ein Fluggerät», sagt Bassi, «und wenn ich es nicht schaffe, schafft es ein anderer.»

«Das muss man bauen und ausprobieren»

Nur dass er es schafft, das scheint eher unwahrscheinlich: Bassi ist zwar Freizeitpilot, aber kein Ingenieur, kann den Prototypen nicht selber bauen. Er ist neben seiner Jungunternehmerschaft auch Unternehmensberater und Hotelmanager, hat von 2012 bis 13 ein 5-Sterne Hotel in Ungarn geleitet und führt jetzt die eigene Unternehmensberatung «Embassi» am Zuger Bundesplatz. Sein Industriedesigner kümmert sich zwar um die schöne Form, aber berechnen kann er die Konstruktion nicht. Kümmert Bassi wenig: «Sehen Sie, ich habe auch mit der ETH gesprochen, die haben mir gesagt: Das kann man nicht berechnen, das muss man bauen und ausprobieren.»

Also macht er das, wahrscheinlich bis Ende Jahr, so Bassi. Klingt nach Fortschritt, aber auch etwas chaotisch: Das Flugvelo ist bisher nur in Bassis Kopf genau geplant. Da ist es dafür umso realer. Was ist das: Eine blosse Träumerei, oder eine Innovation der Zukunft? Oder ist diese Idee schlicht bei einem Unternehmer gelandet, der die Dinge ungewohnt chaotisch angeht? Und vielleicht trotzdem Erfolg damit haben wird? Oder besser: Wann wird aus einer Spinnerei eine geniale Realität? «Man muss es einfach machen», sagt Bassi, und sagt es auch zu sich selber, «man muss einfach loslegen. Das liegt ganz bei mir.»

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1 Kommentare
  1. Alexander Stebler, 25.01.2016, 09:52 Uhr

    Seit Jahren schon verfolge ich diese unglaubliche Geschichte. Als interessierter Laie in Sachen Fliegerei sehe ich auf einen Blick, dass die diversen Entwürfe – die zudem kaum Gemeinsamkeiten untereinander aufweisen – ihre Bestimmung nicht erfüllen werden.
    Trotzdem schafft es Bassi immer wieder, Medienaufmerksamkeit und prominente Unterstützer für sein Projekt zu gewinnen. Kürzlich hat er mir geschrieben, er habe am WEF Richard Branson für sich gewinnen können. Bassi hat offenbar ein grosses Talent in Sachen Marketing, das muss ich neidlos eingestehen.
    Vor allem aber frage ich mich, wo die bahnbrechende Innovation bei seinem Vorhaben liegen soll. Der Flug mit Muskelkraft ist spätestens seit dem Gossamer Condor von Paul MacCready in den Siebziger Jahren Realität, und alltagstaugliche, elektrisch angetriebene Kleinflugzeuge gibt es inzwischen auch schon mehrere. – Und ein Solaflugzeug umrundet bekanntlich gerade die Welt.
    Ein solches Gerät muss entweder riesengross, ultraleicht und damit supereffizient gebaut sein, oder kompakt und praktisch, dann wird es aber auch mehr Energie verbrauchen. So ein filigraner Riesenvogel wird jedoch niemals alltagstauglich sein.
    Herr Bassi träumt hingegen von einem Fluggerät, das man wie ein Velo mal schnell aus dem Keller nehmen und damit zur Arbeit gondeln kann. Auch in diesem Bereich wurde und wird intensiv geforscht, bis jetzt allerdings ohne brauchbare Ergebnisse. Um Kollisionen mit Bäumen, Stromleitungen und anderen “Spassfliegern” zu vermeiden, wäre der Einsatz von viel Elektronik notwendig. Dazu kommt die Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz, denn Fluggeräte – so leise sie auch sein mögen – beeinträchtigen Augen und Ohren von viel mehr Menschen als Fahrzeuge. Stellen sie sich mal eine Stadt vor, deren Himmel ständig von surrenden Flugobjekten verdunkelt wird!
    Ich will nicht definitiv ausschliessen, dass irgendwann so ein “fliegendes Velo” Realität wird. Aber ich glaube nicht daran, dass die Herangehensweise von Herrn Bassi zum Erfolg führen kann. Um so etwas zu entwickeln, muss neben der Vision auch Pragmatismus und Sachverstand vorhanden sein.
    Herr Bassi versteckt sich gerne hinter dem Geschäftsgeheimnis, sobald ich ihm kritische Fragen stelle. So auch bei der einfachen Frage nach der benötigten Schwebeleistung seines Swiss-F-light. Damals ging es noch um reinen Muskelkraftantrieb, und da ist diese Zahl absolut zentral.
    Da es aus geschäftlichen Überlegungen kaum Sinn macht, diese Angabe geheim zu halten, muss ich daraus schliessen, dass ihm diese entscheidende Grösse unbekannt war.
    Wenn ich mir den ungeheuren Sachverstand, die Kreativität, die Ausdauer, das systematische Vorgehen, die unzähligen Fehlschläge und winzigen Verbesserungen vor Augen halte, mit der ein Genie wie McCready an das einfache Ziel heranging, bei Windstille auf einem ebenen Flugplatz mit reiner Muskelkraft eine liegende Acht zu fliegen, verneige ich mich vor ihm in Ehrfurcht.
    Genau diesen “Forschergeist” vermisse ich bei Herrn Bassi. Er schein sich gerne im Scheinwerferlicht zu sonnen, aber produziert hat er bis jetzt – ausser ein paar lächerlichen Computergrafiken – nichts.
    Ich wäre sehr erstaunt, wenn sich dies in Zukunft ändern würde.