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«Der Schweiss tropft, die Nerven liegen blank»
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«Jeder soll selber entscheiden, was er mit seinem Körper macht», sagt Bodybuilderin Jessica Gismondi (Mitte). (Bild: Kevin Waller)

Krienser Bodybuilderin ist die Nr. 1 «Der Schweiss tropft, die Nerven liegen blank»

5 min Lesezeit 23.05.2015, 11:57 Uhr

Sie leidet für einen perfekten Körper: Jessica Gismondi trainiert sechs Mal pro Woche. Gerade wurde die 22-jährige Krienserin zur Schweizer Meisterin gekürt. Mit zentral+ spricht sie über Sucht, Gesundheit und warum nicht nur in der Bikiniklasse gelästert wird.

Sie sind Grenzgänger. Sie leiden und betreiben extremen Körperkult. Sie trainieren hart und kompromisslos. Sie strapazieren Körper und Gesundheit. Und doch gibt es für sie nichts Schöneres, als einen perfekten Körper zu präsentieren: die Bodybuilder.

Auch Jessica Gismondi aus Kriens betreibt diesen Sport seit knapp drei Jahren. «Muskeln haben mich schon von klein auf fasziniert. Ohne Fitness habe ich aber nie den richtigen Kick gefunden, um an meine Grenzen zu kommen», sagt sie. Nun ist die 22-jährige Kauffrau und Fitnessinstruktorin in ihrer sportlichen Karriere einen grossen Schritt weiter gekommen. Sie holte sich an der letzten Schweizer Meisterschaft in Epalinges den Schweizer-Meister-Titel in der Bikiniklasse der Bodybuilderinnen. «Der Moment der Siegerehrung war für mich unbeschreiblich. Ich kann es immer noch kaum glauben. Dafür habe ich lange und hart trainiert. Es ist wunderschön, dass ich dieses Ziel nun erreicht habe», schwärmt sie.

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Hartes Training, strenge Ernährung

Bodybuilding zu betreiben, ist kein Spaziergang. Wer in dieser Sportart erfolgreich sein will, muss viel aushalten und Disziplin, Ehrgeiz und Ausdauer besitzen. Drei Wochen vor dem Wettkampf beginnt die harte Vorbereitung. Dann macht Jessica Gismondi jeden Morgen früh eine Stunde Ausdauertraining auf nüchternen Magen, am Abend steht Krafttraining auf dem Programm. Auch ihre Ernährung folgt während der Vorbereitung einem strikten Plan.

Die junge Luzernerin isst vor allem Fleisch und Gemüse, Kohlenhydrate gibt es nur noch wenige Gramm pro Tag. «Während dieser Zeit beobachte ich deutliche Fortschritte. Ich sehe, wie mein Körper sich verändert», sagt die Schweizer Meisterin mit Stolz.

Riskante Entwässerung

Die mühsame und für den Körper nicht ungefährliche Entwässerung beginnt eine Woche vor dem Wettkampf. Damit die Muskeln am Wettkampftag optimal definiert sind, trinken viele Bodybuilder am ersten Tag bis zu zehn Liter Wasser und reduzieren diese Menge täglich. Die Nieren werden dabei manipuliert und reagieren mit Überproduktion, sodass viel Wasser ausgeschieden wird.

«Ich spüre, dass ich die letzten drei Tage vor dem Start schwach werde.»

Drei Tage vor dem Wettkampf folgt die in der Bodybuilder bekannte «Ladephase», in welcher man den Körper mit viel Kohlenhydraten versorgt, damit das Volumen der Muskeln sichtbar wird. Die letzten 24 Stunden vor dem Anlass nehmen viele gar keine Flüssigkeit mehr zu sich. «Ich spüre, dass ich die letzten drei Tage vor dem Start schwach werde. Andere Nebenwirkungen erfahre ich keine. Ich kenne jedoch Bodybuilder, die dann sehr gereizt und gestresst sind. Davon merke ich nichts», sagt die 1,70 Meter grosse und 55 Kilogramm schwere Frau. Sie werde von ihrem Umfeld und ihrem Freund Kevin Waller, der ebenfalls mit ihr im Fitnessstudio trainiert, motiviert und unterstützt.

«Eifersüchtig und neidisch»

Warum aber tun sich Menschen diese Qualen und Strapazen freiwillig an? Wieso gehen sie mit ihrem Körper so hart und brutal um? «Ich war schon immer ehrgeizig. Beim Bodybuilding geht es mir vor allem um die Anerkennung für mein hartes Training. Es gibt Menschen, die glauben, dass wir spinnen, weil wir so oft trainieren. Ich denke, dass sie eifersüchtig und neidisch sind, weil sie sich auch eine andere Figur wünschen würden. Ich möchte als Bodybuilderin eine Vorbildfunktion wahrnehmen und den Menschen zeigen, was man mit seinem Körper erreichen kann», erklärt die Fitnessinstruktorin.

«Jeder soll selber entscheiden, was er mit seinem Körper macht.»

Besteht nicht die Gefahr, dass das Bodybuilding zu einer Sucht mutiert? Die Krienserin lacht. «Alles kann zu einer Sucht werden. Für mich ist es nicht normal, wenn jemand jeden Abend zwei Stunden Fernsehen konsumiert. Und ich verstehe die Menschen, die rauchen und Alkohol konsumieren, auch nicht. Jeder soll selber entscheiden, was er mit seinem Körper macht», antwortet sie. Das Bodybuilding sei ihr persönlicher Lifestyle und ihr Ein und Alles. «Ohne diese Sportart wäre es mir langweilig.»

Die Schweizer Meisterin spricht lieber über Muskeln, Body und Wettkampf als über körperliche Qualen oder gesundheitliche Risiken. Zusammen mit ihrem Freund fuhr sie am Samstag nach Lausanne und traf dort auf ihre fünf Konkurrentinnen in der Bikiniklasse. Wie war die Stimmung zwischen den weiblichen Kraftpaketen? «Natürlich wird man kritisch beäugt und gemustert. Man weiss ja nie, wie hart die Konkurrenz trainiert hat. Es wird gelästert und abgecheckt, doch das gehört einfach dazu.» Weil sie sich zu Hause vorbereitete, sei sie vor dem Start ruhig und gelassen gewesen. «Nachdem ich letztes Jahr Vize-Schweizermeisterin wurde, habe ich mir in den Kopf gesetzt, heuer den ersten Platz zu holen. Ich trat darum wohl selbstbewusster auf. Ich war sehr locker und entspannt», sagt sie.

Breite Schultern, kräftiger Po

Und dann, um 15 Uhr, ging es endlich los. Nun folgte der Augenblick, auf den alle Bodybuilder sehnsüchtig gewartet hatten: Endlich durften sie ihren Body präsentieren. Jessica Gismondi und ihre Konkurrentinnen wurden auf die Bühne zitiert, wo das Posing begann. Die Frauen wurden von einer Jury mit sechs Personen bewertet.

«Ich genoss es, im Rampenlicht zu stehen.»

Wichtig in der Bikiniklasse ist vor allem die Symmetrie des Körpers. Konkret heisst dies: Nur wer breite Schultern, definierte Bauchmuskeln, eine schmale Taille sowie kräftigen Po und kräftige Beine vorweisen kann, hat Chancen auf den Sieg. Daneben werden die Muskeln, Proportionen, das Gesamterscheinungsbild und die Körperform beurteilt. «Für mich ist der Moment, als ich mich präsentieren konnte, schwer zu beschreiben. Ich wurde von Gefühlen übermannt. Ich genoss es, im Rampenlicht zu stehen», schwärmt die 22-Jährige.

Nach der Vorrunde habe sie sich eine Portion Pasta und ein Glacé gegönnt. Denn alle sechs Teilnehmerinnen qualifizieren sich für die Finalrunde, bei der die Bodybuilderinnen nur nochmals kurz posieren, bevor die Preisverleihung folgt.

«Sieg spornt mich an»

Mit Adrenalin im Blut, Herzklopfen und Nervenflattern nahm Jessica Gismondi an der Siegerehrung teil. «Der Schweiss tropft und die Nerven liegen blank. Man hofft einfach, dass man seinen Namen möglichst lange nicht hört», sagt sie lachend. Und dann kam der Moment, wo klar war: Die junge Krienserin hatte es geschafft. Sie durfte sich als Siegerin feiern lassen. «Dieser Moment war extrem schön und doch realisiert man es gar nicht wirklich. Die ganze Last fällt weg. Ich würde dann aber nie in Tränen ausbrechen.»

Dieser Erfolg sei jedoch kein Grund für sie, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. «Genau das Gegenteil ist der Fall. Der Sieg spornt mich weiter an. Ich will noch an vielen Wettkämpfen teilnehmen und Höchstleistungen erreichen.»

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