Der Schnell-Zug überfährt die Lakers
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Der EV Zug (links Sven Senteler und Justin Abdelkader auf Dominik Egli) hat die Rapperswil-Jona Lakers gebodigt. (Bild: Patrick Straub/freshfocus)

6:1 gegen den Aussenseiter Der Schnell-Zug überfährt die Lakers

4 min Lesezeit 25.04.2021, 22:09 Uhr

Dem EV Zug ist der Start in die Halbfinal-Serie gegen die Rapperswil-Jona Lakers geglückt: Die überlegenen Gastgeber haben das Überraschungsteam der diesjährigen Playoffs mit Tempo, Präzision und Effizienz überfordert. Rapperswiils Stammgoalie Melvin Nyffeler wurde nach dem 5:1 in der 35. Minute ausgewechselt.

So konnte es unmöglich weitergehen. Also nahm Rapperswils Cheftrainer Jeff Tomlinson unmittelbar nach dem dritten Gegentreffer sein Timeout, um seine Spieler wachzurütteln und die taktische Ordnung wiederherzustellen. Seine Mannen hatten im finalen Meisterkampf bislang zwei Pre-Playoff-Spiele gegen Bern und danach vier von fünf Viertelfinalpartien gegen Lugano gewonnen. Und jetzt drohten sie innert kürzester Zeit auseinander zu fallen.

Zu diesem Zeitpunkt waren nicht einmal 12 Spielminuten verstrichen. Zauberzwerg Lino Martschini hatte sich bereits als dritter Zuger Torschütze in diesen Halbfinals eintragen lassen. Im zweiten Anlauf hatte der Stürmer getroffen, nachdem sein erster Abschlussversuch noch geblockt worden war.

Der Ligadominator hatte die Partie früh in die von ihm gewünschte Richtung lenken können, weil der Aussenseiter aus der Ostschweiz die defensive Organisation verlor, wenn im Zuger Angriffsspiel Tempo und Präzision stimmten.

Zehnder erzwingt ersten Spielunterbruch

Den ersten Unterbruch der Partie überhaupt hatte Yannick Zehnder erzwungen. Er tat dies nach fast siebeneinhalb Minuten und ganz nach dem Gusto der Zuger. Die Aktion sah nicht wirklich gefährlich aus: Auf der linken Seite angespielt, zog Jungspund Zehnder nach innen und gab einen durch seinen Gegenspieler verdeckten Schuss ab. Rapperswils Goalie Melvin Nyffeler hatte keine Abwehrchance, der Handgelenkschuss schlug im hohen Eck zum 1:0 ein.

Nicht einmal 90 Sekunden später nutzte Justin Abdelkader die erste echte Torchance der Zuger. Der US-Stürmer bestrafte die Rapperswiler dafür, dass er alleine gelassen wurde. Er traf das Zuspiel von Lino Martschini von hinter dem Tor nicht mal richtig, der Puck fand trotzdem den Weg ins Tor zum 2:0.

Tomlinson Intervention mit seinem Timeout brach zwar den Schwung und die gnadenlose Effizienz der Zuger. Zumindest bis zur ersten Drittelspause konnte weiteres Unheil für die Gäste vermieden werden.

Verfällt der EVZ der defensiven Sorglosigkeit?

Es hätte gar noch besser kommen können: Im ersten Überzahlspiel für die Zuger liessen die Ostschweizer zwei gute Gelegenheiten aus, den Rückstand auf zwei Einheiten zu verkürzen. Doch scheiterte zunächst Andrew Rowe an Zugs Goalie Leonardo Genoni und traft Marco Lehmann aus guter Position das Tor nicht.

«Unser schlechtes Powerplay war wie ein Bruch, da verloren wir das Momentum», befand EVZ-Trainer Dan Tangnes hinterher.

Es stellte sich die zentrale Frage für den weiteren Spielverlauf: Gibt sich der EVZ der defensiven Sorglosigkeit hin oder bringt er den klaren Vorsprung humorlos über die Zeit?

Schliesslich hatten die Zuger während der Qualifikation nicht nur einmal einen Viertore-Vorsprung aus den Händen gegeben.

EVZ-Doublette kühlt Rapperswiler Mütchen

Zwar glückte den Rapperswilern später noch das 1:3 durch Kevin Clark, aber das Mütchen der Rapperswiler war mit einer Doublette der Zuger innerhalb von 23 Sekunden schnell gekühlt. Auf den Hocheckschuss von Carl Klingberg traf auch Raphael Diaz mit einem abgelenkten Weitschuss ins Netz. «Das hat dem Gegner definitiv den Glauben an eine Wende genommen», sagte Dan Tangnes.

Für Melvin Nyffeler bedeutete der erneute Rückschlag in der 35. Minute den vorzeitigen Feierabend. Tomlinson wollte seinen Stammgoalie, der mit seiner Abwehrquote von 82,14 Prozent an diesem Abend regelrecht abstürzte, nicht demoralisieren lassen und ersetzte Nyffeler durch Noel Bader.

Die Zuger liefen in der Folge nie mehr Gefahr, das Spiel noch aus den Händen zu geben. Der Gegner brachte sich schnell in Schieflage und fand nie mehr richtig ins Spiel zurück.

In allen Belangen überlegen

Die Rapperswil-Jona Lakers sind auf einen Melvin Nyffeler auf dem Niveau der Viertelfinals angewiesen (zentralplus berichtete), wenn sie dem EV Zug die Stirn in dieser Halbfinal-Serie bieten wollen. Sie haben jetzt eine Vorstellung davon, welches Leistungsniveau in allen Mannschaftsbereichen dafür erforderlich ist.

Im ersten Auswärtsspiel am nächsten Dienstag muss der EV Zug mit einer heftigen Reaktion der gebeutelten Rapperswiler rechnen. Schliesslich haben die Rapperswiler ihr erstes Viertelfinalspiel in Lugano 2:6 verloren, sich aufgerappelt und vier Siege in Folge eingefahren.

«Die Spieler sind sich bewusst, dass im nächsten Spiel ein anderer Wind wehren wird», ist Dan Tangnes überzeugt.

Kommt die passende Reaktion nicht oder hält ihr der EVZ Stand, droht dieser Halbfinalserie, in der drei Siege für ein Weiterkommen in die finale Ausmarchung reichen, ein schnelles Ende.

Man konnte es drehen und wenden, wie man wollte: Der EV Zug war dem Gegner in jedem Bereich überlegen und fuhr den bislang höchsten Sieg in diesen Playoffs ein.

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