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Der Sänger aus Lima mit einer Stimme voller Feuer
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Juan Diego Flórez begeisterte am Dienstag das Publikum im KKL. (Bild: Facebook)

Auftritt des Tenors Juan Diego Flórez im KKL Der Sänger aus Lima mit einer Stimme voller Feuer

3 min Lesezeit 22.01.2020, 11:19 Uhr

Der peruanisch-österreichische Tenor Juan Diego Flórez gab sich am Dienstag im KKL die Ehre. Als wahrer Clou des Konzerts entpuppte sich «Che gelida manina» aus Puccinis «La Bohème».

Kaum betritt Juan Diego Flórez den (nicht voll besetzten) Konzertsaal des KKL Luzern, steht das ganze Publikum schon in seiner Macht. Es begrüsst ihn mit einem langen, begeisterten Applaus. Und zwar noch bevor er seine vielseitige Kunst, seine formidable technische Virtuosität, die nunmehr weltweit vielgepriesenen Stärken seiner glanzvollen Stimme beweisen konnte.

Der Tenor der Superlative antwortet seinerseits mit der bekannten, wunderwirkenden Mischung aus Charme, Humor und Sympathie auf diese fast «standing ovation a priori».

Vor der Pause Viva Verdi

Die Beweglichkeit Flórez Stimme zeigt sich sofort mit «Questa o quella» aus Verdis «Rigoletto». Er singt die Ballade mit Überzeugung und Exuberanz. Vorher hatte die Philarmonie Baden Baden unter der Leitung von Michael Balke das Konzert mit der Ouverture zu «Nabucco», eigentlich mit etwas zu rasanten Tempi eröffnet.

Der erste Teil des Programms vor der Pause war ganz Giuseppe Verdi gewidmet. Sechs Arien im Ganzen, zwischen denen weitere Auftritte des Orchesters erfolgen.

Darunter ist auch das populäre Vorspiel zum 1. Akt der «Traviata», als richtigen link zu «Dei miei bollenti spiriti» aus der gleichnamigen Oper. Hier verzauberte der Sänger aus Lima mit einer Stimme voller Feuer die Zuschauer einmal mehr, besonders die Damen, denn es ist ja kein Geheimnis, dass Flórez ein Charmeur ist. Es war ein Vergnügen, auch zu verfolgen, mit welcher Leidenschaft und innerer Energie der Startenor diese Arie interpretierte.

Abwechslungsreiches Programm von Lehár bis Puccini

Mit drei Arien aus Operetten von Franz Lehár, darunter der mit Passion, Romantik und grosser Differenziertheit gesungene Ohrwurm «Dein ist mein ganzes Herz» aus «Das Land des Lächelns», zeigte Flórez dass er auch andere sängerische Herausforderungen souverän meistern kann.

Aber es blieb nicht dabei. Der Tenor fokussierte sich dann auf die französische Oper. Mit seiner enormen Familiarität mit dem französischen Fach berauschte er einmal mehr das Publikum. Man zitterte mit «Pourquoi me réveiller» aus «Werther». Man erinnerte sich unverzüglich an seine grossartige Wiedergabe der Titelrolle im 2017, anlässlich der Neuinszenierung von Massenets Oper im Opernhaus Zürich.

Mit betontem Herzschmerz, aber auch mit sehr eleganter Phrasierung, interpretierte er folglich «La fleur que tu m’avais jetée» aus der «Carmen»von Bizet. Als wahrer Clou dieses Teils des Konzerts entpuppte sich jedoch «Che gelida manina» aus Puccinis «La Bohème».

Einfühlungsvermögen und Gesangstechnik, Elan und Präzision vereinigten sich zu einer einmaligen Interpretation, die mit scheinbarer Mühelosigkeit zustande kam. Das Orchester Baden Baden trat auch hier zwischen den verschiedenen Interpretationen von Juan Diego Flórez auf, und zwar mit dem berühmten Ungarischen Marsch aus Berlioz «Damnation de Faust», präzis und überzeugend ausgeführt. Mit diesmal zu langsamen Tempi hingegen das Intermezzo aus Mascagnis «Cavalleria rusticana».

Nie ohne Zugaben

Kein Publikum, in keinem Saal der Welt würde je erlauben, dass ein Konzert von Juan Diego Flórez ohne Zugaben endet. Ohne Extra liess auch das KKL Publikum am Dienstagabend den grosszügigen, humorvollen Sänger nicht weggehen.

Juan Diego Flórez honorierte zuerst wie gewöhnlich seine lateinamerikanische Heimat, indem er sich selbst mit seiner Gitarre bei «El dia que me quiera», «Besame mucho» und «Cucurrucucú Paloma» brilliant begleitete.

Wieder mit dem Orchester und mit grosser Virtuosität gesungen folgte dann «Granada», womit die Begeisterung sich noch weiter steigerte. Der Abend konnte aber nicht ohne «Nessun dorma» aus Puccinis «Turandot» zu Ende gehen.

Mit dieser bekannten, atemberaubenden Paradearie, mit der alle grossen Tenöre ihre Konzerte beenden, verzückte Flórez mit diamantstrahlenden, sicheren Spitzentönen und bot jedoch eine sehr nuancierte Interpretation. Das Publikum stand schon lange und bejubelte diese weitere Glanzleistung. Man übertreibt nicht, wenn man von einem gewaltigen Begeisterungssturm spricht.  

Juan Diego Flórez singt «Bésame mucho» im KKL

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