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Der Platzhirsch markiert Volksnähe
  • Politik
Die SVP macht Wahlkampf, auch an der Luga. (Bild: Montage, bra)

Parteien an der Luga Der Platzhirsch markiert Volksnähe

4 min Lesezeit 24.04.2015, 10:00 Uhr

Gerade mal eine Partei nutzt im Wahljahr 2015 die Frühlingsmesse Luga. Gegen 120’000 Besucher aus der Region werden erwartet. Warum kommt es den anderen Parteien so kurz vor dem 2. Wahlgang nicht in den Sinn, ihre Wähler direkt anzusprechen? 

An die Luga strömen jedes Jahr gut 120’000 Personen. Sie schlendern durch die Verkaufsgassen, lassen sich informieren und haben meist ein offenes Ohr für allerlei Angebote. Das wissen auch die Luzerner Parteien. Allen voran die SVP. Die Partei nutzt das Publikum an der Frühlingsmesse und bereitet sich so für das Wahljahr 2015 vor – in der Halle 6, zwischen Versicherungen, der Luzerner Polizei und Komfort-Schuhen. 

Das Erstaunliche: Die SVP ist weit und breit die einzige Luzerner Partei, die in diesem Wahljahr 2015 an der Luga vertreten ist. Die Uhr tickt: Am 10. Mai findet der zweite Wahlgang für die Regierungsratswahlen statt. Im Oktober sind Nationalratswahlen. Doch für andere Parteien bleibt die Luga 2015 ein weisser Fleck. Politisieren sie am Volk vorbei?

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Von Amstutz bis Blocher 

Die Luga sei eine ideale Plattform, um sich als Partei zu präsentieren, sagt SVP-Präsident Franz Grüter: «Wir sind mit einem Piaggo-Werbemobil da. Und unsere Schweizer Polit-Prominenz wird zu fixen Zeiten am Stand anwesend sein.» Mit «Prominenz» meint Grüter die nationalen «Zugpferde» der SVP.

Am Freitag kommt der Berner Nationalrat Adrian Amstutz, am Mittwoch sagt Altbundesrat Christoph Blocher für zwei Stunden dem Publikum Hallo und am Samstag ist Präsident Toni Brunner dran. «Wie wollen nahe bei den Leuten sein, getreu unserem Motto ‹SVP bi de Lüt›», sagt Franz Grüter. Und selbstverständlich werde der Regierungsratskandidat und Krienser SVP-Gemeindepräsident Paul Winiker für Gespräche vor Ort sein. 

«Das ist sicher ein Vorteil» 

Ein Auftritt, der seine Wirkung nicht verfehlen wird. Da ist sich Politikberater Mark Balsiger sicher: «Wenn es eine Partei schafft, sich dort zu präsentieren, ohne die Gäste gleich mit Prospekten einzudecken – was abschreckt –, ist das sicher ein Vorteil.» Dann könne man auch noch zusätzlich Wähler mobilisieren.

«Wir konnten damals mit unserem Wettbewerb über 6’000 neue Adressen generieren. Für die Akquisition war das ein voller Erfolg.»

Pirmin Jung, Präsident CVP Luzern 

Dass die Luzerner SVP die nationalen Sympathieträger mitwirken lässt, welche die Fähigkeit haben, auf unkomplizierte Art mit den Passanten ins Gespräch zu kommen, sei entscheidend: «Schaffen sie diesen Brückenschlag nicht, ist die Präsenz an der Luga genauso unbedeutend wie Strassenaktionen auf dem Löwenplatz oder anderswo», meint Balsiger.

Über 6’000 Adressen generiert

Spielregeln: Für alle gleich

Grundsätzlich stehe die Luga jeder Partei offen, sagt Markus Lauber, Geschäftsleitungsmitglied der Messe Luzern AG. «Wir behandeln alle Aussteller gleich.» Es gebe einheitliche Spielregeln. Zum Beispiel, dass keine Flyer ausserhalb der Standfläche verteilt würden oder dass keine Plakate wild auf dem Gelände verteilt werden.

Was man gar nicht gerne sehe, seien «Trittbrettfahrer». Organisationen, die offziell nicht an der Luga sind und die Publikumsströme nutzen, um ihre Botschaften unter die Leute zu bringen.  

Eine Fläche wollte dieses Jahr eigentlich auch die CVP mieten, wie deren Präsident Pirmin Jung sagt. Die Christdemokraten waren letztes Jahr noch mit einem grossen Stand an der Frühlingsmesse präsent. «Wir konnten damals mit unserem Wettbewerb über 6’000 neue Adressen generieren. Für die Akquisition war das ein voller Erfolg.»

Aber dieses Jahr seien die freiwilligen Helfer der CVP mit einem intensiven Wahlkampf im Frühling und Herbst schlicht am Limit. «Eine Luga ist sehr ressourcenintensiv», so Jung. Zudem seien die nationalen Wahlen im Herbst noch zu weit weg. Deshalb habe man sich dieses Jahr gegen eine Teilnahme entschieden. 

Die CVP hat 2014 einen tiefen fünfstelligen Betrag für die Standmiete hingeblättert. Ein Quadratmeter kostet in einer festen Halle laut Ausschreibung 235 Franken, in einer Zelthalle 200 Franken. 

Besucher wollten nicht über Politik sprechen

Für die FDP hätten sich die vergangenen Auftritte an der Luga nicht wirklich gerechnet, sagt Parteipräsident Peter Schilliger. Vor zehn Jahren waren die Liberalen das letzte Mal an der Luga. «Wir haben dies intern damals diskutiert. Das Verhältnis Aufwand/Ertrag haben wir danach nicht als positiv gewertet.»

«Wir haben selber bekannte Leute, wir müssen diese nicht immer einfliegen»

Daniel Gährwiler, SP-Präsident a.i.

Einzelne Erkenntnisse aus der Aktion könne Schilliger nicht mehr nennen. «Das war vor meiner präsidialen Zeit. Ich war da etwa zwei bis drei Stunden am Stand. Ich weiss nur noch, dass die Luga-Besucher nicht gerne über Politik sprechen wollten.» 

Und was macht die SP?

Die SP steht im Wahlkampf momentan unter Zugzwang, besonders in diesen zwei Wochen vor den Regierungsratswahlen. In direkter Konkurrenz zum SVP-Kontrahenten Paul Winiker braucht die SP-Kandidatin Felicitas Zopfi genauso möglichst viel Publicity.

Für Daniel Gähwiler allerdings, Präsident a.i. und Wahlkampfstratege der SP Luzern, war ein SP-Auftritt an der Luga noch nie ein Thema: «Wir haben selber bekannte Leute, wir müssen diese nicht immer einfliegen», meint er zum Stelldichein der grossen SVP-Namen.

Es werden seitens SP momentan verschiedene Strategien für den Wahlkampf genutzt. «Wir mobilisieren stark über unser persönliches Netzwerk. Und wir haben diverse andere Aktionen, bei denen wir viele Leute im ganzen Kanton auf einmal erreichen können», sagt Gähwiler. «Wir sind zum Beispiel im Stadtzentrum am Bahnhof und präsentieren uns bei den Pendlern, dann auch auf dem Theaterplatz oder am Schwanenplatz.» 

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