Der oberste Luzerner Beizer nimmt die Bürgerlichen in die Pflicht
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Im Mai war Gastropräsident Ruedi Stöckli noch guter Dinge. Mittlerweile ist bei ihm die Stimmung gekippt. (Bild: zvg)

Angst vor verlängertem Beizen-Lockdown Der oberste Luzerner Beizer nimmt die Bürgerlichen in die Pflicht

3 min Lesezeit 06.01.2021, 05:00 Uhr

Der Präsident des Luzerner Gastroverbandes Ruedi Stöckli hat genug von den politischen Diskussionen und fordert eine Öffnung der Restaurants. Sollte hingegen der Beizen-Lockdown ausgedehnt werden, verlangt er rasch finanzielle Hilfe vom Staat. Der ehemalige SVP-Politiker richtet einen Appell an die Bürgerlichen – und flirtet mit den Linken.

Diesen Mittwoch wird der Bundesrat über allfällige weitere Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus informieren. Wie verschiedene Medien berichten, steht auch eine Verlängerung des Beizen-Lockdowns zur Diskussion. Branchenvertreter gehen mittlerweile davon aus, dass dieser Schritt auch tatsächlich eingeleitet wird.

Entsprechend alarmiert ist man beim Luzerner Gastroverband. «Ein weiterer Monat wäre natürlich dramatisch und verheerend. Man müsste eigentlich so schnell wie möglich wieder aufmachen», sagt Präsident Ruedi Stöckli, der zusammen mit seiner Frau das Landgasthaus «Strauss» in Meierskappel führt. «Wir Beizer sind nämlich das Bauernopfer, obwohl das Beispiel Deutschland zeigt, dass die Fallzahlen auch nach einer Schliessung der Restaurants gestiegen sind.»

Appell an die Bürgerlichen

Stöckli hofft darum, dass die verlängerte Schliessung der Gastronomie doch nicht eintrifft. Für den Luzerner ist aber klar, dass die Politik sich jetzt bewegen und Geld für die Branche sprechen muss. Er appelliert insbesondere an die bürgerlichen Parteien, über ihren Schatten zu springen und die staatlichen Schatullen zu öffnen. «Und zwar brauchen wir keine weiteren Covid-Kredite, die wir in den nächsten Jahren zurückzahlen müssen, sondern à-fonds-perdu-Beiträge», sagt er mit Nachdruck.

«Der Bundesrat hat in der freien Marktwirtschaft nichts verloren.»

Ruedi Stöckli

«Wenn der Staat in den Markt eingreift, soll er für den entstehenden Schaden aufkommen. Das ist so klar wie das Amen in der Kirche. Denn der Bundesrat hat in der freien Marktwirtschaft nichts verloren.» Stöckli betont, dass der Bund sonst für viele andere Aufgaben auch Geld ausgebe.

Weil sich die Gastrobranche im Stich gelassen fühlt, gingen kurz vor Weihnachten in der Luzerner Altstadt hunderte Menschen auf die Strasse (zentralplus berichtete). Seit der Aktion habe sich allerdings noch nicht merklich etwas getan, sagt Stöckli.

Ein Hoffnungsschimmer am Horizont

Im Luzerner Kantonsrat zumindest scheint man teilweise Gehör zu finden für die Anliegen. Ein dringlicher Vorstoss verlangt eine staatliche Unterstützung für Beizen und Bars. Konkret wird eine Lösung für die Geschäftsmieten vorgeschlagen, die sich an der mittlerweile im Kanton Basel-Stadt angewandten Praxis orientiert: Der Kanton soll Vermieterinnen bis zu einem Drittel des Mietzinses zurückerstatten, wenn diese im gleichen Umfang die Miete für den Mieter senken (zentralplus berichtete).

«Im Moment habe ich das Gefühl, dass die Linken uns Gastronomen näher sind als die Rechten.»

Ruedi Stöckli

Eingereicht wurde die Motion von SP-Fraktionschef Marcel Budmiger. Bislang einziger Mitunterzeichner ist Ferdinand Zehnder (CVP), der das Hotel «De la Paix» beim Löwenplatz in Luzern führt. Budmiger hofft jedoch noch auf weitere Unterstützer, wie er auf Anfrage sagt. Am liebsten aus möglichst allen Parteien. Wie für Ruedi Stöckli ist auch für Budmiger klar, dass der Staat die Folgen des Beizen-Lockdowns stemmen muss.

Austausch mit dem Regierungsrat am Donnerstag

Angesprochen auf den Vorstoss, sagt Ruedi Stöckli, der mehr als zwanzig Jahre für die SVP, unter anderem im Kantonsrat, politisierte: «Es ist traurig, aber wahr: Im Moment habe ich das Gefühl, dass die Linken uns Gastronomen näher sind als die Rechten.» Deswegen habe er sich in den letzten Tagen einige bürgerliche Politikerinnen zur Brust genommen.

«Die Bürgerlichen sagen stets, dass man den Markt spielen lassen solle. Ich wies sie darauf hin, dass dieser ja gar nicht mehr spiele», fasst Stöckli seinen Appell zusammen. Er spüre aber, dass die Bürgerlichen «dies langsam begreifen, während sie zu Beginn nichts davon wissen wollten. Langsam werden sie einsichtig».

Wie es im Kanton Luzern weitergeht, soll sich diesen Donnerstag zeigen. Dann trifft sich Ruedi Stöckli mit dem Regierungsrat zu einer Aussprache. Am Gespräch wird er den Forderungen der Branche nochmals Nachdruck verleihen.

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