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Der Neue sollte den Spagat beherrschen
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Dominique Mentha im Einsatz bei der Probe für «Die Antilope» im Luzerner Theater. (Bild: Philipp Schmidli)

Luzerner Theater vor neuer Führung Der Neue sollte den Spagat beherrschen

4 min Lesezeit 06.11.2014, 04:11 Uhr

Bereits heute wird verkündet, wer ab 2016 die Intendanz des Luzerner Theaters übernehmen wird. In eineinhalb Jahren endet dann die zwölfjährige Amtszeit von Dominique Mentha. Der 59-Jährige hat bis dahin noch einiges in Luzern vor, sieht nach vorne und riskiert aber auch ein paar wehmütige Blicke zurück.

«Ja, ich weiss wer kommt», lacht Dominique Mentha. «Aber ich sage gar nichts.» Auch die Mitarbeiter wurden noch nicht eingeweiht.

Die Situation sei gerade sehr spannend für alle. Besonders aber für die Künstler, da der Wechsel grosse Veränderungen für sie nach sich ziehen kann. «Aber ich denke am meisten aufgeregt ist meine Nachfolge», lacht Mentha.

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Sehr guter Zustand

Diese werde eigene künstlerische Akzente setzen können. Die Basis dazu sei vorhanden. «Das Theater ist in einem guten Zustand. Man kann sagen: In einem sehr guten Zustand.» Unter Menthas Leitung hat sich das Luzerner Theater in den letzten zehn Jahren stabilisiert. Die Zuschauerzahlen sind gut, 2013 waren sie gar auf dem höchsten Stand seit der Spielzeit 2000/2001. Vor allem bei den jungen Zuschauer hat das Theater an Beliebtheit gewonnen. «Derzeit ist ungefähr jeder zehnte Besucher ein Jugendlicher oder ein Kind.»

«Ich spüre eine Traurigkeit in der Seele.»
Dominque Mentha, Direktor des Luzerner Theaters

Die letzten Tage vor der Verkündung seiner Nachfolge habe er sich doch einige Gedanken gemacht. «Ich spüre eine Traurigkeit in der Seele. Das zeigt mir, wie gerne ich hier arbeite. Es ist einfach schön mit dem Team hier.» Es sei aber auf keinen Fall wie in einer Familie, betont Mentha. «Familien sind das Zentrum der grossen Hässlichkeiten, der grossen Tragödien. Wir sind hier eher gute Kollegen», lacht er.

Verantwortung für die Möglichkeiten

Als Direktor müsse man einiges an Verantwortung übernehmen. «Nicht nur für das Theater, die Künstler und Angestellten, sondern auch für das Publikum und für die Möglichkeiten, die das Theater bietet – für die Qualität.»

Dominque Mentha

1987 wurde der gebürtige Berner Oberspielleiter am Stadttheater Würzburg. Anschliessend übernahm er dieselbe Funktion an den Städtischen Bühnen Münster und 1992 ging er als Direktor an das Tiroler Landestheater in Innsbruck. Von 1999 war er für vier Jahre der Künstlerische Leiter an der Volksoper Wien.

Seit 2004 ist Dominique Mentha Direktor des Luzerner Theaters. Zu seinen letzten Regiearbeiten am Luzerner Theater gehören beispielsweise «Die Zauberflöte», «Kiss Me, Kate», «Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch» und vor kurzem «Die Antilope».

Gerade in einer kleinen Stadt mit nur einem grossen Theater sei die Breite des Angebots wichtig. «Man muss den Spagat schaffen – man kann nicht nur eine Ästhetik bedienen. Man muss eine Balance finden – zwischen dem, was das Publikum will und dem, was man selbst künstlerisch vertritt», sagt der 59-Jährige.

Das Zentralschweizer Publikum sei eher konservativ und vor allem rational. «Es gibt selten wirkliche Euphorie, obwohl man merkt, dass es ihnen gefällt, aber auch selten die grosse Aufregung und Verteufelung.» Was das Zentralschweizer Publikum aber ganz bestimmt sei: treu. «Auch wenn es mal nicht begreift, was wir ihnen sagen wollen – es kommt trotzdem wieder. Und es hat sein Theater gern.»

Kein Rückblick zum Jubiläum

Derzeit feiert das Luzerner Theater das 175 Jahre-Jubiläum. «Wir wollten dabei aber nicht zurückblicken, sondern nach vorne. Wir haben daher in dieser Spielzeit beispielsweise sehr viele Uraufführungen.» Man könne sehen, dass das Theater trotz seines hohen Alters noch sehr vital sei. An dieser Viatlität haben auch die stark engagierten Hausautoren ihren Anteil. Die 23-jährige Katja Brunner beispielsweise polarisiert und provoziert mit ihren Texten immer wieder. «Ich weiss gar nicht, was die Leute daran provokant finden. Ich finde Hausautoren nur provokant, wenn sie nicht provokant sind», so Menta.

Die Zuschauerzahlen

Viele Theater haben Probleme, im Sprechtheater die Plätze zu füllen. Schweizweit sind die Zuschauerzahlen seit 2006 um ganze 10 Prozent gesunken. Das Theater Neumarkt beispielsweise hatte in der letzten Spielzeit sogar 50 Prozent weniger Zuschauer. «Das kann man nicht so kurzfristig betrachten», so Mentha. Die Konkurrenz werde immer grösser, das Publikum immer beweglicher. «Das ist auch gut so, aber man kann sich weniger auf etwas verlassen. Ich habe das Luzerner Theater in einer schwierigen Zeit übernommen, die Auslastung war sehr tief.» Mit einer solchen Ausgangslage könne man sich natürlich positiv entwickeln. «Aber es geht uns deshalb nicht viel besser als anderen Häusern.»

Gerade mit der Entwicklung des Theaterwerk Luzern beziehungsweise der Salle Modulable müsse nun der Wert des Theaters hochgehalten werden. «Man kann das nicht einfach alles in die Reuss schmeissen. Nun ist Sensibilität in der Kulturpolitik gefragt.»

«Ich finde Hausautoren nur provokant, wenn sie nicht provokant sind.»
Dominique Mentha, Direktor des Luzerner Theaters

Er werde Luzern nach der Spielzeit 2015/2016 wieder verlassen. «Man muss auch loslassen können. Ich möchte auch nicht ständig im Luzerner Theater die zukünftigen Stücke kritisieren und kommentieren müssen.» Er werde sich wieder mehr auf seine Regie-Arbeiten fokussieren. Nach Biel möchten Mentha und seine Frau ziehen. «Die Atmosphäre und die Zweisprachigkeit gefällt uns.» Jeweils die Hälfte des Jahres wollen sie auf einer Insel vor Seattle verbringen. «Das ist der Plan.»

Und was er Grosses zu seinem Abgang 2016 plant? «Das sage ich nicht. Zuerst wollte ich eigentlich noch eine Inszenierung in der Werft machen, so wie zu Beginn meiner Intendanz. Das ist jedoch 2016 wegen Bootsbauarbeiten nicht möglich und eigentlich auch gut so. Denn man soll nicht so aufhören, wie man angefangen hat.»

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