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Der neue Chef sagt, wo’s im Luzerner Altersheim «Eichhof» klemmt
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Das Alters- und Pflegeheim Eichhof in Luzern. (Bild: zvg)

Joel Früh reagiert auf Kritik am Betrieb Der neue Chef sagt, wo’s im Luzerner Altersheim «Eichhof» klemmt

6 min Lesezeit 27.10.2018, 05:03 Uhr

Nach diversen Abgängen, Unruhe und viel medialer Kritik hat das Betagtenzentrum «Eichhof» wieder einen festen Leiter. Joel Früh gehörte schon zuvor zum Viva-Kader. Er sagt, wie er den Koloss mit 300 Betten in die Zukunft steuert.

Es waren schwere Vorwürfe, die im August die Runde machten: Das Personal des Alters- und Pflegeheims Eichhof arbeite am Limit, die Folgen: Die Qualität leide, Kündigungen nähmen zu (zentralplus berichtete). Dazu kamen Vakanzen im Kader: Eichhof-Betriebsleiterin Judith Bieri trat zurück und auch der Leiter Gastronomie, der oberste Personalverantwortliche und die Pflegedienstleiterin gingen.

Turbulente Zeiten also für den «Eichhof». Der neue Leiter heisst Joel Früh, der diese Funktion seit dem Abgang von Judith Bieri schon interimistisch wahrnahm. Früh arbeitet seit 2014 bei Viva Luzern, war Betriebsleiter über alle Viva-Heime und Geschäftsleitungsmitglied. Wie hat Früh, der selbst als Sohn zweier Pflegefachkräfte aufgewachsen ist, in seiner neuen Führungsaufgabe auf die Medienpräsenz reagiert?

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zentralplus: Joel Früh, was haben Sie im Eichhof angetroffen, als Sie im Juli interimsweise die Führung des Eichhofs übernommen haben?

Joel Früh: Ich habe Mitarbeitende angetroffen, die sehr dankbar gewesen sind, dass man sie angehört und dabei ernst genommen hat, dass jemand auf die Abteilung gekommen ist und das Gespräch gesucht hat.

zentralplus: Haben Sie in den Gesprächen gespürt, was im Eichhof fehlt? Ist es der Koloss? Oder etwas einfach gefragt: Wo klemmt’s?

Früh: Das muss ich noch vertieft klären. Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, Teamleitern, anderen Mitarbeiterinnen, Angehörigen, Bewohnerinnen. Trotz der Grösse des Zentrums ist jede Abteilung für sich ein Lebensraum. Von den Bewohnern und Angehörigen habe ich bislang fast ausschliesslich positive Reaktionen mitbekommen. Auf den einzelnen Abteilungen spielt die Grösse des Betagtenzentrums eine untergeordnete Rolle.

«Ich will die Führung und Kommunikation stärken.»

zentralplus: Und die Mitarbeiterinnen?

Früh: Die Aussagen waren unterschiedlich. Ich traf Teams an, da sind die Mitarbeitenden rundum zufrieden, und solche, die herausgefordert sind. Gründe dazu gibt es einige, zum Beispiel der Personalbestand, krankheits- oder unfallbedingte Ausfälle, Ferienabwesenheiten bis hin zu herausfordernden Situationen unter den Bewohnern und Bewohnerinnen.  

zentralplus: Die Antwort trifft nicht den Kern des Unbehagens. Das konzentrierte sich nicht auf Juli und August dieses Jahres. Schon seit Längerem nimmt man Führungsprobleme im Eichhof wahr.

Früh: Es sind wohl verschiedene Faktoren, die dazu beigetragen haben. Die Kommunikation ist einer davon. Und danach sehnten sich die Mitarbeiter. Sie wollten ernst genommen werden. Das Tagesgeschäft funktioniert. Es ist auch eine Frage der Stimmung. Zum Negativbild beigetragen hat sicher der Umstand, dass Kaderstellen nicht besetzt werden konnten.

Der neue Betriebsleiter des Betagtenzentrums Eichhof: Joel Früh.

Der neue Betriebsleiter des Betagtenzentrums Eichhof: Joel Früh.

(Bild: zvg)

zentralplus: Wie sind Sie denn am Anfang vorgegangen?

Früh: Ich habe nach kurzer Zeit die Kadermitarbeiter versammelt und ihnen erklärt, dass ich Kader und Teams stärken möchte. Ich habe Themen gesammelt, welche die Leute beschäftigten. Dazu zählte der Umzug des Hauses «Diamant» wie auch die Küche. Ich will jetzt vorab Führung und Kommunikation stärken. Danach sehnten sich die Mitarbeiterinnen.

zentralplus: Sie haben die Führung im Eichhof definitiv übernommen und sind als Leiter aller Betriebe (der Heime) aus der Viva-Geschäftsleitung ausgeschieden. Was hat Sie zu diesem Wechsel bewogen?

Früh: Es gibt immer zwei Fragen bei solchen Wechseln: Was ist richtig für die Organisation, und was stimmt dann auch für mich? Da waren zuerst die Mitarbeiter, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, obwohl sie noch im Ungewissen waren, wer jetzt künftig den Eichhof leiten werde. Die Langfristigkeit war noch nicht gegeben.

Zudem: Es dauert sechs bis neun Monate, bis man eine derartige Führungsposition neu besetzen kann. Dabei geht es nicht nur um die fachliche Qualifikation. Der Eichhof ist so etwas wie eine Grossfamilie. Es gibt hier rund tausend Menschen, welche mit diesem Sozialraum verbunden sind: 300 Bewohner, 300 Mitarbeiterinnen und gut 300 Angehörige.

«Wir haben Zweierzimmer, die schwierig zu besetzen sind.»

zentralplus: Und wieso sind Sie definitiv geblieben?

Früh: Es dauert ein bis zwei Jahre, bis eine Führungskraft wieder volle Wirkung entfalten kann. Daraus folgte: Wenn ich nicht hierbleibe, entsteht wieder ein Führungsvakuum von einem bis zu zwei Jahren. Das wäre ein neuer Nachteil gewesen. Darum: Ich wollte diesem Betrieb für die nahe Zukunft eine stabile Situation ermöglichen. Das ist sehr wichtig. Dazu kam eine Güterabwägung: Die Perspektive für Viva Luzern kann nur gut sein, wenn es an der Basis stimmt. Und der Eichhof macht zurzeit einen Drittel aller Pflegeplätze aus, die Viva Luzern anbietet.

zentralplus: Gibt es eine besondere Zielsetzung für Ihr Wirken als Betriebsleiter im Eichhof?

Früh: Ich möchte den Eichhof zu einem Lebensraum machen, in dem Mitarbeiter, Bewohnerinnen und Angehörige möglichst selbstbestimmt und zufrieden leben und wirken können. Das Heim soll in einer guten Grundstimmung funktionieren, mit einer Basis, auf der man auch künftige Projekte aufbauen kann.

zentralplus: Wo könnten Steine im Weg liegen für diese gute Absicht?

Früh: Wir brauchen genügend Fachkräfte, wie alle Betriebe in der stationären Langzeitpflege. Wir haben Zweierzimmer, die teilweise schwierig zu besetzen sind. Mit diesen Fakten sind aber diverse Heime konfrontiert. Was bei uns dazukommt, ist der Umzug der Bewohner vom Diamant nach Dreilinden im Sommer 2019, wenn hier mit dem Um- oder Neubau begonnen wird. Das Pflegepersonal geht gesamthaft mit. Aber es gibt andere Betriebsteile, die nicht als ganzes Team wegziehen und wo eine Neuorganisation im ganzen Eichhof notwendig wird, zum Beispiel Administration, Reinigung, Wäscherei und Küche.

zentralplus: Im Diamant sollen Alterswohnungen mit Dienstleistungen entstehen.

Früh: Diese Planung läuft bei Viva Luzern. Aber das ist ein übergeordnetes Projekt, das nicht im Eichhof alleine entschieden wird. Aktuell suchen wir eine Zwischennutzung.

«Ich kann nicht das Wohl jedes Einzelnen persönlich verbessern.»

zentralplus: In welcher Richtung?

Früh: Das kann zum Beispiel eine Übergangslösung werden für die Bewohnerinnen eines anderen Heimes. Die Diskussion läuft.

zentralplus: Zu den Baustellen im Eichhof gehört die grosse Zentralküche. Die einzelnen Viva-Heime werden in Zukunft selber kochen, im Wesemlin, Staffelnhof und Rosenberg ist es bereits so weit.

Früh: Die Küche muss neu aufgestellt werden und die Aufgaben verschieben sich, vom Eichhof in andere Heime. Und es gibt Fluktuationen. Wir werden also nicht plötzlich zehn Personen zu viel haben. Die grössere Herausforderung ist die betriebliche Umstellung. Wir haben noch andere Kunden, nicht nur die Viva-Heime.

zentralplus: Ist die Eichhof-Küche jetzt nicht einfach zu gross?

Früh: Der Eichhof hat sicher viel Küchenkapazität. Wir nutzen sie auch für andere Kunden. Aber es steht eine Reorganisation mit neuen Prozessen an.

zentralplus: Und der Koloss Eichhof? Wird die Aufgabe gesamthaft etwas einfacher, wenn der Diamant mit den Alterswohnungen nicht mehr zum Eichhof-Betrieb gehört?

Früh: Die Bettenzahl wird von rund 300 auf etwa 220 reduziert. Ich sehe da Vorteile. Der persönliche Bezug zwischen Führung, Mitarbeitern und Bewohnerinnen wird einfacher. Es wird überschaubarer, näher einfach. Das ist eine Chance.

zentralplus: Wir reden von Strukturen, Betten, Reorganisation. Was können Sie für den einzelnen Bewohner tun, damit er sich aufgehoben fühlt?

Früh: Das bewegt mich sehr. Es steht ein Kadertag an, an dem ich genau diese Themen diskutieren möchte. Ich kann nicht das Wohl jedes Einzelnen persönlich verbessern. Aber ich kann dafür sorgen, dass das andere so machen. Das ist meine Aufgabe. Ebenso wichtig wie Strukturen sind die Personen, die sie beleben. Ich will Mitarbeiterinnen so ausrüsten, dass sie auf ihren Abteilungen das Beste für ihre Bewohner geben können.

Dieses Interview ist auf Luzern60plus erschienen.

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