Der Luzerner Pfistergasse droht eine Abwärtsspirale
  • Wirtschaft
Für Matteo Schaffhauser, Präsident des Quartiervereins Kleinstadt, ist die Pfistergasse grundsätzlich ein attraktiver Standort für das Gewerbe. (Bild: bic)

Leere Lokale in der Kleinstadt Der Luzerner Pfistergasse droht eine Abwärtsspirale

3 min Lesezeit 1 Kommentar 29.07.2020, 11:58 Uhr

Gleich drei Ladenlokale stehen an der Luzerner Pfistergasse leer. Sollte sich das nicht ändern, könnten bald die nächsten Gewerbler aufgeben. Dennoch bleibt der Präsident des Quartiervereins vorläufig optimistisch.

Leerstehende Ladenflächen, Geschäftsschliessungen und die Zukunft des Gewerbes sind in Luzern ein Dauerthema. Derzeit auch im Anzeiger des Quartiervereins Kleinstadt. Dieses liegt rund um die Pfistergasse, die Burgerstrasse und den Franziskanerplatz.

Grund sind drei Ladenlokale an der Pfistergasse, die momentan verwaist sind. Die Mieter, ein Sushi-Laden, Harry’s Souvenirshop sowie das Möbelgeschäft «Wohnteam Collection», sind vor Kurzem ausgezogen. Das Möbelhaus hat an der Maihofstrasse eine neue Bleibe gefunden. Es musste den bisherigen Standort aufgeben, weil das Haus umgebaut wird. Der Souvenirladen gehört zum Zürcher Schmuckgeschäft Harry, das im Besitz der entsprechenden Liegenschaft ist. Corona dürfte eine wichtige Rolle für die Aufgabe des Geschäfts im Parterre sein. Die Ware lagert aktuell im zweiten Stock.

Fehlende Touristen wegen Corona

Entsprechend besorgt über die Lage zeigt sich der Quartiervereinspräsident und Inhaber der Alten Suidter’schen Apotheke, Matteo Schaffhauser. «Wenn ein Laden schliesst, hat das Auswirkungen auf die anderen Geschäfte in der Innenstadt, da die Frequenzen bei den Passanten zurückgehen. Deshalb ist es wichtig, dass die Lokale so rasch wie möglich wieder vermietet werden.»

Schaffhauser bezieht sich dabei auf eine Studie der Credit Suisse von 2019, die vor einem solchen Teufelskreis in den hiesigen Innenstädten warnt. Deshalb richtet der Quartierverein einen Appell an die Öffentlichkeit, sich zu melden, sollte man potenzielle Mieterinnen für die Ladenflächen kennen.

Die Gründe, die Schaffhauser für die Schliessung der Geschäfte nennt, sind altbekannt: Das wohl grösste Problem sei der Online-Handel. Der Sushi-Laden habe aber von Beginn an zu kämpfen gehabt und die wegen Corona ausbleibenden Touristen hätten ihm letztlich wohl den Todesstoss versetzt.

Gleich drei Geschäfte nebeneinander stehen an der Pfistergasse derzeit leer. (Bild: bic)

Im Gespräch mit den Vermietern

Dennoch ist Schaffhauser grundsätzlich positiv gestimmt, was die nahe Zukunft des städtischen Einfallstors betrifft. «Eine Diskussion sind wie überall in der Innenstadt die Mieten. Deshalb stehen wir laufend im Dialog mit den Besitzern der Liegenschaften. Diesbezüglich spüre ich ein Entgegenkommen.»

Denn auch die Vermieter wüssten um die Wichtigkeit einer attraktiven Erdgeschossnutzung für die ganze Innenstadt. Dass der Pfistergasse dasselbe Schicksal wie dem Grendel blüht, glaubt der Apotheker folglich nicht.

«Wir wären die Verlierer, sollte dies tatsächlich passieren.»

Matteo Schaffhauser, Präsident Quartierverein Kleinstadt

Hinzu komme, dass die Pfistergasse grundsätzlich ein attraktiver Standort für Läden und anderes Gewerbe sei. Anpassungen seien deshalb nicht nötig. Eine vom Stadtrat geplante Aufwertung durch Pflastersteine wurde von den bürgerlichen Parteien im Stadtparlament vor etwas mehr als einem Jahr folglich versenkt (zentralplus berichtete).

Zuversichtlich – auch dank der Parkplätze

Dass die Pfistergasse nach wie vor ein beliebter Standort für das Gewerbe ist, habe auch damit zu tun, dass es in der unmittelbaren Umgebung genug Kurzzeitparkplätze gibt. Dass die Stadt bei der Obergrundstrasse den Abbau von Parkplätzen plant (zentralplus berichtete), bereitet Schaffhauser deshalb trotz einiger Zuversicht Sorgenfalten.

Grund für die bleibende Zuversicht sei weiter, dass man mit diversen Interessenten für die Ladenlokale im Gespräch stehe. Bei der Auswahl wird, zusammen mit den Vermietern, auf einen ausgeglichenen Branchenmix geschaut. Mehr will Schaffhauser aber nicht verraten.

Angst vor möglichem Umzug der Museen

Bauchschmerzen bereiten ihm hingegen die Pläne des Kantons, das Kantonsgericht in die Räumlichkeiten des Naturmuseums zu zügeln. Das Museum würde dafür voraussichtlich ins alte Zeughaus an der Museggstrasse verlegt (zentralplus berichtete).

«Wir wären die Verlierer, sollte dies tatsächlich passieren», moniert der Gewerbler. Denn durch den Wegfall der Museen am Kasernenplatz würden die wichtigen Touristenströme in der Pfistergasse künftig wohl mehr oder weniger ausbleiben und der Optimismus schneller schwinden als geglaubt.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 245 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. Markus Kanthack, 29.07.2020, 21:49 Uhr

    Es ist der beste Teil der Stadt. Hier gibts die grösste Vielfalt an wirklich alternativen Geschäften und es werden immer mehr.

Wie viel ist Dir unabhängiger Journalismus wert?

Schön besuchst Du zentralplus. Für Dich gehen wir vor Ort, sind mitten drin und nahe dran. Doch ganz gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Um die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben, benötigen wir Deine Unterstützung. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

Schön besuchst Du zentralplus. Du verwendest einen Adblocker. Werbung ist für eine wichtige Einnahmequelle, die uns hilft, die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben. Denn gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

CHF