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Der legale Weg zu einer blauweissen Stadt
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Probieren kann man es ja: Auch die Kapellbrücke würde sich in Blau und Weiss gut machen. (Bild: Bildmontage zentralplus)

Illegale Strassenbemalung am Bundesplatz Der legale Weg zu einer blauweissen Stadt

4 min Lesezeit 2 Kommentare 12.11.2019, 15:20 Uhr

Ob man es nun schön findet oder nicht: Die Aktion von FCL-Fans am Bundesplatz ist eine Sachbeschädigung. Es gibt aber auch andere Wege für mehr Blauweiss in der Stadt.

Im Büro von Thomas Schmid, dem Leiter des städtischen Strasseninspektorats, hängt ein FCL-Shirt am Herrendiener. «Ich besuche regelmässig Fussballspiele des FC Luzern. Ja, ich würde mich schon als Fan bezeichnen.» Ob ihm die blauweiss bemalten Randsteine (zentralplus berichtete) auf den Verkehrsinseln am Luzerner Bundesplatz gefallen, sagt er nicht. «Es spielt für meine Arbeit auch keine Rolle.»

Seine Aufgabe ist es, nun eine Beurteilung vorzunehmen. «Grundsätzlich behandeln wir die Aktion als einen Akt von Sachbeschädigung», führt er aus. Eine Anzeige gegen die Vandalen hat die Stadt noch nicht eingereicht, dies werde aber geprüft.

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Der nächste Schritt sei es abzuklären, ob die Farbe entfernt werden muss (zentralplus berichtete). «Die Frage ist, ob die Verkehrssicherheit gewährleistet ist oder ob sich Autolenker gestört fühlen oder abgelenkt werden.» Für diese Beurteilung werden Spezialisten konsultiert. Die werden sich anschauen, ob etwa die Farbfolge mit den blauweissen Abstufungen die Signalisation am Bundesplatz beeinträchtigt.

Rund um den Bundesplatz sehen die Verkehrsinseln jetzt so aus.

Erst wenn klar ist, ob die Farbe weg muss oder nicht, kann auch eine Kostenschätzung vorgenommen werden. Jetzt schon klar ist: Die Stadt und der FC Luzern werden sich über die Kosten für den Polizeieinsatz unterhalten müssen. Wird ein direkter Zusammenhang mit dem Spiel vom Samstag hergestellt, zahlt der FC Luzern wohl einen Teil der Zeche. «Wir sehen die Stadt liebend gern in Blau und Weiss, unbewilligte Aktionen können wir aber nicht gutheissen», sagt FCL-Mediensprecher Krienbühl, der sich im Moment nicht weiter dazu äussern will.

Aktion löst möglicherweise ein Dilemma aus

Wie im Fall der Bleicherbrücke, die bis heute in den Clubfarben erstrahlt, wäre es sogar möglich, dass die verkehrsreiche Passage in unmittelbarer Nähe zum Fanlokal «Zone 5» farbig bleibt. Es wäre ein Sieg für die FCL-Vandalen – abgesehen davon, dass einigen von ihnen Strafe droht, wenn sie doch noch erwischt werden.

Die Stadt ist hier im Dilemma: Selbst wenn die Experten zum Schluss kommen, dass die Farbe aus Sicherheitsgründen bleiben darf, wird sie sich deren Entfernung dennoch überlegen müssen. Denn bleiben die Randsteine blauweiss, wird die illegale Aktion im Nachhinein belohnt. Entfernt die Stadt die Farbe dann trotzdem, löst sie damit Kosten aus, die eigentlich nicht notwendig wären.

Der legale Weg zu einer blauweissen Stadt

Doch es gibt auch legale Möglichkeiten, mehr Farbe in die Stadt zu bekommen. Ein vergleichbares Beispiel ist der bemalte Theaterplatz, der vom September 2017 bis im Juli 2019 einen anderen Anstrich bekam. Das Stichwort: Kunst im öffentlichen Raum. Auch hier musste abgeklärt werden, inwiefern die angebrachte Farbe die Verkehrssicherheit tangiert.

Das Werk am Luzerner Theaterplatz war bis im Juli 2019 zu sehen.

Noch einmal Strasseninspektor Thomas Schmid: «Damals hat der Künstler gemeinsam mit dem Theater die Idee entwickelt.» Damit gelangte man an die öffentliche Verwaltung. «Dort wurde die mögliche Gestaltung nach verkehrs- und umweltrechtlichen Kriterien geprüft und angepasst», so Schmid. Experten beurteilten zudem den künstlerischen und gestalterischen Wert des Werks. «Der Prozess von der Idee bis zur temporären Umsetzung dauerte mehrere Monate.» 

Initiative müsste von den Fans kommen – oder vom FCL

Übertragen auf die blauweissen Randsteine bedeutet dies laut Schmid: «Die Fans, die das Lokal beim Bundesplatz betreiben, könnten mit dieser Idee an die Verwaltung herantreten.» Anschliessend würde gemeinsam geprüft, ob und wie eine Umsetzung möglich wäre.

Von der USL, dem Fanclub der eingefleischten FCL-Fans, hat sich auf Anfrage von zentralplus noch niemand zu dieser Möglichkeit geäussert.

Es wäre der Weg zu einer blauweissen Stadt, wie ihn sich bestimmt auch die FCL-Verantwortlichen wünschen würden. Sie könnten dies auf eigene Initiative tun. Doch bevor die Stadt Luzern komplett in Blau und Weiss erscheint, hat der Club andere Aufgaben zu lösen. Zum Beispiel, seine Fans im Stadion mit fussballerischer Leistung wieder zufriedenzustellen.

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2 Kommentare
  1. Cecilia Demarmels, 14.11.2019, 14:41 Uhr

    Wir waren sehr angenehm überrascht und erfreut, an den frisch markierten Verkehrsinseln, die am unübersichtlichen Bundesplatz dadurch endlich besser sichtbar sind. Erst im zentralplus haben wir den Hintergrund erfahren. Etwas schöner und professioneller gestrichen, wären wir dafür, dass dies so bleibt.

  2. Laurin Villiger, 14.11.2019, 13:04 Uhr

    Das waren aber nicht besonders fähige Spezialisten, die damals die Sicherheit beim Theaterplatz beurteilten. Bei Regen flog das eine oder andere Velo horizontal über die Fläche. Und nach wenigen Wochen wurden ja dann Schilder aufgestellt “Achtung Rutschgefahr”.