Der Kommentar
Noch kein Entscheid zur Fasnacht 2021

Wieso die Luzerner Guuggenmusigen und Behörden zuwarten können

Dass es diese Bilder 2021 nicht geben wird, ist wohl jedem klar. Doch gibt es Alternativen zur gewohnten Fasnacht? (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Die Vereinigten Guuggenmusigen haben noch nicht entschieden, ob sie im kommenden Jahr in irgendeiner Form Fasnacht machen, oder ob sie es definitiv bleiben lassen. Wieso dieses Vorgehen durchaus angezeigt ist.

Die Lozärner Fasnacht 2021 ist tot. Es lebe die Lozärner Fasnacht 2021! So lässt sich die aktuelle Situation rund um die «rüüdigen Tage» des kommenden Jahres in etwa zusammenfassen. Während das Luzerner Fasnachtskomitee (LFK) seine grossen Anlässe wie die Umzüge oder den Fasnachtsmärt unter der Egg aus nachvollziehbaren Gründen abgesagt hat, wollen andere Organisationen wie die Vereinigten Guuggenmusigen noch keine Pflöcke einschlagen und lassen sich alle in Zeiten einer Pandemie möglichen Optionen offen. «Das Monstercorso können wir auch am Nachmittag des Güdisdienstag noch absagen», fasste Präsident Robert Marty die Stimmung gegenüber zentralplus zusammen.

Nun ist die Frage durchaus berechtigt, ob in der nach wie vor sehr angespannten pandemiologischen Lage klare Ansagen, sprich ein offizieller Verzicht auf sämtliche fasnächtliche Aktivitäten, nicht endlich angezeigt wären. Nicht unbedingt. Und das hat insbesondere mit der von Marty angesprochenen Flexibilität zu tun.

Absage kann auch sehr spontan erfolgen

Der Bundesrat hat beschlossen, Anlässe mit mehr als 1'000 Personen ab Oktober wieder zuzulassen. Wieso also nicht ein oder zwei Guuggen-Konzerte auf den grossen Plätzen in der Altstadt anpeilen? Wieso sollen für fasnächtliche Anlässe nicht die gleichen Regeln gelten wie für andere Events?

Sollten diese oder ähnliche Aktionen aus pandemiologischen Überlegungen letztlich nicht möglich sein, wird der offizielle Verzicht vonseiten der Guuggenmusigen, Aktivitäten für und in der Öffentlichkeit durchzuführen, unmittelbar und ohne Nebengeräusche vonstattengehen. Denn dass sie Verantwortung für ihre Mitmenschen auch während der turbulenten fünften Jahreszeit leben und wahrnehmen, beweisen die Vollblutfasnächtlerinnen Jahr für Jahr.

Kein Risiko wie bei anderen Veranstaltern

Da die Fasnachtsorganisationen keine kommerziellen Veranstalter sind, tragen sie keinerlei finanzielle Risiken, wenn sie sich mit ihrem Entscheid noch etwas Zeit lassen. Und für Guuggen-Konzerte müssen auch keine Strassen gesperrt werden, wie das für die Umzüge nötig ist.

Was bedeutet das also? Nichts weiter, als dass der Entscheid, die Fasnacht 2021 definitiv und komplett ausfallen zu lassen, statt im Spätsommer möglicherweise erst im Januar gefällt würde. Und wer bereits heute definitive Pläne für den Februar schmieden muss, zum Beispiel weil er Ferien buchen und trotz der Pandemie und gegenteiligen Empfehlungen seitens der Behörden ins Ausland fliegen will, wäre halt einfach nicht dabei, sollte die spezielle und möglicherweise einzigartige Fasnacht in der Leuchtenstadt über die Bühne gehen.

Sind kontrollierbare Events möglich?

Hinzu kommt, dass man aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen mit der Pandemie wohl davon ausgehen darf – vielleicht sogar muss – dass sich viele Menschen die Fasnacht irgendwie holen werden. Der Verzicht auf das Feiern in den Clubs war, sogar während des vergangenen Traumsommers, in unserer Gesellschaft leider nicht durchzusetzen – trotz der allgemeinen Solidaritätsbekundungen zu Beginn der Pandemie. Kontrollierte Events an der frischen Luft könnten gegenüber Veranstaltungen in nicht geschlossenen, schlecht durchlüfteten Räumen folglich sogar einen Vorteil haben. Mit Betonung auf «könnten»!

Inwiefern man bei Fasnachtsanlässen aber tatsächlich von «kontrolliert» sprechen kann, muss natürlich ohne Scheuklappen und ohne Angst vor dem Ergebnis diskutiert werden. Am Ende des Tages wird zusammen mit den Behörden entschieden werden müssen, ob man das Risiko eingehen und Veranstaltungen in abgespeckter Version abhalten, Fasnacht machen und die Verantwortung dafür tragen möchte.

DIE Lozärner Fasnacht gibt es nicht

Letztlich steht die Frage im Raum, was die Definition von «Lozärner Fasnacht» ist und ob dieser Begriff nicht flexibel angewandt werden kann. Wer will schon von sich behaupten, die eindeutige und undiskutable Auslegung des Begriffs zu kennen? Denn das Wort «Spontanität» wird gerade in der aktuellen Debatte gerne bemüht, wenn es um die Fasnacht in der Stadt Luzern geht. Und vielleicht wird die Fasnacht 2021 ja genau deshalb zum unvergesslichen Erlebnis, weil sie einmalig sein könnte.

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