Der Kommentar
Nach dem Ja nun rasch die Carfrage lösen

Carfreies Inseli: Das «Gesindel» hat gesprochen

Ihnen wird's gefallen, dass die Grünfläche vergrössert wird.

(Bild: web)

Grün statt Beton: Die Luzerner wollen lieber ein grösseres Inseli als Carparkplätze an bester Lage. Das ist ein vernünftiger Entscheid, auch wenn die Carfrage noch nicht gelöst ist. Nun hat der Stadtrat dafür Handlungsdruck und eine Deadline.

Die Stadtluzerner wollen in Zukunft keine Cars mehr auf dem Inseli – sie haben die Juso-Initiative knapp angenommen (zentralplus berichtete). Dieser Entscheid ist nachvollziehbar: Das Inseli wurde in den letzten Jahren immer wichtiger und beliebter.

Zwei Sommerbars machten den grünen Fleck mitten in der Stadt zu einem Magneten für alle Bevölkerungsschichten: KKL-Gänger, jugendliche Hänger und Touristen verweilen dort. Zudem werden solche Freiflächen in einer dichter bebauten Stadt zunehmend wichtig.

Dass sich die Stimmbürger nun für eine grössere Grünfläche auf Kosten der Carparkplätze ausgesprochen haben, ist ein richtiger Entscheid. Es ist ein nüchternes Ja zugunsten einer lebenswerteren Stadt. Und es ist auch ein Signal: Dem Tourismus sind durchaus Grenzen gesetzt – ohne die Bedürfnisse der Bevölkerung geht es in Zukunft nicht mehr.

Der Tourismus wird nicht einbrechen, Schiffsgänger werden weiterhin pünktlich ihre Boote erreichen und auch für den Lunapark wird man eine Lösung finden – das haben durchs Band alle Parteien und der Stadtrat betont. Dass man dieser Beteuerung nicht glaubt, passt zu diesem Abstimmungskampf, der sehr emotional geführt wurde.

Gesindel und Fake-News

Natürlich ist es unschön, dass man noch keine Ersatzlösung für die 26 Carparkplätze hat. Aber es bleiben noch sechs Jahre Zeit dafür. Und mit dem Ja gibt es zusätzlich Druck – der Stadtrat hat nun eine Deadline: Bis 2023 muss man eine Lösung für Carparkplätze haben. Und der Stadtrat tut gut daran, baldmöglichst machbare Ideen zu präsentieren – sonst werden ihn die Gegner bald daran erinnern.

Dass man mit dem Inseli-Entscheid ohne Not Carparkplätze und somit den Tourismus gefährdet, war eine wenig plausible Angstmache der Gegner. Not ist relativ, aber die Bedürfnisse der Stadtbevölkerung sind echt und man kann sie nicht mehr ignorieren.

Dass ein ehemaliger SVP-Richter und Kantonsrat – namentlich im Nein-Komitee aufgeführt – die Inseli-Gänger pauschal als «Bettler» und «Gesindel» bezeichnete, war der Tiefpunkt dieser Kampagne – aber für die Befürworter eine Steilvorlage: Der Hashtag #JeSuisGesindel machte in sozialen Medien die Runde. Aber auch, dass das Ja-Komitee den Gegnern schon früh im Abstimmungskampf Fake-News vorwurf, trug nicht zu einer fairen Auseinandersetzung bei.

 

Letztlich hatten die Befürworter inklusive Stadtrat schlicht die besseren Argumente, denn gegen eine Aufwertung der Grünfläche hätten im Prinzip auch die meisten bürgerlichen Politiker oder Touristiker nichts. Und dass die meisten von ihnen bei der Salle Modulable auf dem Inseli nicht nur die Carparkplätze, sondern auch die Määs gefährdet hätten, diesen Widerspruch konnten sie nie plausibel aus dem Weg räumen. Es machte die Argumente des Nein-Komitees schlicht unglaubwürdig.

Das «Gesindel» hat sich nicht einschüchtern lassen von Bedrohungsszenarien seitens Wirtschaft, Tourismus und Määs – und hat sich für eine Aufwertung einer wichtigen Grünfläche ausgesprochen. Was das bewirken kann, konnte man diesen Sommer am Nordpol beobachten: Das neugestaltete Zöpfli wurde förmlich überrannt von Leuten.

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