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Der Knigge-Guide fürs Weihnachtsfest
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Langeweile und schlechte Stimmung am Weihnachtsfest? nicht mit unserem Knigge! (Bild: fotolia)

Was man an Weihnachten auf keinen Fall tun sollte Der Knigge-Guide fürs Weihnachtsfest

6 min Lesezeit 1 Kommentar 19.12.2017, 17:03 Uhr

Ungeliebte Schwiegereltern, Scheidungskinder, unpassende Geschenke oder die religiöse Grossmutter: Die Hürden auf dem Weg zu einem harmonischen Weihnachten sind hoch und oft reicht ein Funken, um das Familienfest in eine kleine Katastrophe ausarten lassen. Die Zuger Knigge-Expertin Doris Pfyl erklärt, wie man die grössten Klippen elegant umschifft.

Überall lauern sie, die Fettnäpfchen. Eigentlich will man alles richtig machen, und trotzdem können ein heikles politisches Thema, manifestierte Enttäuschung über das öde Geschenk und quengelnde Kinder die Stimmung schnell verhageln. «Zu einem gelungenen Familienfest müssen alle beitragen, nicht nur der Gastgeber», meint Kniggetrainerin Doris Pfyl, die in Finstersee zu Hause ist. Ihre persönlichen No-Gos: «In Trainerhosen und Schlabber-T-Shirt am Tisch zu sitzen, unpünktlich zu sein, zu viel zu trinken und übermässig zu lästern.»

Unliebsame Geschenke

Erlebt hat es wohl jeder schon mal: Gerade wurde das letzte Geschenk vom Geschenkeinband befreit. Was unter dem Christbaum liegen könnte: Der Socken-Klassiker, der Pulli in der verhassten Farbe, unnützer Deko-Plunder. Doch was tun? Dem Schenker ehrlich die Meinung sagen oder Freude heucheln?

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Der Profitipp:

Es kommt mit darauf an, wie es rüberkommt – ist klar, dass das Geschenk letzter Minute ohne zu überlegen gekauft wurde? Oder merkt man, dass es zwar sehr überlegt war, aber schlicht nicht das Richtige für die beschenkte Person? Es ist Fingerspitzengefühl gefragt. Grundsätzlich ziemt es sich mehr, wenn man sich – gerade bei der Übergabe selbst – bedankt und trotzdem Freude zeigt.

Sollte man jedoch gar nicht damit leben können, kann man dies der entsprechenden Person zu einem späteren Zeitpunkt immer noch mitteilen. Oder sich vielleicht vornehmen, beim nächsten Mal im Vorfeld den einen oder anderen Wink zu platzieren – zur Not auch mit dem Zaunpfahl. Jemanden an Heiligabend aber wegen eines falschen Geschenkes blosszustellen, kann sehr verletzend sein.

Gutscheine und Geldgeschenke

Wo wir gerade bei Geschenken sind – nicht selten landen auch Gutscheine oder Bargeld unter dem Weihnachtsbaum. Todsünde oder mittlerweile erlaubt?

«Ein absolutes No-Go ist es, mehreren Personen die gleiche Nachricht zu schicken.»

Doris Pfyl, Zuger Kniggetrainerin

Die Expertin erklärt:

Gutscheine oder Geld zu verschenken ist meistens immer noch eine Notlösung, aber unter gewissen Bedingungen akzeptabel. Nämlich, wenn man nicht plump ein Plastikkärtchen oder ein paar Noten in ein Couvert steckt, sondern sich zusätzlich etwas einfallen lässt. Ist das Geld für eine Reise, kann man einen Reiseführer dazulegen oder ein Glas mit Sand und Muscheln füllen. Kreativität ist gefragt! Schön ist auch ein Gutschein, bei dem man Zeit mitverschenkt. Ein Wellness-Gutschein für die Mama zum Beispiel, wo die Tochter gleich mitgeht.

Bei wem feiern?

Weihnachten mit der eigenen Familie, mit der Familie des Partners oder der Partnerin: Kommen nicht alle an einen Tisch, ist Planung angesagt. Wer feiert an welchem Tag bei wem? Nicht selten kommen sich Traditionen ins Gehege – ist es deshalb beispielsweise in Ordnung, wenn ein Paar getrennt mit der jeweils eigenen Familie feiert? Und wie verhält es sich mit Kindern eines geschiedenen oder getrennten Paares?

Die Kniggetrainerin erklärt:

Am besten legt man schon zum Vornherein fest, an welchem Datum bei wem gefeiert wird – das erspart Stress. Ich selber handhabe dies schon lange so. Gibt es Terminkollisionen oder kommt man als Paar überein, dass man getrennt feiern will, muss man ganz klar kommunizieren, wieso man dies tut. Sonst heisst es schnell mal: «Ihm oder ihr gefällt es bei uns nicht!», und dies kann zu Spannungen führen.

«Ich nehme auch nicht alles bierernst», sagt Kniggetrainerin Doris Pfyl.

«Trainerhosen, Unpünklichkeit und zu viel Alkohol sind ein No-Go», meint Kniggetrainerin Doris Pfyl.

(Bild: jav)

Was Scheidungskinder angeht: Eigentlich müsste möglich sein, dass beide Eltern zum Fest da sind. In der Praxis geht das aber längst nicht immer. Trifft ein getrenntes oder geschiedenes Paar dem Kind zuliebe aufeinander, kann mit der Situation aber nicht umgehen, schadet das dem Nachwuchs nur: Das erzeugt enorme Spannungen und Kinder werden dann zu «Vermittlern», versuchen zu schlichten. Das ist aber nicht ihre Aufgabe. Deshalb gilt: Nur gemeinsam feiern, wenn alle Beteiligten sich damit arrangieren können.

Weihnachtsgrüsse

Jedes Jahr verschicken wir Weihnachtsgrüsse – im Zeitalter der Digitalisierung auch immer mehr per Smartphone. Was ist erlaubt, was nicht? Sprengen Massen-Nachrichten und Grusskarten aus dem Internet die Grenzen des guten Geschmacks?

Der Knigge-Ratschlag:

Die persönlichste Art, Weihnachtsgrüsse zu verschicken, sind immer noch handgeschriebene Karten. Das braucht mehr Zeit und auch finanziellen Aufwand als elektronische Grüsse, lösen aber – würde ich behaupten – auch am meisten Freude aus.

«Die goldene Regel: 20 Minuten nachdem der Kaffee gereicht wurde, darf man sich verabschieden.»

Doris Pfyl

Grundsätzlich sind für mich Nachrichten per WhatsApp oder SMS eher etwas für die Neujahrswünsche. Muss es dennoch sein, gilt: je persönlicher, desto besser. Nehmen Sie sich trotzdem Zeit, ihrem Gegenüber ein paar ehrliche Worte zu schreiben. Ein absolutes No-Go ist es, mehreren Personen die gleiche Nachricht zu schicken. Finden diese es untereinander heraus, kann dies extrem respektlos wirken – in diesem Fall verzichtet man besser auf Weihnachtsgrüsse.

Die Schwiegereltern

Während für die einen der Besuch bei den Schwiegereltern entspannt und lustig ist, ist er für andere immer wieder eine Quelle für Ärger. Wie lange muss man es dann bei einem Besuch «aushalten?»

Die Expertin sagt:

Zunächst mal ist zu sagen, dass der Besuch bei den Schwiegereltern zum Erwachsensein gehört, und man dies dem Partner zuliebe tun soll. Fallen Beleidigungen oder gibt es Stunk, sollte dies zu einem späteren Zeitpunkt unbedingt geklärt werden! Am Weihnachtsabend sollte man aber Haltung bewahren. Für wie lange? Es gilt die goldene Regel: 20 Minuten nachdem der Kaffee gereicht wurde, darf man sich verabschieden.

Reizthemen

Gerade bei Familienfeiern bergen einige Gesprächsthemen mehr Sprengstoffpotenzial als andere. Welches heisse Eisen sollte man in der Festtagsrunde besser nicht anpacken?

Das ziemt sich nicht:

Politisieren sollte tunlichst vermieden werden. Allzu schnell wird bei diesem Thema die Gesprächsebene verlassen und man geht zur Diskussion über. Auch religiöse Themen können schwierig sein, vor allem, wenn Angeheiratete dabei sind, die einer anderen Konfession angehören. Schliesslich sollte man auch Krankheiten nicht lang und breit diskutieren. Natürlich ist es völlig in Ordnung nachzufragen, wie es einer Person geht. Alles Weitere, vor allem etwaige unappetitliche Details, gehört aber in ein Zwiegespräch und nicht in die Runde.

Zeitpunkt der Bescherung

Sind kleine Kinder im Spiel, kann das Warten auf die Geschenke zu einer Herausforderungen werden. Die Geduldsprobe quittieren die Sprösslinge nicht selten mit Quengeln. Wann geht man also am besten zur Bescherung über?

So klappt es gut:

Kinder sollten nicht gleich über die «Päckli» herfallen und auch lernen, zu warten. Allerdings sollten sie immer beschäftigt sein – zum Beispiel beim gemeinsamen Singen. Man sollte die Kinder allerdings auch nicht unnötig und zu lange quengeln lassen, das drückt auch auf die Stimmung der anderen Gäste!

Mit Streit umgehen

Was tun, wenn es trotz aller Bemühungen zum Streit kommt? Ist Einschreiten angebracht oder bleibt in gewissen Situationen nur noch die Flucht?

So geht’s richtig:

Will man schlichten, ist es extrem wichtig, neutral zu bleiben, beiden Recht zu geben. Schlägt man sich auf eine Seite, kann dies die Situation nur noch verschlimmern. Hier ist auch der Gastgeber in der Pflicht: Er muss kommunizieren, dass er dieses Benehmen nicht will. Und die Streithähne zum Beispiel auffordern, ihren Disput unter vier oder mehr Augen in einem anderen Zimmer zu klären. Geht es nur noch darum, Frust abzuladen und ist viel Alkohol im Spiel, ist es je nachdem besser, zu gehen.

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1 Kommentare
  1. Jonas Meier, 19.12.2017, 22:57 Uhr

    Es ist durchaus üblich, dass eine Sammlung von Benimmregeln als Knigge bezeichnet wird, auch wenn man damit Knigges “Über den Umgang mit Menschen” nicht wirklich gerecht wird. “Knigge-Guide” ist aber auch in diesem umgangssprachlichen Sinne falsch, weil der umgangssprachliche Knigge per se einen Guide darstellt. Auch ein Reiseführer würde nicht als Reiseführer-Guide bezeichnet, will man nicht riskieren, vom Pleonasmus-Gericht zu zwanzig Jahren auf dem elektrischen Stuhl verurteilt zu werden.