Der Kampf um den Bypass Luzern nimmt Fahrt auf
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Der Aktionstag fand an verschiedenen Orten in der Stadt Luzern statt. (Bild: bic)

Neues Pro-Komitee in Kriens, Aktionstag in Luzern Der Kampf um den Bypass Luzern nimmt Fahrt auf

5 min Lesezeit 5 Kommentare 18.09.2021, 16:44 Uhr

Der Kampf um das Megaprojekt Bypass nimmt weiter Fahrt auf. Am Samstag führten die Gegner des Projekts in Luzern einen Aktionstag durch – angeführt von zwei Luzerner Nationalräten. In Kriens formierten sich die Befürworter eines Bypasses mit einer Überdachung neu. Auch sie wollen in naher Zukunft Aktionen durchführen.

Er ist nach der beerdigten Spange Nord ein weiteres Megaprojekt, über das in und um Luzern in den nächsten Monaten und Jahren noch viel gestritten wird. Der sogenannte Bypass Luzern, der mit einem neuen Autobahntunnel durch den Sonnenberg und einem Spurausbau zwischen Emmenbrücke und Horw die in den Stosszeiten chronisch überlastete Autobahn A2 um Luzern entlasten soll.

Das nächste Kapitel im Kampf für oder gegen das Projekt begann diese Woche. Am Mittwoch wurde in Kriens ein neuer Verein mit dem Namen «BypassPlus» gegründet. Er vereinigt das überparteiliche Komitee «Bypass so nicht» und die bisherigen Unterstützer der Idee «Chance Bypass». Diese wollen bekanntlich durch eine Überdachung des Bypasses auf dem Abschnitt zwischen Sonnenbergtunnel und Horw neuen Siedlungsraum schaffen.

Nationalräte gehen gegen das Projekt in Stellung

Am Samstag versammelten sich in der Stadt Luzern derweil rund ein Dutzend Personen, darunter dezidierte Gegner des Projekts, anlässlich eines Aktionstages und zogen vom Theaterplatz über den Mühlenplatz zum Dammgärtli, welches aufgrund seiner Lage eine wichtige Rolle im Kampf um den Bypass einnimmt. Geht es nach dem Bund, würde es wohl verschwinden – inklusive der alten Eiche, einer der markantesten Bäume in der Stadt.

«Es ist wichtig, dass der Widerstand jetzt wächst.»

Michael Töngi, Nationalrat Grüne

Begleitet wurde der Rundgang von den beiden Luzerner Nationalräten Roland Fischer (GLP) und Michael Töngi (Grüne). Beide sind dezidierte Gegner des Bypass-Projektes. «Es ist wichtig, dass der Widerstand jetzt wächst. Viele Leute sind sich aber noch nicht bewusst, welche Auswirkungen das Projekt auf die Stadt und die Agglo Luzern haben wird», sagte Töngi zu Beginn. Die grösste Folge wäre demnach, dass der Autoverkehr wieder zunehmen dürfte, weil das Auto wieder attraktiver würde. «Dies würde die Entwicklungen der letzten Jahre umkehren, die einen Rückgang verzeichneten», so Töngi.

Das Hauptproblem sei, dass man gegenwärtig zwar sowohl vom Bypass als auch von flankierenden Massnahmen spreche, die Diskussionen aber nicht verknüpfe, sondern isoliert betrachte. Töngi sprach etwa von einem Mobility-Pricing. «Wenn man uns aber konkret sagen würde, dass zum Beispiel die Seebrücke entlastet, Spuren für das Auto auf den Hauptachsen abgebaut und durchgehende Busspuren realisiert werden, bin ich bereit, über eine Kompensation in Form des Bypasses zu diskutieren. Leider ist im Bundesparlament diesbezüglich aber nichts in Sicht.»

Kämpfen an vorderster Front gegen den Bypass: die Luzerner Nationalräte Michael Töngi (links) und Roland Fischer.

Roland Fischer ortet diverse Widersprüche

Auch GLP-Nationalrat Roland Fischer warnte davor, dass der Bypass zu einer Zunahme des motorisierten Individualverkehrs führen werde. «Das wird auch von niemandem bestritten. Und wegen dieser Annahmen will man ja das Projekt realisieren», sagte er vor den Anwesenden. Fischer betonte, dass der Bypass aber im Widerspruch zu anderen Zielen, insbesondere der Politik des Kantons Luzern, stehe.

«Das Bypass-Projekt widerspricht komplett dem europäischen Trend.»

Roland Fischer, Nationalrat GLP

«Die kantonale Klimastrategie geht von anderen künftigen Voraussetzungen aus. Nämlich von einer Reduktion des motorisierten Individualverkehrs, um das Ziel Netto null CO2 zu erreichen.» Und im kantonalen Richtplan, der die Rahmenbedingungen für die Siedlungsentwicklung vorgibt, sei darauf ausgelegt, dass vor allem kurze Distanzen künftig mit dem öffentlichen oder dem Langsamverkehr zurückgelegt werden.

«Das Bypass-Projekt widerspricht auch komplett dem europäischen Trend, welcher die Innenstädte vom motorisierten Individualverkehr befreien will, um die Lebensqualität zu erhöhen», sagte Fischer. «Beim Bypass geht es aber darum, Kapazitäten für den Kurzdistanzverkehr auf der heute bestehenden Autobahn freizuspielen, die künftig mit ihren Anschlüssen an die Innenstadt als Stadtautobahn dienen soll.»

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Neues Krienser Komitee weibelt für den Bypass mit Überdachung

Anders tönt es beim neuen Krienser Komitee. «Der Bypass-Bau soll nicht bekämpft, sondern durch Verbesserungen ein Plus für die ganze Region werden», heisst es in einer Mitteilung. Im Komitee sind auch alle Parteien des Krienser Einwohnerrates vertreten. Es steht unter der Leitung von Die-Mitte-Einwohnerrätin Michèle Albrecht.

«Wir setzen uns für ein Generationenprojekt ein. Wir haben heute die Chance, dieses Jahrhundertprojekt in die richtigen Bahnen zu lenken», lässt sie sich zitieren. Es gehe darum, vor dem Baustart des Projektes klare Fakten zu schaffen, wie das Grossprojekt an sich verbessert und die Auswirkungen der über zehn Jahre dauernden Bauphase gemildert werden können.

Auch Krienser Komitee will auf die Strasse

Der Bypass stärke und stabilisiere das regionale Verkehrssystem und nütze so den Menschen in der ganzen Zentralschweiz. Das Komitee stellt sich somit hinter die Stadt Kriens, die als Standortgemeinde der Autobahn den Bau und damit auch den stabilisierenden Effekt weder verzögern noch verhindern wolle. «Kriens will das Projekt verbessern, indem es siedlungsverträglich gemacht wird», so Albrecht.

Laut Komitee sind in nächster Zeit verschiedene Aktionen geplant. «Wir sind überzeugt, wir mobilisieren 5’000 Menschen, welche die Idee unterstützen. Das wäre ein starkes Zeichen für die politischen Gremien in Bund und Kanton. Und wir können allen den Rücken stärken in den Bestrebungen für eine Projektverbesserung», lässt das Komitee verlauten.

Die Gründungsmitglieder des neuen Pro-Komitees. (Bild: zvg)

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5 Kommentare
  1. Michèle Albrecht, Präsidentin, 21.09.2021, 15:34 Uhr

    Es gilt zu präzisieren, dass das überparteiliche Komitee BypassPLUS nicht wie erwähnt das Befürworter-Organ ist, sondern sich für den Mehrwert einer Einhausung einsetzt: Verkehrsprobleme lösen und gleichzeitig Lebensraum schaffen ist das Ziel.

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  2. Paul (velöler), 19.09.2021, 11:11 Uhr

    Auf öv umsteigen ist eine super sache. Leider nicht für alle machbar. Der verkehr wird wie überall zunehmen ( mehr menschen welche an anderen orten wohnen und arbeiten) pendler. Sobal der pendler nicht an den hauptknoten arbeitet ist das auto halt „besser“….. darum muss der verkehr um die stadt geführt werden oder wir haben 4 stunden stau am tag, viel lärm und viel gestank … was sehr schön ist zum wohnen und leben.

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  3. Kathrin, 19.09.2021, 09:46 Uhr

    Das Pro-Komitee BypassPLUS kämpft für eine Überdachung der Autobahn um die städtebauliche Wunde zu schliessen, wenn der Bypass kommt. Es ist keine Voraussetzung explizit für den Bypass zu sein um das BypassPLUS Komitee zu unterstützen. Schön wäre, wenn diese «Wunde» so oder so geschlossen würde in Zukunft mit oder ohne Bypass.

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  4. Rudolf 1, 19.09.2021, 06:00 Uhr

    «Am Samstag versammelten sich in der Stadt Luzern derweil rund ein Dutzend Gegnerinnen des Jahrhundertprojekts anlässlich eines Aktionstages und zogen vom Theaterplatz über den Mühlenplatz zum Dammgärtli, welches aufgrund seiner eine wichtige Rolle im Kampf um den Bypass einnimmt.» – ??? – Es handelte sich um Menschen, die der Einladung des VCS gefolgt waren, um sich bei den drei an verschiedenen Orten angebotenen Referaten eine Meinung zu bilden.

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    1. Claudio Birnstiel, 19.09.2021, 08:25 Uhr

      Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben das entsprechen präzisiert. Wir wünschen einen schönen Sonntag.

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