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Der Jungschwinger aus Finstersee, der «alles ganz cool nimmt»
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André Bucher auf den Schultern seiner Klubkollegen – links Ivan Staub und Fabian Durrer – nach seinem Sieg beim Zuger Kantonalen Nachwuchsschwingertag im April. (Bild: Stefanie Bucher)

16-jähriger Zuger kommt diese Woche im Fernsehen Der Jungschwinger aus Finstersee, der «alles ganz cool nimmt»

5 min Lesezeit 06.11.2017, 14:16 Uhr

Er ist gerade erst 16 geworden. Nun beginnt ganz offiziell der Ernst des Lebens für André Bucher – den Nachwuchsschwinger aus Finstersee. Denn jetzt muss er bei den Aktiven mitschwingen. Doch der angehende Forstwart nimmt das ganz gelassen. Und freut sich endlich auf richtige Gegner.

Kann man sich auf seinem Ruhm ausruhen? Wohl kaum. Sonst ist der Erfolg schnell weg. Aber man kann es sich, wenn man erfolgreich ist, durchaus bequem machen. Und das ist wörtlich gemeint.

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Denn wer ins alte Kaplaneihaus neben der Kirche in Finstersee in die Küche der Buchers kommt, staunt erst mal nicht schlecht über all die Holzstühle mit geschnitzten Schwingpaaren oder Schriften zum Schwingfest auf den Lehnen. Alles Gaben der Buchers, die sie bei Schwingfesten gewonnen haben. Von Vater Walter sowie von den Söhnen Thomas, Christian und Roland. Da lässt es sich ruhig sitzen.

Auch der 16-jährige André hat schon einen Stuhl beim Schwingen gewonnen. Der passt allerdings eher ins Kinderzimmer und passt von der Grösse noch nicht zu den anderen in der Küche. Aber das kann sich nun schnell ändern. Denn wer einen Blick in seine mit Eichenlaub und zig Medaillen bestückte Siegervitrine im Wohnzimmer wirft, ahnt, dass der Nachwuchsschwinger auf dem Weg ist, ein ganz Grosser werden zu können. «Den Doppelzweig mit vergoldeten Blättern habe ich bekommen, weil ich schon mehr als 100 Auszeichnungen errungen habe», sagt André Bucher nicht ohne einen Anflug gesunden Stolzes.

«Im Augenblick habe ich gegen meine Brüder im Schwingen noch keine Chance.»

André Bucher, Schwinger aus Finstersee

Ob’s dann am Ende bei ihm auch so viele Auszeichnungen werden, wie sie seine Brüder und sein Vater ergattert haben, ist allerdings noch offen. Denn deren Siegertrophäen – darunter x Trychler-Glocken – haben nur schon das Treppenhaus in der Kaplanei in eine regelrechte Ruhmeshalle verwandelt.

André weiss, was er kann

«Im Augenblick habe ich gegen meine Brüder im Schwingen noch keine Chance», räumt der jüngste Aktivschwinger der Buchers respektvoll am Küchentisch ein. Kein Wunder: Zwei haben nämlich schon Kränze gewonnen.

Doch André weiss, was er kann. «Ich bin schnell, gross und wendig, ich habe einen guten Stand. Und da ich nicht so die klassisch-feste Schwingerstatur habe, muss man mich auch richtig fest packen, damit ich mich nicht aus dem Griff ausdrehen kann», sagt der 16-Jährige. Und grinst dann hinterher: «Vor allem nehme ich’s ganz gelassen und bin cool.»

Auf den ersten Blick sieht er nicht wie ein «Böser» in spe aus: André Bucher.
Auf den ersten Blick sieht er nicht wie ein «Böser» in spe aus: André Bucher.

(Bild: woz)

Ja, cool – das nimmt man ihm sofort ab. Denn wer ihm zum ersten Mal ins Gesicht blickt, der glaubt gar nicht, dass er einen Schwinger vor sich hat. Mit seiner modischen Hornbrille und seinem farbigen Kapuzenpulli mit englischen Aufschriften wirkt André Bucher eher wie ein harmloser US-Austauschschüler aus Florida als wie ein vielleicht künftiger «Böser» aus Finstersee, der seine Gegner das Fürchten lehrt. «Im Grunde bin ich auch ein ganz friedlicher Mensch, ich prügele mich nicht mit anderen», versichert er. Schiebt aber gleich hinterher, dass es schon irgendwie beruhigend sei zu wissen, dass andere Respekt vor einem haben – weil sie wissen, was er für ein Hobby hat.

«Bei den Jungschwingern sind mir ja manchmal die Gegner im Training ausgegangen.»

André Bucher

Apropos Böser. 2019 findet in Zug das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest statt. Ist da womöglich die ganze Familie Bucher mit von der Partie? Das wäre natürlich ein Hype. Schliesslich ist die Finsterseer Schwingerfamilie eine der wenigen Familie in der Schweiz mit vier aktiven Schwingern. «Jaeiiin», sagt Vater Walter Bucher (53), von Beruf Getränkeverkäufer in Zug, zu diesen Aussichten. Wobei es theoretisch möglich wäre, dass drei der Buchers mitschwingen könnten. Und wie sieht das André?

Teilnehmer des Schwingklubs Oberwil-Zug am Innerschweizer Nachwuchsschwingertag in Alpthal. Hinten von links nach rechts: Fabian Durrer, Marco Hürlimann, Ueli Hürlimann. Vorne: Mathias Hürlimann und André Bucher (rechts).
Teilnehmer des Schwingklubs Oberwil-Zug am Innerschweizer Nachwuchsschwingertag in Alpthal. Hinten von links nach rechts: Fabian Durrer, Marco Hürlimann, Ueli Hürlimann. Vorne: Mathias Hürlimann und André Bucher (rechts).

(Bild: Stefanie Bucher)

«Mein Ziel ist es erstmal, in Landquart die Auszeichnung zu gewinnen, und wenn es noch den einen oder anderen Kranz gäbe, wäre ich auch nicht unglücklich», meint er bescheiden. Allzu viel Respekt hat er vor den Kämpfen mit den aktiven Schwingern nicht. «Bei den Jungschwingern sind mir ja manchmal die Gegner im Training ausgegangen», sagt er selbstbewusst.

«Morgen sind wir König»: SRF-Fernsehserie

Doch im Schweizer Fernsehen ist André Bucher, zusammen mit acht anderen Nachwuchsschwingern, quasi schon mal ein Böser. Denn unter dem Titel «Morgen sind wir König» zeigt SRF 2 diese Woche eine vierteilige Doku-Serie über die acht Jungschwinger. Die vier Folgen werden am Dienstag, 7., sowie Donnerstag, 9. November, auf SRF zwei in Doppelfolgen ausgestrahlt.

Die Doku-Serie begleitet acht junge Schwinger durch ihr 16. und 17. Lebensjahr, durch ihre letzten Jahre als Nachwuchsschwinger und durch eine spannende Zeit ihres Lebens. Nebst dem Schwingsport handelt die Serie auch vom Erwachsenwerden, von Ablösungen von zu Hause, Berufswahl und der ersten Liebe. Die porträtierten Schwinger gehören in ihrer Region zu den grossen Nachwuchshoffnungen – haben sie das Zeug, ein neuer Sämi Giger oder Armon Orlik zu werden, stellen sich die Fernsehmacher die Frage. André Bucher taucht jedenfalls in der Folge am 9. November um 23.45 Uhr auf.

Mami Irene ist die Seele der Familie

Seinen Auftritt im Fernsehen nimmt der 16-Jährige ziemlich gelassen. So gelassen wie sein Schwingen. Mehr ins Schwärmen gerät er dagegen, wenn er von seiner Lehre als Forstwart auf dem Zugerberg erzählt. «Mir gefällt es im Wald – die Ruhe, die Natur.» Oder wenn er beschreibt, wie er mit seinem Töffli vom Zugerberg runter und wieder rauf nach Finstersee schnauft.

«Im Sommer kann ich ja sowieso nicht in den Ausgang, weil man fürs Schwingen viel Ruhe braucht.»

André Bucher

Den Ausgang in Zürich scheint er nicht wirklich zu vermissen. «Im Sommer kann ich ja sowieso nicht so viel in den Ausgang, weil man fürs Schwingen viel Ruhe braucht.» Daheim in Finstersee scheint’s am schönsten – zumal sich auch Mami Irene gut um ihre vier Schwingersöhne und um ihre Tochter Stefanie kümmert. «Ich bin bei den Kämpfen fast immer dabei, aber ich kann nicht immer bei allem zuschauen», sagt die 50-Jährige, die neben dem Haushalt als Tagesmutter arbeitet.

Und warum ist Schwingen eigentlich plötzlich so hip in der Schweiz? «Schwingen kommt halt viel öfters in Medien vor als früher», sagt Vater Walter Bucher. Das würde natürlich helfen, diese einzigartige Schweizer Tradition noch populärer zu machen.

André Bucher vor seinem Trophäenschrank im elterlichen Haus.
André Bucher vor seinem Trophäenschrank im elterlichen Haus.

(Bild: woz)

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