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Der Ideenwettbewerb für das Luzerner Inseli ist lanciert
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Das Inseli von oben: Dort, wo jetzt noch Cars stehen, soll bald Platz für neue Ideen geschaffen werden. (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Wasserkanal, Jardin Modulable oder Pavillon? Der Ideenwettbewerb für das Luzerner Inseli ist lanciert

10 min Lesezeit 1 Kommentar 05.04.2017, 11:50 Uhr

Die Zeit für die Cars beim Luzerner Inseli scheint abgelaufen – der Park könnte sich dereinst um einen Drittel der Fläche vergrössern. Es gibt Platz für neue Visionen und alte Ideen erhalten Auftrieb. Wir haben uns bei Kennern umgehört.

Vom Schandfleck zur grünen Oase: Der Inseli-Park mit seinen zwei Sommerbars hat sich in den letzten Jahren ins Zentrum der Aufmerksamkeit und der Beliebtheit katapultiert. Wenn da hinter dem Idyll nicht die tägliche Blechlawine aus Cars wäre.

Ein Drittel der gesamten Inselifläche wird von den Reisebussen beansprucht – zum Ärger von vielen Stadtbewohnern. Inzwischen findet auch der Stadtrat, dass die Zeit der Cars beim Inseli abgelaufen ist. Die 26 Park- und 6 Halteplätze müssen weichen, damit der Park vergrössert werden kann. Am Donnerstag debattiert das Stadtparlament darüber, im September kommt’s zur Volksabstimmung (siehe Box am Textende).

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Kommt der Plan durch, womit zu rechnen ist, werden die Parkplätze ab 2019 abgebaut. Danach sind neue Ideen für das Inseli gefragt: Zuerst für eine mehrjährige Zwischennutzung – die Stadt nennt als Beispiele eine Beachanlage, einen Skatepark oder Urban Gardening (zentralplus berichtete).

Aber vor allem die Frage, was im vergrösserten Inseli-Park langfristig passiert, dürfte die Gedanken beflügeln. Die Stadt plant einen Projektwettbewerb für die definitive Umnutzung des Inselis ab 2023.

Ein Klein-Venedig in Luzern

Sind Ideen für das Inseli gefragt, kommt man um einen Mann nicht herum: den Architekten und Freidenker Frieder Hiss. Schon seit längerer Zeit bringt er Visionen und Ideen für die Stadt von morgen aufs Tapet und in die öffentliche Diskussion.

«Ich werde mich sicher für den Wettbewerb um das Inseli bewerben.»

Frieder Hiss, Architekt

Er veröffentlicht seit 2012 seine 15 «Ideen für eine attraktive Stadt am Wasser», er mischte sich mit einem Alternativ-Standort in die Debatte um die Salle Modulable ein und bewarb sich – allerdings erfolglos – um die Neugestaltung der motorfreien Bahnhofstrasse. Sein Plan einer unterirdischen Velostation könnte allerdings früher oder später wieder aufs Tapet kommen.

Eine alte Vision erhält Auftrieb: Das Inseli würde wieder zur Insel, wenn es nach Architekt Frieder Hiss geht.

Eine alte Vision erhält Auftrieb: Das Inseli würde wieder zur Insel, wenn es nach Architekt Frieder Hiss geht.

(Bild: Visualisierung/zvg)

Die langfristige Erhaltung der Freifläche beim Inseli ist sein wesentliches Anliegen. «So einzigartige Orte muss man sichern und zwar auf Generationen hinaus, denn alle 10 bis 20 Jahre kommt man wieder auf die Idee, diese Orte zu überbauen», sagt Frieder Hiss. Seine Idee: Das Inseli soll wieder zur echten Insel werden, wie das schon einmal der Fall war, und damit die Stadt am Wasser aufwerten.

300 Meter neues Ufer

Der ehemalige Kanal, den man zugunsten der Parkplätze 1955 aufschüttete, würde in schmaler Form wieder hergestellt (zentralplus berichtete). Man bekäme, so schätzt Hiss, 300 Meter neuen Uferbereich an einem idyllischen Kanal mit Brücken – ein kleines Venedig mitten in Luzern. Für die Määs und andere Veranstaltungen könnte man den Kanal kurzerhand abdecken.

Dass der Stadtrat nun den Freiraum Inseli und damit das ganze linke Seeufer aufwerten will, ist für Hiss eine Bestätigung – und es verleiht seiner Kanal-Idee Auftrieb. «Ich begrüsse es, dass man die Planung des Inseli auf das ganze linke Seeufer bis zum Tribschenhorn ausweitet», so Hiss. Doch er bleibt auf dem Boden: «Meine Projekte sind Denkanstösse, letztlich entscheidet die Politik darüber.»

Der Architekt Frieder Hiss hat 15 Ideen für die Stadt Luzern – und für diese braucht er einen langen Atem.

Der Architekt Frieder Hiss hat 15 Ideen für die Stadt Luzern – und für diese braucht er einen langen Atem.

(Bild: jav)

Frieder Hiss begrüsst das Vorgehen mit drei Teams, die an einem Projektwettbewerb mitmachen, wie das Inseli künftig genutzt werden würde. «Nach meinem Engagement für die Aufwertung der Stadt am Wasser werde ich mich zusammen mit Fachkollegen sicher für den Wettbewerb bewerben», sagt Hiss. So oder so wird er mit der Stadt in Kontakt bleiben und seine Idee des Inseli-Kanals offiziell an die Stadt abtreten.

Bitte keine Luftschlösser

Kaum jemand war in den letzten Jahren so häufig auf dem Inseli und hat die Entwicklung von der Schmuddelecke zur ersten Apéro-Adresse am See so hautnah miterlebt wie Konrad Weber. Den Betreiber der Buvette-Sommerbar kann man getrost «Mr. Inseli» nennen (zentralplus berichtete).

«Gute Ideen zu haben, ist einfach, man muss aber jemanden finden, der sie umsetzt.»

Konrad Weber, Betreiber Buvette

Er ist ganz der Pragmatiker: Vielmehr als die ferne Zukunft steht bei ihm die kommende Sommersaison im Vordergrund, die Bar hat seit 1. April wieder offen. Er hat sich noch keine eingehenden Gedanken über die Zukunft des Inselis gemacht – Visionen sind ihm keine zu entlocken. «Die Kehrtwende des Stadtrats über die Carparkplätze beim Inseli kam für mich überraschend», sagt er jedoch.

Dass dutzende Quadratmeter an bester Lage so lange an Busse verschwendet wurden, fand Weber schon lange falsch. Trotzdem verfällt er nicht in Begeisterung angesichts einer carfreien Inseli-Zukunft. «Ich tue mich schwer, über etwas zu reden, das es noch nicht gibt, ich interessiere mich nicht für Luftschlösser», sagt er. Urban Gardening als Zwischennutzung, ein neuer Wasser-Kanal – das findet er «lässige Ideen», aber: «Gute Ideen zu haben, ist einfach, man muss aber jemanden finden, der sie umsetzt.»

Mr. Sommerbar schlechthin: Konrad Weber bei seiner Buvette auf dem Luzerner Inseli. 

Mr. Sommerbar schlechthin: Konrad Weber bei seiner Buvette auf dem Luzerner Inseli. 

(Bild: web)

Touris gehen Luzernern «auf den Sack»

Konrad Weber ist viel mit Inseli-Nutzern und Anwohnern im Gespräch. Er glaubt, dass das Stimmvolk hinter dem carfreien Inseli steht. «Die Grundsituation ist folgende: Vielen Luzernern geht die Geschichte mit den Touris auf den Sack, den Behörden wächst das über den Kopf.»

Am meisten freut Konrad Weber, dass man sich überhaupt so für das Inseli interessiert: «Der Park verdient Zuneigung.» Drei Bäume hätten in den letzten Jahren ersetzt werden müssen, «der Baumbestand ist in die Jahre gekommen, irgendetwas wird also passieren müssen.»

Und vielleicht kommt ihm in den kommenden Sommermonaten noch die grosse Vision für das Inseli: «Wenn ich in dieser Saison wieder Zeit unter den Platanen habe, habe ich Zeit für Gedanken.» Mitmachen ist erwünscht.

Zuerst über Inhalte reden

Auch Dieter Geissbühler beschäftigt sich schon lange und intensiv mit dem Inseli – nicht erst seit der Salle Modulable (zentralplus berichtete). Der Architektur-Dozent an der Hochschule Luzern hat um 1991 das erste Mal dafür plädiert, die Car-Parkplätze abzubauen. Er hatte in der Nähe gewohnt und ist seitdem «vehement dafür», das Inseli aufzuwerten.

Als Lehrer hat er Studentenarbeiten zu einer möglichen Zwischennutzung des Parks machen lassen: temporäre Ausstellungsräume als Ersatz während des Baus des KKL und Kunstmuseums.

«Das einzig Positive an der Salle Modulable: Man weiss jetzt, wie man es nicht macht.»

Dieter Geissbühler, Architekt

Dieter Geissbühler hegt durchaus Sympathien für die Pläne eines Kanals von Frieder Hiss, findet sie «gestalterisch interessant». Aber die Gestaltung steht für den Dozenten noch nicht im Vordergrund. «Die Nutzung ist wichtig», sagt Geissbühler. «Die Gestaltung kommt am Schluss, sie ist das Resultat der inhaltlichen Auseinandersetzung.»

Diese inhaltliche Auseinandersetzung sieht Geissbühler auf gutem Wege. «Das funktioniert nur über ein vernünftiges Verfahren – mit einer offenen Diskussion, partizipativ und unter Einbezug aller», sagt Geissbühler. «Also genau so, wie man es bei der Salle Modulable nicht gemacht hat.»

Dieter Geissbühler kann seine Schadenfreude über das Scheitern der Salle Modulable auf dem Inseli nicht verbergen: Das einzig Positive daran sei, dass man jetzt wisse, wie man es nicht mache: «Es geht nur anders.»

Das Inseli von oben: Die Grünanlage direkt am See ist beliebt.

Das Inseli von oben: Die Grünanlage direkt am See ist beliebt.

(Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Ein Pavillon wie die Theater-Box

Die Grundsätze sind für Geissbühler gegeben: Das Inseli ist ein Freiraum, ein Park, ein Aussenraum – und soll es auch bleiben. Als langfristige Nutzung könnte er sich einen bescheidenen Pavillon vorstellen, den man bespielen könnte. Als Beispiel nennt er die Holz-Box zwischen Luzerner Theater und Jesuitenkirche.

Und er skizziert mögliche Beispiele für eine Nutzung eines solchen Pavillons auf dem erweiterten Inseli: «Man könnte das Kunstmuseum, das man heute von aussen zu wenig wahrnimmt, zum See hin öffnen.» Der Pavillon mit kleinen Ausstellungen könnte als erweitertes Foyer des Museums dienen – Führungen könnten dort beginnen und im Museum fortgeführt werden. «Über solche Sachen muss man nachdenken können», sagt Geissbühler.

Einer möglichen Zwischennutzung steht Geissbühler positiv gegenüber. «Man kennt die Verfahren, es gibt Beispiele, die zeigen, dass wir das können», sagt er mit Verweis auf das Neubad.

Den Platz grösser denken

Wenn die Zwischennutzung laufe, könne man endlich richtig an die Sache rangehen. Dazu gehöre, dass man das Gebiet grösser denke und das Seeufer von Theater bis Wartegg einbeziehe. Das Entwicklungskonzept für das linke Seeufer gehe «in die richtige Richtung», sagt er.

Und: «Man redet immer vom Inseli, aber es ist auch eine Chance, den Platz zusammen mit dem Vorplatz der Universität grösser zu denken und aufzuwerten», sagt Geissbühler. Die jetzige Situation sei ein eher hilfloser Umgang mit den Gegebenheiten.

Ort soll wachsen können

Wenn man von Zwischennutzung spricht, kommt man um das Neubad nicht herum. Auch mit Urban Gardening hat man im ehemaligen Hallenbad schon reichlich Erfahrung gesammelt. Der Urban-Gardening-Verein Neugarten bepflanzt seit 2013 freie Flächen in der Stadt Luzern mit Früchten, Gemüse, Kräutern, Blumen und anderen Nutzpflanzen (zentralplus berichtete).

«Wir stehen gern mit Rat und Tat zur Seite. Wir wollen die Idee Neubad auch losgelöst vom aktuellen Standort denken.»

Aurel Jörg, Präsident Verein Netzwerk Neubad

Was sagen also die Luzerner Zwischennutzungs-Profis zum Inseli? Aurel Jörg, Präsident des Neubad-Vereins, denkte nicht an eine reine Zwischennutzung. «An diesem Ort soll nun Ruhe einkehren und da braucht es Verbindlichkeit: Ich halte eine Mischform zwischen vorbestimmten Nutzungszwecken – Beispiel Spielplatz – und modularen Verwendungsformen – mobile Bühne oder Bar – für sinnvoll.»

Auch das Neubad ist interessiert

Eine Vision für das Inseli könne nur im Dialog mit den Nutzenden entstehen: mit der Stadtbevölkerung, dem Quartier und Partnern. «Wichtig ist, dass dieser Ort wachsen kann – Bedürfnisse entstehen in der Nutzung und im Alltag», so Jörg. Er wünscht sich die richtige Mischung aus Organisation und Spontanität bereits in der Planung.

Das neubeackerte Areal des Neugartens

So sieht Urban Gardening in Luzern aus: Areal des Neugartens beim Neubad.

(Bild: Marcel Kofler)

Persönlich würde sich Jörg ein kleines Forum im Park wünschen, eine Art «Forum Lucernensis». «Im Monatsrhythmus würden dort Zentralschweizer Medien eine offene Diskussion organisieren, der Austausch sollte ein zentrales Element sein.»

Und würde sich das Neubad auf dem Inseli engagieren? Aurel Jörg sagt es so: «Wir stehen gern mit Rat und Tat zur Seite. Es ist Teil unserer Strategie, die Idee Neubad auch losgelöst vom aktuellen Standort zu denken.»

Ein «Jardin Modulable» und ein besserer Spielplatz

Beim zuständigen Quartierverein begrüsst man die geplante Aufwertung des Inselis sehr, wie Vize-Präsident Markus Schulthess auf Anfrage sagt. «Dieser wichtige Raum erhält jetzt endlich mehr Platz.» Auch Schulthess hat keine pfannenfertige Vision für das Inseli. «Wir vom Quartierverein freuen uns einfach auf einen Jardin Modulable», sagt er lachend.

Markus Schulthess vom Quartierverein (links) und Architekt Dieter Geissbühler.

Markus Schulthess vom Quartierverein (links) und Architekt Dieter Geissbühler.

(Bild: zvg)

Die Wiederherstellung der Insel mit Kanal findet Schulthess eine gute Idee. «Wir gehen davon aus, dass wir beim kommenden Wettbewerb miteinbezogen werden, wie das schon bei der Bahnhofstrasse der Fall war und ist», sagt Schulthess.

Ein konkretes Anliegen hat er aber, das man bereits im Zuge einer Zwischennutzung umsetzen könnte: Der Spielplatz bei der Volière im hinteren Teil des Parks soll aufgewertet werden. «Der trostlose Kinderspielplatz verdient mehr Beachtung, das ist eine tolle Lage mit Wasser rundherum und der nahen Sommerbar», sagt Schulthess.

Inseli: So geht’s weiter

Im Mai 2015 lancierten die Jungsozialisten die Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine». Der Stadtrat unterstützt das Anliegen heute ebenfalls (zentralplus berichtete), weil es nach dem Aus der Salle Modulable keine Argumente mehr dagegen gebe. Kommenden Donnerstag debattiert das Stadtparlament darüber, die Volksabstimmung findet voraussichtlich am 24. September 2017 statt.

Ein Projektwettbewerb soll zeigen, wie das Inseli künftig genutzt werden soll, dafür beantragt der Stadtrat einen Kredit von 600’000 Franken. Ab 2020 könnte das Inseli zwischengenutzt werden, 2023 soll die Neugestaltung beginnen.

Das Inseli soll aber nicht isoliert, sondern innerhalb einer Aufwertung des gesamten linken Seeufers betrachtet werden. Innerhalb einer Testplanung sollen drei Teams neue Ideen entwickeln für das Gebiet zwischen KKL und Richard-Wagner-Museum. Dafür will die Stadt 775’000 Franken ausgeben.

So könnte das Inseli mit wiederhergestelltem Kanal nach der Idee von Frieder Hiss aussehen.

So könnte das Inseli mit wiederhergestelltem Kanal nach der Idee von Frieder Hiss aussehen.

(Bild: Visualisierung/zvg)

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1 Kommentare
  1. Walter Albrecht, 25.09.2017, 10:01 Uhr

    Knapp 6 Jahre bleiben, bis die meisten Carparkplätze beim Inseli aufgehoben werden müssen. Deshalb ist es Zeit, das zukunftsweisende Grossparkhaus Reussegg und die Metro zu verwirklichen. Es sollte reichen. Also, dann los!