Der heisse Konkurrenzkampf in der FCL-Offensive
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Auch bewährte FCL-Offensivkräfte wie Pascal Schürpf dürfen sich ihres Stammplatzes nicht mehr sicher sein. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Die spannenden Duelle bei den Luzernern Der heisse Konkurrenzkampf in der FCL-Offensive

6 min Lesezeit 1 Kommentar 22.10.2020, 05:00 Uhr

Insgesamt sechs Offensiv-Spieler nahm FCL-Sportchef Remo Meyer in den letzten Wochen unter Vertrag und Coach Fabio Celestini hat neuerdings die Qual der Wahl: Auf allen offensiven Positionen ist der lang ersehnte Konkurrenzkampf bereits in vollem Gange.

Schiedsrichter Fedayi San schaut auf seine Uhr und beendet mit dem Abpfiff seinen intensiven Arbeitstag. Es war eine mitreissende und ereignisreiche Partie des FC Luzern gegen unsittliche St. Galler, die sich wortwörtlich mit allen Mitteln gegen die drohende Niederlage stemmten. Das erste Heimspiel in dieser Saison vor Zuschauern machte definitiv Lust auf mehr (zentralplus berichtete). 

Gerne würde man die Atmosphäre noch ein wenig aufsaugen, mit dem Schlusspfiff werden die Fans aber umgehend von den Stadionordnerinnen freundlich Richtung Ausgang gewiesen. Der traditionelle Biergenuss, inklusive dem Fachsimpeln über die Leistung der Blau-Weissen, ist in Zeiten von Corona rund um das Stadion leider nicht möglich.

Dabei gäbe es bezüglich der Leistung von Celestinis Team einiges zu besprechen. Ein begeisterter FCL-Fan mit blau-weiss geschminktem Gesicht, schwärmt beim Verlassen des Stadions von der Ballbehandlung und Übersicht des neuen Spaniers. Eine andere Zuschauerin meint, man habe den Francesco Margiotta gar nicht so sehr vermisst.

Intensität in den Trainings gestiegen

Es sind spannende Zeiten für die Fans des FC Luzern. Sechs offensive Neuzugänge hat Sportchef Remo Meyer in der vergangenen Transferperiode präsentiert, am Sonntag gaben Dejan Sorgic, Varol Tasar und Alex Carbonell ihr Startelf-Debüt.

Tatsächlich wirkte die Mannschaft im Vergleich zu den Auftaktspielen gegen Lugano und Lausanne wie ausgewechselt. Die Leuchten zeigten besonders in der zweiten Halbzeit gelungene Ansätze des Celestini-Fussballs mit einem mutigen, offensiven und bissigen Auftritt. Aber liegt das nur an den stark aufspielenden neuen Offensivkräften? 

Sportchef Remo Meyer hat vor der Partie gegen St. Gallen in diversen Interviews betont, er wolle mit den getätigten Transfers nicht nur die Qualität des Kaders verbessern, sondern auch den internen Konkurrenzkampf anheizen (zentralplus berichtete).

Augenscheinlich wird dies aktuell beim Besuch eines FCL-Trainings. Die Intensität wie auch die spielerische Qualität ist in den Einheiten von Celestini seit dem Schliessen des Transferfensters deutlich gestiegen. Auch verdiente und gewichtige Spieler wie Pascal Schürpf oder Lucas Alves können sich in diesem breiten Kader keines Stammplatzes mehr sicher sein.

Klar ist: Wer sich nun auf seinen Lorbeeren ausruht, wird seinen Platz im Team bald los sein. zentralplus präsentiert deshalb die spannendsten Konkurrenzkämpfe im FCL-Kader.

Defensives Mittelfeld: Carbonell gegen Emini

Am Sonntag zeigte die Startaufstellung, wer in diesem Duell aktuell die Nase vorne hat. Alex Carbonell steht im Moment in der Gunst von Fabio Celestini weiter oben und bedankte sich für das Vertrauen mit einem bärenstarken Auftritt.

Der Spanier interpretierte dabei seine Rolle ähnlich wie sein ehemaliger Mitspieler Sergio Busquets in Barcelona. Carbonell ist zweikampfstark, ballsicher und zeigt neben genauem Passspiel auch eine gute Übersicht. 

Anders sieht die Situation für Lorik Emini aus: Als der FCL letzte Saison vom Verletzungspech verfolgt wurde, nutzte der Mittelfeldpuncher seine Chance. Der 21-Jährige überzeugte Celestini und Meyer mit seiner Power und seinem Selbstvertrauen.

Emini durfte deshalb in diesem Herbst einen Vertrag bis 2023 unterschreiben, konnte aber bisher nicht an die Leistungen der Vorsaison anknüpfen. Gegen Lugano erwischte er einen rabenschwarzen Tag und spielte viele Fehlpässe, am Sonntag sass er während 90 Minuten auf der Bank.

Spielmacher: Schaub gegen Alabi

Im Zweikampf der beiden Regisseure ist Louis Schaub seinem Konkurrenten im Moment noch zwei Schritte voraus. Der Österreicher spricht Deutsch und hat bereits vier ansehnliche Super-League-Auftritte auf dem Buckel. Mit seinen präzisen Flanken und seinem Zug zum Tor ist er eine Bereicherung für das Luzerner Spiel. 

Samuel Alabi kam gegen St. Gallen zu seinem ersten Teileinsatz und spricht momentan nur Englisch. Für ihn ist das Lernen der Sprache das eine, den Platz in der Mannschaft zu finden das andere. Alabi war nach seiner Ankunft erst mal zehn Tage in Quarantäne, konnte so noch keine Bindung zum Team entwickeln.

Der 20-Jährige hat aber durchaus Qualität, schliesslich liess sich der FC Luzern seine Unterschrift laut diversen Quellen fast eine Million Franken kosten. Im Testspiel vor einer Woche gegen Kriens präsentierte sich der Mann aus Ghana trickreich, wendig und steuerte zudem eine spektakuläre Torvorlage bei. 

Es ist durchaus möglich, dass Celestini auf keinen seiner beiden Regisseure verzichten will: Der schnelle Alabi und Schaub fühlen sich auch auf den Flügelpositionen zu Hause. 

Rechter Flügelspieler: Tasar gegen Ndiaye

Es war eine überzeugende erste Super-League-Saison für Varol Tasar, der Deutsche gehörte in der Saison 2019/2020 bei Servette Genf zu den Leistungsträgern (zentralplus berichtete). Auch am Sonntag gelang dem 24-Jährigen im Debüt für den FCL nach einem mauen Start eine ansprechende Leistung.

Ein Assist oder ein Tor konnte der Flügelspieler trotz vieler guter Aktionen zwar noch nicht verbuchen, dafür kassierte er nach einer äusserst dreisten Schwalbe von Betim Fazliji zu Unrecht seine erste gelbe Karte. So oder so wird Tasars linker Hammer noch einigen Torhütern in der Super League Kopfzerbrechen bereiten.

Ebenfalls erfolgreich begann die letztjährige Super-League-Saison für Ibrahima Ndiaye im Dress des FC Luzern. Der 22-Jährige wurde aus der ägyptischen Liga in die Innerschweiz transferiert und musste sofort den Abgang von Nationalspieler Ruben Vargas kompensieren.

Es folgten einige gute Spiele des schnellen Flügelspielers, die Leistungen waren aber gerade gegen Ende Saison zu wenig konstant. Der Senegalese verlässt sich zu oft auf seine Schnelligkeit und muss in der Defensivbewegung die Räume besser zustellen. Momentan steckt «Ibra» in in einem Formtief und muss zusehen, dass sein Platz in Zukunft nicht weiter auf der Bank sein wird.

Linker Flügelspieler: Schürpf gegen Ugrinic

Es läuft momentan nicht rund bei Pascal Schürpf. Schon im Training vom letzten Montag klagte er über einen immerwährend schmerzenden Zeh, vor dem Spiel gegen St. Gallen zwickte plötzlich der Oberschenkel. Der Flügelspieler signalisierte aber kurz vor der Partie, er sei einsatzbereit. Nach nicht einmal 20 Minuten musste der Basler aber wieder vom Feld, der Oberschenkel schmerzte zu sehr. 

Eine unnötige Auswechslung, wie Celestini nach dem Spiel verärgert analysierte. Glücklicherweise ist die Verletzung nicht gravierend, Schürpf wird am nächsten Wochenende wohl wieder zur Verfügung stehen.

Trotz dieses Vorfalls ist der Flügelspieler vom aktuellen FC Luzern kaum mehr wegzudenken. Der gesellige Routinier hilft neuen Spielern, sich im Team zu integrieren, ist der Spassvogel der Truppe und sorgt für ein gutes Klima. Und ganz nebenbei ist der selbsternannte «Stolperi» ein Torschütze vom Dienst: 65 Skorerpunkte in 120 Super-League-Partien sprechen eine deutliche Sprache.

Alles andere als ein Stolperi ist der ehemalige U21-internationale Filip Ugrinic. Zurück im FCL-Trikot lässt dieser immer wieder seine Klasse aufblitzen, so auch gegen St. Gallen.

Einer der besten Techniker im Team von Fabio Celestini hat die Ballverliebtheit während seiner Leihe in Holland ablegen können und ersetzte Schürpf nach 19 Minuten mit einer ansprechenden Leistung. Der robuste und dennoch filigrane Spielstil des 21-Jährigen erinnert dabei teilweise an Pajtim Kasami. Für einen Stammplatz muss Ugrinic aber weiter daran arbeiten, sein Spiel schneller und effizienter zu gestalten und Aussetzer wie vor dem 1:2 abzustellen. 

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1 Kommentare
  1. karl ottiger, 26.10.2020, 13:05 Uhr

    Nur beim spielen siehst du nichts von Offensive also kann da nie ein Kampf entstehen wir haben keine Spieler die es x mal probieren in die Tiefe zu spielen haben alle Angst das sie das nächste mal nicht mehr dabei sind wenn es Fehlpässe gibt alles Hosenscheisser Fussball

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.