Der hammerwerfende Hüne mit dem zarten Gemüt
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Schweizer Meister Claudio Lussi übt sich in der Steinwurf-Disziplin. (Bild: giw)

Die Highlander kommen nach Luzern Der hammerwerfende Hüne mit dem zarten Gemüt

5 min Lesezeit 25.08.2017, 09:40 Uhr

Der Luzerner Claudio Lussi ist ein Riese und kräftig wie ein Bär. Wenig überraschend gewann er letztes Jahr die Meisterschaft der Highland Games. Wie vor zwei Jahren, organisiert er auf der Allmend ein Sportevent inklusive Mittelalterromantik. Da kommt der Beruf des Alpen-Braveheart doch sehr unerwartet.

Er ist 1.95 Meter gross und bringt 135 Kilogramm auf die Wage. Der Luzerner Claudio Lussi ist ein Hüne von Mann und würde wohl als «Mountain» in der Fantasy-Serie «Game of Thrones» durchgehen. Doch anders als der gnadenlose Schwertschwinger aus Westeros ist Lussi ein friedliches Gemüt: «Ich bin aussen hart und innen weich, so wie die meisten, die an den Highland Games teilnehmen.»

Diesen Samstag und Sonntag ist es soweit. Rund 150 Athleten messen sich in ungewöhnlichen Disziplinen wie Baumstamm-, Gewicht-, Hammer- und Steinwerfen. Sie treten dabei in zwei Kategorien an. Ausserdem gibt es einen Frauenwettkampf und über 40-Jährige treten separat an. Wie es sich für den schottischen Wettkampf gehört, tragen die Teilnehmer einen Kilt. Die meisten jedoch mit Unterhosen drunter. Die Spiele finden zum zweiten Mal in Luzern statt und Lussi ist der Leiter des OK-Teams.

3’000 bis 4’000 Zuschauer erwartet

Beim Gewichtswurf nehmen die stämmigen Rockträger schon mal 25 Kilo zur Hand. Nichts für Fliegengewichte? «Ich will nichts vormachen. Klar braucht man Kraft, um an der Spitze mithalten zu können. Doch eine gute Technik ist unvermeidbar», erkärt Lussi. Er ist Schweizer Meister, der höchste Highlander sozusagen.

Wie vor zwei Jahren finden die hiesigen Highland Games auf der Allmend statt (zentralplus berichtete). Rund 3’000 bis 4’000 Zuschauer erwartet er zur zweiten Ausgabe. Also rund 1’000 mehr als im Jahr 2015. Das sei im Vergleich zu den anderen grösseren Veranstaltungen noch relativ wenig: In Abtwil oder Fehraltorf kommen bis zu 15’000 Leute. Für Gastgeber Lussi geht das aber in Ordnung: «Wir wollen nicht zu schnell wachsen, das wäre auch organisatorisch eine zu grosse Herausforderung.» Ein Problem stellen ausserdem die Finanzen dar: «Es ist sehr schwierig, Sponsoren für den Event zu finden.»

Lussi macht im Kurzclip Werbung für die Spiele auf der Allmend

 

Viele Athleten sind dem Mittelalter zugetan

Die Luzerner Highland Games

Der Festivalpass für die Highland Games auf der Luzerner Allmend kostet 10 Franken und ist für beide Tage gültig. In diesem Jahr ist der Europameister Vladislav Tulacek an den Spielen dabei. Und auch ein Wettbewerb für die Kinder ist im Angebot. Den betreut Lussis Partnerin.

Los geht es am Samstag zwischen 10 und 17 Uhr mit den Gruppenwettkämpfen. Ab 20 Uhr treten die Bands «Hendricks the Hatmaker» (LU) und anschliessend «Chrandesyx» (BE) auf. Die Einzelwettkämpfe finden am Sonntag statt.

Eine Nachfrage besteht jedoch fraglos. Die Schottenspiele geniessen einen regelrechten Boom: «Wir verzeichnen in den letzten Jahren einen extremen Anstieg an Athleten.» Lussi geht davon aus, dass dies eng mit dem Mittelalter-Hype und den vielen erfolgreichen Fantasy-Fernsehserien in Verbindung steht. Deshalb findet sich auf dem Festgelände auch ein Mittelaltermarkt, und die Dudelsack-Formation «Wildschweine» spielt auf.

Die Highland Games waren ursprünglich Bestandteil der Treffen der Clans in den schottischen Highlands. Auch bei den Games treten die Highlander in Gruppenwettkämpfen in Clans an. Lussi ist Teil des Claymore-Clans, der Name steht für ein Langschwert schottischen Ursprungs. Hat Lussi Sehnsucht nach verklärten, früheren Zeiten? «Ich nicht. Aber das gibt es. Rund ein Viertel der Sportler kommt über die Mittelalterszene zu uns.»

Doch viele hätten auch einfach Freude an den Sportarten, die Stimmmung während den Wettkämpfen sei immer sehr gut. Lussi fühlt sich der Mittelalterszene nicht besonders verbunden: «Ich geniesse den Mittelaltermarkt und das ganze Drum und Dran, aber mir geht es primär um den Sport.»

Zu massig für den Sportunterricht

Die wilde und brachiale Sportart steht im Kontrast zu Lussis Broterwerb: Er unterrichtet im Schulhaus Hubelmatt Sekundarschüler. Flüchten die Schüler, wenn der Hüne das Klassenzimmer betritt? «Im ersten Moment haben sie vielleicht schon etwas Angst vor mir.» Aber das lege sich schnell, Respekt definiere die Beziehung zu seinen Schützlingen am besten. Natürlich wüssten die Schüler von seinem speziellen Hobby: «Vor zwei Jahren hat mich meine Klasse kräftig angefeuert auf der Allmend», mag sich Lussi berührt erinnern.

Wer nun denkt, Lussi bringt seine Schüler in der Turnhalle zum Schwitzen, der irrt: «An der PH habe ich im Sport versagt. Aufgrund meiner Masse konnte ich bei der Kondition nicht die geforderte Leistung erbringen.» Deshalb unterrichtet er das Fach auch nicht.

Claudio Lussi wirft einen Baumstamm.

Claudio Lussi wirft einen Baumstamm.

(Bild: zvg)

Lussi ist Schottland verfallen

Seine persönliche Leidenschaft gilt der Nation, aus der seine Randsportart entspringt. «Ich liebe dieses mystische und wilde Land.» Mindestens einmal im Jahr gehen er und seine Frau nach Schottland in den Norden der Britischen Inseln: «Eine Städtereise nach Edingburgh, Wanderferien, eine Highland-Tour oder Urlaub in einem abgelegenen Cottage, bisher haben wir es immer geschafft.» Bis jetzt – denn im Sommer ist Lussi Vater geworden. Er und seine Frau, die ebenfalls die Liebe zum Land teilt, bleiben aus diesem freudigen Grund zuhause.

Seine Liebe fürs Land brachte ihn auch zum Sport. Sein Schwiegervater, ebenfalls ein Schottland-Fan, nahm ihn 2009 mit zu den Spielen in St. Ursen. Dort sorgte Lussi für Furore, als er beim Zuschauerwettbewerb einen 133 Kilogramm schweren Stein weit über 50 Meter schleppte. «Da hat es mich gepackt.»

Sandro Lussi vor dem Gewichtswurf.

Sandro Lussi vor dem Gewichtswurf.

(Bild: zvg)

Gewinner erhalten Geld

Seither geht es stetig aufwärts mit seiner Karriere. Nun gilt es ernst. In der Regel trainiert Lussi drei- bis viermal die Woche. Doch durch sein Vaterglück ist er derzeit etwas am Limit, er muss bei der Vorbereitung Kompromisse machen. Kann Lussi unter diesen Bedingungen seinen Schweizermeister-Titel halten? «Das werden wir sehen. Es gibt dieses Jahr zwei oder drei harte Konkurrenten.» Am ersten Oktober finden die Meisterschaften im zürcherischen Marthalen statt. Er geht auf jeden Fall davon aus, an der Spitze mitmischen zu können: «Für einen Platz in den Top drei sollte es reichen.»

Reich wird Lussi damit jedoch auf keinen Fall: «Meistens gibt es kleine Sachpreise, wenn man in einem Wettbewerb gewinnt in der Schweiz.» In Luzern führt Lussi nun Geldpreise für die Spitzenklasse ein. Die Top fünf in jeder Disziplin erhalten einen kleinen Geldbetrag. Das ist auch in Schottland üblich: 40 Franken gibt es für den ersten Platz, danach geht es in Zehnerschritten abwärts, der Fünftplatzierte erhält noch einen Fünfliber.

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