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Der Hagendorner und seine «Königsmaschine»
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Rund eine halbe Million Franken kostet so ein Hightech-Mähdrescher, den Michael Häfeli aus Hagendorn fährt, um Getreidefelder abzuernten. (Bild: woz)

Rund 200 Ernteeinsätze für Zuger Mähdrescher-Firma Der Hagendorner und seine «Königsmaschine»

5 min Lesezeit 27.07.2018, 10:08 Uhr

Ferrari-Fahrer gibt’s viele in Zug. Echte Kerle wie Michael Häfeli bewegen dagegen ganz andere Karossen – einen Mähdrescher. Jetzt in der Getreidezeit hat der Hagendorner besonders viel zu tun. zentralplus setzte sich zu ihm ins Führerhaus.

«Die Entdeckung der Langsamkeit» ist nicht nur ein weltbekannter Roman von Sten Nadolny. Wer mit drei Stundenkilometern Geschwindigkeit in einem Mähdrescher wohlig über ein Getreidefeld rumpelt, spürt, wie entspannend langsam Fahren tatsächlich sein kann. Mitten in der Natur.

Mähdrescherfahrer Michael Häfeli ruht deshalb völlig in sich selbst. In seinem rundum verglasten, voll klimatisierten Hochsitz des Mähdreschers der Marke New Holland hat er den vollen Überblick. Gerade walzt er mit den messerscharfen Scheren über ein Gerstenfeld in Menzingen. Das rund 1,6 Hektar grosse Futtergetreideareal muss dringend gemäht werden.

«Eigentlich handelt es sich um lauter Noternten, die wir derzeit durchführen», sagt der sympathische Hagendorner. Die Ähren seien aufgrund der warmen Witterung nämlich viel früher reif geworden als sonst, jedoch aufgrund des fehlenden Regens nicht mehr weitergewachsen.

3,5 Meter breit, 4 Meter hoch und 9 Meter lang

Häfeli bedient seine «Königsmaschine», wie er das Hightech-Monster mit 3,5 Metern Breite, vier Metern Höhe und knapp neun Metern Länge stolz nennt, mit einer spielerischen Leichtigkeit – so, wie andere zuhause etwa die Knöpfe an ihrer Stereo-Anlage drehen. Apropos Stereo: Der Pop-Sound aus dem Radio swingt während der Fahrt entspannend durch die lärmgedämmte Fahrerkabine, die auch noch mit einem Kühlschrank und einem Funkgerät ausgerüstet ist.

Malerisch: Baum, Feld, Wolke – und Mähdrescher.

Malerisch: Baum, Feld, Wolke – und Mähdrescher.

(Bild: woz)

Jeweils butterweich hebt und senkt Häfeli mit dem Multifunktionshebel neben dem Lenkrad die Messerwalze und kontrolliert gleichzeitig die Geschwindigkeit, wenn er einen neuen Streifen in Angriff nimmt.

Unerbittlich frisst das Monster das Getreide in sich hinein, während es aus dem Heck die abgeschnittenen Halme aufs Feld spuckt. Aus den Flanken der gigantischen Maschine stiebt es die leeren Ährenkapseln in die Luft. Im Rücken von Häfeli, durch ein Fenster sichtbar, prasseln die gedroschenen Gerstenkörner in einen riesigen Korntank. «Bis zu neun Kubikmeter passen hier rein.»

«Am Ende des Tages sieht man vor allem ganz konkret, was man geleistet hat.»

Michael Häfeli, Mähdrescherfahrer

Seit zwölf Jahren schon ist der 34-Jährige Mähdrescherfahrer. Er liebt seinen Beruf – nicht nur, weil er ein Technik-Freak ist und es schön sei, gebraucht zu werden. «Sondern, weil man am Ende des Tages vor allem ganz konkret sieht, was man geleistet hat», sagt der Hagendorner und grinst.

Seit zwölf Jahren ist Michael Häfeli aus Hagendorn schon Mähdrescherfahrer: Er liebt seinen Job.

Seit zwölf Jahren ist Michael Häfeli aus Hagendorn schon Mähdrescherfahrer: Er liebt seinen Job.

(Bild: woz)

Häfeli ist einer von sechs Mähdrescherfahrern der Firma Bircher in Hagendorn. «Meine Frau Marlis und ich betreiben das landwirtschaftliche Lohnunternehmen seit 2011», erklärt Besitzer Roman Bircher. Den Betrieb, den es schon seit 55 Jahren gibt, hat er von seinen Eltern übernommen. 

«Da das Wetter bisher so gut und beständig gewesen ist, haben wir fast keine Nachteinsätze gehabt.»

Roman Bircher, landwirtschaftliches Lohnunternehmen, Hagendorn

Sechs Mähdrescher nennt die Firma ihr Eigen. Eine dieser Maschinen kostet zwischen 400’000 und 450’000 Franken. Sie verfügen über eine Leistung von 200 bis 320 PS und verbrauchen auf dem Feld zwischen 25 und 35 Litern Diesel pro Stunde.

50 ausserkantonale Einsätze

Rund 200 Einsätze haben die Birchers in diesem Jahr schon gehabt – davon auch 50 ausserkantonale wie in Knonau, Mettmenstetten, Maschwanden, Merenschwand und Alikon. 

«Da das Wetter bisher so gut und beständig gewesen ist, haben wir fast keine Nachteinsätze gehabt», erklärt Roman Bircher. «Das heisst aber nicht, dass wir immer um 17 Uhr Feierabend machen können.» Manchmal seien sie bis 23 Uhr gefahren.

Das goldene Korn schiesst vom Mähdrescher zielgenau in die bereitgehaltenen Säcke von Bauer Röllin.

Das goldene Korn schiesst vom Mähdrescher zielgenau in die bereitgehaltenen Säcke von Bauer Röllin.

(Bild: woz)

Inzwischen hat Häfeli den ersten Stopp eingelegt. Da der Menzinger Bauer Kari Röllin das gedroschene Futtergetreide nämlich direkt in das eigene Silo einlagert, steht er mit seinen Söhnen Thomas und Stefan am Feld auf einem Anhänger bereit. Er wartet darauf, dass der Mähdrescher seinen Rüssel ausfährt und die erste Ladung an gedroschenem Getreide in die aufgehaltenen Plastiksäcke bläst.

Zentimetergenaue Routine

Für Häfeli ist das kein Problem: Als ob es nichts Leichteres gäbe, schwenkt er das Rohr der Maschine zentimetergenau hinüber zum Anhänger, und schon schiesst das goldene Korn in den Behälter. Ein Routinekontrollblick – dann geht’s weiter.

Eher ein Problem für den Mähdrescherfahrer sind dagegen die vielen Tiere, die sich in einem Getreidefeld so verstecken.

Messerscharf sind die beweglichen Scheren des Mähdreschers: Diese können vor allem versteckten Tieren wie Rehkitzen gefährlich werden.

Messerscharf sind die beweglichen Scheren des Mähdreschers: Diese können vor allem versteckten Tieren wie Rehkitzen gefährlich werden.

(Bild: woz)

«Rehkitze, Igel, Dachse, Hasen, Füchse», zählt Häfeli auf. Dank seiner vorsichtigen Fahrweise hat er noch nie ein Rehkitz erwischt – die Jungtiere würden sich immer bis kurz vor knapp vor dem Mähdrescher zusammenkauern, bevor sie dann endlich flüchteten. Igel seien besonders problematisch, weil diese sich nicht so schnell bewegten. Doch bei dieser Fahrt hat sich im Getreidefeld noch nichts Tierisches geregt.

Für einen Landwirt kostet so ein Mähdreschereinsatz übrigens pro Hektar 410 Franken. Häfeli zieht an diesem Nachmittag gut eine Stunde lang seine Bahnen auf dem Gerstenfeld, bis er es abgemäht hat. «Wir mähen auch Hirse- und Rapsfelder sowie Mais im Herbst.»

Zahlreiche Raubvögel kreisen über dem abgemähten Feld

Die Mähdrescher werden jeweils vor der Ernte und im Winter auf Herz und Nieren getestet und durchgecheckt. Reparaturen würden im Allgemeinen keine grossen auftreten. Verschleissteile werden ersetzt, und der Service wird ebenfalls vor der Ernte erledigt.

Das Menzinger Futtergetreidefeld ist inzwischen immer kahler geworden. Nur noch die Stoppeln schauen aus dem Boden raus. Das lockt neugierige Gäste aus der Luft an: Zahlreiche Raubvögel drehen ihre Kreise über dem Feld und stürzen sich ab und an herunter, um sich eine Maus oder ähnliches Fressbares zu schnappen.

Erntedank: Nach getaner Arbeit gibt's für alle einen kühlen Schluck Rivella.

Erntedank: Nach getaner Arbeit gibt’s für alle einen kühlen Schluck Rivella.

(Bild: woz)

Als Häfeli auf seiner letzten Bahn die Ähren stutzt, kommt auf den allerletzten Metern plötzlich ein riesiger, zottiger Fuchs zwischen den Halmen zum Vorschein. Schnell sucht der das Weite. Jetzt muss er sich wohl einen neuen Bau suchen. «Das war ein sehr altes Tier», sagt Häfeli.

Jetzt ist alles abgemäht. Der Motor wird abgestellt. Michael Häfeli steigt geübt die Leiter vom Mähdrescher herunter. Bauer Röllin spendiert ihm ein Rivella aus der mitgebrachten Kühlbox. Erntedank der erfrischenden Art. «Für unsere Kühe, die gut Milch geben, ist das Futtergetreide ein wichtiger Energiespender.»

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