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«Der Fussball und sein Umfeld müssen sich wieder kultivieren»
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Sascha Ruefer lacht gerne im Restaurant OX'n. Und trinkt dort gerne Wein. (Bild: hae)

50 Fragen an … Sascha Ruefer, TV-Fussballexperte «Der Fussball und sein Umfeld müssen sich wieder kultivieren»

16 min Lesezeit 06.10.2019, 05:03 Uhr

Sascha Ruefer ist unser Mann aus Schenkon: Der TV-Moderator und Fussballkommentator fasste 2006 Fuss am Sempachersee. Für den 47-Jährigen ist Fussball die schönste Nebensache der Welt – zumal er in die Fussstapfen von Beni Thurnheer trat. 

Showdown in Schenkon bei Bier und Weisswein, alles dreht sich um ein Aufnahmegerät und 50 Fragen. Sascha Ruefer kommt lässig in Jeans und Veston angedribbelt, an fast allen Tischen macht er auf dem Weg zur Medienarbeit einen Boxenstopp: Gäste im Gourmet-Restaurant OX’n grüssen den TV-Reporter, er ist mit fast allen per du.

Der neuen Serviertochter erklärt er nebenbei, wie die Weinkarte funktioniert: Jeder Wein hat einen Götti aus der Region. «Kennen Sie die Weine vom Eichberg? Der Herr dort am Ecktisch ist der geistige Vater des Weins – und oft hier zu Gast.»

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So auch wie Ruefer selber, der OX’n ist seine Stammkneipe im Dorf. Auch andere Fussballprominenz kehrt hier ein: YB-Captain Fabian Lustenberger trinkt sein Bierchen, Coach Gerardo Seoane kommt zum Dinner, der ehemalige FCL-Goalie David Zibung ist Ruefers Nachbar.

1. Sascha Ruefer, welche speziellen Qualitäten muss ein Fussballreporter haben, damit er einen guten Job macht?

Sascha Ruefer: Er muss Sachverstand haben und einen guten Wortschatz. Er muss viele Fakten und Sätze im Kopf habe. Und die Fähigkeit entwickeln, eine möglichst neutrale Sichtweise der Dinge zu haben. 

2. Vorbereitete Sätze also?

Ruefer: Ich meine damit Satzkonstruktionen. Man braucht in der Fremdsprache Hochdeutsch Satzbauteile, die funktionieren und verstanden werden. Man muss belesen sein und verschiedene Wörter im Kopf haben. Variationen und darum auch Sätze. 

«Ich habe über jeden Spieler eine kleine Fiche angelegt.»

Sascha Ruefer, Fussballexperte

3. Wie bereiten Sie sich auf Spielkommentare vor, mit Recherchen über Spieler und mögliche Entscheidungsträger?

Ruefer: Ich habe das Palmares der Spieler im Kopf und über jeden Spieler eine kleine Fiche angelegt, die ich vor mir liegen habe. Das sind nur Gedankenstützen, denn die Info muss im Kopf sein. Ich habe während des Kommentierens keine Zeit, noch hurtig nachzulesen. Denn bis ich die Info finde, ist der Ball schon beim nächsten Spieler. Deshalb habe ich über jeden Spieler immer vier Facts.

4. Überraschendes sicherlich!

Ruefer: Genau, nicht Wikipedia-Wissen, denn der Wissensstand der Zuschauer ist gross im Zeitalter der sozialen Medien. Bei Ronaldo sage ich nicht, dass er «Weltfussballer des Jahres» ist – das kann ich als Wissen des Fans voraussetzen. Ich erzähle dann lieber, dass er in den letzten sechs Matches sieben Tore geschossen und vier Assists gemacht hat. Das sind Fakten, die viel mehr aussagen.

Sascha Ruefer in seiner Schenkoner Stammbeiz mit Sebastian Rensing und Katharina Käser vom OX’n. (Bild: hae)

5. Wie lange haben Sie Zeit zur Vorbereitung?

Ruefer: Da muss ich einen Tag oder sogar eineinhalb Tage Zeit haben, denn Vorbereitung ist das A und O. Es ist wegen der neuen Medien sogar noch schwieriger geworden, denn der «Brunnen» Internet ist vorhanden für alle. Die Frage ist einfach, ob das Netzwissen auch stimmt. Aber wir Journalisten sind der Wahrheit und der Wahrhaftigkeit verpflichtet. Also muss ich die Fakten noch checken. Bei einem Länderspiel ist die Vorbereitung noch länger. Ich muss 25 Spieler kennen – und wenn die Schweiz beispielsweise gegen die Faröer spielt, dann suche ich dann schon ein paar Stunden …

6. Haben Sie dafür Assistenten?

Ruefer: Das mache ich alles selber, weil wenn mir jemand diese Infos bringt, dann habe ich die wie gesagt nicht im Kopf – dann stehen die nur auf Papier. Das bringt nichts. Was ich recherchiert habe, das habe ich dann parat.  

7. Machen Sie gerne im einsamen Stübchen Recherchen?

Ruefer: Sehr gerne. Das ist ein bisschen wie Detektiv zu spielen. Informationen über andere Menschen zusammenzutragen, das ist doch cool.

«Spektakuläre Spiele sind Momente wie Fresken, die dir im Kopf bleiben.»

8. Welches Fussballerlebnis hat bei Ihnen die grössten Emotionen ausgelöst?

Ruefer: Das kann ich nicht auf ein Spiel reduzieren. Es gibt Spiele, von denen du im Vornherein weisst: Die werde ich nie vergessen, weil sie vom Status her bedeutend sind. Das ist sicherlich immer der Champions-League-Final. Oder ich erinnere mich ewig an das allererste Spiel, das ich fürs Fernsehen machen konnte: Das war 1998 Bayern gegen Dortmund in der Champions-League, ein 0:0 in München an einem traurig-kalten Märztag. Ich erinnere mich auch an den EM-Final, an den letzten Champions-League-Final und natürlich auch an WM-Finals.

9. Waren das wirklich alles sportliche Höhepunkte?

Ruefer: Stimmt, das waren nicht immer Highlights. Aber dann gibt es spektakuläre Spiele wie jene im Schweizer Cup: FC Zürich gegen GC von 2004, als der FCZ führte und GC die Sache drehte, in der Verlängerung 6:5 gewann. Das sind Momente wie Fresken, die dir im Kopf bleiben. Dann habe ich auch Reisen im Kopf, etwa nach Brasilien. Das gibt mir so viel, und das ist das Schöne an meinem Job, dass ich gar nicht Platz habe, das alles zu speichern. 

TV-Mann aus Schenkon

Sascha Ruefer (47) ist Live-Kommentator und war seit 1998 an jeder Fussball-EM und -WM dabei. 2008 bestimmte Schweizer Radio und Fernsehen SRF Sascha Ruefer zum neuen Livekommentator der Schweizer Fussballnati. Ruefer wuchs im Bieler Seeland auf, seit 2006 lebt er mit seiner Familie in Schenkon.

10. Manchmal merkt man, wie die Emotionen mit Ihnen durchgehen. Ich erinnere mich an Ihren Kommentar: «In Sachen Freudlosigkeit geht es der Schweizer Nationalmannschaft im Angriff so wie mir beim Einkauf der Weihnachtsgeschenke für meine Frau.» Solche Momente können Sie nicht planen, oder?

Ruefer: Nein, und manchmal rutscht was raus wie: «Sané bringt Farbe ins Spiel», als ein dunkelhäutiger Spieler die gelbe Karte sah. Das war nicht böse gemeint – aber ein unglücklicher und heute unpassender Spruch. Sowas nervt dann auch.

11. Keine Zeit für Selbstvorwürfe. Sie können sich ja auch nicht länger mit Witzchen aufhalten, denn der Match läuft ja weiter. Lachen Sie manchmal selber über sich?

Ruefer: Klar, bei der Geschichte mit meiner Frau, da habe ich mich ertappt, dass ich auch gegrinst habe. Das habe ich dann bildlich betrachtet. Ich habe lang Radio gemacht: Dort bist du gezwungen, den Leuten Bilder zu vermitteln. Ich habe einen Assistenten, Renato Schatz, der ist wortgewandt und wortgewaltig, wir haben einen ähnlichen Humor, dann kreieren wir gemeinsam Bilder.

12. Wie geht das im Eifer der Moderation?

Ruefer: Er schickt mir per iMessage Fakten, und nicht Sprüche. Es geht da auch um Einschätzungen: Wenn Shaqiri in fünf Minuten zwei Tore schiesst, dann schlägt er mir das nach – ob es das schon einmal gab. Beim Penaltyschiessen genau das Gleiche: Seferovic läuft an, dann weiss ich, dass er in dieser Saison schon zweimal verschossen hat und einen Elfmeter skorte. Renato Schatz ist in solchen Momenten mein Hirn.

13. Ein Top-Team?

Ruefer: Und wie! Wir sind hoch konzentriert, aber wir betrachten das Ganze doch nicht als allzu wichtig im gesamten Kontext: Wir reden immer noch über Sport. Über einen Sieger und einen Verlierer – und egal, was dieser Tag bringt: Das Leben geht genau gleich weiter. Es ist demzufolge ein grosses Privileg, dass wir das machen dürfen, dass wir ein wenig Fan sind von diesem Sport. Es ist die schönste Nebenbeschäftigung, die wir uns vorstellen können. Das hilft auch. 

14. Was ist noch wichtiger für Sie?

Ruefer: Meine Familie ist das für mich, wir haben einen kleinen Sohn, Matti Petter, der ist fünf Jahre alt. Seit seiner Geburt weiss ich: Es gibt viel Wichtigeres als Fussball. Was aber auch nicht bedeutet, dass ich meinen Job vernachlässige. 

15. Hätte es denn ein anderes Berufsziel für Sie gegeben?

Ruefer: Ursprünglich wollte ich als Pubertierender Tierarzt werden. Ich wollte auch mal Lehrer werden, aber das dauerte nur kurz, weil ich da sehr schnell ein Spiegelbild von mir sah – und dann winkte ich schnell ab: Wenn ich eine solche Klasse hätte wie die, in der ich war, das wäre nie gegangen. (lacht) Und dann kam mit 15 der Journalismus dazu. Ich fand es toll, über Sport zu berichten, mit Medien umzugehen. Vielleicht gäbe es schon noch etwas anderes. Aber heute, mit 47, fühle ich mich ausgefüllt.

16. Sie lieben Wein, wie wär’s mit Önologie?

Ruefer: Das wäre durchaus eine Passion, oder die Grillmeisterei. Aber ich fühle mich so wohl, dass sich diese Frage für mich nicht stellt.

17. Welche Persönlichkeiten, als Spieler oder Trainer, haben Sie am meisten beeindruckt?

Ruefer: Da gibt es ganz unterschiedliche: Ottmar Hitzfeld finde ich eine beeindruckende Persönlichkeit. Wenn er in einen Raum tritt, verändert sich etwas. Oder Spieler wie Ronaldo, der gegen unglaubliche Vorurteile zu kämpfen hat. Neid, Missgunst, Eifersucht – aber wenn man das Ganze neutral und nüchtern betrachtet: Er ist nicht nur der Beste, er macht auch unfassbar viel dafür.

18. Woher wissen Sie das?

Ruefer: Ich hatte mal die Chance, das beim Training zu erleben: Seine Mitspieler sind schon lange in der Garderobe unter der Dusche, und er übt immer noch Freistösse. Und wenn die anderen auf den Platz kommen, ist er schon lange dort. Auch ein Zinédine Zidane ist beeindruckend.

19. Und Schweizer?

Ruefer: Leute wie der Wolhuser Christoph Spycher oder ein Andres Gerber, die beiden Sportchefs bei YB und Thun. Imposant, wie die «wärchen», am Boden bleiben und darin aufgehen. Mein Trainer bei den Senioren heisst Reto Schumacher, auch er eine beeindruckende Persönlichkeit. Der kann Leute führen und begeistern. Ich kann viel von solchen Menschen lernen, unabhängig davon, ob sie jetzt im Rampenlicht stehen, berühmt sind oder halt einfach nur Mensch sind.

20. Wie motivieren Sie sich, wenn Sie für Veteranenspiele in die Hosen steigen? 

Ruefer: Ich habe aufhören müssen mit dem Fussball, weil ich es nicht mehr ertrug, dass ich permanent auf dem Platz angepöbelt werde. «Shaqiri kritisieren, aber den Ball nicht stoppen können.» Oder der Schiri sagt: «Hier rede ich, und du sagst gar nichts.» Das brauche ich nicht mehr. Vor zwei Jahren entschied ich mich für einen Schlussstrich. Obwohl ich nie gross verletzt war. Ich fand einfach keine Motivation mehr.

«Wer meint, dass nur die Dummen dreinschlagen und nur die Ungebildeten Petarden zünden, der irrt.»

21. Ist Fussball denn was für eher einfache Gemüter?

Ruefer: Fussball ist der Sport vom Volk. Und das Volk sind alle. Pöbeleien und Ausschreitungen haben für mich nichts mit Intellekt zu tun. Wer meint, dass nur die Dummen dreinschlagen und nur die Ungebildeten Petarden zünden, der irrt. Da hat es sehr wohl auch gebildete Leute darunter. Aber das Problem ist: Viele definieren das Leben in der Masse als rechtsfreien Raum.

22. Wie meinen Sie das?

Ruefer: Sie wirken unerkannt und können machen, was sie wollen. Was wollen schon 200 Polizisten gegen 20’000 Fans machen? Nichts. Das weiss die Masse. In anderen Sportarten hat man Respekt und Anstand. Ich nehme immer die Schwinger als Gegenbeispiel: Dort ist es kein Gesellschaftsproblem. Unlängst waren in Zug 55’000 Menschen friedlich beieinander. Die können das, wieso können die das im Fussballstadion nicht?

23. Ja wieso?

Ruefer: Ein Schwinger hat mir einen bemerkenswerten Satz gesagt: «Die Leute, die auf dem Platz stehen, die heissen Protagonisten, die ziehen mit ihrem Verhalten ihresgleichen an.» Wenn also einer dasteht mit langen Haaren und Heavy Metal hört, dann kommen viele andere, die haben lange Haare und hören Heavy Metal. Und wenn halt auf dem Platz viele sind, die rumschreien, spucken und Schwalben machen – dann animiert das zu ähnlichem Verhalten. Ich habe noch nie einen Beachvolleyballer gesehen, der gespuckt hat. Haben Sie schon einen anderen Sportler gesehen, der auf den Rasen rotzt? Das gibt es nur im Fussball. Es ist schon so: Beim Schwingen gibt man sich die Hand vor dem Kampf – und dann nochmal nach dem Kampf.

«Ich habe Roger Federer noch nie auf den Boden rotzen sehen. Oder sich wälzen, wenn er ausnahmsweise mal einen Ball nicht erreicht hat.»

24. Das ist das Gentleman-Verhalten, wie ich es auch beim Tennis in Wimbledon erlebe.

Ruefer: Voilà. Dort geht das auch. Ich habe Roger Federer noch nie auf den Boden rotzen sehen. Oder sich wälzen, wenn er ausnahmsweise mal einen Ball nicht erreicht hat. Deshalb sage ich: Der Fussball und sein Umfeld müssen sich vielleicht wieder etwas kultivieren. Dann kommt das gut.

25. Und wie stehen Sie zum Frauenfussball? 

Ruefer: Den mag ich, der hat sich enorm entwickelt. Die Frauen-WM war spannend und hoch interessant. Die Entwicklung ist viel schneller als bei den Männern. Die Spielerinnen werden athletischer, sie werden technisch versierter. Mein grösster Respekt. Es ist klar, dass es Unterschiede gibt. Bei den Skirennen oder im Tennis ist das auch so. Es macht Spass zuzuschauen, auch wenn das Leistungsgefälle riesig ist.

26. Wäre Sascha Ruefer auch zum Fussballschiedsrichter geeignet?

Ruefer: Nein, weil ich weiss, was die leisten: Sie müssen unglaublich schnell reagieren. Ich glaube, ich könnte das nicht. Schiedsrichter sind wie Polizisten. Man mag sie nicht: Sie sind da, um dir Bussen zu geben. Eigentlich geht man denen lieber aus dem Weg. Das sind keine Sympathieträger. Und der Schiri, der muss in einem sehr emotionalen Umfeld urteilen und richten. Schwierig! Er selber darf keine Emotionen zeigen, und deshalb sagt man heute: Wenn du nichts über den Schiri sagst, ist es gut gemeint. Ich habe grossen Respekt, dass die sich das antun. Ich könnte das nicht. Wahrscheinlich hätte ich auch Mühe, auf dem Feld immer der Böhlimann zu sein. 

27. Wie ernst sind Gerüchte Ihres baldigen Wechsels nach Deutschland zu den grossen TV-Stationen? 

Ruefer: Da ist nichts dran. Es wird viel geredet. In Deutschland gibt es 80 Millionen Einwohner und in der Masse tummeln sich viele gute Reporter. Die Deutschen haben auch viel mehr Medienvielfalt als wir Schweizer – da wartet jetzt keiner auf den Ruefer. Dann kommt noch dazu: Wir Schweizer reden alle zusammen in einer Fremdsprache, das schnallt der Deutsche. Vielleicht gibt es ein paar, die darauf warten, dass der Ruefer geht. (lacht) Das wäre aber auch nicht sinnvoll.

28. Sie sind schnell am Mikrofon. Sie gelten als witzig und eloquent. Und versiert.

Ruefer: Aber das sind andere auch. Es gibt auch in Österreich ganz viele witzige Moderatoren – und die reden auch noch diese Sprache. Es hat sich bis jetzt nicht für mich ergeben, dass es gestimmt hätte. 

29. Planen Sie auch eine Karriere vom Kommentator zum Experten, so wie Marcel Reif, 69, derzeit beim Teleclub? 

Ruefer: Marcel Reif hat zu seiner besten Zeit als Kommentator definitiv Spuren hinterlassen mit seiner Art zu moderieren, das ist schön. Aber nein, solche Pläne gibt es nicht.

«Beni Thurnheer war mein grosses Vorbild, aber ich wollte ihn nie kopieren.»

30. Oder Sie werden zum Show-Moderator, ganz wie Bernard Thurnheer? 

Ruefer: Ich finde, diese Vergleiche hinken immer etwas. Thurnheer kommt aus einer anderen TV-Zeit. Er war das pure Gegenteil zum Bestehenden und hat das Fernsehen in der Schweiz mit seiner Art neu erfunden oder zumindest nachhaltig geprägt. Er war mein grosses Vorbild, er hat meine Jugend geprägt. Das was er machte, wollte ich auch. Aber ich wollte ihn nie kopieren, das habe ich immer abgelehnt. Ich bin stolz, dass ich in seine Fussstapfen treten und die Nationalmannschaft kommentieren darf. Das ist für mich der Beweis, dass ich nicht alles falsch gemacht habe. Das verdanke ich sicher auch meiner Inspiration durch Beni – aber es gibt nur einen Beni Thurnheer.

31. Aber die Samstagabend-Kisten, bei denen alle in unserem Land sich vor dem TV versammelten, die gibt es nicht mehr.

Ruefer: Ich durfte auch internationale Formate in der Unterhaltung machen, einerseits den «Grand Prix der Volksmusik» mit ZDF und ORF, oder die «Starnacht». Aber mit dem Aufkommen der neuen Medien und dem neuen Medienkonsumverhalten muss das Fernsehen eine neue Identität suchen, sich neu erfinden. Das betrifft vor allem die Unterhaltung. Noch vor zehn Jahren war der Samstagabend der TV-Olymp, weil sich da die Familien vor dem TV versammelt und gemeinsam Shows angeschaut haben. Das hat sich gewandelt in Zeiten von Replay. Man hat wieder Zeit für sich, geht aus – und schaut die grosse Kiste oder selektiv Teile davon irgendwann später an.

32. Wie sieht das im Sport aus?

Ruefer: Sport schaue ich, wenn er passiert – und so dürfte es nach wie vor vielen gehen.

33. Fühlen Sie sich wohler, wenn man Sie nicht am TV sieht?

Ruefer: Spannende Frage, wie kommen Sie darauf?

34. Ich finde Sie cooler, wenn ich Sie nur höre.

Ruefer: Ich mache beides gern. Man sieht das rote Lämpchen, wenn die Kamera an ist. Ich bin im Sommer mehr der Kommentator, und wenn der Fussball ruht, mehr Moderator. Ich kann nicht sagen, was ich lieber tue. Beim TV zu arbeiten, hat viele spannende Facetten.

35. Welcher Schweizer Spieler setzt nach Ihrem Dafürhalten im Ausland die meisten Akzente?

Ruefer: Stefan Lichtsteiners Karriere fasziniert: Er ist kein Messi, was Technik und Ballbehandlung angeht. Aber er hat Grundwerte, die er vertritt: Er ist ein Kämpfer, er ist der Spitzensportler, beeindruckend, was er bei Juventus Turin in einer grossen Liga machte. Xhaka, Sommer oder Bürki sind Leistungsträger bei grossen Vereinen. Shaqiri war an internationalen Titeln beteiligt, Seferovic ist Torschützenkönig in Portugal geworden. Schweizer Fussballer setzen insgesamt Akzente im Ausland, das ist für unser kleines Fussballland bemerkenswert. 

36. Und jetzt noch Human Touch: Eine Lehre, die Ihnen Ihre Mutter punkto Frauen mitgegeben hat? 

Ruefer: Meine Eltern haben mich sehr streng erzogen. Sie lehrten mich Werte wie Respekt und Anstand, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Damit kann man überall punkten. Tipps gaben sie mir nie für den Umgang mit Freunden und Frauen. Sie haben es immer beobachtet. Und wenn sie glaubten, da sei schlechter Einfluss, dann haben sie mir das so gesagt. Aber sie liessen mich immer meine Erfahrungen selber machen. 

37. Auf den Fussballplatz durften Sie aber?

Ruefer: Bedingt, doch. In Lengnau bei Biel wuchs ich ganz nah an einem Platz auf. Und ich war viel am Ball. Ich ging aber auch aufs Gymnasium in Biel, und die Leistungen waren nicht wirklich top. Also musste ich immer zuerst lernen. Meine Mutter war sportaffin, aber nicht sehr sportlich. Mein Vater war Buchhalter – da musste ich schon gegen Windmühlen kämpfen.

38. Törnt Sie eher Kälte oder Wärme an? 

Ruefer: Ich habe beides gern. Ich bin viel in Mallorca, lebe dort auch zum Teil. Aber ich schätze auch die Berge. Ich fahre gerne Ski, mein Sohn lernte in Engelberg. Ich war viel in Schönried, jetzt mehr auf der Lenzerheide.

«Ich bin ein Steinbock: Die Dinge aus der Distanz anschauen, eher Einzelgänger – ich bin ein Dickschädel.»

39. Mit welchem Tier soll man Sie am besten vergleichen? 

Ruefer: Ich bin vom Sternzeichen Steinbock. Damit kann ich mich gut identifizieren: Die Dinge aus der Distanz anschauen, eher Einzelgänger, ich habe einen Steckgrind – ich bin ein Dickschädel. Ich behaupte von mir, dass ich auch auf schwierigem Gelände stehen kann.

40. Aber der Steinbock, der redet doch nicht viel?

Ruefer: Der Giachen aus der Bündner TV-Werbung redet doch genug! Und Witziges obendrein.

Ex-Gemeindeschreiber Fritz Hüsler brachte Sascha Ruefer 2006 nach Nottwil. (Bild: hae)

41. Wer leidet am meisten unter Ihnen? 

Ruefer: (Lacht) Wer mich sicher aushalten muss, ist meine Familie. Demzufolge wird sie zwischendurch auch leiden müssen. Aber sie werden das mit Humor nehmen, weil sie wissen, dass ich auch andere Seiten habe. 

42. Ihre erste grosse Leinwandliebe? 

Ruefer: Sophie Marceau in «La Boum – die Fete». Und Brooke Shields in «Blaue Lagune» – uff!

43. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre erste Liebe?

Ruefer: Schöne, und als Geniesser behalte ich die gerne für mich.

44. Was ist Luxus für Sie? 

Ruefer: Zeit. Freizeit.

«Ich weine bei Olympischen Spielen, wenn die Schweizer Hymne nach einer Schweizer Goldmedaille erklingt.»

45. Wann haben Sie das letzte Mal geweint? 

Ruefer: Eher selten. Schwierig, ich bin schon emotional. Bei Momenten mit meinem Sohn Matti Petter. Bei Olympischen Spielen, wenn die Schweizer Hymne nach einer Schweizer Goldmedaille erklingt. Ich stehe auf, eineinhalb Minuten, um sich zu erden. Dann kommen auch mal Tränen. 

46. Wieso das?

Ruefer: Es ist ein Stück Heimat, ein Anker. Ich habe durch meinen Job und die vielen Reisen gelernt, dass wir hier im Paradies leben. Es ist ein Privileg, in der Schweiz leben zu dürfen, und ich bin dankbar dafür, was uns unsere Vorfahren Helvetiens geschaffen haben. Leider wird dieses Privileg nicht überall gleich geschätzt.

47. Wenn Matti Petter sagt, er wolle Fussballer werden. Was sagen Sie?

Ruefer: Soll er doch. Vielleicht wird er auch Turner. Hauptsache, er engagiert sich und tut sich Gutes.

48. In welchen Situationen lachen Sie?

Ruefer: Lachen ist etwas sehr Wichtiges. Gerade im Sport. Sich selber nicht so ernst und so wichtig nehmen. Viele nehmen sich zu wichtig.

49. Wann tanzen Sie? 

Ruefer: Ich bin ein fleischgewordener Pinocchio, wenn ich tanze. Hölzern. Das ist nicht so mein Ding. Ich habe kein Travolta-Blut in mir drin.

50. Welche Kultur konsumieren Sie?

Ruefer: Nicht in Museen, aber Sport ist ja auch Kultur. Unterhaltung auch. Wenn Sie Wein als Kultur betrachten, dann ist das meine Kultur. Oder Grillieren. Schlager und Mainstream mag ich. Ich singe gerne im Auto mit, unter der Dusche oder mal an einem Konzert – aber im Wein komme ich besser draus.

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