Der Frühling kommt, die Luzerner Lärmposer sind bereits da
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Autoposer sollen härter angegangen werden. (Bild: Adobe Stock)

Vorstösse im Parlament Der Frühling kommt, die Luzerner Lärmposer sind bereits da

4 min Lesezeit 9 Kommentare 04.03.2021, 05:00 Uhr

Mit dem wärmeren Wetter wird auch die Szene der Lärmposer nun wieder aktiver. Auch auf dem politischen Parkett keimt das Thema der röhrenden Autos und Töffs wieder auf – Lösungen scheinen dabei wohl eher aus Bern denn aus Luzern zu kommen.

Naturgemäss wird es in den Wintermonaten etwas ruhiger um die Szene der Lärmposer. Weg waren sie allerdings nie. Und: Die ersten Vorboten der anstehenden «Posing-Saison» sind bereits sichtbar. So führte die Luzerner Polizei bereits Mitte Februar eine erste «koordinierte Verkehrskontrolle» durch. Unter anderem wurden acht Lenker angezeigt, weil ihre Autos unerlaubte Änderungen aufwiesen. In einem Fall wurde ein Auto eingezogen und stillgelegt, weil es nicht betriebssicher war. Zudem wurden fünf Fahrer angezeigt, weil sie den Motor unnötig «aufgedreht» hatten (zentralplus berichtete).

Es werden auch weitere solche Schwerpunktkontrollen durchgeführt, sagt Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei, auf Anfrage. Die Verfolgung der Lärmposer sei aber kein besonderer Schwerpunkt des aktuellen Jahres, sondern längst eine Daueraufgabe der Polizei geworden. «Die technischen Details an den Autos mögen sich verändern, das Grundphänomen des Autoposings beobachten wir jedoch schon seit Langem.»

Aktion in Basel

Rigoroser als Luzern geht Basel Stadt derzeit im Hafengebiet der Stadt vor. Dieses gilt seit Jahren als Treffpunkt der Szene. Dieses Jahr soll damit aber Schluss sein. An den vergangenen zwei Wochenenden markierte die Polizei vor Ort hohe Präsenz, kontrollierte gegen 700 Fahrzeuge und verzeigte dabei 43 Lenker. Dies in erster Linie wegen unerlaubten technischen Änderungen am Fahrzeug.

Ziel ist es, die Szene nachhaltig vom Gebiet zu vergraulen. Deshalb werde die Kontrolltätigkeit dort weiterhin hoch bleiben, wie die Polizei gegenüber «20 Minuten» sagt.

Stadtrat hat «keine Kenntnisse» über die Szene

Derweil sind die Lärmposer aber im Luzerner Stadtparlament Thema. Heute Donnerstag findet die Diskussion zu einer Interpellation statt, die SP und GLP gemeinsam einreichten. Beide Fraktionen wollten mehr über die Hintergründe der «Auto- und Motorrad-Posenden» in Luzern wissen.

Unter anderem sollte der Stadtrat Informationen zur Zusammensetzung der Szene, deren Veränderungen in den letzten Jahren und die Rolle von Autovermietungen liefern (zentralplus berichtete).

Die Rückmeldung des Stadtrats ist allerdings einigermassen dürftig: Zwar empfindet auch der Stadtrat die Poserszene als «störend» und die übermässige Lärmbelastung als «inakzeptabel». Die von den Interpellanten gewünschte Bestandsaufnahme der Szene erachtet man dann aber doch als Ressourcenverschwendung der Verwaltung. Dies, weil die Zuständigkeit nicht bei der Stadt, sondern bei Bund und Kanton liege.

Von der Zusammensetzung der Szene habe der Stadtrat denn auch keine Ahnung. Das einzige, was er weiss: «In der Stadt Luzern sind insbesondere die Kantonsstrassenabschnitte Seebrücke und Schweizerhofquai sehr beliebt», wie es in seiner Antwort zu lesen ist. Für Ortsunkundige eine möglicherweise nützliche Information.

Stadt will keine Anreize schaffen

Die Interpellanten wollten zudem wissen, welche technischen Manipulationen aktuell festgestellt werden. Quasi aus taktischen Gründen will der Stadtrat, mit Verweis auf die entsprechenden Behörden, dazu keine Auskünfte geben. Einerseits, weil die Verstösse «einzeln und zum Teil mit grossem Aufwand verfolgt werden müssen», wie der Antwort des Stadtrats zu entnehmen ist.

Andererseits aber auch, weil die Veröffentlichung von Trends «Anreize» schaffen könnten, die aus Sicht der Behörden unerwünscht sind. Inwiefern sich die Autoposer via solcher Interpellationsantworten über die angesagtesten Trends in der Szene informieren, ist derweil nicht überliefert.

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246 Fahrzeuge sichergestellt

Immerhin etwas handfestere Informationen liefern Polizei und Stadtrat mit Blick auf das vergangene Jahr. So wurden zwischen Januar und November 2020 insgesamt 246 Fahrzeuge sichergestellt. Das seien gut 100 Fahrzeuge mehr als im Jahr 2019.

Unternehmen kann die Stadt jedoch wenig. Denn die gesetzliche Grundlage ist schlicht noch nicht vorhanden. Ausserdem ist der Kanton für die Kontrolle der Strassenverkehrsgesetzgebung zuständig, wie der Stadtrat in seiner Antwort schreibt.

Auch das Thema Lärmblitzer wurde von den Interpellanten aufgegriffen. Die Stadt verweist hier auf den Entscheid des Kantonsrates: Wegen der fehlenden Rechtsgrundlage hat sich der Luzerner Kantonsrat jedoch kürzlich dagegen entschieden (zentralplus berichtete).

Bundesrat will Grundlagen für Lärmblitzer aufzeigen

Gut möglich, dass sich dies jedoch bald ändert. Auf der Traktandenliste der aktuellen Session des Nationalrates (1. bis 19. März 2021) ist eine Motion mit dem Titel «Übermässigen Motorenlärm wirksam reduzieren» eingetragen. Eingereicht wurde diese von der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrates.

Sie fordert vom Bundesrat unter anderem darzulegen, welche gesetzlichen Grundlagen für die Entwicklung und den Einsatz von Lärmblitzern notwendig sind.

Neben höheren Bussen sollen zudem auch Möglichkeiten zur Beschlagnahme von betroffenen Fahrzeugen sowie ein generelles Fahrverbot für besonders laute Fahrzeuge auf gewissen Strecken und auch der Führerausweisentzug für Lärmsünder geprüft werden. Letzteres fordert auch die Lärmliga Schweiz. Sie hat dazu eine Petition lanciert (zentralplus berichtete). Der Bundesrat will die Motion annehmen.

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9 Kommentare
  1. digiradio, 04.03.2021, 20:03 Uhr

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Es ist sehr erfreulich, dass die Luzerner Polizei diesem Ärgernis den Kampf ansagt. Verfügen Sie auch über Zahlen aus dem Kanton Zug? Hier hat man nämlich den Eindruck, dass in dieser Hinsicht gar nichts unternommen wird. Trotz mehrmaliger Nachfrage liess sich die Zuger Polizei auch keine Zahlen entlocken. Es wäre schön, wenn Ihre Redaktion dies ebenfalls beleuchten könnte. Danke.

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    1. Redaktion Ismail Osman, 05.03.2021, 09:55 Uhr

      Guten Tag,
      Besten Dank für Ihren Input. Wir haben, mit Blick auf Zug, über dieses Thema vergangenes Jahr auch schon berichtet: (https://www.zentralplus.ch/autoposer-am-zugersee-am-wochenende-heulen-die-motoren-wieder-auf-1822843/). Wir bleiben aber auch in der aktuellen «Saison» am Thema dran und nehmen den Input gerne auf.

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  2. Tobias Mueller, 04.03.2021, 16:26 Uhr

    Wie ging noch dieses eine Zitat aus der deutschen Synchronfassung von «Blues Brothers» aus dem Jahr 1982: «Fahrer verhaften. Fahrzeug einziehen.»

    Persönlich würde ich noch «Gleiche Ellen für alle» und «Keine Diskussion» anfügen. Dies als Klarstellung für den sogenannten Langsamverkehr.

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    1. lucifer, 05.03.2021, 08:02 Uhr

      oh ein velogegener 🙄

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    2. Adonai, 05.03.2021, 19:55 Uhr

      @lucifer: Nur weil Tobias Müller für gleichartige Sanktionen ist, die eine unmittelbare Reaktion auf unrechtmässiges Verhalten darstellen, ist das noch lange keine Ablehnung der Sache selbst. Wie gewohnt ziehst Du aber übereifrig Schlüsse und verurteilst andere. Umweltfreundliche Verkehrsmittel, die möglicherweise zukunftsträchtig sind, rechtfertigen kein gesetzeswidriges Verhalten.

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  3. Andreas Peter, 04.03.2021, 10:41 Uhr

    Man könnte ja schon fast glauben, wir hätten keine anderen Sorgen..
    Dieses «Problem» scheint mir ziemlich ideologisch aufgepumpt.
    Und nein, mit meinem Kleinwagen kann man nicht «posen».

    Lustig auch dass ausgerechnet die SP mehr über die «Hintergründe» der Poser wissen will, handelt es sich doch recht offensichtlich um ihre eigenen Protegés..

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    1. Hans Peter Roth, 04.03.2021, 14:58 Uhr

      Aber, aber, Herr Peter! Die Sozis posen mit Veloklammern an den Hosen. Das macht weniger Lärm als ein Mückenfurz. Ob da vielleicht Ihr Gehör ideologisch aufgepumpt ist?

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    2. Andreas Peter, 04.03.2021, 17:43 Uhr

      @Roth: Protegé = Schützling.
      Ich meine also nicht die «Sozis», sondern die Schützlinge der «Sozis» aus dem Morgenland..

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    3. lucifer, 05.03.2021, 08:05 Uhr

      oh herr peter sind sie fremdenfeindlich!? wenn ja, machen sie mich sauer!

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