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Der Fight um einen Zuger Velo-Highway beginnt
  • Politik
Heute ist der Bahndamm ein Gehweg: Auffahrt auf den künftigen Velo-Highway bei der Stadtbahn-Haltestelle Schutzengel. (Bild: mam)

Stadtparlament überweist Vorstoss knapp Der Fight um einen Zuger Velo-Highway beginnt

4 min Lesezeit 21.11.2017, 19:24 Uhr

Auf dem Trassee eines alten Industriegleises könnten Velofahrer von Baar und Zug-Nord dereinst gemütlich an den See pedalen, ohne dabei gefährliche Strassen zu überqueren. Das sieht eine Idee des früheren Zuger Gemeinderats Patrick Steinle vor, die nun von der Stadtregierung weiterentwickelt wird.

Luzern hat kürzlich einen Velo-Highway auf dem früheren Gleis der Brünig-Bahn realisiert. In Zug könnte ein solcher Express-Weg ebenfalls bald Realität werden.

Der frühere parteilose Gemeinderat Patrick Steinle hatte in einer Einzelinitiative die Schaffung einer solchen Zweirad-Autobahn auf dem Trassee des alten Industriegleises gefordert, das auf einem Damm vom Schutzengel bis zur Schleife führt. Steinle wollte mit seinem Highway eine Velo-Direktverbindung von Zugs Norden schaffen, die nicht über Kreuzungen und viel befahrene Autostrassen geführt wird.

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Heute endet der Veloweg im Verkehrschaos

Bislang gibt es zwei Veloverbindungen aus Richtung Baar: Eine führt im Grünen der neuen Lorze entlang und mündet dann beim Brüggli in den Veloweg am Seeufer in Richtung Cham oder Zuger Altstadt. Die andere führt über bebautes Gebiet der Bahnlinie entlang bis zur Gubelstrasse und trifft dann in der Nähe des Zuger Bahnhofs auf vielbefahrene Strassen, über die sie via Aabachstrasse an den See geleitet wird. Diese zweite Verbindung würde durch den Highway massiv aufgewertet. Die Bewohner der Gartenstadt, des Göbli- und Feldhof-Quartiers könnten davon profitieren.

Heute ist das Trassee über grosse Teile ein gekiester Gehweg. Teils ist er mit dem Velo befahrbar, teils ist er gesperrt, wie etwa bei der Überführung über die General-Guisan-Strasse in der Nähe des Eishockeystadions.

Die SVP findet den Highway überflüssig

Das Zuger Stadtparlament hat die Einzelinitiative am Dienstagabend knapp, mit 19 zu 17 Stimmen, überwiesen. Das heisst: die Stadtregierung wird damit beauftragt, sich zu überlegen, inwiefern das Anliegen Sinn macht, und dann einen Plan für den Velo-Highways auszuarbeiten, über den dann nochmal beraten wird.

Gar nicht darüber diskutieren wollten die Stadtzuger Mitte-Rechts-Politiker, die einen Velo-Highway zu teuer fanden. Manfred Pircher stellte namens der SVP-Fraktion einen Antrag auf Nichtüberweisung des Anliegens, denn der Bahndamm müsste dazu teils verbreitert werden, um einen Veloweg zu schaffen. Deswegen sei er nicht unbedingt notwendig, sondern nur «nice to have.»

Für den Freisinn steckt der Teufel  im Detail

Eine Veloverbindung zwischen Zugs Norden und dem See bestehe bereits und würde über die Aabachstrasse und die Allmendstrasse geführt. Gleich argumentierte Peter Rütimann für die FDP-Fraktion. Die Freisinnigen wollten das Anliegen ebenfalls abwürgen.

Rüttimann gab mindestens zu, dass ihm die  Idee «gar nicht schlecht» vorgekommen sei, bevor er den Weg abspazierte und zahlreiche Details bemerkte, die ihn vom Gegenteil überzeugten.

Veloverkehr nimmt zu

Die Sozialdemokraten hingegen waren «einstimmig für die Überweisung des Vorstosses», wie Rupan Sivaganesan sagte. Aufgrund diverser E-Bike-Arten sei eine Zunahme des Veloverkehrs zu beobachten. Auch die Grünliberalen wollen den Velo-Highway. «Wenn wir uns als Technologiecluster positionieren wollen, müssen wir auch in die Zukunft schauen», meinte Stefan Huber.

Veloweg-Hauptachsen in Zug: blau. Der geplante Velo-Highway: rot.

Veloweg-Hauptachsen in Zug: blau. Der geplante Velo-Highway: rot.

(Bild: zvg)

Astrid Estermann bat stellvertretend für die Fraktion der Alternativen und der Christlichsozialen eindringlich darum, die Idee genauer zu prüfen. Es sei eine «einmalige Chance». Weil die Stadt Zug die Unterführungen auf der General-Guisan-Strasse und auf der Weststrasse ohnehin aufheben wolle – wodurch auch die für den Velo-Highway nötigen Brücken abgebrochen würden – sei es eben wichtig, die Machbarkeit jetzt schon zu prüfen. Nicht erst, wenn die Brücken bereits weg sind.

«Der Velo-Highway ist eine einmalige Chance.»

Astrid Estermann, alternative Gemeinderätin, Zug

Ein weiterer Grund ist für Estermann die geplante Erweiterung des Hertizentrums, wo das Einkaufszentrum verdoppelt wird und eine neue Häuserreihe entstehen soll. Damit würden die Velostreifen an der Allmendstrasse, die heute als dritte Radverbindung von Norden an den See führen, «zerstückelt». «Die Allmendstrasse wird zur gefährlichen Route, um an den See zu gelangen», sagte die alternative Politikerin.

Stadtregierung versucht zu bremsen

Estermann erinnerte daran, dass der Stadtrat im Zusammenhang mit der geplanten Auffüllung der Unterführung der General-Guisan-Strasse eine Machbarkeitsstudie für einen Veloweg versprochen habe. «Wir gehen davon aus, dass der Stadtrat diese in Auftrag gegeben hat und nun das Resultat abwartet.»

Doch da täuschte sie sich. «Wir werden eine Machbarkeitsstudie machen – zur gegebenen Zeit», sagt Bauchef André Wicki. Jetzt will der SVP-Stadtrat nichts von einem Highway wissen. Das sei «doppelt gemoppelt» und unnötig, findet Wicki. Für ihn genügen die bestehenden Velostreifen vollauf.

Christdemokraten stimmen velofreundlich

Dass die Stadtregierung und die rechten Hardliner in der Abstimmung schliesslich unterlagen, hat auch mit dem Verhalten der CVP zu tun. Die Christdemokraten verzichteten auf eine Fraktionserklärung, stimmten aber stillschweigend für die Überweisung der Velo-Highway-Initiative. Frei nach dem Motto: Man muss einen Plan erst entwickeln, um zu entscheiden, ob er gut ist.

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