Der FCL-Sportchef hat richtig gehandelt
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Remo Meyer hat gegenüber den Medien einen schwierigen Stand betreffend Entlassung von Thomas Häberli – aber in der Sache hat der FCL-Sportchef Recht. (Bild: Linus Estermann)

Remo Meyer ist der neue starke Mann im FC Luzern Der FCL-Sportchef hat richtig gehandelt

4 min Lesezeit 7 Kommentare 18.12.2019, 04:13 Uhr

Ist FCL-Sportchef Remo Meyer dafür zu geisseln, dass er Trainer Thomas Häberli entlassen hat? Unsinn. Trotz dem überall verbreiteten Moralin muss ihm jeder FCL-Anhänger für diese weitsichtige Entscheidung zu Dank verpflichtet sein. Denn Meyer agierte zum Wohle seines Arbeitgebers und nicht im Stile eines Politikers. Eine Analyse.

Was hätte es nach dem 2:1-Sieg über den Tabellenzweiten Basel Einfacheres gegeben, als zu verkünden, dass der FCL mit Thomas Häberli als Cheftrainer weiterfahre? Sportchef Remo Meyer wäre den Weg des geringsten Widerstandes gegangen und in der Öffentlichkeit auf breite Unterstützung gestossen.

So hätte er sich wie ein machtgieriger Politiker vor einer bevorstehenden Wiederwahl verhalten. Wenn der Zorn von Volkes Stimme irgendwann zu gross geworden wäre, hätte Meyer seinen früheren Jasskumpel angesichts des nahrhaften Programms zum Start in die Rückrunde (Zürich auswärts, YB daheim, Xamax auswärts und St. Gallen wiederum daheim) immer noch entlassen können. Und danach im Stile eines Politikers wortreich begründen können, warum er die im Hinblick auf die Euro 2020 ohnehin kürzer anberaumte Winterpause (Start in die Rückrunde am letzten Januar-Wochenende) ungenutzt verstreichen liess. Man hätte eine solche Position wahrscheinlich problemlos nachvollziehen können.

Aber Meyer hatte – um es salopp auszudrücken – die Eier, genau das nicht zu tun. Stattdessen handelte er im Sinne seines Arbeitgebers, der ab dem nächsten Frühjahr um sein sportliches Überleben in der höchsten Schweizer Spielklasse kämpfen wird. Meyer scheute die Unbeliebtheit in einer breiten Bevölkerung nicht. Mit der Freistellung von Thomas Häberli, der einen Vertrag bis Saisonende besitzt, handelte er ohne jeglichen Zweifel richtig. Alles andere wäre politisch korrekt, aber in der sportlichen Sache verantwortungslos gewesen.

Meyer korrigierte den Lauf der Dinge

Man muss im gleichen Zusammenhang aber auch erwähnen: FCL-Sportchef Meyer kann bei der Auswahl seiner beiden letzten Trainer nicht alles richtig gemacht haben. Bei dem im Sommer 2018 engagierten und im Februar 2019 gefeuerten René Weiler waren der FCL als Verein und er als Vorgesetzter mit dem Anspruchsdenken des damaligen Trainers überfordert gewesen; bei Häberli fehlten Ausstrahlung, kommunikative und bis zu einem gewissen Grad auch fachliche Fähigkeiten (zentralplus berichtete).

Aber Meyer muss zugute gehalten werden: Er liess den Dingen nicht einfach ihren Lauf. Er übernahm Verantwortung und korrigierte frühere Trainer-Entscheide, die sich als Irrtum entpuppten. Der Zeitpunkt der Entlassung von Weiler und erst recht von Häberli ist zweifellos richtig.

Warum? Meyer hat bei seinem in der nationalen Fussball-Szene viel diskutierten Interview mit zentralplus erkannt, dass sein wichtigster Arbeitnehmer nicht das Format hat, den FC Luzern weiterzuentwickeln. Meyer steht unvermindert und nach wie vor dazu.

Aus kommunikativer Sicht war Häberli zu diesem Zeitpunkt aber praktisch entlassen. Weil der FCL jedoch die Liga-Titulare Zürich, St. Gallen, YB und Basel vor der Brust hatte, machte ein Trainerwechsel in der Nationalmannschaftspause im November keinen Sinn. In der Retroperspektive bekam Meyer mit seinem Zuwarten bis zur Winterpause und den drei Punkten gegen Basel Recht. Mehr war beim besten Willen nicht mehr zu erwarten.

Der sportliche Aufsteiger im FCL

Ohne Übertreibung lässt sich in den Tagen und Wochen des unheilvoll zerstrittenen Aktionariats und den folglich auf zwei Personen dezimierten FCL-Verwaltungsrat festhalten: Sportchef Remo Meyer ist keinesfalls der Verlierer, sondern vielmehr der Gewinner der aktuellen Lage des FC Luzern. Er sass noch nie so sicher im Sattel wie jetzt. Denn sportlich können Meyer die zwei verbliebenen VR-Mitglieder, die Philipp Studhalter und Josef Bieri heissen, unmöglich das Wasser reichen (zentralplus berichtete).

Zudem hat sich der wichtigste Angestellte im sportlichen Bereich, so bewies es Meyer am Dienstagmorgen, auch kommunikativ deutlich gesteigert. Er liest nicht mehr von einem Blatt ab. Meyer besitzt mittlerweile das Selbstvertrauen, sich den Fragen seiner Zuhörer ohne entsprechende Vorbereitung zu stellen. Dergestalt hat er sich weiterentwickelt. Vor dem Hintergrund seines Handelns ist das ein zusätzlicher Mutmacher.

Enge Begleitung des neuen Trainers ist Pflicht

Aber wie kann Meyer Einfluss darauf nehmen, dass es mit seiner nächsten Trainerwahl gut kommt? Es ist geradezu seine Verpflichtung, für eine enge Begleitung zu sorgen. Sonst setzt Meyer seinen Aufstieg im FCL aufs Spiel.

Klar ist: Eine FCL-Sportkommission mit Einsitz von Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer Philipp Studhalter in Personalunion macht keinen Sinn. Und sie wird nicht im Geringsten dadurch aufgewertet, dass mit dem im Hahnenkampf involvierten und fachlich unbelasteten Aktionär Marco Sieber eine Kontrollstelle durch die höchste Führungsebene eingerichtet wird.

Allerdings hilft es jedem künftigen FCL-Trainer mehr, wenn er ein sportlich kompetentes Gremium hinter sich weiss, das ihn auf operativer Ebene unterstützt und begleitet. Ein offenes und vertrauenswürdiges Feedback ist für ihn und letztlich für den Verein wohl mehr wert als ein auf den eigenen Job bedachten Trainer-Assistent.

Es ist auf diese Weise Meyers Verpflichtung, seine nächste Trainerwahl eng zu begleiten. Dafür kann er sich Unterstützung holen: Es gibt FCL-Spieler, die aus eigener Erfahrung wissen, wie der Verein in der jüngeren Vergangenheit ansprechend über die Runden kam: Dazu gehören die früheren Captains Claudio Lustenberger und Michel Renggli, um bloss zwei der kompetenten Fachkräfte zu nennen, die der FCL derzeit bereits beschäftigt.

Noch nie seit Beginn der Zusammenarbeit vor zweieinhalb Jahren ist das sportliche Wohl des FC Luzern so von Remo Meyer abhängig gewesen wie jetzt.

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7 Kommentare
  1. urs gründeler zuchwil, 31.01.2020, 17:30 Uhr

    Und Meyer immer noch da
    Der sollte denn Schlüsseel schon längst abgegeben haben

  2. ramon, 18.12.2019, 12:42 Uhr

    Guter Bericht und mit Punkten aus einem interessanten Blickwinkel. Für mich muss grundsätzlich ein Sportchef vier Punkte mitbringen um erfolgreich zu sein.

    1. muss gute Spieler finden, die zum einen den Verein sportlich weiterbringen und zum anderen einen möglichst hohen Wiederverkaufswert bringen
    2. muss ein guter Kommunikator sein, der den Verein nach aussen gut vertritt und die Entscheide plausibel kommentieren kann
    3. muss ein guter Menschenkenner sein
    4. muss fussballtaktisch auf einem hohen Niveau sein

    Punkt 1 erfüllt Remo Meyer, da kann man ihm absolut nicht anhängen. Im Gegenteil, die Spieler überzeugen mehrheitlich und würden einen „Batzen“ abwerfen, wenn der Spieler den Verein verlassen würde
    Punkt 2 ist für die Stelle noch immer nicht ausreichend und gibt kein gutes Licht auf die Person und den Verein. Zu hasplig, zu nervös und mit einer schlechten Rhetorik
    Punkt 3 ist insofern nicht erfüllt, dass er im Bereich der Trainerwahl mit Weiler und Häberli falsch lag. Er hätte in den Gesprächen feststellen müssen, dass eine Zusammenarbeit nicht funktionieren kann (z.B. Weiler die Erwartung an das „Spielermaterial – Häberli an die scheinbar nicht ausreichende Kommunikationsfähigkeit)
    Punkt 4 ist auch nicht erfüllt da er vor allem bei Häberli moniert, dass er die Spieler nicht vorwärts bringt und ein falsches System/Taktik gewählt wurde. Ein Sportchef muss die taktischen Voraussetzungen eines Trainers kennen. Im Nachhinein feststellen, dass der Trainer nicht passt ist suboptimal.

    Fazit: Remo Meyer wäre wohl ein sehr guter Scout – aber als Sportchef gehören noch ein paar Facetten mehr dazu um das Prädikat „sehr gut“ und „bringt den FCL weiter“ zu erhalten.
    Hoffnung: Remo Meyer lernt weiter hinzu und ist selbstkritisch genug um an seiner Person zu arbeiten

    Hopp Lozärn – möge der Verein trotz allen Querelen vorwärts kommen

    1. Old Rabbit ll, 20.12.2019, 02:15 Uhr

      Ramon sieht vieles richtig.

      Meyer kann das Spiel lesen, generiert Geld und bleibt sachlich auf Ebene Fussball, kein Selbstdarsteller.

      Aber es fehlt offenbar an sehr vielem beim FCL und mit Studhalter in der Sportkommission wird Meyer Position immer untergraben.

      Kommunikationsabteilung beim FCL ist schwach und Meyer wird nicht geführt, von wem auch?
      Einziger Trainer Treffer von Meyer war Seoane unter Führung Kälin
      Von Studhalter/Alpstaeg wurde Meyers Freund Kälin (ex CEO) beim FCL rasiert und ein solch kritischer Sparringpartner fehlt Meyer offenbar, gerade wenn es um die Besetzung des Cheftrainerposten oder den Charakteren einer Mannschaft geht. Umso bemerkenswerter ist Meyers wirtschaftlicher Leistungsausweis in diesem Umfeld. Das Auge für Spieler hat Meyer als Chef, jedoch fehlt ihm ein fussballsachverständiges Team, welches unternehmerische Erfahrung hat. Studhalter ist es nicht und Heuslers bringt es im VR auch nicht. Heuslers Trainerverschleiss beim FCB steht in den Sphären von Meyer und Heuslers Heitz wird nicht immer als der Sportchef ,gefeiert‘.
      Also Vertrauen in Meyer und ihm ein, zwei kritische (Fussball)-Sachverständige als VR zur Seite stellen.

  3. Oli, 18.12.2019, 11:38 Uhr

    Ich bin in diesem Punkt der Meinung von Herrn Ineichen.
    R. Meyer macht in einem sehr anspruchsvollen Umfeld einen guten Job. Er ist in seinen Handlungen konsequent. Die Entlassung der letzten beiden Trainer war notwendig, M. Babbel hat nach vielen guten Jahren seine Entlassung selber provoziert. Was im Artikel ebenfalls zur Recht erwähnt wird, ist dass er sich in den letzten Jahren in Sachen Auftrittskompetenz massiv gesteigert hat.
    Dass jede Trainerverpflichtung immer zu einem grossen Teil ein unkalkulierbares Risiko ist, zeigen auch weit grössere und finanziell potentere Vereine Jahr für Jahr.
    Für mich müsste auch noch erwähnt werden, wie stark die auf Meyers Konto zählenden Transfererlöse dem FCL nützen. Hinzu kommen Transfers von Spielern die kein Mensch in der Schweiz zuvor gekannt hat, die aber hier zu Leistungsträgern und Teamstützen werden.
    R. Meyer ist bestimmt nicht fehlerlos, aber er macht einen guten Job. Gerüchte über zwischenmenschliche Verstimmungen interessieren mich nicht.

  4. dolfino, 18.12.2019, 09:24 Uhr

    Ob es richtig war Trainer Häberli zu entlassen, wird sich dann zeigen. Aus den Worten von Meyer ist eher zu lesen, dass es ein zwischenmenschliches Problem zwischen Trainer und Sportchef gab, wie schon bei Babbel und Weiler. Kein Wunder bei diesem überheblichen auftreten des Sportchefs. Es stellt sich auch die Frage, hat der Sportchef eingegriffen beim Zwist Trainer-Blessing oder hat er diesem Angriff von Blessing auf den Trainer tatenlos zugesehen. Grundsätzlich schlecht kommt der Sportchef mit seiner Art der Kommunikation weg. Da ist Nachholbedarf auch in der ganzen Führung des FCL. Anderseits muss aber auch festgehalten werden, dass in jedem Club bei einer solchen Niederlagenserie der Trainer in Frage gestellt wird. Und es war auch unübersehbar und das war auch unter den Zuschauern zu hören, dass kein System vorhanden ist. Und hätte der Sportchef das ganze laufen gelassen, bis der FCL absteigt wäre er natürlich der Buhmann gewesen. Also musste er handeln. Aber auch Spieler sollten in Frage gestellt werden wegen ihrer Leistung. Und letztlich, wenn der neue Trainer wie Seoane damals ein Erfolgsfeuerwerk zündet sind alle Kritiker verstummt und klopfen sich auf die Schulter. So ist es halt beim Fussball, aber es ist zu hoffen, dass im neuen Jahr Ruhe einkehrt vorallem auf der Führungsebene. Hopp Lozärn im 2020

  5. CScherrer, 18.12.2019, 07:45 Uhr

    Grundsätzlich richtig. Man hat erkannt, dass Häbeli die Mannschaft nicht weiterentwickeln konnte. Stillos bleibt das Nachtreten gegenüber Häberli. Ansonsten einfacher Gefälligkeitsjournalismus der billigen Art.
    Selbst Studhalter erzählt offen, dass Meyer keine Entscheidungskompetenz hat. Meyer liefert dem Verwaltungsrat Entscheidungsgrundlagen. So auch im Fall Häberli. Er hat einen schriftlichen Antrag gestellt und der Verwaltungsrat hat entschieden.
    Und nun zur Kommunikation: Die beiden Herren haben während der Pressekonferenz zum grossen Teil die üblichen Phrasen verwendet. Beide reden sich verzweifelt stark. Die Kommunikation von Meyer ist nicht besser geworden. Die Tatsache, dass er nicht mehr vom Blatt abliest ist dabei unerheblich. Meyer kommt nicht wirklich gut vorbereitet. „Eigentlich“ scheint eines seiner Lieblingswörter zu sein. Dummerweise entlarvt ihn genau dieses Wort und zeigt auf, dass es zwischenmenschlich wohl zu erheblichen Störungen zwischen ihm und Thomas Häberli gekommen ist. Ganz nebenbei: Weder Studhalter noch Meyer haben sich für die geleistete Arbeit von Thomas Häberli bedankt. Dies zeigt mir auf, dass da mehr vorgefallen ist, als die beiden Herren uns weismachen wollen.

    1. Lord, 19.12.2019, 00:53 Uhr

      Gute Analyse. Ohne äh Meyer wäre der FCL wohl äh pleite und in der sportlichen Ausrichtung hilflos überfordert. An den Transfers gibt es wenig auszusetzen (von Lazar C. und dem Brasilianer mal abgesehen). Auch führt er offenbar die Arbeit seines Mentors und Ex CEO Kälin gnadenlos fort (Unpopuläre Entscheide zum Wohle des FCL treffen/Mannschaft verjüngen/wirtschaftliches und sportliches Potential schaffen).

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