Der FC Luzern und sein  Dilemma im Fall Lucas
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Woran erkennt man in den kalten Wintermonaten Spieler aus wärmeren Gefilden? FCL-Verteidiger Lucas Alves macht es beim Trainingsstart 2021 vor. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Wird der Verteidiger ein Opfer des Umbruchs? Der FC Luzern und sein Dilemma im Fall Lucas

3 min Lesezeit 03.02.2021, 19:55 Uhr

Dick eingepackt erscheint Lucas Alves im Winter zu den FCL-Trainings. Der Brasilianer ist sich aus der Heimat ganz andere Temperaturen gewohnt. Trotz des Temperatur-Unterschieds von rund 20 Grad Celsius zu seiner Heimatstadt Osasco lächelt er gerne. Doch wie lange wird der 28-Jährige noch für den FCL auflaufen?

Seit sechs Jahren spielt Lucas Alves de Araújo nun schon in Europa. Nach kurzen Gastspielen beim VfR Aalen, dem FC Biel und Le Mont fand er im Januar 2017 den Weg zum FC Luzern. Als Ersatz für den oft verletzten Ricardo Costa verpflichtet, bestritt er bisher 103 Spiele für die Zentralschweizer und erzielte dabei fünf Tore.  

Inzwischen ist der jüngst positiv auf Corona getestete Lucas Alves Stammspieler, Stellvertreter-Captain für Christian Schwegler und gleichzeitig für viele Fans eine Identifikationsfigur des FC Luzern. Der Verteidiger verkörpert mit seinem Einsatz und Willen wie kaum ein anderer die Werte des Klubs.

Luzerns Ex-Trainer René Weiler und nun auch Fabio Celestini schwärmen von der Mentalität und Professionalität ihres Führungsspielers. 

Führungsspieler und Musterprofi beim FCL

Vereinsintern gilt er als Vorbild für jüngere Spieler und ist der verlängerte Arm des Trainers auf dem Feld. Leadertypen wie Lucas Alves sind im Fussball dünn gesät, deshalb wurde im letzten Winter sein Arbeitsvertrag bis ins Jahr 2022 verlängert. 

Alves bedankte sich bei seinem Arbeitgeber auf seine Weise: Er nutzte die kurze Sommerpause, um seinen Körper zu stählen und liess zum Trainingsauftakt seine Muskeln spielen. Der ohnehin schon kräftige Verteidiger hat noch einige Kilo Muskelmasse draufgepackt.

Aus sportlicher Perspektive erweist sich Lucas Alves als guter Verteidiger, seine wuchtige Spielweise würde einigen Super-League-Klubs guttun. Das Timing bei Kopfbällen und sein Stellungsspiel sind vorbildlich – jedoch gehören die Spielauslösung, die Schnelligkeit und die allgemeine Technik nicht zu seinen Stärken. 

Das falsche System für den rustikalen Verteidiger

Lucas Alves verkörpert somit den klassischen Innenverteidiger, hat aber folglich in Celestinis fluidem System einen schweren Stand. In der Hitze des Gefechts muss jeder Spieler jede Position spielen können, wie Celestini im Oktober gegenüber zentralplus sagte. 

Es stellte sich in der vergangenen Vorrunde deshalb wohl öfters die Frage: Ist Alves diesen Anforderungen gewachsen?

Der 1,93-Meter-Hühne gewinnt zwar viele defensive Zweikämpfe, trägt aber wenig zum Spielaufbau bei. Generell wird Alves von den Gegnern gar nicht erst angelaufen, so harmlos ist sein Spiel nach vorne. 

Der FCL kaschiert dieses Defizit, indem sich Filip Ugrinic oder Louis Schaub oftmals tief zwischen die Innenverteidiger fallen lässt, um den wichtigen ersten Pass zu spielen. Als Mittelfeldspieler fehlen sie dann natürlich in der Vorwärtsbewegung. 

Marvin Schulz als Alternative

Sportchef Remo Meyer und Cheftrainer Fabio Celestini müssen sich fragen, ob sie auf Lucas Alves als Leader verzichten können, um die sportliche Entwicklung der Mannschaft zu fördern. 

Schliesslich sind grössere technische Fortschritte in der Lucas‘ Karriere nicht mehr zu erwarten und mit Marvin Schulz steht bereits ein fussballerisch prädestinierter Nachfolger in den eigenen Reihen (zentralplus berichtete). 

Wahrscheinlicher ist aber, dass die Führungsqualitäten von Lucas Alves für die Entscheidungsträger beim FCL vorerst unverzichtbar sind – erst recht im bevorstehenden Kampf gegen den Abstieg, der am Donnerstag mit dem Heimspiel beginnt. In der neu zusammengestellten Mannschaft braucht es einen Leader, der die Werte des Vereins hochhält und das Team zusammenschweisst (zentralplus berichtete).

FCL-Führung muss Entscheid fällen

Dennoch steht der sportlichen FCL-Führung im nächsten Halbjahr eine wichtige und schwierige Entscheidung bevor. Im kommenden Sommer ergibt sich wohl die letzte Chance, für den 28-Jährigen Lucas Alves eine nette Ablöse einzustreichen.

Bleibt Alves, der eisenharte Verteidiger, den Zentralschweizern jedoch erhalten, läuft nicht nur ihm in den Wintermonaten ein kalter Schauer über den Rücken: Auch die gegnerischen Stürmer werden sich gegen den FC Luzern in den Zweikämpfen warm anziehen müssen.

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