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Dem neuen Cheftrainer Sandro Chieffo zum Trotz Der FC Luzern spielt wie ein Absteiger

Applaus für seine Schützlinge trotz Niederlage in seinem Super-League-Debüt: FCL-Trainer Sandro Chieffo. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Der Trainerwechsel beim Tabellenletzten bleibt ohne Wirkung auf das Leistungsvermögen der Luzerner. Der Cupsieger setzt seinen Kriechgang auch unter FCL-Interimstrainer Sandro Chieffo fort. Dessen positives Denken vermag nicht über die qualitativen Defizite seiner Mannschaft hinwegzutäuschen.

Es ist sein erster Auftritt als hauptverantwortlicher Übungsleiter in der Super League gewesen. Dafür hatte sich der 42-Jährige mit einer neuen Kurzhaarfrisur extra noch herausgeputzt.

Seine Matchanalyse nach dem 1:3 gegen Basel begann Sandro Chieffo damit, dass er einen «super Spirit und viel positive Energie vor dem Spiel» gespürt habe. Auch zur Pause, als seine Mannschaft 0:1 durch einen frühen Treffer Cabrals im Hintertreffen lag, trug er, der wie ein unruhiger Tiger in seiner Trainerbox auf- und abwanderte, unvermindert «ein gutes Gefühl» in sich.

Allerdings hatten sich seine Schützlinge durch inkonsequentes Verhalten in der Abwehrarbeit und ein Blackout von Jordy Wehrmann an der eigenen Strafraumgrenze schon früh in der zweiten Halbzeit aller Hoffnungen auf einen Punktgewinn beraubt (zentralplus berichtete). Dennoch blieb Sandro Chieffo unerschütterlich bei seinem positiven Denken: «Ich habe sehr viele positive Ansätze erkannt.»

Auch wenn seine Einschätzung objektiv nur wenig mit der Wirklichkeit auf dem Fussballplatz gemein hatte: Man kann den Zürcher in seiner Situation durchaus verstehen. Dem Trainer-Debütanten bleibt nichts anderes übrig, als seinen strauchelnden Spielern Mut und Zuversicht einzuflössen. Es ist seine einzige Chance, den sportlichen Umschwung bis zur Winterpause zumindest einzuleiten (zentralplus berichtete).

Hälfte der Luzerner Abwehr ausgewechselt

Das erste Spiel nach der Ära von Cupsieger-Trainer Fabio Celestini förderte eine für die Luzerner Klubverantwortlichen unangenehme Wahrheit zutage: Die angeblich durch die starke Persönlichkeit Celestinis blockierten FCL-Spieler traten nach wie vor nicht befreit auf.

Bloss in den zehn Minuten vor der Pause versuchten sie, gegen ihr drohendes Schicksal anzukämpfen. Aber nach dem Überwinden des frühen Gegentreffers stand ihnen wie gewöhnlich die Effizienz bei diesem Vorhaben im Weg.

Darum verfestigte sich letztlich der Eindruck, dass der Luzerner Equipe nach der Transferkampagne im Sommer die Persönlichkeit und Qualität abgegangen ist, um in der höchsten Schweizer Liga bestehen zu können. Ganz egal, wer sich als FCL-Übungsleiter versuchen darf. Man muss es ohne Wenn und Aber sagen: In dieser Verfassung spielt der FC Luzern wie ein Absteiger.

«David Domgjoni und Patrick Farkas machten mir in den drei Tagen Vorbereitung aufs Spiel einen guten Eindruck.»

FCL-Interimstrainer Sandro Chieffo

Vielleicht hat auch Sandro Chieffo mit seiner Aufstellung zur Erneuerung dieses Gesamteindrucks beigetragen. Durch die Beförderung von Innenverteidiger David Domgjoni (für Holger Badstuber) und Rechtsverteidiger Patrick Farkas (für Silvan Sidler) in die Startformation der Luzerner wechselte er die Hälfte der Abwehr aus. Diese war in den letzten Wochen von Fabio Celestini als FCL-Trainer etwas solider geworden.

David Domgjoni lief seit dem 22. August und dem blamablen 1:4 in Genf nicht mehr von Beginn weg für die Luzerner auf. Und Patrick Farkas seit dem 26. September und seinem verletzungsbedingten Ausscheiden beim 2:3 gegen Lugano. Beide Neuverpflichtungen waren fortan bei Fabio Celestini wegen ihrer überschaubaren Fähigkeiten in Ungnade gefallen.

FCL leistet sich zu viele Fehler im Passspiel

Die neuen Kräfte in der FCL-Startformation machten weder die eigene Abwehr stabiler noch hatten sie positiven Einfluss auf die Spielauslösung und die offensive Durchschlagskraft. Auf die Frage von zentralplus, ob dieses Risiko ein zu grosses gewesen sei, entgegnete Sandro Chieffo: «Nein, das war es nicht. David Domgjoni und Patrick Farkas machten mir in den drei Tagen Vorbereitung aufs Spiel einen guten Eindruck. Für mich passt diese Entscheidung.»

Zwischen neuformierter Abwehr und der ungewöhnlich hohen Fehlerquote bei den weiten Bällen von Marius Müller mag ein Zusammenhang bestanden haben. Man könnte fehlendes Vertrauen vermuten. Vielleicht erwischte der FCL-Goalie in dieser Disziplin aber auch bloss einen schlechten Tag.

«Es gibt einfach solche Tage, an denen die technische Qualität nicht so gut ist.»

Unumstösslicher Fakt aber ist: Die Luzerner leisteten sich im Spielaufbau noch immer viel zu viele unerzwungene Abspielfehler. Diese luden die schnellen Basler Offensivspieler dazu ein, ihre zumeist präzise vorgetragenen und jederzeit gefährlichen Gegenstösse zu lancieren. Und es kostete die Luzerner einiges an Energie, die unnötig verlorenen Bälle zurückzuerobern.

Kann positives Denken beim FCL Berge versetzen?

Dieses Manko ist seit Anbeginn dieser Saison ein treuer Begleiter des FC Luzern. Nicht einmal Sandro Chieffo versuchte, die Feststellung von zentralplus in Abrede zu stellen. Stattdessen sagte er zum Chronisten: «Ich muss Ihnen recht geben. Wir waren im Spielaufbau bis hin zur Vollendung unserer Angriffe nicht präzise genug.»

Doch im nächsten Augenblick erinnerte sich der FCL-Interimstrainer an seine Kommunikationsstrategie. Also fuhr er fort: «Es gibt einfach solche Tage, an denen die technische Qualität nicht so gut ist.»

Frei von jeglicher Bösartigkeit bleibt festzuhalten: Solche Tage begleiten den FCL seit nunmehr 15 Meisterschaftsspielen. Doch das kann nichts an der Zuversicht Sandro Chieffos ändern, dass er dieses Defizit nach einem für die Spieler freien Montag in den Griff bekommen werde.

Vielleicht kann sein positives Denken tatsächlich Berge versetzen – auch wenn ihn die nächsten beiden Spiele der Luzerner in den Letzigrund (gegen Tabellenführer FC Zürich und Aufsteiger GC) führen werden. Und zum Abschluss dieser verkorksten Hinrunde wird der FCL zu Hause noch Servette empfangen.

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