Der EVZ rückt aus dem medialen Schaufenster
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Der Kanadier Ryan McLeod (links) ist der billigste Ausländer in der Geschichte des EV Zug: Genügt er aber auch den Ansprüchen eines Titelanwärters? (Bild: EVZ/Felix Klaus)

Die Titelkonkurrenten haben aufgerüstet Der EVZ rückt aus dem medialen Schaufenster

5 min Lesezeit 28.09.2020, 18:12 Uhr

Vor Beginn der letzten Saison haben die Zuger auf dem Transfermarkt kräftig zugelangt. In der Coronakrise scheinen sie aber leicht an Substanz eingebüsst zu haben. «Falsch», entgegnet EVZ-Sportchef Reto Kläy und sagt: «Wir haben weniger Routine, dafür aber mehr Potenzial.»

Ein Billig-Ausländer (Ryan McLeod), ein Holzklassverteidiger (Claudio Cadonau) und zwei zurückgeholte Nachwuchskräfte (Calvin Thürkauf und Nico Gross): So hat die sportliche Führung die Abgänge des NHL-erprobten Schweden-Centers Oscar Lindberg, des zurückgetretenen Flügels Fabian Schnyder und der Verteidiger Johann Morant, Thomas Thiry und Miro Zryd kompensiert.

Es ist – im Vergleich zum Vorjahr mit den Königstransfers von Goalie Leonardo Genoni und Torjäger Grégory Hofmann – eine bescheidene Transferkampagne des EVZ, der sich in den kommenden Jahren den zweiten Titelgewinn nach 1998 auf die Fahne geschrieben hat. «Man kann nicht erwarten, dass wir jedes Jahr grosse Transfers machen können», bemerkt Sportchef Reto Kläy.

Die Zurückhaltung der Zuger auf dem Transfermarkt ist auch dem Ausbruch der Coronakrise geschuldet. Seit Mai hat Zugs CEO Patrick Lengwiler einen Einstellungsstopp verhängt.

McLeod behebt Problem der Kadertiefe

Die Folge davon ist, dass sich die Mannschaft von EVZ-Trainer Dan Tangnes weder in einem der drei Mannschaftsteile noch auf den Schlüsselpositionen verbessert hat. Pessimisten befürchten, dass eher das Gegenteil bei der Mannschaft, die im letzten Qualifikationsspiel der später abgebrochenen Meisterschaft 2019/20 noch Platz 1 an die ZSC Lions abtreten musste, der Fall sein könnte.

«Medial stehen wir sicher nicht mehr so im Scheinwerferlicht wie vor einem Jahr», sagt Kläy. Im letzten Herbst hätten sie sich mit der Rolle des meistgenannten Titelanwärters schwergetan. «Vielleicht gereicht es uns zum Vorteil, dass wir das nicht mehr sind.»

«McLeod ist ein schneller, wendiger Spieler mit guten Händen und Spielübersicht.»

EVZ-Sportchef Reto Kläy

Der Kanadier Ryan McLeod ist der billigste Ausländer in der Geschichte des EVZ. Der 21-jährige Center kostet seinen neuen Arbeitgeber nur Kost und Logis und beansprucht darum das Budget für den vierten Ausländer nicht. Um sich weiterentwickeln zu können, wurde er von der NHL-Organisation der Edmonton Oilers ausgeliehen. «Hätten wir den Deal nicht machen können, hätten wir mit bloss drei zur Verfügung stehenden Ausländern wohl ein Problem in der Kadertiefe bekommen», gibt Kläy zu bedenken.

McLeod wird dem nach Moskau gezogenen Oscar Lindberg sportlich das Wasser kaum reichen können. «McLeod ist ein schneller, wendiger Spieler mit guten Händen und Spielübersicht», beschreibt Reto Kläy den EVZ-Neuzugang. Bevor er auf Nachhaken zugibt: «Aber der absolut physische Spieler ist er nicht.»

Diese Spieler müssen mehr bringen

In der Verteidigung ist die Anzahl der Wechsel am grössten. Der talentierte Nordamerika-Rückkehrer Nico Gross (20), der Routinier Claudio Cadonau (32) und der aus dem eigenen Talentpool raufgezogene Dario Wüthrich (20) besetzen die Plätze, die durch die Abgänge von Morant, Thiry und Zryd freigeworden sind. Qualitativ halten sich Zuzüge und Abgänge die Waage.

«Wir sind in dieser Saison bestimmt nicht weniger kompetitiv und nicht weniger attraktiv.»

«Wir sind zwar jünger geworden, aber wir haben viel Potenzial. In jedem Mannschaftsteil ist viel Qualität und Erfolgshunger vorhanden», hält Kläy fest und folgert: «Wir sind in dieser Saison bestimmt nicht weniger kompetitiv und nicht weniger attraktiv. Weil aber nicht weniger als 12 Eigengewächse im Kader der ersten Mannschaft stehen, sorgt das für mehr Identifikation.»

Er erwartet in der nächsten Spielzeit, die für den EVZ am 2. Oktober in Rapperswil beginnt, dass «Yannick Zehnder, Livio Stadler, Sven Leuenberger, Jérôme Bachofner, Livio Langenegger und der Schwede Erik Thorell eine tragendere Rolle übernehmen können als in der letzten Saison. Gelingt ihnen das, werden wir ein gewichtiges Wörtchen mitreden in der nächsten Meisterschaft.»

Thürkauf bringt Härte und Wucht rein

Die spannendste Personalie im neuen EVZ ist wohl Calvin Thürkauf. Der 23-jährige Powerflügel, der letzte Saison seine NHL-Premiere im Dress von Columbus gab, bringt etwas mit, was nicht weitverbreitet ist in den Zuger Linien: Härte und Wucht. Darüber hinaus bringt der gebürtige Zuger auch Skorerqualitäten mit.

Allerdings ist er einer von vier Spielern, die den aktuellen Arbeitgeber Verlauf der Qualifikation verlassen könnten, falls die Ligen in Nordamerika Anfang Dezember starten werden:

  • Kriegt Calvin Thürkauf einen NHL-Vertrag, ist das auf eine Saison terminierte Arbeitspapier mit dem EVZ obsolet. Und die Wahrscheinlichkeit, dass das passieren wird, ist nicht gering.
  • Tobias Geisser ist im letzten Dezember von der NHL-Organisation der Washington Capitals an die Zuger ausgeliehen worden, um sich sportlich weiterentwickeln zu können. Kläy hofft darauf, dass die Amerikaner dem grossgewachsenen Verteidiger Zeit geben, die nächste Leistungsstufe in Zug erklimmen zu können. Die Wahrscheinlichkeit wird umso grösser, falls die Saison der zweitklassigen American Hockey League abgesagt werden sollte.
  • Gleiches trifft auch auf Stürmer Ryan McLeod zu. «Die Verantwortlichen von Edmonton haben mir zu spüren gegeben, dass sie das europäische Eishockey schätzen. Deshalb gehe ich davon aus, dass sie die Ausleihe als Mehrwert betrachten und nicht vorzeitig beenden werden», so Kläy.
  • Bei Verteidiger Nico Gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass er nach Nordamerika berufen wird, am geringsten. Der Viertrunden-Draft der New York Rangers wurde in den letzten Saisons ausschliesslich in der Juniorenliga OHL eingesetzt.

Preise für Ausländer am Purzeln

Kläy hat sich allerdings gegen alle Eventualitäten gewappnet. In der ersten Mannschaft stehen 14 Stürmer im Kader. Falls McLeod zurückbeordert wird, kann der EVZ-Sportchef auf dem Ausländermarkt aktiv werden. Schliesslich hat er erst vier von acht Ausländerlizenzen beansprucht – und die Preise für Söldner sind wegen der Coronakrise am purzeln.

Geht Thürkauf, stehen EVZ-Trainer Dan Tangnes noch immer 13 Stürmer zur Verfügung.

Auch bei den Verteidigern hat Kläy vorgesorgt. Aktuell figurieren neun Abwehrspieler im Kader. Muss der EVZ plötzlich auf Geisser und Gross verzichten, kann er den auf höchster Schweizer Spielklasse erprobten Marco Forrer (24) von der Academy raufholen.

Die nächste Coronasaison ist im Eishockey wegen kaum vorhersehbaren Entwicklungen so schwierig einzuschätzen wie keine vor ihr – und erst recht jene des EV Zug.

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