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«Der EVZ hat sich als Segen entpuppt»
  • Sport
Josh Holden, die EVZ-Leaderfigur, bleibt noch eine weitere Saison. Das finden er und seine ganze Familie gut. (Bild: Martin Meienberger)

Josh Holden im Interview mit zentral+ «Der EVZ hat sich als Segen entpuppt»

7 min Lesezeit 07.02.2016, 05:03 Uhr

Josh Holden ist zwar bei Weitem der älteste, aber auch einer der talentiertesten EVZ-Spieler. Gerade wurde bekannt gegeben, dass Holden den Zugern für eine weitere Saison erhalten bleibt. zentral+ hat den Kanadier getroffen, mit ihm über sein Training, Zugs möglichen Sieg und selbstgekelterten Wein geredet.

Der EV Zug hat letzte Woche die Vertragsverlängerung mit dem 36-jährigen Josh Holden um eine weitere Saison bekannt gegeben. Der Kanadier wird somit für eine neunte Saison in Blau-Weiss auflaufen. Für uns Grund genug, ein längeres Gespräch mit der Leaderfigur zu führen.

zentral+: Letzte Woche wurde Ihre Vertragsverlängerung mit dem EVZ bekannt gegeben. Hatten Sie Angst, dass Sie Zug verlassen müssen?

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Josh Holden: Das Risiko, dass man gehen muss, besteht ja immer. Nach all den Jahren weiss ich, dass Hockey ein Business ist. In jungen Jahren wurde ich einige Male getradet, ich wurde zu den Minors geschickt, zu Fribourg, nach Langnau und Finnland. Ich bin aber sehr froh, dass ich nun bleiben kann. Das ist die beste Lösung für mich und meine Familie.

zentral+: Sie haben einige Clubwechsel hinter sich. Hätten Sie sich je vorstellen können, dass Sie so lange in Zug bleiben würden, als Sie vor 8 Jahren hier angekommen sind?

Holden: (Entschieden) Nein. Vorher waren wir während zehn Jahren in 13 Städten. So läuft das beim Hockey. Wenn man mir bei meiner Ankunft in Zug angeboten hätte, acht Jahre hier zu bleiben, hätte ich das garantiert angenommen. Der EVZ hat sich für mich und meine Familie als ziemlicher Segen entpuppt. Möglicherweise kann ich meine Karriere sogar in Zug beenden.

zentral+: Bevor wir über Ihr mögliches Karriereende sprechen, bleiben wir doch im Jetzt. Sie sind diese Saison ja in Topform. Haben Sie sich anders vorbereitet als sonst?

Holden: In den letzten paar Jahren habe ich mein Sommertraining tatsächlich ein wenig verändert. Es ist nicht so wie vor 15 Jahren, als ich zwei Monate frei nehmen konnte und danach in nur acht Wochen fit wurde. Jetzt brauche ich dafür etwa 15 Wochen. Auch ernähre ich mich bewusster. Ausserdem ist die Erholung, insbesondere am Tag vor dem Spiel, am Spieltag und am Tag danach sehr wichtig.

«Du musst dafür sorgen, dass du dich auf dem Eis gut fühlst.»

zentral+: Sie haben also mehr Zeit in das investiert, was neben dem Training auf dem Eis passiert?

Holden: Ja, genau. Ich habe mit drei Jahren angefangen, Eishockey zu spielen. Das Spiel an sich ist einfach. Doch um den ganzen Rest, um alles, was neben dem Eis passiert, musst du dich selber kümmern. Du musst dafür sorgen, dass du dich auf dem Eis gut fühlst.

zentral+: Was an Ihrem Spiel auffällt, ist die hohe Intensität. In der Vergangenheit haben Sie da manchmal die Linie überschritten. Diese Saison bringen Sie zwar dieselbe Intensität mit, doch kassieren Sie weniger Strafen und spielen disziplinierter. Was ist passiert?

Holden: Eishockey ist ein emotionaler, physischer Sport. Du musst bereit sein, alles zu geben, um zu gewinnen. Aber manchmal überschreitest du die Linie und bringst dich in Schwierigkeiten. (Er grinst.) Aber es war nie Absicht, das waren immer Unfälle. Meine Frau hat mich dieses Jahr dazu gebracht, Hypnose zu machen. Das klingt seltsam, aber schlussendlich geht es dabei darum, positiv zu denken.

«Es ist wichtig, entspannt und positiv weiterzumachen, auch wenn man Gegentore oder Strafen kassiert hat.»

Es ist einfach, frustriert zu sein, wenn man etwa ein Spiel verloren hat oder unzufrieden ist mit der Leistung der eigenen Linienkollegen. In den letzten paar Jahren habe ich versucht, diese Gedanken zu kontrollieren. Das war auch der Wunsch des Coaches. Es ist wichtig, entspannt und positiv weiterzumachen, auch wenn man Gegentore oder Strafen kassiert hat.

zentral+: Vor einigen Jahren haben Sie mit Damien Brunner zusammengespielt und ihn zu einem wesentlich besseren Spieler gemacht. Nun ist dasselbe mit Martschini passiert. Wie machen Sie das?

Holden: Ich weiss es nicht. Mit Brunner und Schnitz [Fabian Schnyder, Anm. d. Red.] hatten wir für zwei, drei Jahre eine ziemlich gute Linie. Mein Stil ist es, defensiv gut zu spielen und den Flügeln den Puck zu geben. Offensive Flügelspieler, die sowohl schiessen als auch skaten können, ergänzen mich gut. Lino und Brunner sind schnell, sie suchen Löcher in der Abwehr, in welche ich die Pässe spielen kann. Wir versuchen, kreativ zu sein mit der offensiven Power, aber auch defensiv stark zu spielen.

(Bild: Martin Meienberger)

zentral+: Sie scheinen sich auf dem Eis immer zu finden. Das ist nicht selbstverständlich. Wie kreieren Sie diese Chemie?

Holden: Ich bin selber nicht sicher. Das funktioniert nicht mit jedem. Ich habe kurz mit Linus Omark gespielt und wir haben nicht wirklich harmoniert. Im ersten Jahr beim EVZ spielte ich ausserdem mit Dale McTavish, da war es dasselbe. Als Center will ich Zuspiele kreieren, Spieler zusammenbringen und diese finden. Wenn Spieler schnell sind und in den offenen Raum gehen, funktioniert das.

Es ist schwierig zu erklären, wieso das mit Lino und Reto [Suri, Anm. d. Red.] so gut funktioniert. Darauf habe ich keine abschliessende Antwort. Was ich aber weiss, ist, dass es Spass macht, mit ihnen zu spielen. (Er grinst.)

«Das Team mit dem grössten Zusammenhalt wird die besten Chancen haben.»

zentral+: Der EVZ hat sich am Wochenende für die Playoffs qualifiziert. Wird dies nun endlich Zugs Jahr?

Holden: Ich glaube, jedes Jahr könnte Zugs Jahr sein. In den letzten elf Jahren ist das Schweizer Eishockey viel ausgeglichener geworden. Biel schlägt Zürich, Langnau Davos. Wir verlieren gegen Bern, das sich noch mitten im Kampf um die Playoffs befindet. Wir hatten einen guten Januar, nun müssen wir diese Richtung fortsetzen und darauf aufbauen. Die Playoffs werden eine neue Saison sein. Wir müssen physisch und mental bereit sein, anzugreifen, dann haben wir gute Chancen.

zentral+: Was könnt ihr tun, um auf der Qualifikation aufzubauen und besser zu werden?

Holden: Jedes Jahr gibt es ein Team, das sich in den letzten zehn Spielen steigert und dann in den Playoffs – zack – einen neuen Level erreicht. Wie Davos letztes Jahr. Jedes Team wird es versuchen, wir müssen hart arbeiten und daran glauben, dass dies unser Jahr wird. Das Team mit dem grössten Zusammenhalt wird die besten Chancen haben.

«Es ist unser kleiner Traum, auch in den nächsten paar Jahren hier zu bleiben.»

zentral+: Es besteht die Möglichkeit, dass Sie bald den Schweizer Pass erhalten. Sind Sie schon fleissig am Deutschlernen?

Holden: Die erste Pendenz auf der Liste war, einen Vertrag für die kommende Saison zu erhalten. Das ist nun erledigt. Darauf folgen nun einige Veränderungen, die wir angehen müssen. Jahrelang dachten wir als Familie, dass wir irgendwann wieder in die USA oder Kanada gehen würden, weshalb wir ein Expat-Leben führten. Nun soll sich das ändern.

Und ja, Deutsch zu lernen ist ein Teil davon. Wir kennen tolle Leute in Zug, auch ausserhalb des Eishockeys. Unsere Mädchen sind hier aufgewachsen. Darum ist es unser kleiner Traum, auch in den nächsten paar Jahren hier zu bleiben.

zentral+: Haben Sie eigentlich schon Pläne für die Zeit nach Ihrer Karriere?

Holden: Das ist das Tolle an den Schweizer Spielern. Viele machen Praktika und erlernen einen Beruf neben dem Hockey. Die nordamerikanische Mentalität ist da anders. Mein Ziel war es immer, Hockey zu spielen. Ich bin glücklich damit. Auch nachdem ich meine Karriere beende, wird Hockey mein Kerngebiet bleiben, vielleicht im Coaching, Scouting oder beim Management. Daneben habe ich ausserdem ein kleines Projekt, an dem ich gerade dran bin und das ein Hobby für die Zukunft sein könnte.

zentral+: Und das wäre?

Holden: Ich studiere Önologie. Es gibt da ein Kursprogramm beim «Wine & Spirit Education Trust» in London. Ich habe den zweiten Level abgeschlossen, bin nun am dritten und werde im Sommer in Kalifornien die Prüfung absolvieren. In zwei Jahren sollte ich das Diplom haben. Und mit diesem Diplom kann ich Weinkurse unterrichten. Das interessiert mich.

«Selber Wein herzustellen wäre wohl zu wissenschaftlich für einen Hockeyspieler.»

zentral+: Ist Ihr Deutsch gut genug, um die letzte Frage zu beantworten?

Holden: (Er lacht lauthals.) Vielleicht verstehe ich sie.

zentral+: Gibt es eine Möglichkeit, dass wir in ein paar Jahren einen Wein trinken werden, den Sie selber hergestellt haben?

Holden: (In fast akzentfreiem Deutsch) Vielleicht. (Er wechselt wieder ins Englische.) Wahrscheinlich sollte ich das besser auf Englisch beantworten. Das ist möglich, ich mag aber vielmehr den sozialen Aspekt des Weins: Gemeinsam eine Flasche teilen und darüber sprechen, wie der Wein gemacht wurde und wo ich ihn gekauft habe. Aber selbst einen herzustellen wäre wohl zu wissenschaftlich für einen Hockeyspieler. (Und er lacht wieder laut.)

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