Der EV Zug macht mit dem zweiten Auswärtssieg den Final klar
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Der Vorbereiter Jérôme Bachofner (links) jubelt mit dem Vollstrecker Sven Senteler über das zwischenzeitliche 2:0 für den EV Zug. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

Wieder auf schlechte Leistung reagiert Der EV Zug macht mit dem zweiten Auswärtssieg den Final klar

4 min Lesezeit 01.05.2021, 22:17 Uhr

Der EV Zug und grosse Siege in Rapperswil: Das passt. Nach dem Cupsieg 2019 gegen den gleichen Gegner und im gleichen Stadion holen sich die Zuger mit einem 6:3 den dritten und entscheidenden Sieg in der Halbfinalserie gegen die Lakers. Nun beginnt am Montag die Finalserie (best-of-5) gegen Genève-Servette in Zug.

Am Donnerstag war vor Ablauf der ersten Minute klar, dass die Vorstellung der Zuger in die erste Playoff-Heimniederlage münden würde. Die mentale Einstellung des Ligadominators stimmte nicht (zentralplus berichtete).

Es ist eine der herausragenden Stärken des EVZ in dieser Saison, dass er immer auf einen der wenigen missglückten Auftritte reagieren kann. Das war nach den zwei Auswärtsniederlagen in der Viertelfinalserie gegen Bern so – und es war am Samstagabend in Rapperswil nicht anders.

Abermals schien am Samstag die Entscheidung bereits im ersten Drittel gefallen zu sein. Diesmal für den EV Zug, der das Überraschungsteam dieser Playoffs mit seinem Tempospiel überforderte. Zur ersten Pause führte er bereits mit 3:0.

Zwei Patzer von Rapperswils Goalie

Nach einer überstandenen Strafe veredelte Lino Martschini einen Tempovorstoss der Zuger. Er hatte Zeit, um Mass zu nehmen und bezwang Rapperswils Goalie Melvin Nyffeler in der 5. Minute zum 1:0. Dass der Zauberzwerg traf, war ein gutes Omen für den Ligadominator. Immer, wenn Martschini in den Playoffs traf, trugen die Seinen den Sieg davon (zentralplus berichtete).

Beim Ausbau des Skores profitierte der EVZ von zwei Unpässlichkeiten Nyffelers. Vor dem 2:0 begab sich der gegnerische Torhüter hinter seinen Kasten, spielte den Puck aber auf Zugs Stürmer Jérôme Bachofner. Der bediente Teamkollege Sven Senteler, der keine Mühe damit bekundete, den Puck im Netz zu versenken.

Das 3:0 gut 30 Sekunden vor der ersten Pause war in der Entstehung sehenswert. Nick Shore spielte einen Lob-Pass auf den enteilenden Justin Abdelkader. Und der US-Stürmer bezwang Nyffeler mit einem Schuss zwischen den Schonern hindurch.

EVZ gerät kurzzeitig ins Wanken

Trotz des klaren Vorsprungs gerieten die Zuger doch noch kurz ins Wanken. Erst verpassten sie einen vierten Treffer mit einem Pfostenschuss von Santeri Alatalo und einer von Nyffeler zunichte gemachten Top-Chance von Jan Kovar. Danach setzten sie ihre Defensivarbeit nicht mehr so konsequent um wie zuvor und konnten in der Folge ihr Tempospiel nicht mehr aufrechterhalten.

Zwar fiel das 1:3 durch den gegen Zug-Goalie Leonardo Genoni nachstochernden Martin Ness wie aus heiterem Himmel, aber er gab den Rapperswilern eine zweite Luft. Und weil Nick Shore danach nichts Schlaueres in den Sinn kam, als in der Mittelzone ein Dribbling zu versuchen und dabei den Puck zu verlieren, verkürzte der Gastgeber in der Folge und innerhalb von 135 Sekunden durch Steve Moses auf ein Tor Unterschied.

«Weil wir in unserem Spiel nicht mehr so konsequent waren, schlug sich das Momentum auf die Seite der Rapperswiler. Und dieses brachte sie überhaupt so weit in den Playoffs», sagte EVZ-Sportchef Reto Kläy hinterher

Nachdem die St. Galler gar eine Ausgleichschance ausliessen, schlug der EVZ praktisch im Gegenzug zurück. Einen Abschluss von Kovar lenkte der auf Nyffeler Druck machende Dario Simion mit dem Knie zum 4:2 ab. Es war der zweite Nackenschlag für die Rapperswiler nach dem 0:3 kurz vor der ersten Pause.

Klingbergs Geniestreich beruhigt Zuger Nerven

Im Drittel der letzten Chance auf eine Rückkehr von Rapperswil gelang es den Zugern, ihr Spiel wieder zu stabilisieren. Die Mannen von Trainer Dan Tangnes achteten darauf, sich keine Disziplinlosigkeiten zu leisten und legten ihren Fokus auf die Abwehrarbeit. Sie machten die Räume eng.

Doch gut sechs Minuten vor Schluss nutzte Nando Eggenberger den Freiraum, den ihm der unachtsame Justin Abdelkader gewährte und bezwang den zuvor ein paar Mal souverän intervenierenden Leonardo Genoni.

«Damit haben wir auch die Zweifel im Umfeld, die im Verlauf dieser Playoffs sporadisch aufgetaucht sind, stets verscheucht.»

EVZ-Sportchef Reto Kläy

Aber wie in der Serie, so auch ein zweites Mal in diesem Spiel: Als der EVZ eine Reaktion brauchte, zeigte er sie. Dieses Mal bloss 80 Sekunden später. Herrlich, wie Carl Klingberg, auf Höhe der Torlinie zum gegnerischen Kasten fahrend, das 5:3 mit einem Backhand-Abschluss in die nahe hohe Torecke bewerkstelligte. Ganz grosse Klasse!

«Die Fähigkeit, auf einen schlechten Auftritt oder in einem Spiel auf ein Gegentor zu reagieren, zeichnet uns aus. Damit haben wir auch die Zweifel im Umfeld, die im Verlauf dieser Playoffs sporadisch aufgetaucht sind, stets verscheucht. Wegen der Details waren wir über das gesamte Spiel gesehen sicher die bessere Mannschaft», befand Kläy.

Als die Rapperswiler «all in» gingen und den Goalie durch einen sechsten Feldspieler ersetzten, war Sven Leuenberger knapp zwei Minuten vor Schluss mit dem 6:3 für die definitive Siegsicherung besorgt.

Härter als Bern und schneller als die Lakers

Die Zuger stehen nun vor dem letzten Schritt zu ihrem grossen Saisonziel, dem Gewinn des Meistertitels. Allerdings werden sie von Genève-Servette so herausgefordert werden wie noch von keinem Widersacher in diesen Playoffs. Die Westschweizer spielen härter als der SC Bern und schneller als die Rapperswiler.

Zudem steht der EVZ, der nach 2017 und 2019 zum dritten Mal in den letzten vier Playoffs im Final einzieht, ab Montag auf eigenem Eis unter maximalem Erfolgsdruck. In einer Serie, in der drei Siege zum Titelgewinn reichen, mag es kaum einen Ausrutscher leiden. Die ZSC Lions, die mit dem ersten Heimrecht gegen Genève-Servette gestartet und mit 0:3 nach Siegen ausgeschieden sind, können davon ein Liedchen singen.

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