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Der EV Zug führt dynamische Preise ein: Frühbucher profitieren
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EVZ-CEO Patrick Lengwiler vor der Bossard-Arena, deren Auslastung er mit dynamischen Ticketpreisen noch steigern will. (Bild: Lukas Schnurrenberger/AVP Media-Design GmbH )

Neues Ticketsystem ist eine Europa-Premiere Der EV Zug führt dynamische Preise ein: Frühbucher profitieren

4 min Lesezeit 09.07.2019, 18:05 Uhr

Dynamische Eintrittspreise sind für EVZ-CEO Patrick Lengwiler die Zukunft des Sportbusiness. Damit will er die Auslastung der Bossard-Arena steigern, aber nicht den Matchbesuch verteuern. Saisonabo-Besitzer fahren weiterhin am günstigsten.

Die Testphase, die sich über die letzten drei EVZ-Heimspiele der abgelaufenen National-League-Qualifikation hinzog, ist ausgewertet. Und sie hat die Zuger Eishockey-Macher überzeugt. «Es ging uns damals vor allem darum, das vollautomatisierte Ticketsystem mit allen möglichen Parametern zu begreifen. Es funktioniert fehlerfrei», sagt CEO Patrick Lengwiler.

Worum geht’s genau? In der Hotellerie, im Fluggeschäft und in Skigebieten sind dynamische Preise schon längst an der Tagesordnung. Sie richten sich in der Hauptsache nach Angebot und Nachfrage. Je grösser die Nachfrage zu einem gewissen Zeitpunkt, umso höher der Preis. Wer früh bucht, fährt preislich besser.

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Um welche Tickets geht’s?

Aber wie werden die Eintrittspreise ab nächster Saison festgelegt? Beim EVZ als Teil der sich konkurrenzierenden Zentralschweizer Unterhaltungsindustrie ist es so, dass es attraktive Gegner (wie zum Beispiel den SC Bern) und weniger attraktive (wie zum Beispiel Lausanne) gibt. Dazu kommt, in welcher Phase der Qualifikation und an welchem Wochentag der Match stattfinden wird. «Ein Freitag läuft besser als ein Samstag und viel besser als ein Dienstag. Zudem ist es Anfang September schwieriger, das Stadion voll zu kriegen als im November und Dezember, wenn die Lust auf Eishockey gestiegen ist», weiss Lengwiler.

«Es geht nur um die Stehplätze für die EVZ-Fans und die normalen Sitzplätze.»

Selbstverständlich spielt im ganzen Kontext auch eine Rolle, wie der Playoff-Finalist dieses Frühjahres und sein jeweiliger Gegner während einer Qualifikation performen. Auch darauf nimmt das vollautomatisierte Ticketsystem Rücksicht.

Doch welche Zuschauerbereiche in der Bossard-Arena werden überhaupt dynamischen Preisen unterzogen? «Es geht nur um die Stehplätze für die EVZ-Fans und die normalen Sitzplätze. Bei den Stehplätzen haben wir das grösste Kontingent, bei den Sitzplätzen geht es um rund 100 freie Tickets pro Match», sagt Lengwiler.

Nicht betroffen sind zum Beispiel Inhaber von Saisonabos, Gästefans und die Besucher des Dine&View.

Die Grundsätze der EVZ-Macher

Wie funktioniert das neue EVZ-Modell konkret? Ein Stehplatz-Billett für einen EVZ-Fan kostete im Einzelverkauf unabhängig von Gegner und Meisterschaftsphase stets 28 Franken. Neu kann die Preisspanne bei einem weniger attraktiven Gegner laut Lengwiler bei «19 starten und höchstens 31 Franken betragen». Bei einem attraktiven Gegner hingegen beginnt sie höher, endet aber ebenfalls bei maximal 31 Franken. «Spiele, die ohnehin ausverkauft sein werden, wollen wir ja nicht verschenken», begründet der Zuger CEO.

In der Testphase lautete die Preisspanne auf 27 bis 31 Franken. Fürs zweitletzte Heimspiel in der Qualifikation gegen Ambri gab es während des Ticketverkaufs für EVZ-Stehplätze insgesamt 37 Preisanpassungen. Dazu wies das System einen um fünf Prozent höheren Absatz aus.

Es gibt Grundsätze, an die sich die EVZ-Macher strikte halten wollen: «Der Dauerkarten-Preis für ein EVZ-Heimspiel muss immer am güngstigsten sein, der Einzelpreis darf nie darunter liegen. Und Frühbucher kommen stets in den Genuss eines verbilligten Einzeltickets», so Lengwiler. Tickets für die EVZ-Heimspiele werden immer rund sechs Wochen vor deren Austragung auf der klubeigenen Ticketingplattform zum Kauf angeboten.

Heimspiele sollen erschwinglicher werden

Der wichtigste Grundsatz lautet aber so: «Wir führen dynamische Preise nicht dazu ein, um unsere Ticketpreise zu maximieren. Sondern, um die Auslastung des Stadions bei Spielen gegen weniger attraktive Gegner zu optimieren», sagt Lengwiler.

Eigentlich hätte er ja allen Grund dazu, mit dem Produkt EVZ zufrieden zu sein. Die aktuelle Stadion-Auslastung liegt bei 97 Prozent. Aber der CEO hält fest: «Wir wollen immer besser werden. In allen Bereichen.»

«Es liegt an uns, zu beweisen, dass wir Wort halten werden.»

Lengwiler kennt aber auch die Bedenken der Fans. Negative Auswüchse von dynamischen Preisen in Skigebieten sind hinlänglich bekannt. «Darum liegt es an uns, zu beweisen, dass wir Wort halten werden. Unser Ziel ist es, dass wir weniger attraktive EVZ-Heimspiele erschwinglicher machen.»

EVZ: Trendsetter in Europa

Die Einführung der dynamischen Preise beim aktuellen Cupsieger ist beschlossene Sache. «Wir bezahlen eine einmalige Gebühr von 8000 Franken plus eine jährliche Lizenzgebühr. Finden wir finanziell einen gemeinsamen Nenner, legen wir auf nächste Saison los», sagt Lengwiler.

Denn er weiss um seine gute Verhandlungsposition beim Berliner Anbieter des automatisierten Ticketsystems. Darauf würden sich die Zuger als erster Sportklub Europas überhaupt verlassen.

Das automatisierte Ticketsystem basiert auf einer Kategorisierung der EVZ-Heimspiele zwischen den Stufen 1 bis 6. «Eine 6 bedeutet ein Spiel mit einem sehr attraktiven Gegner und einem vollen Stadion. Dann gibt es Abstufungen bis runter zu einer 1 am anderen Ende der Skala», erklärt Lengwiler.

Das «dynamic pricing system», wie der englische Fachausdruck heisst, bietet den EVZ-Verantwortlichen aber jederzeit die Möglichkeit, die Kategorisierungen zu überprüfen und – wenn nötig – korrigierend einzugreifen.

Schliesslich weiss Lengwiler: Die potenzielle Kundschaft misst die EVZ-Macher an ihrem Versprechen. Geht etwas schief, ist das Vertrauen schnell verspielt.

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