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Der erste Rote besteigt den Thron
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Amtsübergabe im Stadthaus: Stefan Roth (rechts) übergibt sein Büro dem neuen Stadtpräsidenten Beat Züsli (links). (Bild: jal)

Historischer Wechsel in der Stadt Luzern Der erste Rote besteigt den Thron

4 min Lesezeit 01.09.2016, 10:56 Uhr

Der abgewählte Stadtpräsident Stefan Roth (CVP) hat diesen Donnerstagmorgen sein Amt an Beat Züsli (SP) übergeben. Damit steht zum ersten Mal ein Genosse an der Spitze der Stadt. Züsli sagt, wo er Akzente setzen möchte, was die Abwahl von Roth für ihn bedeutet und wieso der 31. August vielleicht sein letzter Tag in Freiheit war.

Seit Donnerstagmorgen hat Luzern seinen neuen Stadtpräsidenten: Der abgewählte Stefan Roth übergab seinem Nachfolger Beat Züsli (SP) das Amt. Erstmals in der Geschichte leitet ein Linker die Geschicke der Stadt. Für Züsli ist der erste Arbeitstag daher kein Tag wie jeder andere: «Ja, es ist schon speziell.»

«Es ist für mich kein Start von 0 auf 100.»

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Stadtpräsident Beat Züsli

Auch persönlich wird der Amtsantritt für ihn einige Veränderungen mit sich bringen. «Gestern noch haben mir Freunde gesagt: Vielleicht ist das dein letzter Tag in Freiheit», sagt er und lacht. Sein neues Amt bestimmt von nun an seine Agenda. Dessen ist er sich bewusst. «Aber ich freue mich darauf. Auf all die Anlässe, Projekte und auf den Kontakt mit der Bevölkerung.»

Züsli ist indes bereits vorbereitet. Seit der Wahl im Juni stehe er in ständigem Kontakt mit der Stadtverwaltung und sei auch bereits bei mehreren Geschäften und Projekten involviert gewesen. «Es ist deshalb kein Start von 0 auf 100.»

Züsli dämpft die Erwartungen

Der 53-Jährige hat im zweiten Wahlgang am 5. Juni überraschend deutlich das Stadtpräsidium erobert (zentralplus berichtete). Mit über 3000 Stimmen Vorsprung auf den bisherigen Stadtpräsidenten Stefan Roth wurde Züsli ins Amt katapultiert – als erster SPler überhaupt.

Beat Züsli lässt sich in der Kulturbeiz Meyer von seinen Anhängern feiern.

Beat Züsli lässt sich in der Kulturbeiz Meyer von seinen Anhängern feiern.

(Bild: Jonas Wydler)

Entsprechend hoch sind auch die Erwartungen, die aus den eigenen Reihen in Züsli gesetzt werden. «Die Erwartungen sind sicher vorhanden», sagt Züsli und versucht diese sogleich zu dämpfen. «Aber die parteipolitische Zusammensetzung im Stadtrat ist dieselbe wie vorher. Deshalb kann man nicht erwarten, dass sich politisch wahnsinnig viel verändert.»

Parteipolitisch bleibt zwar alles beim Alten – und doch steht eine Veränderung an. Denn Stefan Roth hat die Abwahl als Stadtpräsident nicht so gut verkraftet, wie er nach der Wahl sagte. Und deshalb zog er vor zwei Wochen die Konsequenzen: Er hat angekündigt, dass er per Mitte September als Stadtrat zurücktritt. So kommt es voraussichtlich Ende November zu Neuwahlen.

Abwahl von Roth

Züsli kündigt an, als Stadtpräsident neue Akzente setzen zu wollen. Wie er bereits im Wahlkampf betonte, will er zum Beispiel die regionale Zusammenarbeit stärken, sei es mit Nachbargemeinden, sei es mit dem Kanton.

«Ich bin schon so lange politisch tätig, dass ich mit den Risiken des Amtes umgehen kann.»

Stadtpräsident Beat Züsli

«Ein grosses Thema ist zurzeit sicher auch das neue Theater Luzern, die Salle Modulable», sagt Züsli und bemerkt, dass er am Donnerstagmorgen bereits in einer Sitzung zum Thema sass. Es sei ihm wichtig, die gemeinsamen Projekte zwischen der etablierten Kultur und der Freien Szene zu unterstützen – «unabhängig vom Entscheid, wie es mit der Salle Modulable weitergeht». Als Kulturdirektor werde dieser Dialog einer seiner Schwerpunkte sein. 

Wie stark er die Stadt wird prägen können, werde sich mit der Zeit zeigen, sagt Züsli, der zuletzt als selbstständiger Architekt und Energie-Ingenieur tätig war. Der neue Stadtpräsident strahlt Zuversicht aus, gibt sich aber gleichzeitig zurückhaltend.

Die Abwahl von Stefan Roth hat gezeigt, dass man in diesem Amt die Gunst der Bevölkerung schnell verlieren kann. Doch davon will sich Züsli nicht beeinflussen lassen. «Es wäre falsch, Entscheide davon abhängig zu machen.» Das sei halt das Risiko eines politischen Amtes. Und: «Ich bin schon so lange politisch tätig, dass ich damit umgehen kann.»

Sehen Sie hier noch das Video von Züslis Vereidigung am 30. Juni:

 

Stämmer verabschiedet

Am Vortag verabschiedet wurde Stadträtin Ursula Stämmer-Horst. Sie hatte am Mittwoch nach 16 Jahren ihren letzten Arbeitstag im Stadthaus – und der startete ungewöhnlich. Mit einem Oldtimer-Feuerwehrauto wurde Stämmer zu Hause abgeholt und zum Büro gefahren, wo der rote Teppich und zahlreiche Mitarbeitende warteten.

Hinweis: zentralplus hat mit Ursula Stämmer auf ihre Zeit als Stadträtin zurückgeblickt. Was sie als Erfolg bezeichnet, was sie besonders ärgerte und wieso sie leidenschaftliche Fliegenfischerin ist, lesen Sie hier: «Ja, die Stämmerin. Das ist wieder typisch!»

 

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