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Der Dirigent ging ab wie eine Rakete
  • Kultur
  • Rezension
Die Streicher erwecken die verträumten Melodien zum Leben. (Bild: Obrasso Concerts)

Wiener Opernball Orchester im KKL Luzern Der Dirigent ging ab wie eine Rakete

3 min Lesezeit 16.01.2017, 13:07 Uhr

Das Konzert des Wiener Opernball Orchesters wartete am Sonntag mit verträumten und rassigen Melodien auf. Das Temperament des Schweizer Dirigenten Andreas Spörri vermochte, wenn auch nicht das Orchester, dann zumindest das Publikum anzustecken. Trotz ein paar falschen Tönen erlebten die Besucher im ausverkauften KKL Luzern einen gelungenen Abend.

Das Konzert im ausverkauften KKL begann mit einem Paukenschlag. Das Wiener Opernball Orchester unter der Leitung von Andreas Spörri eröffnete das Konzert mit der Ouvertüre zur Operette «Eine Nacht in Venedig».

Schon nach wenigen Takten lullte einen die lieblich süsse Musik ein. Man fühlte sich ins Wien des 19. Jahrhunderts zurückversetzt: in einen Ballsaal mit tanzenden Paaren, eleganten Roben und geschmückten Häuptern. Mit dieser Assoziation ist es nicht weit her. Schliesslich spielt das Orchester beim alljährlichen Wiener Opernball auf. 

Wie der Moderator des Abends, Kilian Rosenberg, erklärte, wurde das Wiener Opernball Orchester 1982 von Professor Wolfgang Jelinek gegründet. Dieser hatte die Absicht, die Wiener Tanzmusik um Johann Strauss aufleben zu lassen und in der ganzen Welt bekannt zu machen. So ist auch das Programm des Konzerts ein Mix aus Werken von Johann Strauss, dessen Sohn sowie weiteren Komponisten aus dieser Zeit wie Franz Lehár, Emmerich Kálmán oder Franz von Suppé.

Unruhe im Publikum

Die beiden Solisten Elisabeth Flechl (Sopran) und Carsten Süss (Tenor) traten bei Suppés «Florenz hat schöne Frauen» das erste Mal auf. Sie sind Ensemblemitglieder der Wiener Volksoper. Leicht komödiantisch führten sie mit Mimik, Gestik und ihren gewaltigen Stimmen durch die Szene aus der Operette «Boccaccio».

Für Opernneulinge war der gesungene Text leider nur schwer zu verstehen, da der Zusammenhang zur Geschichte der Operette fehlte. Dies war leider auch bei den weiteren Soli und Duetten der Fall. Vor allem die leiseren Töne dieser Stücke wurden dadurch etwas langwierig und erzeugten leichte Unruhe im Publikum.

Die Inhalte der Operetten liessen sich teilweise schwer nachvollziehen.

Moderator Kilian Rosenberg führte kompetent, wenn auch etwas steif, durch den Abend. Er vermittelte Hintergrundinformationen zu den Werken und ihren Komponisten und schlug immer wieder eine Brücke zu Johann Strauss. Doch auch mit diesen Informationen liessen sich die Inhalte der Operetten nicht ganz nachvollziehen. Unter diesen Umständen wäre etwas weniger Einzelgesang vielleicht besser gewesen.

Dirigent und Orchester: wie Tag und Nacht

Man könnte meinen, die Zuhörer hätten sich von Spörris Temperament anstecken lassen. Dieser konnte bei den rasanten Stücken und Passagen kaum an sich halten, so zum Beispiel bei der Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauss (Sohn). Die Musik ging ihm durch. Sein ganzer Körper dirigierte mit. Es war eine Freude, ihm zuzuschauen.

Seine Energie konnte sich jedoch nicht ganz auf die Musiker übertragen. Der Grossteil des Orchesters wirkte sehr konzentriert und introvertiert. Zudem gab es unter den Bläsern den einen oder anderen schrillen Ton. Es gab jedoch Einzelne, die sich durch ihre Spielfreude hervortraten.

Zum Schluss vernaschte er seine Gesangspartnerin direkt auf der Bühne.

Positiver Gesamteindruck

Alles in allem war es ein gelungener Abend und man verzeiht, wenn nicht alles astrein war. Die träumerischen Melodien gingen zu Herzen und die kleinen Showeinlagen des Solistenpaares verliehen dem Abend eine gewisse Leichtigkeit. Bei der ersten Zugabe legten die beiden einen Walzer aufs Parkett, bei dem sich Süss gespielt damit brüstete, die Frau nun erobert zu haben. Danach vernaschte er seine Gesangspartnerin direkt auf der Bühne, was diese mit einem Grinsen und Kopfschütteln quittierte.

Als Schlusspunkt folgte der Radetzky-Marsch. Dieser werde traditionell am Ende des Neujahrskonzerts gespielt, wie eine Besucherin erklärte. Das von Spörri dirigierte Klatschen gelang diesmal tadellos.

Wer das Wiener Opernball Orchester gerne selber erleben möchte, kann dies an der Wiener Sommer-Gala am 17. Juni 2017 im KKL tun. Die kostenlose Variante kann am 23. Februar am TV miterlebt werden, denn da findet der traditionelle Wiener Opernball statt.

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