Der «Chindsgi»-Architekt: «Wir bauen, was Kinder brauchen»
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Mit sensiblen architektonischen Konzepten baut der gebürtige Luzerner Melk Nigg Kindergärten. Ein neuer in Steinhausen aus heimischen Hölzern ist gerade am Entstehen. (Bild: woz)

Zuger Kindergarten ganz aus heimischem Holz Der «Chindsgi»-Architekt: «Wir bauen, was Kinder brauchen»

4 min Lesezeit 17.11.2017, 10:10 Uhr

In Steinhausen baut ein Zuger Architekt einen Kindergarten ganz aus Holz. Holz, das direkt aus dem Steinhauser Wald stammt. Aber nicht nur der ökologische Fussabdruck wirkt bei diesem Kindergarten faszinierend. Das Projekt ist ganz auf die Bedürfnisse der Kinder ausgelegt.

«Es riecht auch nach drei Jahren noch immer nach Wald, nach frisch geschnittenem Holz», schwärmt Melk Nigg, wenn er von seinem ersten Kindergarten erzählt, den er in Affoltern am Albis gebaut hat. Für diesen Kindergartenbau 2015 ist sein Zuger Architekturbüro sogar mit dem «Prix Lignum» ausgezeichnet worden. «Dadurch haben wir angefangen, uns auf den Bau von Kindergärten zu spezialisieren», sagt er.

Inzwischen hat er einen weiteren Kindergarten im zürcherischen Obfelden, an der Grenze zum Kanton Zug, verwirklicht. Und seine Leidenschaft für Kindergärten ist nach wie vor ungebrochen. Nun baut er seinen dritten «Chindsgi» in Steinhausen an der Grabenackerstrasse.

Schmetterlingsgarten vor den Eingängen

Faszinierend. Manche Architekten bauen gerne Brücken – wie Calatrava. Oder Thermen und Kirchen – wie Zumthor. Oder verschwurbelte Hochhäuser – wie etwa Frank O. Gehry mit seinem «Tanzenden Haus» in Prag. Dass jemand sich auf Kindergärten spezialisiert, wirkt nicht nur originell, sondern irgendwie auch herzig. 

«Unsere Architektur entsteht im Dialog.»

Melk Nigg, Architekt

Wobei Melk Nigg, der gebürtige Luzerner, der seit fünf Jahren sein Architekturbüro in Zug betreibt, nicht nur einfach Kindergärten baut, sondern tatsächlich versucht, seine Projekte den Bedürfnissen von Kindern anzupassen. «Unsere Architektur entsteht im Dialog», sagt der beseelt wirkende Architekt, der beim Sprechen über seine Arbeit immer wieder in einen Flüsterton verfällt – als ob er ein Märchen erzählt.

Eingebettet inmitten von Spitzahornbäumen: Wie Waldhütten mutet der Kindergarten Hasenberg an der Grabenackerstrasse in Steinhausen an. Im Sommer 2018 soll er fertig sein.

Eingebettet inmitten von Spitzahornbäumen: Wie Waldhütten mutet der Kindergarten Hasenberg an der Grabenackerstrasse in Steinhausen an. Im Sommer 2018 soll er fertig sein.

(Bild: Visualisierung)

Fast märchenhaft klingen denn auch seine kindgerechten architektonischen Konzepte. Der Weg zu den drei Eingängen des neuen Steinhauser Kindergartens Hasenberg führt durch einen Schmetterlingsgarten. «Grosse, lichte Zutritte eröffnen helle Flure, die mit Steinböden ausgestaltet sind und in der Mitte zusammengeführt werden. Sie sind mit Holzbänken gesäumt, hier können sich die Kinder an der Garderobe an- und ausziehen», beschreibt Nigg das Innere des Kindergartens – der von aussen wie edle Hütten im Wald aussieht.

Im Bereich der Stuhlkreise – dort, wo sich die Kindergärtler zur Begrüssung und zum Unterricht treffen – erhebt sich das Dach zu seiner maximalen Höhe. Zu den Aussenwänden und zu den Sitznischen hin neigt es sich dagegen beschützend.

Besonderes Schallklima für Kinder

«Einerseits hat das Kind das Bedürfnis nach Spiel, Fantasie und Geborgenheit», erklärt der Architekt, der selbst keine Kinder hat. Andererseits herrsche der Wunsch nach Lernen und Realität. Deshalb sei das Gebäude beispielsweise auch auf die Augenhöhe und die Perspektive des Kindes ausgerichtet. «Dadurch ändern sich die Distanz zum Boden und die Wahrnehmung der Raumgrössen», sagt Nigg. Niedrige Fensterbrüstungen geben den Blick in den Garten frei.

«Es hallt in den Räumen nicht, wenn die Kinder miteinander spielen und sprechen.»

Melk Nigg

Der Clou des Ganzen: Weiche Holzoberflächen und eine spezifisch für Kinder ausgelegte Holzdecke bilden ein angenehmes Schallklima. Will heissen: «Es hallt in den Räumen nicht, wenn Kinder miteinander spielen und sprechen», sagt der Zuger Architekt.

Speziell kindgerecht: Die Decke im Kindergarten Affoltern am Albis, der den Prix Lignum 2015 erhalten hat.

Speziell kindgerecht: Die Decke im Kindergarten Affoltern am Albis, der den Prix Lignum 2015 erhalten hat.

(Bild: zvg)

 

Apropos Holz. Der Kindergarten, dessen Baukredit von 2,45 Millionen Franken an der Gemeindeversammlung fast einstimmig verabschiedet wurde und in dem nächsten Sommer 50 Kinder beheimatet sein werden, ist komplett aus Holz. Aus heimischem Holz. Sprich: aus dem Steinhauser Wald.

243 Bäume aus dem Steinhauser Wald

«Das Material vom Wald soll so ursprünglich und so nah wie möglich herbeigeschafft werden», sagt Architekt Melk Nigg. Das Holz für den «Chindsgi» umfasst insgesamt 243 vom Förster geschlagene Bäume, die im nahe gelegenen Steinhauser Wald gewachsen sind. In der Sägerei der Region werden sie weiterverarbeitet und anschliessend verbaut.

«Rottannen bilden das Tragwerk, die Innenwände sind aus massiver Weisstannenbeplankung», erklärt Nigg weiter. Der widerstandsfähige Eschenboden lade ein zum Spielen und Verweilen. Der abgeschliffene Hartbetonboden im Übergang zwischen innen und aussen weise Steine in unterschiedlichen Farben und Grössen auf.

«Das Baumaterial Holz kann so im neuen Kindergarten erlebbar gemacht werden.»

Andreas Hürlimann, Bauchef in Steinhausen

Ein regelrechtes Idyll ist da am Entstehen. Das sieht auch Steinhausens Bauchef Andreas Hürlimann so. «Es freut mich als Bauchef von Steinhausen, dass wir den Ersatzneubau vorwiegend mit Holz aus dem Steinhauser Wald umsetzen können. Das Baumaterial Holz kann so im neuen Kindergarten erlebbar gemacht werden.» Und ein Besuch im nahen Steinhauser Wald zeige den Kindern die Herkunft des nachhaltigen Baumaterials. Hürlimann: «Dies eröffnet für die Wissensvermittlung im Bereich Umwelt und Energie ganz neue Möglichkeiten.»

243 Bäume aus dem Steinhauser Wald werden für den Bau des Steinhauser Kindergarten Hasenberg verwendet.

243 Bäume aus dem Steinhauser Wald werden für den Bau des Steinhauser Kindergartens Hasenberg verwendet.

(Bild: zvg)

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