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Der Bund weibelt an der Luga für den Bypass
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Rainer Klostermann erklärt den Besuchern die Notwendigkeit und das weitere Vorgehen beim Bypass aus der Sicht des Bundes. (Bild: bic)

3D-Modell zeigt Auswirkungen auf Kriens und Luzern Der Bund weibelt an der Luga für den Bypass

5 min Lesezeit 03.05.2019, 04:29 Uhr

Mit einem topografischen Modell des Bypasses und viel technischer Unterstützung will das Bundesamt für Strassen die Besucher der Luzerner Luga vom Luzerner Megaprojekt überzeugen. Die Kritiker des Bypasses dürften aber trotzdem nicht verstummen.

Das Gesamtprojekt «Bypass», das den zunehmenden Verkehr im Raum Luzern künftig bewältigen soll, ist eines der brennenden Themen in der Stadt und dürfte die Politik längerfristig prägen. Insbesondere das Teilprojekt Spange Nord wird in den kommenden Jahren noch für sehr viel Wirbel und Zündstoff sorgen.

Für das Bundesamt für Strassen (Astra) Grund genug, an der Luzerner Luga schon mal ordentlich die Werbetrommel für das 1,7-Milliarden-Projekt zu rühren. Mit zwei 3D-Modellen, verschiedensten Visualisierungen und einer virtuellen Fahrt durch den neuen Tunnel sollen den Besucherinnen die Vorteile und Visionen aufgezeigt werden.

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Ein Aha-Erlebnis

Vor Ort trifft zentralplus auf den Astra-Mitarbeiter Rainer Klostermann. «Das Haupterlebnis für die Leute ist es, dass sie nach dem Besuch wissen, was der Bypass überhaupt ist und wie er funktioniert», erklärt er die Idee der Präsentation. Man rede immer vom Bypass und der Spange Nord und vermische die beiden Projekte miteinander, obwohl man sie getrennt betrachten müsse. «Dieses Aha-Erlebnis haben wir in den ersten Tagen als sehr positiv wahrgenommen und es kommt bei den Leuten an», sagt Klostermann.

Es sei wichtig zu wissen, dass das Geld für den Bypass gesprochen wurde und man voraussichtlich 2024 oder 2025 mit dem Bau beginnen kann. Eine Abstimmung braucht es nicht. Die Spange hingegen befinde sich in der Prüfphase und sei deshalb ein ganz anderes Thema, welches vor Ort eigentlich nicht diskutiert werde.

Blick in die Zukunft

«Die Verknüpfung ist aber insofern wichtig, weil es eine Spange Nord oder etwas Ähnliches braucht. Die Stadt muss deshalb darüber nachdenken», erzählt Klostermann. Man könne sich aber noch ein bisschen Zeit nehmen, da es so oder so noch dauert, bis der Bypass komplett funktionstüchtig ist.

«Als Gesamtsystem gehört aber alles zusammen. Denn wenn der Bypass kommt und die zweite Röhre am Gotthard eröffnet wird, werden die Autobahnabschnitte um die Stadt schnell stark belastet sein», blickt Klostermann in die Zukunft. Man wird sich dann die Frage stellen müssen, wie man den Verkehr aus der Stadt auf das übergeordnete Netz bringen will. «Die Luzernerinnen und Luzerner werden sich ganz gut überlegen müssen, wie sie ihr Gesamtsystem inklusive ÖV und Langsamverkehr entwickeln wollen», so der Astra-Mitarbeiter.

Das Modell zeigt anschaulich, wie sich die neue Grosshofbrücke in die Umgebung einfägen soll (Blick von Kriens Richtung Grosshof)

Das Modell zeigt anschaulich, wie sich die neue Grosshofbrücke in die Umgebung einfügen soll. Auf der Oberfläche gibt es eine Spiel- und Liegewiese sowie Velowege. Auch eine Buvette ist vorstellbar. (Blick von Kriens Richtung Grosshof).

(Bild: bic)

«Es geht nicht um Meinungsbildung»

Dennoch gebe es natürlich auch einige kritische Stimmen. Die Aussage «es braucht nicht noch mehr Verkehr» höre er genauso regelmässig wie die Fragen «warum kostet das so viel?» oder «wieso dauert das so lange?». «Aus diesen Feedbacks können wir wichtige Erkenntnisse für die weitere Planung ziehen.»

Es habe sich aber auch gezeigt, dass die Leute bislang einen oberflächlichen Wissensstand haben. Auch dass man den Tunnel und die Anschlüsse bei Vollbetrieb der Autobahn bauen müsse und deshalb mit einer Bauzeit von 12,5 Jahren gerechnet werde, würden viele Luga-Besucher dank des Infostandes nun verstehen.

Doch konnte man auch kritische Besucher vom Gegenteil überzeugen? «Dass sich die Meinung der Gegner des Projekts aufgrund des Infostandes umkehrt, darf zumindest bezweifelt werden. Doch es ist auch nicht unser Auftrag, Meinungen zu bilden», so Klostermann.

Es könne jedoch sein, dass der eine oder die andere nun wisse, weshalb es halt doch sein müsse. Klostermann bleibt sachlich und unaufgeregt. Zahlen, Modelle und Prognosen scheinen ihm besser zu behagen als die Öffentlichkeitsarbeit und politische Fragen.

Beim Ibach verschwindet die neue Autobahn bis zur neuen Grosshofbrücke im Boden. Der heutige Cityring bleibt bestehen (rechts oben die KVA).

(Bild: bic)

«Ein moderner Gedanke»

Mit dem Interesse am Infostand zeigt sich Klostermann zufrieden. «Pro Tag kommen gegen 300 Leute vorbei. Zwischen 40 und 60 lassen sich jeweils auf ein längeres Gespräch ein und deponieren teils auch ihre Anliegen.»

Was man den Leuten am Stand ebenfalls gut habe vermitteln können, sei das Potenzial, welches auf und unter der neuen Brücke beim Grosshof schlummert. «So etwas kennt man in der Innerschweiz noch nicht. Das Bauwerk kann auf verschiedenste Art genutzt werden und es kann sich ein neues Stadtleben entwickeln», schwärmt Klostermann.

Dieses Vorgehen basiere auf dem modernen Gedanken, dass man nicht mehr nur einfach eine Autobahn baut, sondern sich überlegt, wie man das Bauwerk städtebaulich nutzen kann.» Anders wäre ein solches Projekt heute gar nicht mehr mehrheitsfähig, erklärt der Stadtplaner. «Der Bypass ist ein Versuch, die entstehenden Synergien zu nutzen.» 

Gegner sehen Mehrwert noch nicht

Von Charmeoffensiven wie an der Luga wird man sich auf der Gegnerseite indes nicht so leicht beeindrucken lassen. Mit dem Beschluss, den Bypass voranzutreiben, würden sich die Politiker in Bern darum foutieren, den Verkehr im Raum Luzern zu lenken. Vielmehr geben sie dem Ausbau von Strassen freien Lauf, monierte Monique Frey, Fraktionschefin der Grünen im Kantonsrat, in ihrem Blog auf zentralplus. Weiter werde so der massive Widerstand der Luzerner Bevölkerung gegen die Spange Nord negiert.

Gleich tönt es beim Luzerner Grünen-Nationalrat Michael Töngi: «Wir müssen realistisch sein. Das Projekt zu verhindern, ist extrem schwierig. Gerade das Südportal ist jedoch für Kriens im derzeitigen Projektstadium völlig unbefriedigend», schreibt er in seinem Blog. Der Bund nehme zu wenig Rücksicht auf die Bedingungen vor Ort und vergebe somit eine grosse Chance.

«Wenn eine Infrastruktur schon dermassen ausgebaut wird, so muss doch ein echter Mehrwert für die Ansässigen entstehen», kritisierte Töngi im November den Stand des Projekts. Dazu gehöre auch eine längere Überdachung der letztlich zehnspurigen Autobahn. Dies wird auch vom Krienser Komitee «Bypass – so nicht» vehement gefordert. Der Bund sieht sich jedoch nicht verpflichtet, dieser Forderung nachzukommen (zentralplus berichtete).

Die Verantwortlichen tun also gut daran, sich noch mächtig ins Zeug zu legen. Zumal das Publikum auf der Luzerner Allmend autofreundlicher eingestellt sein dürfte als viele Bewohner der Stadt. Denn diese vom Nutzen des Bypasses zu überzeugen, dürfte um einiges schwieriger sein.

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