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Der «Bud Spencer Luzerns» rammt Autofahrer die Faust ins Gesicht
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Ein Duo, das die Fäuste sprechen lässt: Terence Hill und Bud Spencer im Film «Go for it». (Bild: Screenshot (El Pico S.A.))

Handgemenge auf der Renggstrasse in Malters Der «Bud Spencer Luzerns» rammt Autofahrer die Faust ins Gesicht

3 min Lesezeit 5 Kommentare 11.11.2019, 17:12 Uhr

Drängeln, hupen, fluchen: Wer in der Region Luzern regelmässig Auto fährt, kennt die Aggressivität anderer Verkehrsteilnehmer zur Genüge. Was ein Luzerner aber letztes Jahr auf der Renggstrasse erlebte, geht darüber weit hinaus.

Es ist noch früh morgens im Oktober 2018. Ein Luzerner und seine Freundin fahren von Malters in Richtung Littau. Da taucht hinter ihnen ein Wagen auf, der es offenbar furchtbar eilig hat.

Die Scheinwerfer kommen immer näher. Noch fünf Meter. Noch drei Meter. Plötzlich heult der Motor auf. Der Autofahrer startet ein riskantes Manöver, er kreuzt eine doppelte Sicherheitslinie und überholt das verängstigte Paar.

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Mit einem Schlag haute er ihm die Brille vom Kopf

Dann geschieht etwas Unerwartetes: Kaum liegt der ungeduldige Autofahrer vorne, bremst er scharf ab. Der Luzerner hinter ihm steigt voll auf die Klötze. Der Wagen hält. Das Herz rast. Da sieht er vor sich im Nebel eine Gestalt aussteigen.

Was da auf ihn zukommt, ist ein wahrer Koloss von einem Mann. Noch bevor der Luzerner selber ganz aussteigen kann, steht er schon vor ihm. «Fick deine Mutter», flucht er auf albanisch – und rammt ihm die Faust ins Gesicht. Dann steigt der Hüne in sein Auto und braust davon.

Dem Luzerner hat der Schlag die Brille vom Kopf gehauen. Er hat eine Prellung an der Lippe, zwei Zähne sind leicht beschädigt.

Kein Mann der grossen Worte

Knapp ein Jahr später steht sein Kontrahent vor dem Bezirksgericht Kriens. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln, Nötigung, Beschimpfung und Körperverletzung vor.

«Mit so einer Aktion hätte er sich in Lebensgefahr gebracht.»

Verteidigerin

Der Mann hat eine Erscheinung, die man nicht so schnell vergisst – und die stark an «Bud Spencer» erinnert. Die Film-Kultfigur ist kein Mann der grossen Worte, er lässt seinen Partner Terence Hill sprechen. Oder eben die Fäuste.

Auch der Beschuldigte gibt sich in der Befragung wortkarg. Aus seiner Sicht gibt es nicht viel zu sagen. «Ich war nicht da. Ich habe das nicht gemacht. Keine Ahnung», sagt er vor Gericht. Er war es also nicht, und damit basta.

Kennzeichen falsch aufgeschrieben?

Es ist an seiner Verteidigerin, den geforderten Freispruch etwas ausführlicher zu begründen. Sie ist überzeugt: Der ganze Vorfall ist erfunden. Ihr Klient sei an jenem Tag nicht um 6.10, sondern erst um 6.20 Uhr an der angeblichen Unfallstelle vorbeigefahren. Das mache er immer so, weil die Strecke auf seinem Arbeitsweg liege.

«Anhaltspunkte oder gar ein Motiv für Falschaussagen sind nicht ersichtlich.»

Aus dem Urteil

«Er müsste während der morgendlichen Rushhour ausgestiegen sein. Mit so einer Aktion hätte er sich in Lebensgefahr gebracht. Das weist darauf hin, dass es diesen Vorfall nie gegeben hat», argumentierte die Verteidigerin. Dass ihr Mandant auf albanisch geflucht haben soll, sei zudem unwahrscheinlich, weil er kein Albaner sei.

An dem Morgen sei es noch dunkel und neblig gewesen. Das Paar könnte sich bei der Gegenüberstellung geirrt und zudem das Kennzeichen in der Aufregung falsch aufgeschrieben haben.

Busse von 2’750 Franken

Könnte es sich also um eine Verwechslung handeln? In Anbetracht der aussergewöhnlichen Erscheinung des Beschuldigten ist das eher unwahrscheinlich. Das Gericht glaubt jedenfalls nicht daran. «Anhaltspunkte oder gar ein Motiv für Falschaussagen sind nicht ersichtlich», hält es in seinem Urteil fest.

Der Mann wird mit einer Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu je 120 Franken, sprich 13’200 Franken bestraft. Es wird allerdings der bedingte Vollzug gewährt. Sollte der Mann in den nächsten zwei Jahren nicht rückfällig werden, bleibt es bei der zusätzlich verhängten Busse von 2’750 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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5 Kommentare
  1. Patrick, 12.11.2019, 14:29 Uhr

    Ohne den Beschuldigten in Schutz nehmen zu wollen, aber das Ganze klingt komisch respektive es wurde möglicherweise nicht die ganze Wahrheit gesagt. Es kann sein, dass er es eilig hatte. Es kann auch sein, dass er (in den Augen des anderen) riskant überholt hatte. Aber es ist wohl kaum anzunehmen, dass er einfach so aussteigt und dem anderen auf die Nase gibt, erst recht nicht, wenn er es eilig hatte. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass der ursprünglich vorne fahrende Kläger den Beschuldigten provoziert hat. Vielleicht mit absichtlichem Abbremsen, Ausscheren, Vogel zeigen und/oder Lichthupe nach dem Überholtwerden. Solche Oberlehrer gibt es immer wieder, aber von nichts kommt normal nichts.

  2. Joseph de Mol, 12.11.2019, 07:06 Uhr

    Eine weitere SRF-Folge von “Die guten Albaner” scheint dringend nötig und muss in Kürze in Produktion gehen. Imagekorrektur durch gebührenfinanziertes Staatsfernsehen tut mal wieder not.

    1. Redaktion Lena Berger, 12.11.2019, 10:57 Uhr

      Kleine Anmerkung: Es handelt sich bei dem Beschuldigten nicht um einen Albaner. Deshalb argumentierte die Verteidigerin auch, dass es sich um eine Verwechslung handeln müsse – ihr Mandant würde nicht auf albanisch fluchen, meinte sie.

  3. Thomas, 11.11.2019, 17:21 Uhr

    Geht’s noch? Bud Spencer ist ein Prügelknabe – aber eine der durchaus Sympathien geniesst. Denn er verhaut die bösen Jungs, nicht Unschuldige. Der Mann um den es in diesem Artikel geht, ist offensichtlich ein brutaler Gewalttäter – ihn als Bud Spencer zu verharmlosen, ja sogar zu edeln, ist komplett daneben.

    1. Redaktion Lena Berger, 12.11.2019, 11:13 Uhr

      Merci für die Rückmeldung auf den Artikel. Der Beschuldigte hat äusserliche Ähnlichkeiten mit Bud Spencer, deshalb hatte ich diesen Vergleich gezogen. Es ging mir darum, dass die Leserinnen und Leser sich ein ungefähres Bild vom Erscheinungsbild des Autofahrers machen können. Dass das kriminelle Verhalten des Mannes deshalb im Text verharmlost oder gar veredelt würde, sehe ich nicht.