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Der Biber kommt nach Zug!
  • Gesellschaft
Magdalena Arnold zeigt einen abgenagten Baumstumpf. (Bild: wom)

Auf Biberspurensuche in Hagedorn Der Biber kommt nach Zug!

3 min Lesezeit 26.03.2017, 18:02 Uhr

Pro Natura führte gestern in Hagendorn eine Schar Interessierte auf Biberspurensuche. Wie lebt der Biber? Wieso kommt er zurück? Und woran erkennt man, dass er da ist? Diese Fragen und mehr erklärte Magdalena Arnold vom «Hallo Biber!»-Programm auf einer anschaulichen Tour entlang der Lorze.

An der Haltestelle Lorzenmatt im etwas abseits gelegenen Hagendorn bildete sich gestern Nachmittag eine ungewöhnliche Menschentraube. Aber nicht wegen dem Bus. Mit Wanderschuhen an den Füssen und allerlei Trekking-Marken an den Kleidern warten die Familien und Naturfreunde darauf, sich dem Biber an die Fersen zu heften. Denn der Biber kommt zurück.

1956 bis 1966 wurden in der ganzen Schweiz paarweise 141 Biber ausgesetzt, um den hier einst heimischen Nager wieder anzusiedeln. Die Population erholte sich anfangs nur träge, da an vielen Stellen versehentlich zwei Biber des gleichen Geschlechts ausgesetzt wurden. Doch um die Jahrtausendwende überwindet die spärliche Population die trägen Beginne der Exponentialgleichung und kommt endlich in die Gänge.

Heute leben schätzungsweise über 3’000 Bieber in der Schweiz. Vornehmlich an der Aare und anderen grossen Flüssen im Mittelland. Aber auch in der Zentralschweiz gibt es einige. Magdalena Arnold vom «Hallo Biber!»-Programm führt uns an mehreren ausgewachsenen an- und sogar abgenagten Bäumen vorbei. Die Bissspuren, die an den zugespitzten Stümpfen zu erkennen sind, stammen definitiv nicht vom Zahn der Zeit. In Hagendorn leben Biber.

Magdalena Arnold führt die Besucher auf die Spuren der Zuger Biber.

Magdalena Arnold führt die Besucher auf die Spuren der Zuger Biber.

(Bild: wom)

Sie will sensibilisieren

«Dem ‹Hallo Biber!›-Programm geht es darum, die Leute für den Biber zu sensibilisieren», erklärt Arnold die Bedeutung ihrer Arbeit bei Pro Natura. Die 25-jährige Geografin stammt aus Luzern und arbeitet dort für das Kantonale Vernetzungsprojekt von naturnahen Lebensräumen. Dieses zahlt Beiträge an Bauern, die bestimmte Teile ihres Landes der Natur überlassen. Bei Pro Natura ist sie seit Langem engagiert. Zuerst in der örtlichen Jugendgruppe, jetzt als Vorstandsmitglied der Pro Natura Luzern.

Damit die politischen Hebel dem Biber weiterhin den Weg in die Schweiz ebnen, ist es wichtig, dass die Bevölkerung den Biber versteht und schätzt. Für viele ist er bereits ein Sympathieträger. «Viel finden ihn herzig», meint Arnold. Aber auch Ängste abzufangen, liegt ihr am Herzen. «Der Biber verursacht kaum Schäden. Im Gegenteil, er ist eine Schlüsselspezies bei der Förderung von Biodiversität in Flusslandschaften.» Der Biber baut Dämme, um den Wasserstand von Flüssen zu erhöhen. So kann er gewährleisten, dass der Eingang seines Baus stets unter Wasser ist und dadurch vor Räubern geschützt bleibt. Diese Stauungen tragen zu einem diversen Flussverlauf bei und bieten vielen Arten einen Lebensraum.

Ein falsches Bild

Ernteschäden, die Bauern durch Biber erleiden, werden vom Bund beglichen. Oder können durch Zäune verhindert werden. Halten sich aber generell in einem sehr kleinen Rahmen, da sich der Biber vornehmlich von Weichholz ernährt. Von Weiden und Pappeln verzehrt er die Rinde oder frische Triebe. Trotzdem wurde er in unseren Breitengraden weiträumig verdrängt, weil er vom Mensch als Nahrungskonkurrent betrachtet wurde. Fälschlicherweise. Die Menschen dachten, der Biber ernähre sich von Fischen, und jagten ihn deswegen. «Und auch, weil er – besonders in der Fastenzeit – zum Essen gejagt wurde.» Da der Biber im Wasser lebt, galt er quasi als Fisch und somit als von der Fastenregel ausgeschlossen, erzählt Arnold.

Die lieben Tierchen haben harte Zähne.

Die lieben Tierchen haben harte Zähne.

(Bild: wom)

Freie Flusswege

Einer der Faktoren, die dem Biber die Rückkehr in die Schweiz ermöglichte, ist die Renaturierung von Flüssen. Ein grosses Hindernis, das weiter besteht, sind aber Wasserkraftwerke, die der Biber nicht überwinden kann. So auch das Wasserkraftwerk Untermühle in Cham. Hier muss der Biber das Flussbett verlassen, um den Damm zu überwinden und gerät auf die Strasse. Dort wurden letzten Mai zwei Biber überfahren. Die Pro Natura Zug baut nun für 25’000 Franken zwei Biberrampen links und rechts des Staudamms.

Arnold führt auch andernorts auf die Pfade der Biber. Das nächste Mal am 20. Mai am Aabach bei Mosen in Luzern. Der Veranstaltungskalender der Pro Natura hält aber auch noch andere spannende Exkursionen parat.

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