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«Der Begriff ‹Crypto› ist ohne Zweifel belastet»
  • Politik
Zug vermarktet sich als «Crypto Valley». (Bild: zvg)

Experte rät zum Strategiewechsel «Der Begriff ‹Crypto› ist ohne Zweifel belastet»

4 min Lesezeit 21.02.2020, 17:45 Uhr

Steht der Begriff ‹Crypto Valley› angesichts der neuesten Enthüllungen vor dem Aus? Die Zuger Regierung will vorerst abwarten. Ein Experte für Kommunikation rät, die Verwendung des Begriffs zu hinterfragen.

«Crypto Valley»: Einigermassen «kryptisch» – unklar – ist im Rückblick, wie dieser Name überhaupt entstanden ist. Auf die entsprechende Frage antwortete 2017 der damalige Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel: «Wir diskutierten mit Gevers über diesen neuen Cluster, der in Zug am Entstehen war. Im Laufe des Gesprächs fielen die Begriffe ‹Silicon Valley› und ‹Crypto Währungen› . Und irgendwann kamen wir auf ‹Crypto Valley› . Das eine hat das andere ergeben, sodass niemand genau weiss, wer den Begriff erfunden hat.»

Zur Erinnerung: Johann Gevers war einer der Mitbegründer der Monetas AG, die im Jahr 2019 Konkurs gegangen ist. Die Anfänge des Begriffs lassen sich rückblickend also nicht mehr klar eruieren. Unklar scheint nun aber auch dessen Zukunft.

Unliebsame Assoziationen

Seit den Enthüllungen um die ehemalige Crypto AG weckt der Begriff nämlich vielerorts unliebsame Assoziationen. Die Alternativen des Kantons Zug fragten in einem politischen Vorstoss den Regierungsrat letzte Woche schon mal an, ob der Ausdruck ‹Crypto Valley› in Zukunft noch haltbar sei (zentralplus berichtete).

Die Zuger Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut hält auf Anfrage zwar fest: «Die Crypto AG hat nichts mit der 2012 im Kanton Zug neu entstandenen Crypto-Szene zu tun, auch wenn der Firmenname dies möglicherweise suggerieren mag.»  Der Kanton Zug benütze den Begriff ‹Crypto Valley› in Absprache mit dem Unternehmer, der die Rechte registrieren liess, nur als Marketing-Instrument.

Die Regierung gibt sich pragmatisch

Silvia Thalmann-Gut bestätigt jedoch, dass der Begriff ‹Cypto Valley› nun mit der Firma Crypto AG in Zusammenhang gestellt wird und so unliebsame Assoziationen wecke. «Da wir den Begriff nur marketingtechnisch benutzen, werden wir ihn so lange verwenden, als uns dessen Verwendung auch Nutzen stiftet. Folglich wählen wir einen pragmatischen Weg, der die Problematik anhaltend umschifft.»

Die inhaltliche Vermengung der beiden Begriffe (Crypto AG und ‹Crypto Valley›) sei bei nicht Insidern möglich: «Erste Reaktionen und Statements deuten darauf hin. Folglich werden wir, wo immer gefragt und möglich, auf die fundamentalen Unterschiede zwischen den beiden hinweisen.» Ob und wie der Kanton den Begriff in Zukunft einsetzen werde, sei zurzeit offen.

Zürich und Schwyz machen es anders

Anders als der Kanton Zug hat der Kanton Zürich dieses Namensproblem nicht, obwohl der Ausdruck ‹Crypto Valley› auch im Raum Zürich verwendet wird.

Lucie Hribal von der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion schreibt auf Anfrage: «Die Volkswirtschaftsdirektion wie auch das in ihr angesiedelte Amt für Wissenschaft und Arbeit verwenden den Begriff ‹Crypto Valley› nicht für den Kanton Zürich und beabsichtigen dies auch nicht.»

Auch der Kanton Schwyz benutzt nach Auskunft der Schwyzer Volkswirtschaftsdirektion diesen Ausdruck nicht. Der Kanton spricht einfach von Firmen im Bereich Blockchain/Fintech und der entsprechenden Technologie.

FDP will weitere Stärkung des Begriffs

Unterschiedlich beurteilen die Zuger Parteien die aktuelle Situation. SVP-Kantonsrat Thomas Werner erklärt: «Ich persönlich sehe diesbezüglich keine Gefahr. Weder für unliebsame Assoziationen noch für den guten Namen des Kantons Zug. Es wäre wohl auch nicht richtig, wegen eines noch nicht restlos geklärten Falles und des aktuellen Medienhypes die gute Position des Kantons Zug betreffend Standort für Firmen im Bereich Kryptowährungen infrage zu stellen.»

Marc Reinhardt, Kommunikationsverantwortlicher der Zuger FDP, schreibt: «Der Begriff ‹Crypto Valley› soll weiter gestärkt werden. Wir sind nicht der Meinung, dass die Vorgänge aus der Vergangenheit bei der ehemaligen Crypto AG ein negatives Licht auf die Blockchain-Technologie und den Begriff des ‹Crypto Valley› wirft, zumal der Begriff ‹Crypto Valley› nicht nur vom Kanton Zug genutzt wird.»

Für die ALG ist der Begriff nicht mehr tragbar

«Blockchain-Technologie ist Zukunftsmusik. Es braucht aber eine politische Begleitmusik, damit es nicht in einer Kakophonie landet», sagt hingegen Barbara Gysel, Präsidentin der Zuger SP. «Die Techniken sind genug komplex; der schale Nachgeschmack wird sich leider übertragen. Zentral ist daher, dass die Regierung eine profunde Aufarbeitung der Causa Crypto AG aufgleist.»

Deutlich die Antwort von Andreas Lustenberger, Präsident der Alternative – die Grünen Zug: «Mit dem ganzen Skandal um die Crypto AG ist der Begriff ‹Crypto Valley› nicht mehr tragbar.»

Der Name sei ganz generell verfehlt, da schon lange auch negative Beispiele bezüglich der Blockchain-Technologie und gewisser damit verbundener Unternehmen bekannt seien. «Anstatt einfach aus Silicon Valley ein Crypto Valley zu machen, sollte man als Behörde besser generell von solchen Marketingmassnahmen absehen.»

Nach Ansicht des Präsidenten der Alternativen wäre eine Abkehr von der bisherigen Zuger Standortpolitik zentral: «Diese funktioniert nach dem Credo, möglichst viele Firmen nach Zug zu locken, ohne auch wirklich zu überprüfen, um was für Unternehmen es sich handelt.»

Problem des negativen Reputationstransfers

Mark Eisenegger, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Zürich, erklärt auf Anfrage: «Der Begriff ‹Crypto› ist durch die aktuelle Debatte ohne Zweifel belastet. Um einen negativen Reputationstransfer zu vermeiden, wäre es ratsam, die Verwendung des Begriffs zu hinterfragen.»

Zum Begriff als solchem sagt Professor Eisenegger: «Der Begriff ‹Crypto› hat in letzter Zeit durch den Bezug zur Blockchain-Technologie stark die Konnotation des Digitalen erhalten und konnte somit genutzt werden, um sich als innovative Institution darzustellen. Allerdings wird die Blockchain-Technologie auch polarisiert und kontrovers dargestellt. Das gilt es bei der Begriffsverwendung zu berücksichtigen.»

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