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«Der Bauer macht das Loch dann zu»
  • Wirtschaft
Naturverbundene Bestattungen werden auch in Luzern immer beliebter. (Bild: Emanuel Ammon/AURA )

Waldfriedhöfe «Der Bauer macht das Loch dann zu»

6 min Lesezeit 2 Kommentare 23.07.2014, 05:00 Uhr

Waldfriedhöfe und Baumgräber sind im Kommen. Eine persönliche, naturverbundene Art von Bestattung – und teuer. Von 2500 bis 7000 Franken verlangen Waldfriedhöfe für einen Baum. Doch nicht nur bei den Preisen gibt es grosse Unterschiede.

Business ist Business. Und das zählt auch beim Geschäft mit dem Tod. Für die Kremation 560 Franken, für die Urne um die 600 Franken und ebensoviel für die Beisetzung. Dazu kommen die Blumenarrangements und der Bestatter. Doch was besonders teuer wird, ist die Grabstelle. Ein Grab kostet im Friedhof Luzern ab 900 Franken. Ein Baumgrab bekommt man im Kanton Luzern sogar erst ab 3800 bis 7000 Franken.

Nachfrage steigt

Trotz der hohen Preise werden Waldfriedhöfe und Baumgräber immer beliebter. In Luzern gibt es drei Anbieter mit insgesamt beinahe zehn Waldstücken. Ein neuer Anbieter ist der Friedhof «Friedental» der Stadt Luzern, die anderen beiden sind die privaten Firmen «Friedwald» und «Waldesruh». Die beiden bieten in der ganzen Schweiz Baumgräber an; als eine Art «Waldfriedhof-Ketten». Friedwald steht derzeit bei siebzig Standorten schweizweit, Waldesruh bei vierzig, und zwanzig weitere seien in Arbeit. «Die Nachfrage nach naturverbundenen Bestattungen ist stark gestiegen», sagt Cornel Suter, Leiter des Friedhofs Friedental. Die ersten Baumgräber entstanden in der Schweiz erst vor ungefähr zwanzig Jahren.

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Grosse Preisdifferenz

Ab 4900 Franken kann man einen Baum im Friedwald bekommen. Mit 50 Franken weniger kommt man bei der Waldesruh GmbH im günstigsten Fall weg. 3800 Franken bezahlt man für ein Baumgrab im Friedental. Im Waldfriedhof in Buochs (NW) hingegen kostet ein Baumgrab 2500 Franken.

«Es handelt sich um ein ganz normales Geschäft.»
Ueli Sauter, Leiter Friedwald

Grabpflege-Kosten entfallen

Cornel Suter, Leiter des Friedhofs Friedental in Luzern, begründet die höheren Preise bei den Baumbestattungen mit den anfallenden Kosten der Grünflächenpflege und der Exklusivität eines Baumgrabes. Bei normalen Einzelgräbern liegen die Grabkosten bei ungefähr 1000 Franken. Anschliessend fallen jedoch für die Angehörigen die Kosten für die Grabpflege der nächsten 25 Jahre zusätzlich an. «Das bedeutet im Gegensatz zu einem Grab auf dem Friedhof, dass für Angehörige bei einem Baumgrab nach den einmaligen 3800 Franken keine Kosten mehr anfallen.»

«Es handelt sich um ein ganz normales Geschäft», erklärt Ueli Sauter, Leiter des Friedwaldes, und betont, dass er die Baumbestattung erfunden habe. «Der Waldbesitzer erhält einen Anteil, dann wird ein Teil für Werbung, Internet und so weiter verwendet.» Weiter wolle er zu den Preisunterschieden nichts sagen.

Hüfthohe Brennnesseln

Martina K.* hat vor kurzem ihren Mann verloren und sich für eine Beisetzung in einem Baumgrab entschieden. Sie habe bei der Besichtigung verschiedener Möglichkeiten gravierende Unterschiede bemerkt. «Beim ersten Waldstück war ich geschockt. Wir mussten mehrmals über einen elektrischen Zaun steigen um anschliessend an einem steilen Abhang durch hüfthohe Brennnesseln zu klettern», erinnert sie sich.

Natur übernimmt die Pflege

Grundsätzlich bedeutet ein Baumgrab, dass man der Natur die Grabpflege überlässt. Das wird aber nicht überall gleich verstanden. Die Baumgräber des Friedentals werden vom Friedhofspersonal gepflegt – das heisst, dass die Anlage gemäht wird und die Bäume bei Bedarf geschnitten werden. Es handelt sich beim Friedental also um eine Parkanlage, welche regelmässig gepflegt wird.

Anders halten es die beiden grossen Anbieter. Fritz Staible von der Waldesruh GmbH erklärt: «Der Waldbesitzer und der Förster kümmern sich jeweils um den Wald.» Und auch bei den Friedwäldern wird eine «allfällige Pflege» durch den Waldbesitzer übernommen. Das bedeutet, dass der Besitzer, meist die Gemeinde oder ein Landwirt, das Gebiet nutzt – mit der Auflage die reservierten Bäume nicht zu fällen.

Bei allen Anbietern wird versichert, dass bei einem Blitzeinschlag oder Umstürzen des Baumes, ein neuer gepflanzt werde.

Keine Dekoration für Baumgräber

Bühlmann vom Waldfriedhof in Buochs: «Ich finde, das Waldstück soll gepflegt und gut begehbar sein. Die Angehörigen sollen auch im Alter noch gut zum Baumgrab gelangen können. Dazu braucht es Pflege und diese sollte klar gewährleistet werden.» Es solle kein Friedhof werden, mit Bepflanzungen oder Kreuzen, aber das Waldstück solle auch nicht verwildern.

Bei allen Anbietern von Baumgräbern wird klar kommuniziert, dass weder Kreuze, Engelfiguren oder Sträusse bei den Bäumen deponiert werden dürfen. «Oftmals sind Blumensträusse mit Drähten zusammengebunden, was für die Tiere im Wald gefährlich werden kann», gibt Bühlmann zu bedenken. Durch diese Regelung sind die meisten Baumgräber gar nicht leicht zu entdecken.

Öko-Urnen

Unterschiedlich ist auch die Handhabung bei den Bestattungen. Bei einem Waldstück wurde Martina K. erklärt: «Der Bauer macht das Loch vorher und macht es dann auch wieder zu.» Das sei in diesem Moment einfach nicht der ideale Tonfall gewesen, finde sie, könne aber inzwischen auch darüber lachen.

Teilweise wird die Asche direkt in den Boden gegeben. Bei anderen Anbietern werden Öko-Urnen verwendet, welche sich innerhalb weniger Monate im Boden auflösen. Diese sind aber nicht überall erlaubt. Hier kommen die Vorgaben der Ämter und der Waldbesitzer ins Spiel.

«Bis zu acht Jahre haben wir schon in einen Standort investiert.»
Fritz Staible, Waldesruh GmbH

Bewilligung um Bewilligung

Bühlmann erzählt, er habe nun zwei Jahre daran gearbeitet, alle Bewilligungen einzuholen. «Die Gespräche beginnen beim Besitzer des Waldstücks, führen über das Amt für Umwelt, über das Forstamt, die Kirche der Gemeinde, die Polizei und sogar die Jäger müssen eingebunden werden.»

Fritz Staible von der Waldesruh GmbH bestätigt dies. «Teilweise ist es mit den Kantonen sehr schwierig. Bis zu acht Jahre haben wir schon in einen Standort investiert.» Die Unterschiede seien jedoch gross. «In Luzern hatten wir gar keine Schwierigkeiten. In weniger als einem Jahr waren die Bewilligungen durch.»

Fragliche Preise bei Kremationen?

Eine Kremation kostet in Luzern knapp 500 Franken. Und dabei ist es egal, ob es sich um einen erwachsenen Menschen in einem zwei Meter grossen Sarg, oder einen Fötus in einem 30 Zentimeter Sarg handelt. Eltern eines Kindes, welches bei einer Fehlgeburt starb und in einem Sarg kremiert wird, dessen Grösse beinahe ein Zehntel eines normalen Sarges ausmacht, zahlen dementsprechend gleich viel. «Das ist eigentlich nicht okay», findet Bestatter Bühlmann aus Stans.

Fast 100 Jahre Garantie

Im Friedental ist ein Baumgrab auf 25 Jahre datiert. Bei den grossen Anbietern Friedwald und Waldesruh ist sogar die Rede von 99 Jahren. Ueli Sauter, Leiter des Friedwaldes: «Der Grundbucheintrag ist für 99 Jahre gesichert. Und an diesen Baum können dann auch mehrere Personen einer Familie beigesetzt werden.» Durch den Grundbucheintrag sei das Nutzungsrecht des Waldstückes für 99 Jahre für Baumbestattungen garantiert. Auch bei einem Konkurs der Firma oder wenn der Inhaber des Nutzungsrechtes stirbt. Hubert Bühlmann sieht dieses Versprechen kritisch: «Ich könnte niemandem 99 Jahre versprechen, das ist einfach nicht realistisch. Man weiss nie was in hundert  Jahren ist.» Auf dem Grundbuchamt Kanton Luzern heisst es, eine solche Garantie könne grundsätzlich niemand geben. Denn der Grundeigentümer und der Nutzungsrecht-Inhaber können jederzeit gemeinsam einen Grundbucheintrag löschen lassen, oder den Nutzungsrecht-Vertrag ändern. Dasselbe Recht haben dementsprechend auch die Erben in den nächsten 99 Jahren.

Für Martina K. waren die 99 Jahre kein Thema. «Mir war es wichtig, dass es ein schöner Platz ist, an welchem ich mich wohl fühle und an meinen Mann denken kann. Es soll ein Ort sein, wo Kinder auch rennen dürfen und man gerne Zeit verbringt. Und ein Ort wo ich später auch begraben sein möchte.»

Fritz Staible von der Waldesruh GmbH: «Ungefähr 95 Prozent suchen sich ihren Baum noch selbst aus. Viele auch, um die Angehörigen bei den Entscheidungen zu entlasten.»

*Name der Redaktion bekannt

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2 Kommentare
  1. Jana Avanzini, 28.07.2014, 10:48 Uhr

    Sehr geehrter Herr Staible,

    vielen Dank für Ihre Anmerkungen und zusätzlichen Informationen. Wir gehen gerne kurz auf die angeschnittenen Fragen ein.

    Wir verstehen Ihren Hinweis zum Titel. Ethische Fragen werden von jeder Person sehr unterschiedlich wahrgenommen. Der von uns gewählte Titel ist ein Zitat eines Mitarbeiters von einem der im Artikel genannten Anbieter. Aus diesem Grund erachten wir ihn als angemessen, auch wenn wir nicht ausschliessen, dass er polarisiert.

    Die Recherche gestaltete sich als recht umfangreich und umfasste mehrere bis zu einer Stunde dauernde Interviews und den Besuch verschiedener genutzter Waldstücke. Wir haben jedoch bewusst darauf verzichtet, das gesamte Angebot der Anbieter mit allen Details aufzuführen. Dies würde dem Durchschnittsleser wohl auch nicht allzu viel bringen. Vielmehr wollten wir einen ersten Überblick bieten. Spezifische Informationen, die bei den Anbietern ja auch häufig ändern, lassen sich aus unserer Sicht am einfachsten im direkten Kontakt erfahren.

  2. Waldesruh GmbH Keinen, 25.07.2014, 10:11 Uhr

    Sehr geehrte Redaktion
    Sehr geehrte Frau A.

    Wer sich im Leben stets engagiert, will oftmals auch den Teil danach nicht aus der Hand geben und damit den Angehörigen eine schwere Last abnehmen. Fritz A. Staible

    Gerne nehmen wir als Betreiber des Dienstleistungs-Unternehmen Waldesruh Baumbestattungen seit 1999 Stellung zu Ihrem Bericht vom 23. Juli 2014 in Ihrem Forum.
    An und für sich wurde der Inhalt des Berichts recht wahrheitsgetreu wiedergegeben und trifft im Grossen und Ganzen zu.

    Was uns doch etwas irritiert, dass Ihre Plattform etwas unpräzise mit Kosten – Nutzen Verhältnissen umgeht, das mag am kurzen Interview mit unser Firma liegen, oder aber die Akzeptanz der Journalistin gegenüber Baumbestattungen findet keinen Platz. Gerne möchten wir einige Punkte dazu aufführen:

    – Die Überschrift „Der Bauer macht das Loch zu“ finden wir in diesem Zusammenhang unethisch.

    – Zu Beginn des Artikels werden die Kosten der Baummiete über 99 Jahre, eingetragen im örtlichen Grundbuch, als teuer beschrieben, nicht aber darauf hingewiesen, dass dieser Baum künftig Grabstätte in der freien Natur für 10 bis 12 Bestattungen bietet und die Möglichkeit, ihr geliebtes Haustier nach der Kremation ebenfalls eingebettet werden darf. Zudem entstehen keine Kosten für Grabsteine/Grabpflege und dies eventuell 12 Mal! Die Rechnung bei durchschnittlich 6 Bestattungen pro Baum wäre doch so einfach. Nutzungskosten des Baumes CHF 4‘850 geteilt in 6 gleich etwas über CHF 800.- Bestattungs- kosten pro Person. Zudem besteht in jedem Waldesruh-Platz die Möglichkeit für CHF 890.- bestattet zu werden.

    – Dieser „Alternative zum Friedhof“ steht übrigens ein grosser Kostenaufwand für die Errichtung und des Betreibens gegenüber, auch hält sich die Nachfrage der Interessenten für diese Angebote in Grenzen, hingegen nimmt die Anzahl der Anbieter stetig zu, die letzten 15 Jahre haben wir einige kommen und gehen gesehen.
    In der Hoffnung einige Präzisierungen zu Ihrem Artikel vom 23. Juli 2014 eingebracht zu haben, möchten wir uns bei Ihrer Redaktion für diesen allgemein klärenden Beitrag bedanken.

    http://www.waldesruh.ch