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Der Alptraum des Mall-Chefs: Umherirrende Kunden
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Mall-Direktor Jan Wengeler gibt den Testern eine kurze Einführung. (Bild: pze )

Mall-Direktor Jan Wengeler zur nahenden Eröffnung Der Alptraum des Mall-Chefs: Umherirrende Kunden

6 min Lesezeit 2 Kommentare 07.11.2017, 12:02 Uhr

Es war ein langer Weg, doch jetzt ist es soweit: Am Mittwoch öffnet die Mall of Switzerland ihre Tore. Mall-Direktor Jan Wengeler sagt, wie sich die Mall von der Stadt abgrenzen will, wünscht sich für die Zukunft ein neues Schwimmbad und greift eine altbekannte Forderung auf.

zentralplus: Jan Wengeler, Sie sind Direktor der Mall of Switzerland. Kaufen Sie persönlich auch mal was im Tante-Emma-Laden ein?

Jan Wengeler: Klar, ich kaufe sehr gerne in kleinen Läden ein.

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zentralplus: Was macht denn für Sie die Faszination einer Mall aus?

Wengeler: Die Verbindung zwischen Einkaufen und Freizeitvergnügen: Die Mall bietet mehr als Shopping und hat das Potenzial, als «third place» zu fungieren. Damit ist neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz ein Ort gemeint, an dem man gerne seine Freizeit verbringt, sich wohlfühlt, sozialer Austausch stattfindet und zum Treffpunkt der Region werden kann.

zentralplus: Was machen Sie, dass diese Faszination nicht nach dem ersten Besuch verfliegt?

Wengeler: Ein Besuch in der Mall soll immer wieder aufs Neue überraschen. Unser abwechslungsreiches Eventprogramm bietet Unterhaltung für Jung und Alt und in den stetig wechselnden Pop-Up-Stores gibt es immer wieder neue Highlights zu entdecken.

zentralplus: Wie sehen diese Pop-Up-Stores genau aus?

Wengeler: Die Mieter wechseln regelmässig ihr Angebot und passen ihre Dekoration je nach Saison an. So wird eine Einkaufsatmosphäre geschaffen, die sich stetig ändert und laufend neu entdeckt werden kann.

«Der Wettbewerbsdruck ist besonders in den grossen deutschen Städten höher.»

zentralplus: Wer wird diese Pop-Up-Stores besetzen?

Wengeler: Insgesamt gibt es 17 Mieter für die Pop-Up-Stores. Aussergewöhnlich war sicher die Einrichtung des Tesla-Geschäfts, da mussten echte Autos in die zweite Mall-Etage transportiert werden. Und auch das Geschäft von «India Motorcycles» stellt echte Motorräder zur Schau.

zentralplus: Mit dem Tesla im zweiten Stock wird aber eine Testfahrt schwierig.

Wengeler: (lacht) Dafür stehen im Parkplatz Modelle bereit. Die Fahrzeuge können selbstverständlich Probe gefahren werden, anschliessend kann man sich im Laden beraten lassen.

zentralplus: Wie lange bleibt so ein Pop-Up-Store?

Wengeler: Die meisten bleiben über ein Jahr, gewisse bleiben aber auch nur während wenigen Monaten. Ziel ist, ein wechselndes Angebot zu haben und gleichzeitig für Einkaufscenter atypischen Mietern die Chance zu geben, ein neues Ladenkonzept auszuprobieren.

Impressionen aus dem Rundgang durch die Mall of Switzerland. (Bild: pze)

Die ersten Läden durften bereits besichtigt werden.

(Bild: pze)

zentralplus: Sie sind ursprünglich aus Berlin. Wie unterscheidet sich der Schweizer Markt vom Deutschen?

Wengeler: Der Wettbewerbsdruck ist besonders in den grossen deutschen Städten höher. In Berlin gibt es 66 Einkaufszentren. Alleine in der Einkaufsstrasse, in der ich ein Shoppingcenter geleitet habe, gab es drei direkte Konkurrenten. Zudem sind die Einkaufszentren meist grösser als die in der Schweiz.

zentralplus: In den USA sind die Leute verrückt nach Malls. Schwappt dieser Trend jetzt in die Schweiz?

Wengeler: Es gibt viele Trends, die aus den USA in die Schweiz gelangen. Halloween oder Black Friday zum Beispiel. Welche Trends die Zukunft bringt, wird sich zeigen.

zentralplus: Viele Pendler befürchten, zu spät zur Arbeit oder zu Verabredungen zu kommen, weil der Stau in Ebikon durch die Mall nochmals verschlimmert wird. Was sagen Sie diesen Leuten?

Wengeler: Dank der hervorragenden Erschliessung mit Bus, Bahn und Zug sowie der guten Erreichbarkeit für Velofahrer und Fussgänger gehen wir davon aus, dass viele Besucher mit dem öffentlichen Verkehr anreisen werden. In der zentralen Veloeinstellhalle mit Platz für 155 Fahrräder sind Ladestationen für E-Bikes vorhanden. Trotzdem erwarten wir an den Eröffnungstagen ein hohes Verkehrsaufkommen und raten, den ÖV zu benutzen.

«Am Samstag wird die Besucherdichte am höchsten sein.»

zentralplus: Was unternimmt die Mall selber, um einem Verkehrschaos der ersten Tage entgegenzuwirken?

Wengeler: Während den Eröffnungstagen übernimmt die Mall die Hälfte des Ticketpreises für den ÖV und in den ersten drei Tagen fährt der «Churchill»-Sonderzug für Mall-Besucher kostenlos auf der Strecke Luzern-Zug.

zentralplus: Wie viele Besucher erwarten Sie in den ersten Tagen?

Jan Wengeler: Wir rechnen mit rund 30’000 Personen pro Tag. Am Samstag wird die Dichte am höchsten sein, doch da wir um 16 Uhr bereits schliessen, wird es absolut kaum mehr Gäste geben.

zentralplus: Werden Sie durch die Ladenöffnungszeiten benachteiligt?

Wengeler: Die restriktive Haltung des Kantons Luzern in Sachen Ladenöffnungszeiten empfinden wir in der Tat als Nachteil. Schon jetzt werben unsere Mitbewerber ausserhalb des Kantons mit längeren Öffnungszeiten. Wir würden eine Liberalisierung auf jeden Fall begrüssen und glauben, dass davon die Region als Ganzes profitieren würde. Insbesondere, weil dann ein Besuch im Kanton Luzern für potenzielle Kunden in einem grösseren Umkreis attraktiv wird.

zentralplus: Welchen Laden würden Sie nie in der Mall haben wollen?

Wengeler: Ramschläden möchte ich keine. Ein attraktiver Mietermix mit einem qualitativ hochwertigen Angebot war uns immer ein wichtiges Anliegen.

zentralplus: Warum baut man im Zeitalter des Internets überhaupt noch eine Mall?

Wengeler: Die Mall bietet vieles, was beim Onlineshopping nicht möglich ist. Beim Einkaufen vor Ort kann die Ware angefasst und ein Gefühl für das Produkt entwickelt werden. Persönliche Beratung trägt zu einem positiven Einkaufserlebnis bei und wird von vielen Kunden geschätzt. Es gibt keine Lieferzeiten, Versandkosten Mindestbestellwert.

«Ein Schwimmbad fände ich toll.»

zentralplus: Das gilt ja nicht nur für die Mall, sondern für den gesamten Detailhandel. Die Kunden wandern aber dennoch ins Netz ab.

Wengeler: Ja, aber Surfen auf der stehenden Indoor-Welle, Sport im Fitnessbereich oder ein Kinobesuch sind nur offline möglich. Zudem kann man sich natürlich in der Mall auch die Haare schneiden lassen oder zur Maniküre gehen.

zentralplus: Die Mall gibt sich sehr urban, das hat sich bei der Besichtigung gezeigt (zentralplus berichtete). Warum soll denn der Kunde nicht einfach in die Stadt Luzern gehen, wenn er urbanes Flair will?

Wengeler: Die Mall bietet eine ganz andere Attraktivität als die Innenstadt. Bei uns kann man bei jedem Wetter einkaufen, alles ist nahe beieinander und wir bieten Services, die weit über das Angebot einzelner Anbieter hinausgehen. Zudem veranstalten wir regelmässig spannende Events während den Ladenöffnungszeiten, was in der Innenstadt eher die Ausnahme ist.

zentralplus: Müssten Luzerner Läden in der Stadt schliessen, wäre dies ein Indiz für den Erfolg der Mall?

Wengeler: Insbesondere für Shops an zweitklassigen Lagen ist es immer schwieriger, langfristig zu überleben – ausser sie haben ein innovatives Konzept, versteht sich. Das ist aber kein Indiz für den Erfolg der Mall oder ein kurzfristiger Trend, sondern beruht auf dem Einkaufsverhalten, das sich grundsätzlich verändert.

zentralplus: Was hätten Sie sich für die Mall gewünscht, war aber leider nicht machbar?

Wengeler: Ein Schwimmbad fände ich toll. Wir hoffen auf den Zuschlag der Rontaler Gemeinden für das Projekt, das wir ihnen offeriert haben.

In solchen hellen und verglasten Gebäuden wie der Mall of Switzerland in Ebikon, die nächste Woche eröffnet, fühlen sich Fremde offenbar wohl, weil sie den sozialen Code des Zugangs und Verhaltens kennen. (Bild: pze)

So sieht die Mall von innen aus.

(Bild: pze)

zentralplus: Worauf sind Sie stolz?

Wengeler: Ich bin stolz auf das ganze Team, das mit grossem Einsatz und viel Ehrgeiz zum Gelingen dieses einzigartigen Projektes beigetragen hat.

zentralplus: Was erwartet die Besucher am Tag der Mall-Eröffnung?

Wengeler: Morgens um 9 Uhr findet der Banddurchschnitt mit den Gemeinderäten und Regierungsrat Robert Küng statt. Danach gibt es verschiedene Aktionen und Wettbewerbe, man kann fleissig gewinnen. Doch im Fokus werden die Mieter stehen. Wir fokussieren uns auf den Service, denn eines habe ich aus meiner Zeit in anderen Centers gelernt: Die Leute müssen sich primär einfach zurechtfinden.

zentralplus: Wie bewerkstelligen Sie das?

Wengeler: Wir haben an verschiedenen Orten Mitarbeiter verteilt, welche die Gäste beraten und ihnen den Weg weisen.

zentralplus: Jetzt, wo die Mall aufgeht: Würden Sie das Center in Ebikon noch einmal bauen?

Wengeler: Auf jeden Fall.

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2 Kommentare
  1. Roli Greter, 07.11.2017, 16:08 Uhr

    Herr Ebinger, als Präsident eines Verkehrsvereins sollten sie doch wissen dass die Schwächung des ÖV auch für Nachbarkantönler wie sie nur Nachteile mit sich bringt. Für ihr Seelenheil reicht es doch schon wenn sie die Mall einfach meiden 😉

  2. Michel Ebinger, 07.11.2017, 12:18 Uhr

    Dieses Mall ist völlig überflüssig und bringt nur Schaden. am Besten jeglichen Ausbau des ÖV torpedieren, das es alle verleidet diesen Tempel zu besuchen, wer dort hin will soll leiden