Der Alptraum aller Fahrschüler hat ein baldiges Ende
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Hat Erfahrung mit Grossbaustellen: Hans Ruedi Ramseier, Gesamtprojektleiter beim Seetalplatz. (Bild: jal)

Seetalplatz: Projektleiter zieht Bilanz Der Alptraum aller Fahrschüler hat ein baldiges Ende

6 min Lesezeit 24.08.2017, 16:09 Uhr

Ab Sonntag ist die 190-Millionen-Baustelle am Seetalplatz Geschichte. Wir ziehen mit Gesamtprojektleiter Hans Ruedi Ramseier Bilanz. Er erklärt, warum die Busse nun ein ganz neues Problem haben, worüber sich Velofahrer freuen und warum Auswärtige besser mit der neuen Situation klarkommen.

Velo- und Autofahrer aufgepasst: Ab nächsten Sonntag fliesst der Verkehr rund um den Seetalplatz wieder einmal anders. Doch im Unterschied zu den Umstellungen in den letzten vier Jahren gilt es diesmal ernst: Am Wochenende wird das definitive Verkehrsregime eingeführt.

Und so rollt der Verkehr in Zukunft am Seetalplatz. Für die Autofahrer geht es in einem gigantischen Kreisverkehr rund um den Platz. Anders als heute wird die Obere Zollhausbrücke – jene vor dem Kino Maxx – wieder geöffnet. Die Untere Zollhausbrücke (in der Grafik rosa markiert), wo die Autos aktuell die Kleine Emme passieren, ist ab nächster Woche nur noch für die Velofahrer und die Busse geöffnet – für Autos gilt dort Fahrverbot.

Fundament gelegt

Nach viereinhalb Jahren enden damit die Bauarbeiten am grössten und teuersten Strassensanierungsprojekt in der Geschichte des Kantons Luzern. 190 Millionen Franken hat das Ganze gekostet, wobei rund 40 Millionen für den Hochwasserschutz eingesetzt wurden. Zwar werden bis nächsten Sommer noch kleinere Arbeiten erledigt. Doch für die rund 50’000 Autos, die täglich über den Seetalplatz fahren, ändert sich nichts mehr.

Ein grosser Kreisverkehr: So verkehren die Autos am Seetalplatz ab Sonntag. Die mittlere Brücke ist für Busse und Velos reserviert.

Ein grosser Kreisverkehr: So verkehren die Autos am Seetalplatz ab Sonntag. Die mittlere Brücke ist für Busse und Velos reserviert.

(Bild: zvg)

In Emmen ist man froh, dass die Baustelle ein Ende nimmt, sagt Gemeinderat Josef Schmidli (CVP). «Am Anfang waren viele sehr besorgt, aber es ist insgesamt erstaunlich gut verlaufen», so sein Fazit. Vor allem das Gewerbe befürchtete einen Super-Gau. Gemäss Schmidli war die Belastung bei den Geschäften tatsächlich gut zu spüren. «Aber wenn man den Bär waschen will, wird das Fell nass.» Trotz der Einschränkungen sei die Überzeugung, dass der Seetalplatz saniert werden musste, verbreitet.

Für Josef Schmidli ist klar: «Nun ist das Fundament für die Weiterentwicklung gelegt.» Denn auf dem Seetalplatz fahren bald wieder Bagger auf. Entlang der Emme sollen auf mehreren Parzellen Wohn- und Geschäftshäuser entstehen. Das Maxx will seine Kinosäle ausbauen. Und der Kanton plant – sobald er wieder ein gültiges Budget hat – ein neues Verwaltungsgebäude (zentralplus berichtete).

Wenig Unfälle, wenig Verletzte

Auch seitens der Polizei zieht man ein positives Fazit. Es ist weder auf der Baustelle noch auf der Strasse zu schwerwiegenden Zwischenfällen gekommen. Gemäss Arnold Henseler, Chef Verkehrstechnik bei der Luzerner Polizei, registrierte man tiefe Unfallzahlen mit wenig Verletzten. Sowohl Schmidli als auch Henseler lobten die gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen.

Bald wieder offen: Die dreispurige Strecke auf der Oberen Zollhausbrücke.

Bald wieder offen: Die dreispurige Strecke auf der Oberen Zollhausbrücke.

(Bild: jal)

An deren Spitze steht Hans Ruedi Ramseier. Für den Gesamtprojektleiter ist es nicht das erste, aber vermutlich das letzte Grossprojekt. Der 68-jährige Bauingenieur ist eigentlich bereits teilpensioniert und arbeitet noch in einem 60-Prozent-Pensum beim Kanton Luzern.

zentralplus: Hans Ruedi Ramseier, der Seetalplatz gilt als Albtraum aller Fahrschüler. Ändert sich das nun nach der Neugestaltung?

Hans Ruedi Ramseier: Es wird weniger anspruchsvoll, den Seetalplatz zu befahren, ja. Vorher waren es zwei Kreisel in Form einer Acht. Nun ist es ein grosser Kreis, der im Gegenuhrzeigersinn befahren wird. Das ist einfacher – sofern man den Wegweisern folgt.

zentralplus: Wie meinen Sie das?

Ramseier: Wir haben es in der Bauphase erlebt, dass etliche Autofahrer stadteinwärts die Hauptstrasse in Reussbühl benutzten – trotz Fahrverbot. Aus dem einfachen Grund, weil sie das seit 50 Jahren tun. Die Einheimischen haben die neuen Verkehrswege jeweils weniger gut befolgt als Auswärtige. Denn sie waren oft überzeugt, dass sie ja wissen, wo es lang geht.

zentralplus: Am Wochenende gilt’s ernst: Der Verkehr wird ein letztes Mal umgestellt – auf das definitive Verkehrsregime. Sind Sie nervös?

Ramseier: Nein, überhaupt nicht. Es ist die vierte Umstellung – und im Vergleich zu den bisherigen eine der einfacheren. Wir werden den Verkehr am Montagmorgen um 4 Uhr kontrollieren, wenn noch wenig Autos unterwegs sind. Aber ich mache mir keine Sorgen.

zentralplus: 50’000 Fahrzeuge passieren den Seetalplatz täglich, in Spitzenzeiten über 60’000. Werden die Autofahrer nun weniger oft im Stau stehen?

Ramseier: Der Verkehr wird flüssiger rollen, da wir ringsum mindestens zwei Spuren haben. Auch in der Bauphase gab es auf dem Seetalplatz selber kaum Stau, sondern eher auf den Zufahrten. Wir werden in den nächsten Wochen beobachten, wie sich die Autofahrer verhalten. Je nachdem werden wir die Ampeln anpassen und so die «Grünen Wellen» optimieren.

Die mittlere der drei Brücken – sie heisst Untere Zollhausbrücke – ist bald Velos und Bussen vorbehalten.

Die mittlere der drei Brücken – sie heisst Untere Zollhausbrücke – ist bald Velos und Bussen vorbehalten.

zentralplus: Während der Bauphase war es teilweise schwierig, sich mit dem Velo einen Weg zu bahnen über den Seetalplatz. Wie sieht das in Zukunft aus?

Ramseier: Die Situation für Velofahrer und den öffentlichen Verkehr hat sich wesentlich verbessert. Sie haben die Untere Zollhausbrücke nun für sich allein und der grösste Teil der Hauptstrasse in Reussbühl ist für sie reserviert. Wir haben zudem einen neuen Bushof. Bereits kurz nach dessen Inbetriebnahme haben die Verkehrsbetriebe Luzern gemerkt: Unser Fahrplan ist zu grosszügig.

zentralplus: Die Busse kommen zu schnell vorwärts?

Ramseier: Genau (lacht). Es ist tatsächlich so: Die Busse stehen kaum mehr im Stau, es gibt weniger Wartezeiten.

zentralplus: Viereinhalb Jahre ist auf dem Seetalplatz gebaut worden. Wie viele Reklamationen gingen bei Ihnen ein?

Ramseier: Wir hatten viele Rückmeldungen, aber nicht in erster Linie Reklamationen. Meist hatten die Leute Fragen oder Vorschläge, wie man es besser machen konnte. Natürlich vertraten einige – die gibt es immer – auch die Meinung, das ganze Projekt sei nicht zu gebrauchen.

zentralplus: Meldeten sich vor allem Autofahrer?

Ramseier: Nein, in erster Linie Anwohner. Beispielsweise eine Frau, die ihren Parkplatz nicht mehr befahren konnte. Oder ein Mann, dem die Sicht für die Ausfahrt bei seinem Haus verstellt wurde – da haben wir jeweils rasch reagiert. Am Ende waren die Leute meist zufrieden.

Josef Schmidli, Emmer Gemeinderat, und Gesamtprojektleiter Hans Ruedi Ramseier.

Josef Schmidli, Emmer Gemeinderat, und Gesamtprojektleiter Hans Ruedi Ramseier.

zentralplus: Der Seetalplatz wird mit einer Aorta verglichen, die Umgestaltung war eine Operation am offenen Herzen. Gab es Komplikationen?

Ramseier: Die Bauarbeiten auszuführen, während der Verkehr immer fliessen muss, das war sicher die grösste Herausforderung. Aber es hat immer geklappt.

zentralplus: Welchen Einfluss hatte der budgetlose Zustand des Kantons auf die Arbeiten am Seetalplatz?

Ramseier: Da die Arbeiten bereits seit 2013 am Laufen waren, war ein Unterbruch kein Thema – das hätte auch niemand verstanden. Wir durften zwar keine neuen Aufträge vergeben. Aber eigentlich bewegte sich alles im Rahmen des bereits bewilligten Projekts – deshalb spielte der budgetlose Zustand keine Rolle.

«Beim Seetalplatz liegen wir auf den Tag genau im Zeitplan.»

zentralplus: Der Umbau des Seetalplatzes war das grösste und teuerste Strassensanierungsprojekt des Kantons. War es für Sie speziell, das zu leiten?

Ramseier: Nein, eigentlich nicht. Ich habe vorher die Tieflegung der Zentralbahn geleitet. Dort waren die Anforderungen etwas anders, weil fünf Jahre im Voraus auf die Minute genau festgelegt wurde, wann der erste Zug durchfahren wird. Aber die Dimensionen waren ähnlich – ich weiss also damit umzugehen. Beim Seetalplatz liegen wir praktisch auf den Tag genau im Zeitplan.

zentralplus: Nun wird in die Höhe gebaut: Entlang der Kleinen Emme entstehen mehrere Wohnblöcke. Wird es trotz des vielen Verkehrs attraktiv, am Seetalplatz zu wohnen?

Ramseier: Ja, das wird es. Von den Wohnungen aus, die Richtung Kleine Emme hinausgehen, sieht man den Pilatus, hat den Fluss vor sich und den Verkehr im Rücken. Das ist auf jeden Fall attraktiv.

In der Bildergalerie erhalten Sie weitere Eindrücke der Grossbaustelle:

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