Der aktuelle Schweizer Corona-Hotspot liegt vor den Toren Zugs und Luzerns
  • Gesellschaft
Die Luzerner Spitäler rüsten sich für die Corona-Pandemie. (Bild: zvg)

Unterstützung zugesichert Der aktuelle Schweizer Corona-Hotspot liegt vor den Toren Zugs und Luzerns

4 min Lesezeit 14 Kommentare 16.10.2020, 05:00 Uhr

Seit Donnerstag ist Schwyz der neue Corona-Hotspot der Schweiz. Speziell im inneren Teil klettern die Zahlen auf Rekordwerte. Zu einer vorbehaltlosen Maskenpflicht in den Läden mag sich der Kanton aber noch immer nicht durchringen.

Er werde nun halt in Schwyz einkaufen, kommentierte ein Leser letzten Sonntag einen Beitrag von zentralplus, der sich mit der Einführung der Maskenpflicht in den Zuger Läden beschäftigte. Vielleicht überlegt sich der Kommentator seine Idee nochmals. Im Nachbarkanton Schwyz gehen die Corona-Fallzahlen nämlich gerade regelrecht durch die Decke. Stand Donnerstag, 15. Oktober, gilt nun laut einer Auswertung von BAG-Zahlen durch die NZZ der Kanton Schwyz als der neue Corona-Hotspot der Schweiz. Kein anderer Kanton weist demnach derzeit über die Dauer von 14 Tagen pro 100’000 Einwohner mehr laborbestätigte Fälle auf als Schwyz. Für den Kanton lautete der entsprechende Wert am Donnerstag 407,8. Zum Vergleich: Der Kanton Luzern weist in dieser Statistik 100,4 Fälle auf, der Kanton Zug 235,7. Im gesamtschweizerischen Schnitt sind es 173,1 Fälle.

Kommt hinzu: Die Fallzahlen im Kanton Schwyz sind speziell im inneren Teil des Kantons sehr hoch, also in Gemeinden wie Arth, Schwyz, Küssnacht, aber auch in eigentlichen Landgemeinden wie Muotathal und Illgau. Im Falle von Arth, Küssnacht und Schwyz handelt es sich durchwegs um Gemeinden, die nicht sehr weit von den Kantonen Zug und Luzern entfernt liegen.

Spital mit emotionalem Appell

Am Mittwoch nun schlug das Spital Schwyz Alarm. In einem eindringlichen Video wandten sich die Führungspersonen des Spitals an die Öffentlichkeit. Reto Nuesch, Chefarzt innere Medizin, sagt im Video, man habe es in Schwyz derzeit mit einem der schlimmsten Corona-Ausbrüche europaweit zu tun. Die Situation sei zunehmend schlimm; man müsse jetzt unbedingt reagieren. Schon einfache Massnahmen wie das Maskentragen könnten helfen.

Auch Franziska Föllmi, die Direktorin des Spitals, wendet sich im Video direkt an die Schwyzerinnen und Schwyzer: «Tragen Sie Masken, machen Sie keine Feste.» Sonst könne das Spital das Ganze nicht mehr stemmen. Man sei ausgelastet und am Anschlag.

Ein Angriff auf den Kanton

Klar ist: Eigentlich wäre es ja Aufgabe der Regierung, sich mit solchen und ähnlichen Empfehlungen an die Bevölkerung zu wenden. Das aber tat diese in der Vergangenheit in den Augen der Schwyzer Spitalleitung eindeutig zu wenig. Die Massnahmen der Regierung seien zu wenig klar und deutlich gewesen, erklärte Spitaldirektorin Föllmi gegenüber Radio SRF. Und sie seien deutlich zu langsam gekommen. Das Video des Spitals ist entsprechend ganz klar auch als direkter Angriff auf den Kanton zu verstehen.

Ebenfalls gegenüber SRF versuchte die Schwyzer Gesundheitsdirektorin Petra Steimen (FDP) der Kritik des Spitals Schwyz zu entgegnen. Im Gegensatz zu einem Spital müsse die Politik auch das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben beachten. Und was die Spitalbetten betrifft, so hätten andere Kantone – unter anderem Luzern und Zug – ihre Unterstützung zugesichert.

Masken in den Läden: Bei 1,5 Metern Abstand und weniger

Der Kanton Schwyz setzt am Freitag neue Massnahmen in Kraft. Bei Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen gilt nun eine Maskenpflicht. In den übrigen Fällen – also auch beim Einkaufen – muss aber eine Maske nur dann getragen werden, wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann.

Wie das in den Läden praktisch gehandhabt werden soll, bleibt offen. Es kann’s wohl mehr oder weniger jede und jeder weiterhin so halten, wie er oder sie es will. Im Gegensatz zu anderen Kantonen, die deutlich weniger Fälle zu verzeichnen haben, kann sich der Kanton Schwyz also auch jetzt noch nicht zu einer klaren und eindeutigen Maskenpflicht in den Läden durchringen.

«Wir hätten ein proaktiveres Vorgehen begrüsst.»

Nirmala Arthen, Leiterin Kommunikation des Spitals Schwyz

Am 7. Oktober hiess es in einer Medienmitteilung des Kantons Schwyz zu diesem Thema: «Es gibt im Moment keine Anzeichen, dass beim Einkaufen in Läden eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht. Der Kanton Schwyz sieht deshalb weiterhin von der Einführung einer Maskenpflicht ab.»

Bloss: Wäre nicht gerade im Falle der Masken eigentlich ein proaktives Vorgehen sinnvoll? Eine konsequent umgesetzte Maskenpflicht bei Veranstaltungen sei sicher eine sinnvolle Massnahme des Kantons, kommentiert auf Anfrage Nirmala Arthen, Leiterin Kommunikation des Spitals Schwyz. Um aber anzufügen: «Wir vom Spital hätten ein proaktiveres Vorgehen bezüglich Maskenpflicht begrüsst.»

Die Empfehlung der GDK

«Masken helfen», erklärt Rudolf Hauri, Zuger Kantonsarzt und Präsident der Schweizer Kantonsärzte. Sie seien überall dort sinnvoll, wo der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden könne und kein physischer Schutz wie zum Beispiel eine Trennwand bestehe. Hauri verweist auf eine Medienmitteilung der Schweizerischen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) vom 9. Oktober. Darin empfiehlt die GDK besonders betroffenen Kantonen eine Ausweitung der Maskenpflicht auf Verkaufsgeschäfte und weitere öffentlich zugängliche Innenräume.

Wurde bei diesem Anlass irgendwie kontrolliert?

Noch dies: Im Schwyzer Hauptort fand Ende September ein sogenanntes «Jodelmusical» statt. Medienberichten zufolge besteht der Verdacht, dass dieser Anlass in Sachen Corona als «Superspreader-Anlass» gewirkt haben könnte. Veranstalter präsentieren mittlerweile ja jeweils ihre Sicherheitskonzepte. Auf die konkrete Frage aber, ob diese Veranstaltung durch die Behörden kontrolliert worden sei, erfolgt seitens des Kantons Schwyz trotz schriftlicher Nachfrage keinerlei Antwort.

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14 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 16.10.2020, 15:23 Uhr

    Donald Trump wird zeitweilig von Twitter ausgebremst, wenn er allzu krassen Unsinn über die Cov-19-Pandemie verbreitet. Diskussionsforen entwickeln sich zunehmend zu Tummelfeldern von Corona-Trolls, die mit faktenwidrigen Behauptungen versuchen, die medizinischen Vorsichtsmassnahmen in der Pandemie zu untergraben. Die Redaktionen müssen sich nun fragen, wo die Grenzen der Meinungsfreiheit erreicht sind. Twitter hat dazu erste Überlegungen gemacht.

    1. Redaktion Redaktion zentralplus, 16.10.2020, 15:53 Uhr

      Wir monitoren die Posts derzeit intensiv. Gleichzeitig können wir beobachten, dass das soziale Korrektiv auf zentralplus in aller Regel gut funktioniert. Eine lebhafte Diskussion ist uns wichtig, wir möchten nur eingreifen wo nötig. Dies geht, weil unsere Community zwar durchaus kontrovers diskutiert, sich aber meistens innerhalb der Grenzen bewegt. So können wir etwa 80 Prozent der Beiträge freischalten, obwohl auch an uns immer wieder Zensurvorwürfe gerichtet werden. Falsche Fakten entfernen wir nach Kräften, Meinungen sind zulässig. Übrigens sind die Bemühungen von Twitter auch nicht immer ganz unumstritten und tangieren dann und wann auch die Medienfreiheit (Sperrung des Titanic-Accounts).

  2. Corona, 16.10.2020, 12:04 Uhr

    @Kasimir P
    Die Italiener haben andere Probleme in den Spitäler.

    Da husten die Patienten und gehen aus Angst vor Corona ins Spital und sterben schlussendlich an MRSA (und mit Corona).
    Italiener weisen eine fast 30% Antibiotikaresistenz auf, Amerikaner sogar 70%.

    Polymorbid sein und durch das Virus geschwächt dort in ein Spital zu gehen empfinde ich persönlich als „gefährlich“…

  3. Luc Bamert, 16.10.2020, 09:41 Uhr

    Die Maskenpflicht in Zuger Läden ist grober Unfug, da ein Abstand von 1,5 m problemlos eingehalten werden kann. Und wichtiger: Niemand hat in einem Laden mit einer potenziell „infizierten“ Person 15 Min. und mehr Kontakt. Denn 15 Min. und mehr, das ist die Dauer, die von der Tracing-App erfasst wird.
    Man sollte auch endlich aufhören, von „Fällen“ und „Infizierten“ zu sprechen/schreiben, wenn es in Wahrheit um positive Tests geht. Der ZG-Kantonsarzt macht unnötig auf Panik, die von den meisten Medien weiterverbreitet wird – Pech ist, dass er zugleich Präsident der CH-Kantonsärzte ist.

    1. Guellemaetteli, 16.10.2020, 10:32 Uhr

      Der Zuger Kantonsarzt und sein Vorgesetzter machen alles mögliche um von der Causa „Zuger Heilmittelinspektor“ abzulenken.

    2. Kasimir Pfyffer, 16.10.2020, 11:07 Uhr

      Sie haben es nicht verstanden. Infizieren können Sie sich im dümmsten Fall schon innerhalb einer Minute. Die 15 Minuten sind nicht die „minimal nötige Zeitdauer“, sondern ein Kniff, weil die App sonst x-Mal pro Tag Alarm schlagen würden.

    3. eron, 16.10.2020, 11:10 Uhr

      Ein Abstand von 1.5 m kann theoretisch eingehalten werden, wird er aber nicht.

      Wenn ein Corona-Infizierter in deiner Nähe hustet oder niest und dich Tröpfchen im Gesicht treffen genügt das. Da muss man nicht 15 min im Dunst stehen. Bei den 15 Minuten Exposition geht es um Aerosole. Wenn sich jemand in die Hand hustet und dann einen Apfel anfasst, den du danach anfasst und dir dann an die Nase greifst oder die Augen reibst genügt das je nach dem auch für eine Ansteckung. Der Infizierte muss dafür nicht 15 Minuten neben dir gestanden haben.

      Deshalb beim Ladeneintritt, Hände desinfizieren und durch die Maske in die Armbeuge niesen/husten. Wenn sich alle dran halten würden wäre das Virus im Griff.

      Leider ist es vielen Ideologen bereits zu viel während einer begrenzten Zeit ein Stück Stoff vor Nase und Mund zu tragen und die nötigen Hygienemassnahmen einzuhalten. Dadurch gefährden sie ihre eigene Gesundheit, die Gesundheit anderer und die Wirtschaft. Eigentlich wäre es so einfach. Da soll mal einer verstehen, wieso das nicht während ein paar Monaten möglich ist.

      Was ist ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen Infizierten und positiven Fällen? Die Zahl falsch positiver Test bewegt sich maximal in niedrigstelligen Prozentbereich. Siehe Seiten 12 und 13 des Berichts der „Gesellschaft zur Förderung
      der Qualitätssicherung in medizinischen Laboratorien“:
      https://www.instand-ev.de/System/rv-files/340%20DE%20SARS-CoV-2%20Genom%20April%202020%2020200502j.pdf#page=12

  4. Bauer Wermelinger, 16.10.2020, 09:39 Uhr

    Für mich ist es wenig verwunderlich, dass aktuell ausgerechnet in den ländlich geprägten Kantonen / Ortsteilen die Fallzahlen in die Höhe schnellen. Ich bewege mich privat und beruflich sehr oft in ebendiesen Gebieten und seit Ausbruch der Corona-Pandemie höre ich fast täglich irgendwo ein Eingeborener, Urschweizer, Hinterwäldler oder Einwohner mit traditionalistischem Hintergrund irgendetwas rummeckern, dass es dieses Virus gar nicht gibt oder dass sie früher auf ihren Höfen weitaus schlimmeres durchgemacht haben etc. Abstandsregeln werden NIE eingehalten, angefasst wird nachwievor alles im Laden, Niessen in die Armbeuge ein Fremdwort und Masken nur an der Fasnacht toleriert. Ein Schnupf hier, ein unnötiges Jodelreisli da, was interessiert mich der Nächste, so lange meine Subventionen pünktlich fliessen.

  5. Andreas Peter, 16.10.2020, 09:16 Uhr

    Ich gratuliere der Schwyzer Regierung für ihren kühlen Kopf.
    Es braucht Mut, bei diesem überemotionalisierten Thema solche rationalen Entscheidungen zu treffen und den „Shitstorm“ der Ängstlichen nicht zu scheuen.
    Tatsache ist und bleibt, Fallzahlen hin oder her: Unter 40-Jährige in Europa sterben wesentlich häufiger an Verkehrsunfällen als an Covid-19.
    In Afrika ist Corona aufgrund der Bevölkerungsstruktur und der „Abhärtung“ quasi vorbei.
    Die prophezeite Katastrophe findet dort nicht statt.
    Es ist eine Erkrankung, die statistisch gesehen fast nur sehr alte Leute und Vorerkrankte betrifft.
    Diese sollten sich schützen, bis es eine Impfung gibt, ggf. durch effizientere Masken.
    Die anderen sollen normal Leben und immun werden.

    1. Kasimir Pfyffer, 16.10.2020, 11:10 Uhr

      Gehen Sie doch mal nach Bergamo und sagen Sie das den Leuten ins Gesicht, die ihre Eltern, Geschwister oder Ehepartner verloren haben.

    2. Andreas Peter, 16.10.2020, 11:32 Uhr

      @Kasimir Pfyffer: Das ist ein typisch linkes, emotionales, verschwurbelndes und mittlerweile auch abgedroschenes Argument.
      Das hat einfach keinen Zusammenhang mit meiner Aussage und politischen Entscheidungen.
      Denken Sie, die Familie eines Verunfallten ist weniger traurig, als die eines mit Corona Verstorbenen?
      Was wollen Sie damit überhaupt sagen? Wenn jemand von einer Haushaltsleiter stürzt und sich den Hals bricht, wollen Sie dann alle Leitern verbieten?
      Die einzig politisch relevante Frage ist, wie oft das passiert und in welchem Verhältnis das zu anderen Gefahren steht. Genau das tue ich und das muss die Politik auch tun.

    3. eron, 16.10.2020, 13:32 Uhr

      @ Peter
      Die Schwyzer Regierung hat nicht mit kühlem Kopf, sondern ignorant agiert. Jetzt wo es losgeht sind ihre Spitäler bereits an der Kapazitätsgrenze. Bravo super gemacht.

      Das ausbügeln werden jetzt die umliegenden Kantone müssen. Erste Schwyzer Patienten sind wohl schon in Luzerner, Züricher und Zuger Spitälern. Danke für nichts, Schwyzer Regierung.

      Weniger Tote durch SARS-CoV-2 bei als durch Unfälle. Im Auto. Bei unter 40-Jährigen. In Europa. Grossartige Statistik… wenn sie denn stimmt… Jetzt bin ich beruhigt für meine immunosupprimierten Freunde, für meine Eltern, für meine schwangere Frau. Leider bleibt der Virus bekanntermassen nicht in einer bestimmten Altersgruppe.

      Ach und übrigens, wir haben in der Schweiz nicht die Altersstruktur von afrikanischen Ländern. Aber danke für die Information. Sehr hilfreich.

  6. lucommenter, 16.10.2020, 07:25 Uhr

    Eine Maskenpflicht aus wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründen abzulehnen ist unlogisch. Denn gerade das Tragen der Masken kann dazu beitragen, dass das Virus weniger wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schaden anrichtet. Die Maskenpflicht ist nur ein minimaler Eingriff in die individuelle Freiheit. Frau Steimen scheint sich vor Führung und Verantwortung zu scheuen und sollte besser zurücktreten.

  7. Corona, 16.10.2020, 05:58 Uhr

    Wieviel von den Infizierten komplett symptomfrei sind und eine Immunität aufweisen wird nie erwähnt.
    Wann hört man endlich auf diesen chinesischen Husten sofort mit einer Intubationsmaschine in Verbindung zu setzen?

    Angst schüren und hetzen bis ein Impfstoff vorliegt..

    Und die Geknechteten machen mit, nicken brav und fühlen sich beschützt.

    Furchtbar.

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