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Denn die Alp ist kein Ponyhof
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Samuel Winter und Sarah Jörg an der Premiere des Films «z’Bärg» im Bourbaki (yab)

Zwei Krienser proben das (Über-)Leben Denn die Alp ist kein Ponyhof

3 min Lesezeit 25.01.2016, 09:29 Uhr

Zwei Krienser arbeiten einen Sommer lang auf der Alp und werden dabei gefilmt. Entstanden ist der Dokumentarfilm «z’Bärg». Er zeigt die Realität und räumt auf mit der Romantik des Älpleralltags. Eine Warnung an alle, die eine entspannte Auszeit in den Bergen suchen.

Frische Alpluft, selbstgemachter Käse, herzige Tiere und Entschleunigung pur. Dass dieses romantisierte Bild der Alpwirtschaft nur teilweise zutrifft, haben Sarah Jörg und Sämi Winter aus Kriens geahnt. «Wie streng es wirklich ist, weiss man erst, wenn man selbst auf der Alp ist», sagt Jörg. Und wie hart es ist, zeigt der Dokumentarfilm «z’Bärg», den die Regisseurin Julia Tal den beiden gewidmet hat.

Sarah Jörg und Sämi Winter, die beruflich als Sozialpädagogen tätig sind, haben sich in Kursen auf die Alparbeit vorbereitet. Schliesslich übernahmen sie 2013 vier Monate lang den Alpbetrieb des Bauern Fritz im Berner Oberland. Ein Filmteam besuchte sie von Juni bis September in regelmässigen Abständen. Eine Herausforderung beim Filmen war laut Filmemacherin Julia Tal, dass sie keine Szenen wiederholen oder stellen wollten. Es hat sich gelohnt: Die Protagonisten kommen im Film absolut authentisch rüber und man leidet und lacht mit ihnen.

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Anstrengender Alpalltag

Jeden Tag im Morgengrauen aufstehen, 18 Kühe im steilen Gelände zusammentreiben, melken, käsen und sich nebenbei um die Geissen, Schweine und Hühner kümmern – körperliche Erschöpfung und Streitigkeiten sind vorprogrammiert und werden im Film ebenso gezeigt wie die schöne Aussicht ins Simmental. 

Hohe Fluktuation bei «Amateur-Älplern»

«Es findet zunehmend eine Eventisierung des Alpaufenthaltes statt.»
Giorgio Hösli, Betreiber der Älplerplattform Zalp.ch

Würden sie nochmals z’Bärg gehen? Die beiden antworten an der Premiere im Bourbaki mit einem klaren Ja. «Das ist nicht selbstverständlich», sagt Giorgio Hösli von der Älplerplattform Zalp.ch. Oft hören Älpler ohne landwirtschaftliche Erfahrung nach ein bis zwei Sommer, viele gar nach zwei Wochen, wieder auf. Für die Landwirtschaft sei dies schade, da wertvolle Erfahrung verloren gehe, sagt Hösli.

Alpbetriebe im Kanton Luzern

Der Kanton Luzern hat rund 250 Alpsömmerungsbetriebe. Mit 1000 bis 1700 m ü.M. liegt das Alpgebiet im Kanton Luzern vergleichsweise tief, weshalb eine relativ lange Sömmerungsdauer von bis zu 120 Tagen möglich ist. Die frühesten Hinweise auf Luzerner Alpen und Sennereien findet man im 13. Jahrhundert im Entlebuch. In der schweizerdeutschen Sprache bedeutet der Begriff «Alpen» nicht die Hochgebirgszüge in ihrem Gesamtkörper, sondern die Weiden, auf denen im Sommer gealpt wird.

Giorgio Hösli unterscheidet zwei Gruppen von Älplern: jene aus bäuerlichen Kreisen und jene mit einem anderen beruflichen Hintergrund. Die erste Gruppe sei grösser, die Gruppe der Amateur-Älpler sei jedoch in den letzten Jahren gewachsen, sagt er. Hösli begrüsst diese Entwicklung, sieht sie aber auch kritisch: «Es findet zunehmend eine Eventisierung des Alpaufenthaltes statt. Viele suchen eine Auszeit in den Bergen.» Dass diese Arbeit streng ist, wollen viele nicht wahrhaben. Und so gibt es laut Hösli zwar immer mehr Alpgänger, jedoch immer weniger, die regelmässig gehen.

Und reich macht die Arbeit auf der Alp auch nicht. Je nach Grösse des Betriebs liegt der Richtlohn laut Älplerportal Zalp.ch zwischen 160 und 225 Franken pro Tag – brutto. Es ist nicht das Geld, das die Menschen auf die Alp treibt.

Auszug aus dem Gespräch mit Sarah Jörg und Samuel Winter nach der Premiere des Films im Bourbaki:

Auszug aus dem Gespräch mit Regisseurin Julia Tal nach der Premiere des Films im Bourbaki:

Der Film «z’Bärg» läuft derzeit im Kino Bourbaki

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