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Denkmalpflege auf dem Bürgenstock
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Rendering der Grand Residence Suiten. (Bild: zvg)

Denkmalpflege auf dem Bürgenstock

4 min Lesezeit 13.02.2014, 11:36 Uhr

Auf dem Bürgenberg werden in den kommenden Monaten bestehende historische Gebäudekomplexe mit modernen Bauten ergänzt. Da am Ende aus Sicht der Denkmalpflege nicht ein Einzelobjekt, sondern das Gesamtbild des neuen Bürgenstock Resort entscheidend sei, konnte dem Teilabbruch des «Grand Hotel» zugestimmt werden. Die Kosten für den Denkmalschutz belaufen sich auf rund eine Million Franken.

Auf der einen Seite sind auf dem Bürgenstock die historischen Gebäude, die man erhalten möchte, und auf der anderen Seite steht die Tatsache, dass Raumeinteilungen und nicht zuletzt auch die Gebäudesubstanz den Anforderungen für das neue Bürgenstock Resort nicht mehr genügt. «Mit der
Unterschutzstellung hat der Regierungsrat wichtige Bausteine des Schutzplans umgesetzt», sagte Regierungsrat Res Schmid anlässlich einer Medienorientierung.

Teilabbruch des «Grand Hotel»

Der Nidwaldner Regierungsrat hat Verständnis dafür, dass die Zustimmung zum Teilabbruch des «Grand Hotel» aus denkmalpflegerischer Sicht nicht überall auf Zustimmung stösst. «Doch die Bausubstanz des aus dem Jahre 1873 stammenden und ursprünglich als reines Sommerhotel realisierten ‹Grand Hotel› wies derart viele Mängel auf, dass ein Beharren auf dem Erhalt unverhältnismässig gewesen wäre.» Ein weiterer Aspekt, der für einen Teilabbruch sprach, waren die Raumeinteilungen mit den sehr kleinen Zimmern. Diese würden gemäss Bruno H. Schöpfer, Managing Director Katara Hospitality Switzerland, «alles andere als den heute von den Gästen erwarteten Standards entsprechen. Wir bauen beim ‹Grand Hotel› die Fassade originalgetreu wieder auf, können auf der anderen Seite jedoch im Inneren des Gebäudes den zukünftigen Gästen der Residence-Suiten

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«Mit der Unterschutzstellung der Kleinbauten auf dem Bürgenberg wurde ein wichtiger Beitrag zum Erhalt des Ortsbilds von nationaler Bedeutung geleistet», ist Gerold Kunz, Denkmalpfleger des Kantons Nidwalden, überzeugt. Die aus den 1950er- und 1960er- Jahren stammenden Bauten wie Gübelin-Gebäude, Wetterstation und Stickereigebäude markieren heute eine Trendwende im Bürgenstock Resort. Während die Anlage nach Einbruch des Tourismus zu Beginn des Ersten Weltkriegs stagnierte, konnte nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Umbau zum Resort moderner Prägung ein Paradigmenwechsel vollzogen werden. «Das Bürgenstock Resort hatte sich zum Vorzeigeresort entwickelt, das weitherum Beachtung fand. Die Kleinbauten erinnern noch heute an diese wichtige Weichenstellung.»

Im Gegensatz zu den Hotelbauten weisen diese Kleinbauten einen hohen Anteil an historischer Bausubstanz auf und sind nahezu in ihrem originalen Zustand erhalten geblieben. «Kleine Korrekturen müssen vorgenommen werden, um die Bauten wieder in ihrem ursprünglichen Zustand präsentieren zu können.» Denkmalpfleger Gerold Kunz ist glücklich darüber, dass die anstehenden Restaurierungen von Architekt Ueli Zbinden begleitet werden, «der vom Bundesamt für Kultur als Bundesexperte bestimmt wurde. Mit dem Erhalt dieser wertvollen Kulturobjekte sichert sich das Bürgenstock Resort seine unersetzbaren Originale, während in anderen heutigen Resorts auf Kopien zurückgegriffen werden muss.»

Natürliche Materialien

Die Architektur dieser Kleinbauten wird von natürlichen Materialien wie Naturstein, Holz und Glas geprägt. Materialien, die laut Gerold Kunz «in der heutigen Zeit in der zeitgenössischen Architektur gerade im Alpenraum eine grosse Wertschätzung erfahren».

Wenn ein Ortsbild wie jenes auf dem Bürgenberg im Inventar der geschützten Ortsbilder von nationaler Bedeutung aufgeführt ist, gilt es gerade bei Neubauten ein besonderes Augenmerk auf den Natur- und Landschaftsschutz zu legen. «Kommt hinzu», so Felix Omlin, Leiter Fachstelle Natur- und Landschaftsschutz des Kantons Nidwalden, «dass sich das Bürgenstock Resort innerhalb des Landschaftsraums Vierwaldstättersee durch seine prägnante Silhouette bemerkbar macht.»

Gemäss Felix Omlin sind Aussenräume für das Ortsbild von zentraler Bedeutung. «Das in dieser Dimension im Kanton Nidwalden noch nie da gewesene Bauvorhaben mit den verschiedenen Einzelobjekten muss denn auch als Einheit betrachtet werden.» Erarbeitet wurde deshalb sowohl ein Farb- als auch ein Materialkonzept. Die historischen Bauten werden weiss verputzt, die Bauten aus der Nachkriegszeit erhalten eine zurückhaltende Farbgebung und Materialisierung. Die für die Silhouette wichtigen Hotelbauten sind somit alle in einem hellen Farbton gehalten, während für die untergeordneten Bauten die Ausführung in Naturstein vorgesehen ist.

Beiträge zur Erhaltung der geschützten Kulturobjekte

Laut Regierungsrat Res Schmid geht die Denkmalpflege zum heutigen Zeitpunkt von einer Beitragssumme von rund einer Million Franken aus, welche für die fachgerechte Restaurierung der geschützten Kleinobjekte bereitgestellt wird. Auf den Kanton Nidwalden werden rund 600’000 Franken und auf den Bund rund 400’000 Franken entfallen.

Auf dem Bürgenberg, 450 Meter über dem Vierwaldstättersee, entsteht mit dem neuen Bürgenstock Resort eine autofreie Destination mit drei Hotels (400 Zimmer bzw. 800 Betten), 68 Residence-Suiten, einem 10 000 Quadratmeter grossen Alpine Spa sowie einem 2200 Quadratmeter grossen Konferenzzentrum und 12 Restaurants und Bars. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt 485 Millionen Franken.

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