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Den Luzerner Mr. Nationalbank zieht es nach Paris
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Walter Näf, Delegierter für regionale Wirtschaftskontakte bei der Nationalbank, in seinem Büro an der Münzgasse in Luzern.

Walter Näf gibt Luzerner Amt nach 14 Jahren auf Den Luzerner Mr. Nationalbank zieht es nach Paris

6 min Lesezeit 1 Kommentar 19.02.2018, 04:56 Uhr

Kaum ein Luzerner ist so gut vernetzt in der hiesigen Wirtschaftselite wie Walter Näf. Der Delegierte für regionale Wirtschaftskontakte der Schweizerischen Nationalbank vertritt die wichtige Institution in der Zentralschweiz. Er ist insbesondere dann zur Stelle, wenn eine Krise ausbricht – oder wenn der Geldsegen an die Kantone ausbleibt.

Leicht versteckt in der Münzgasse, dort wo im 15. Jahrhundert die ersten Gulden und Schillinge der Republik Luzern hergestellt wurden, hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) ein Büro. Von hier aus arbeiten der Delegierte der SNB für die Zentralschweiz und seine zwei Mitarbeiterinnen.

Diese Position hat seit rund 14 Jahren der Luzerner Walter Näf inne. Sein Job: Zentralschweizer Unternehmen respektive deren CEOs treffen und den ökonomischen Puls der Region fühlen. Gleichzeitig wirkt Näf als Botschafter der Nationalbank, ist dessen erste Ansprechperson für die Zentralschweizer Politik und Wirtschaft. Die diplomatische Ader ist im Gespräch rasch spürbar: Näf ist ein geduldiger Zuhörer und ein guter Erklärer.

Näf wird seinen Posten auf Ende Jahr abgeben. Anfang 2019 wird der 60-Jährige seine Tätigkeit als Vertreter der SNB bei der Schweizer Delegation der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris aufnehmen. «Meine Motivation liegt darin, noch etwas Anderes zu machen vor meiner Pensionierung», sagt Näf. Derzeit läuft die Suche nach seinem Nachfolger.

Ein «Schoggijob»?

Der promovierte Ökonom blickt auf eine lange Karriere bei der SNB zurück, bereits 1991 trat er der Institution bei. Unter anderem arbeitete er zwischen 1995 und 1997 auf der Schweizer Botschaft in Washington. So lange wie an der Münzgasse hat er bisher nicht am Stück gearbeitet. Und seine Aufgabe hat ihm offensichtlich sehr gefallen: «Das ist eine sehr spannende Tätigkeit, ich habe mit interessanten Leuten zu tun, was Unternehmer ja bereits per Definition sind.»

Er ist immer auf Achse und befragt wie die anderen sieben Delegierten in der Schweiz 30 Unternehmungen pro Quartal – diese qualitative Erhebung fliesst dann mit in einen geldpolitischen Entscheid des SNB-Direktoriums unter Thomas Jordan. In der Stellenausschreibung steht, dass der Delegierte ausserdem eine Botschafterfunktion inne hat und die Nationalbank an Veranstaltungen und Gremien vertritt.

Die alte Münz ist getrennt von den übrigen Gebäuden des Hotels.

Die alte Münz ist getrennt von den übrigen Gebäuden des Hotels.

(Bild: giw)

Firmen besuchen und an weinseligen Branchentreffen teilnehmen – das tönt nach einem entspannten Job. Näf winkt lachend ab. «Ich weiss, an was für ein Bild Sie denken.» Er betont, dass es sich hier um eine sehr wichtige Aufgabe handle. «Die Nationalbank ist eine öffentliche Institution. Wir haben ein gesetzliches Mandat, unsere Arbeit zu erklären, und solche Veranstaltungen sind ein gutes Podium dafür.» Ganz generell muss Näf der Wirtschaft und der Politik erklären, weshalb die Nationalbank macht, was sie macht. Man wolle vor allem nicht als Technokraten wirken, die im Elfenbeinturm einsame geldpolitische Entscheide fällen.

Zur Person

Der 61-Jährige Walter Näf studierte Nationalökonomie an der Universität Fribourg. 1991 promovierte er und trat danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter in die Schweizerische Nationalbank ein. Zwischen 1994 und 1997 arbeitete er auf der Schweizer Botschaft in Washington. Zuletzt war er für die Organisationseinheit Internationale Währungsbeziehungen der SNB mit Sitz in Zürich tätig. Der gebürtige Stadtluzerner ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt auch heute noch in der Leuchtenstadt.

Ein Gesicht vor Ort

Diese offene Informationspolitik zeigte Wirkung: «Wir geniessen sehr hohe Glaubwürdigkeit und Vertrauen», sagt Näf. Das erlebt er täglich. Näf ist mit vielen hiesigen Unternehmern per Du, ihm stehen die Türen offen. Die Firmenchefs geben freimütig Auskunft über die wirtschaftliche Situation und Perspektiven ihrer Betriebe, über betriebliche Nöte, Hoffnungen und Sorgen. Oft mehr, als Näf überhaupt direkt wissen muss für seine Quartalsberichte. Informationen aber, die wichtig seien, um ein akkurates Stimmungsbild der Unternehmen einzufangen.

Nicht immer stand die SNB im Rampenlicht. Lange Zeit war die Nationalbank und deren Arbeit kaum im Fokus; was die Institution genau machte, sei vielen nicht so bewusst gewesen. Das änderte sich schlagartig mit dem Ausbruch der globalen Wirtschaftskrise im Jahr 2008. Besonders die Aufhebung des Mindestkurses im Jahr 2015 liess bei Näf das Telefon heiss laufen. «Man wollte wissen, weshalb die Nationalbank das gemacht hat. Und wie es nun weitergeht.» In dieser Situation sei es gut, dass die Nationalbank vor Ort ist, die Leute wollten in dieser Krisenphase ein Gesicht der SNB sehen. «Die persönlichen Beziehungen haben dabei sehr geholfen.»

Unternehmer wittern Morgenluft

Inzwischen habe sich die Situation deutlich entspannt und der Franken gegenüber dem Euro abgeschwächt. Heute liegt der Kurs wieder nahe an der 1.20-Grenze zum Euro. Auch die meisten Kritiker von damals zeigten heute grosses Verständnis für den Entscheid der SNB, den Mindestkurs aufzuheben. Der Delegierte für die Zentralschweiz sagt, er habe eine stabile und gesunde Wirtschaftsregion unter seinen Fittichen. Luzern und die übrigen Zentralschweizer Kantone haben mit Abstand die niedrigste Arbeitslosigkeit in der Schweiz und auch die Konjunktur ist robuster, so Näf. «Das liegt aus meiner Sicht insbesondere an einem im Vergleich zur Gesamtschweiz breiteren Branchenmix.»

Die hiesigen Unternehmer seien nach den Krisenjahren wieder optimistisch für die Zukunft: «Wir haben sehr tüchtige Unternehmer und sehr tüchtige Mitarbeiter. Der Kanton Luzern hat sehr viele KMU, die eigentümergeführt sind und eine hohe soziale Verantwortung an den Tag legen.» Luzern profitiere ausserdem vom Zürcher Wirtschaftsmotor – die vielen Pendler in die Limmatstadt reduzierten das Risiko einer hohen Arbeitslosenquote.

«Die Kantone sind wichtige Aktionäre und sie verstanden nicht, weshalb man bei der Gewinnausschüttung keine Mitsprache hat.»
Walter Näf, Delegierter für regionale Wirtschaftskontakte

Er habe auch während den Krisenphasen, als die Aufträge aus dem Ausland ausblieben und die Arbeit nicht ausreichte, erlebt, dass Entlassungen die Ultima Ratio darstellten. Erst wenn alle anderen Optionen wie Kurzarbeit ausgeschöpft seien, würden die hiesigen Arbeitgeber Mitarbeiter auf die Strasse stellen. «Das spüren die Mitarbeiter. Sie haben sich in schwierigen Situationen für den eigenen Betrieb eingesetzt und sich solidarisiert.» Diese hohe Loyalität helfe der Luzerner Wirtschaft immer wieder.

Zur politischen Unabhängigkeit verpflichtet

Näf erklärt bei seinen Firmenbesuchen nicht nur die Geldpolitik der SNB, sondern hat auch ein offenes Ohr für die Kritik aus Wirtschaft und Gesellschaft an den Entscheiden der wichtigen Institution. Kein Gehör hat Näf für Einmischungsversuche aus der Politik.

Das komme aber kaum vor. «Das Interesse der Zentralschweizer Finanzdirektoren richtet sich natürlich auch auf die Gewinnausschüttung der SNB.» Dabei handelt es sich um namhafte Beträge. Luzern erhält für das Jahr 2017 knapp 64 Millionen, in Zug sind es etwas weniger als 20 Millionen Franken. Lediglich 2013, als die SNB einen grossen Verlust erlitt und der Geldsegen ausblieb, musste Näf sich erklären. «Es gab dann Kritik aus der Politik. Die Kantone sind wichtige Aktionäre und nicht alle verstanden, weshalb sie bei der Gewinnausschüttung keine Mitsprache haben.»

Ein Recht auf Gewinnausschüttung bestehe jedoch nicht – eine Einflussnahme vonseiten der Politik wäre gefährlich. Denn der Geldsegen für Bund und Kantone ist lediglich ein willkommenes Nebenprodukt aus den geldpolitischen Geschäften der SNB. Doch eine Garantie auf Gewinnausschüttungen gibt es nicht. Dazu sind die Finanzmärkte, wo die SNB ihre Aktiven anlegt, viel zu wechselhaft. Die Nationalbank hat den gesetzlichen Auftrag, die Preisstabilität in der Schweiz sicherzustellen – würden die Kantone und die Politik sich ganz generell in die geldpolitische Arbeit der SNB einmischen, wäre dieser Auftrag gefährdet. So haben es die Gesetzgeber selbst bestimmt.

Walter Näft verlässt Luzern in Richtung Paris.

Walter Näft verlässt Luzern in Richtung Paris.

Politische Karriere ausgeschlossen

Umgekehrt mische sich die Nationalbank auch nicht in die politische Debatte der Schweiz ein, soweit nicht Themen betroffen sind, die ihre Geldpolitik betreffen. Zu Neutralität in diesem Sinn verpflichtet ist nicht nur die Institution, auch ihr Zentralschweizer Vertreter hält sich politisch zurück. Obwohl Näf perfekt vernetzt wäre und sich persönlich und beruflich für Politik interessiert, schliesst er eine politische Karriere aus. «Dafür bin ich zu alt. Ausserdem wurde ich nie angefragt und habe ein Amt auch nie gesucht.»

Er sei auch nicht in einer Partei, weil er befürchtet, dass ihm damit manche Türen bei Unternehmern verschlossen bleiben könnten, die selbst ein Mandat für eine andere Partei ausüben. «Ausserdem wäre meine Funktion als neutraler Wirtschaftsbeobachter und meine Botschafterfähigkeit in Frage gestellt», sagt Näf.

Die 14 Jahre in Luzern sind beinahe vorbei, bald arbeitet er in Paris. Das heisst weniger Ausseneinsätze, dafür mehr Schreibtischarbeit. Das werde er vermissen. Sein Nachfolger beginnt im Oktober – Näf kann die Stelle nur empfehlen. «Es ist ein einmaliger Job in der Zentralschweiz.»

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1 Kommentare
  1. Helfenstein Moritz, Schlösslistr. 32A, 6045 Meggen, 04.02.2020, 18:50 Uhr

    Sehr geschätzte Damen und Herren
    Aus der Hinterlassenschaft eines Todesfalles, bin ich im Besitze folgender alter Noten und mir ist nicht bekannt, ob diese noch einen Wert haben und ob man diese z.B. bei der Luz. Kantonalbank umtauschen kann:
    -Fr. 100.00, Serie 77U60146
    -Fr. 50.00, Serie 3970480
    -Fr. 20.00, Serie 75 X / Serie 53 F / Serie 60 L / Serie 105 E / Serie 67 Y
    -Fr. 1′-00, Serie 25R/Serie 31K/Serie Serie 62D / Serie 63C/Serie 69K/Serie 81A/ Serie 82W/Serie85A/Serie 93E/Serie 94X/Serie 97R/Serie 102L

    Zusatzfrage; Es sind auch noch einige alte Reichtsmarknoten vorhanden. Haben die noch einen einen Wert und wenn ja, wo könnte man diese eintauschen?

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