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«Den Kindern wurden die Znünibrote geklaut»
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Das hat sich Thomas Kälin anders vorgestellt: Der kleine Steingarten ist zu einem Zuhause für eine Rattenfamilie geworden. Insgesamt tummeln sich im Eichwäldli 400 bis 600 unerwünschte Nager. (Bild: azi)

Rattenplage im Eichwäldli «Den Kindern wurden die Znünibrote geklaut»

3 min Lesezeit 20.07.2015, 05:00 Uhr

Sie sind rotzfrech und haben jegliche Scheu vor den Menschen verloren: In der Luzerner Allmend sind Ratten zur Plage geworden. Sie klauen, nagen Scheunen an und stürzen sich auf den Kompost der Quartierbewohner. Das soll nun ein tödliches Ende finden.

«Sie sind einfach überall», sagt Thomas Kälin vom Strasseninspektorat der Stadt Luzern. «Wir müssen die Fenster und Türen den ganzen Tag geschlossen halten, sonst bringen wir sie nicht mehr aus dem Depot.» Damit meint er die 400 bis 600 Ratten, die sich derzeit rund um das Eichwäldli bei der Allmend eingenistet haben – und den Leuten das Leben schwermachen.

«Als wir eine davon aus dem Depot vertreiben wollten, hat sie uns angefaucht wie eine Katze.» Denn: Ratten sind soziale Tiere, wenn sie nicht mehr flüchten können, greifen sie an – und holen sich Hilfe. «Da ist man ruckzuck von 20 oder 30 Tieren umzingelt», weiss Kälin.

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Die unerwünschten Nager seien zu einer Plage geworden und haben offenbar jegliche Scheu vor den Menschen verloren. «Den Kindern der Waldspielgruppe wurden Znünibrote geklaut. Und auch wir können nicht mehr draussen essen, ohne dass die Ratten uns gierig beobachten», erzählt Kälin zentral+ bei einem Augenschein vor Ort. Und tatsächlich: Überall knistert und raschelt es, immer wieder huschen Ratten in Windeseile vorbei und verschwinden in einem der zahlreichen Löcher.

«Bei den Tieren handelt es sich um ausgesetzte Laborratten.»
Stefan Egli, Schädlingsbekämpfer 

Gefundenes Fressen

«Kein Wunder, wimmelt es hier von Ratten», sagt ein Spaziergänger, der seine Hunde regelmässig im Eichwäldli ausführt. «Überall gibts was zu fressen.» Damit hat er nicht unrecht. Beim Depot des Stasseninspektorats wird der Kompost des Quartiers, aber auch der Kehricht aus den Abfalleimern in Containern zwischengelagert. Gefundenes Fressen für die Ratten – ohne überhaupt suchen zu müssen. Auch bei ihm im Keller hätten sich Ratten getummelt, Tetrapackungen, sogar Seifen seien angenagt worden.

Doch die vielen Abfälle sind nicht die einzige Ursache der Rattenplage seit Anfang Jahr. Das sagt Stefan Egli von der Firma Rentokil, die Schädlinge bekämpft. Am Freitag wird sein Team auch den Ratten im Eichwäldli den Garaus machen. «Bei den Tieren handelt es sich um ausgesetzte Laborratten», meint er. Diese hätten sich vermehrt und sich teilweise mit unseren heimischen Ratten gekreuzt. Das erkenne er an der unüblichen Färbung des Fells der Tiere, sie seien teilweise gar weiss-braun gefleckt.

2’500 Franken zur Beseitigung

«Man kann in der Allmend schon von einer Rattenplage sprechen», sagt Egli weiter. «Gerade weil es sich um gezüchtete Ratten handelt, die keine Angst vor den Menschen haben.» Es müsse etwas unternommen werden, da sind sich Kälin und Egli einig. «Wer weiss, was da noch passieren könnte», so Kälin. Gerade da sich regelmässig Kinder im Wald aufhalten, wolle man nichts riskieren. Auch wenn es bisher noch nicht zu einem Biss gekommen sei.

«Hundebesitzer brauchen keine Angst zu haben.»
Stefan Egli 

Rund 2’500 Franken kostet die «Beseitigung» der Ratten mittels Giftfallen. «Hundebesitzer brauchen keine Angst zu haben», betont Egli. Nur Ratten würden aus den speziellen Behältern fressen können. «Ausserdem müssten Hunde mehr als 10 Prozent ihres eigenen Körpergewichts an Gift zu sich nehmen, damit eine Gefahr besteht.» Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte den Vierbeiner wohl trotzdem besser an der Leine führen. Besonders wichtig sei, dass die Quartierbewohner keine Abfälle liegen lassen, so Egli.

Sie höhlen alles aus

«Das haben wir uns anders vorgestellt», lacht er und zeigt auf den kleinen Steingarten, den die Leute vom Strasseninspektorat erst kürzlich angelegt haben. Es sollte ein Zuhause für Salamander, Insekten und Spinnen werden, «doch nun ist eine Familie eingezogen, die wir nicht so mögen, weil sie keine Miete bezahlt.» Es ist ein ganzes Nest voller Ratten. Kälins Fuss versinkt in der Erde, während er uns den Eingang zeigen will. «Sie haben unterirdische Gänge gebaut. Das machen sie überall.» Auch in der nahe gelegenen Scheune im Eichwäldli sieht es ähnlich aus. Das Holz ist angenagt, überall sind Löcher in der Erde zu sehen.

Die unerwünschten Nager knabbern gar die Scheune an.

Die unerwünschten Nager knabbern gar die Scheune an.

(Bild: azi)

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