Den Bonus können die Chauffeure der Verkehrsbetriebe Luzern vorerst vergessen
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Die VBL-Lohnsystematik soll auf Herz und Nieren geprüft werden. (Bild: red.)

Wegen Subventionsstreit und Coronakrise Den Bonus können die Chauffeure der Verkehrsbetriebe Luzern vorerst vergessen

4 min Lesezeit 3 Kommentare 27.05.2021, 05:00 Uhr

Das finanziell harte Coronajahr und der «Fall VBL» zwingen die Verkehrsbetriebe Luzern zu unangenehmen Blicken in den Spiegel. Eines der brennendsten Themen, das der Verwaltungsrat nun diskutieren will: das Boni-System der VBL. Eine mögliche Abschaffung von Boni-Zahlungen – auch an das Kader – soll kein Tabu sein.

Die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) befinden sich derzeit in unruhigen Gewässern. Zum einen, weil noch völlig unklar ist, was das bevorstehende Gerichtsverfahren um rund 22 Millionen Franken an Subventionsgeldern für die VBL bedeuten werden (zentralplus berichtete).

Zum anderen, weil das Coronajahr 2020 der ÖV-Branche insgesamt hart zusetzte und die VBL dabei keine Ausnahme bilden. Die Zahl der Fahrgäste nahm um rund 30 Prozent ab, was letztlich in einem Jahresverlust von 7,2 Millionen Franken resultierte, wie im kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht 2020 der VBL zu erfahren war (zentralplus berichtete).

Wie diese zwei Faktoren sich auf die Zukunft des Unternehmens auswirken werden, kann heute höchstens spekuliert werden. Im Hier und Jetzt haben diese beiden Umstände aber durchaus bereits Konsequenzen – zumindest für das Personal.

Es wird wohl auch 2022 keinen Bonus geben

Mit der Veröffentlichung des Geschäftsberichtes 2020 gaben die VBL bekannt, dass die Geschäftsführung freiwillig auf variable Entschädigungen – sprich ihren Bonus – verzichten würde. Intern hatte man dies der Belegschaft mit rund 500 Vollzeitstellen bereits im März kommuniziert. Damals mit dem Verweis darauf, dass die Geschäftsleitung dies aus Solidarität gegenüber dem Personal mit einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) tue, welches aufgrund der Krise keinen Bonus erhalten würde (zentralplus berichtete).

Nun braucht es keinen Hellseher, um zu erahnen, dass die Konzernrechnungen im ÖV-Bereich für das Jahr 2021 ebenfalls nicht goldig ausfallen werden. Es liegt deshalb nahe, dass der Rechnungsabschluss der VBL den Verwaltungsrat auch nächstes Jahr nicht dazu bewegen wird, eine Bonuszahlung für die Belegschaft abzusegnen.

Mit genau diesem Szenario rechnet die Geschäftsleitung der VBL, wie einem Dokument das zentralplus vorliegt, zu entnehmen ist. Die Belegschaft wird darin bereits «vorgewarnt», dass für jenes Personal mit einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) wohl auch 2022 kein Bonus herausschauen dürfte.

Bonus variiert zwischen 0 und 2’500 Franken

Der Bonus für die Belegschaft fiel in den vergangenen Jahren unterschiedlich hoch aus, wie die VBL auf Anfrage bestätigen. In den vergangenen Jahren hatte das gesamte GAV-Personal demnach jeweils einen Durchschnittsbonus von zirka 1‘000 bis 1‘500 Franken pro Jahr bekommen.

Dieser Betrag variierte jedoch zwischen 0 und 2‘500 Franken, da der Bonus eine Leistungs- und Verhaltensabhängigkeit beinhalte. Heisst, mit guten Leistungen oder einwandfreiem Verhalten können Mitarbeitende ihren Bonus erhöhen oder eben vermindern. Dies sei ein Teil des Anreizsystems der Firma.

Gemäss dem aktuellen Gesamtarbeitsvertrag zwischen der VBL und dem Personalverband der Verkehrsbetriebe Luzern und dem Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) ist die Gewährung eines Bonus zudem freiwillig. Ein solcher kann denn auch nur gewährt werden, wenn der Verwaltungsrat aufgrund des guten finanziellen Unternehmensergebnisses die Ausschüttung eines Bonus gutheisst.

Wichtige Verhandlungen stehen an

Die Konzernführung will nun abwägen, ob dem GAV-Personal künftig überhaupt noch solche Boni ausbezahlt werden können und sollen, wie dem vorliegenden Dokument weiter zu entnehmen ist. Diese Überlegungen sind insofern brisant, als 2022 bei der VBL die nächste Runde der GAV-Verhandlungen mit Gewerkschaft und Personalvertretern anstehen. Eine mögliche Abschaffung des Bonus werde Gegenstand der GAV-Verhandlungen im kommenden Jahr sein, informiert die VBL-Geschäftsleitung ihre Mitarbeiter.

In diesem Zusammenhang relevant: Die VBL-Führung und auch der Stadtrat sprachen sich gegen eine Personalvertretung im Verwaltungsrat der VBL aus – eine solche forderten zunächst die Gewerkschaften (zentralplus berichtete). Die Forderung kam danach auch im Grossen Stadtrat auf und das Stadtparlament verpflichtete den Stadtrat letztlich dazu, Möglichkeiten einer solchen Vertretung zu prüfen – allerdings wird mit der Umsetzung wohl zugewartet (zentralplus berichtete).

Auch Geschäftsleitungs-Boni kommen aufs Tapet

Es ist aber nicht nur der Bonus für die GAV-Belegschaft, der möglicherweise gestrichen werden soll. Stattdessen müssten die variablen Lohnbestandteile bei allen Personenkategorien hinterfragt werden. Dies betrifft in erster Linie die Mitglieder der Geschäftsleitung.

Deren Lohn beinhaltet einen Bonus der erfolgs- und zielabhängig ist. Zwischen 2015 und 2019 kassierte die sechsköpfige-Geschäftsleitung um Direktor Norbert Schmassmann rund 395’000 Franken an solchen «variablen Vergütungen». Wie das Boni-System der VBL funktioniert, liest du hier:

Das Lohnsystem der VBL gab schon in der Vergangenheit Anlass für öffentliche Diskussionen und Kritik (zentralplus berichtete). Es gelte nun die Gelegenheit zu nutzen, um «die Lohnsystematik über die gesamte Unternehmung ganzheitlich und grundsätzlich anzuschauen. Es ist klar, dass nur eine umfassende Gesamtschau über alle Personalkategorien Sinn macht», heisst es im vorliegenden Dokument weiter.

Überprüfung im Sommer

Zu diesem Zweck werde der Verwaltungsrat sich in seiner nächsten Klausur im Sommer mit dieser Thematik befassen und allenfalls eine Überprüfung der VBL-Lohnsystematik ins Auge fassen. Der neue Verwaltungsrat habe sich zum Ziel gesetzt, die gesamte Entschädigungssystematik bei den Verkehrsbetrieben Luzern zu überprüfen, bestätigen die VBL auf Anfrage. 

Der Verwaltungsrat würde damit eine Pendenz aufgreifen, die der vorherige Verwaltungsrat bereits angestossen habe. Demnach wollte schon dieser bei den Lohnregelungen für die Mitglieder der Geschäftsleitung über die Bücher gehen. Im Streit mit dem Stadtrat ist dieser VR jedoch vergangenen November zurückgetreten (zentralplus berichtete).

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3 Kommentare
  1. Gery Weber, 27.05.2021, 13:50 Uhr

    Eine variable Lohnkomponente von maximal 2500.- im Jahr, die auf der individuellen Leistung und dem Verhalten beruht, hat doch mit einem Bonus im klassischen Sinn nichts zu tun. Hier handelt es sich eher um eine Lohnzulage, während ein Bonus ans Management mit Umsatz und Gewinnerreichung kongruent geht. Bitter, wenn das Personal eine gute Leistung erbringt und für die Gier ihrer Manager bestraft wird.

  2. Jaap Super, 27.05.2021, 13:18 Uhr

    Jahrelang hat sich die Geschäftsleitung der Verkehrsbetriebe Luzern reichlich mit Steuergeldern bedient. Der Verwaltungsrat hat alles abgesegnet und der Stadtrat hat stillschweigend und tatenlos zugeschaut. Mit Fehlinvestitionen wie eine Luxus-Carflotte und einem ausserkantonales Hotelinvestment hat CEO Schmassmann die Verkehrsbetriebe Luzern in eine finanzielle Schräglage gebracht. Jetzt sollen die armen Chauffeure die Zeche bezahlen. Die Akteure sollten sich zutiefst schämen und die Konsequenzen ziehen. Das tun Sie leider nicht und spielen stattdessen die beleidigte Leberwurst.

  3. Roli Greter, 27.05.2021, 07:31 Uhr

    Das Bonussystem schafft keine Anreize zu guten Leistungen beim GAV-Personal; Kontingente verhindern dies.

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